Coat of ArmsIn search of a Masonic future - Auf der Suche nach freimaurerischer Zukunft


By Helmut Reinalter

Review of a Paper published in the

Newsletter of the Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

On Oct 6, 2018

(by Bro. Vincent Lombardo)

Taken from the February 21, 2019, issue of the Newsletter of the Grand Lodge of AF&AM of Germany.   Discussed at the First Symposiums about the future value of the fraternity, held in Leipzig. By Prof. Dr Helmut Reinalter.

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From the Webmaster: "By way of introduction."

Many questions and soul-searching have preoccupied the Freemasons in the past few decades regarding the future of Freemasonry, first experiencing a steady decline in their numbers, and, more recently, trying to find their identity, purpose, and their role in society. In the regions where this decline appears unstoppable, their leaders go around aimlessly like chickens with their head cut off, finding no solutions, or proposing absurd and fruitless measures — their Freemasonry's place in society does not even cross their mind. In the (very few) prospering regions, they do not care about numbers, although on a steady rise, and, after having perfected their lodge experience, are now preoccupied with finding for their art and culture an active place in society. Their Freemasonry's place in society has already been discussed and the decision taken to make Freemasonry active in and partaker in their segment of society, despite the ancient tenet prohibiting Masons, as a lodge or Grand Lodge to engage, as such, in politics and religious matters. A heightened sense of civic, moral, and human duty has found favor and championship among these Freemasons, especially in Germany.
 Let us have Bro. Helmut Reinalter tell us about it:


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Am 6. Oktober 2018 fand im Logenhaus der Bauhütte "Minerva zu den drei Palmen" in Leipzig ein spannendes Zukunftsgespräch statt, in dessen Rahmen verschiedene aktuelle und substanzielle Themen zur Zukunft der Freimaurerei diskutiert und vertieft wurden. Bei allen Beiträgen der insgesamt 20 Teilnehmer des Symposiums aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ging es um die Bedeutung und Weiterentwicklung dieser Themen für die Freimaurerei. Das Themenraster wurde von Br. Helmut Reinalter aus Innsbruck entwickelt, der im Anschluss an die Präsentation seines gerade erschienenen Buches über "Die Zukunft der Freimaurerei" auch das Gespräch leitete und im Folgenden eine Zusammenfassung seines Impulsreferates und der Debatte auf dem Symposium gibt.

Erstmals in der Geschichte der Menschheit steht diese vor gewaltigen Umwälzungen, die tief in die Natur des Menschen und des Planeten einschneiden. Die Tragweite der sozioökonomischen, technologischen, ökologischen und geomorphologischen Veränderungen könnte heute nicht größer sein. Unser Leben wird sich in allen Bereichen der Gesellschaft grundlegend verändern. Es bilden sich postindustrielle Gesellschaften als Folge der Umwälzungen im Zeichen des demographischen Wandels, der neuen Technologien und der medizinischen Errungenschaften heraus, und es entstehen auch neue Gesellschaftsmodelle, mit denen sich die Freimaurerei in Zukunft kritisch auseinandersetzen muss. Moderne Sozialsysteme wandeln sich zunehmend in Risikogesellschaften, die neue ethische Maßstäbe erfordern, wie z. B. globale Ethiken. Die Globalisierung verändert die Demokratie, zumal in einer Zeit tiefgreifender Wandlungsprozesse und komplexer werdender gesellschaftlicher Entwicklungen sowie durch den Neoliberalismus Demokratien an die Grenzen ihrer Effektivität stoßen. Sie zeigen sich technisch als leicht verletzbare Systeme. Weltpolitik und Weltwirtschaft benötigen dringend eine ethische Grundorientierung, um eine im Sinne der Freimaurerei friedlichere und humanere Welt zu ermöglichen.

Zweifelsohne ergeben sich aus diesen Wandlungsprozessen und ihren Folgen wichtige neue Aufgabenfelder, für die ein dringender globaler Handlungsbedarf besteht:


• Die Errichtung einer globalen Rechts- und Friedensordnung zur Überwindung der globalen Gewaltgemeinschaft,
• die Herstellung eines fairen (gerechteren) Handlungsrahmens für die globale Kooperationsgemeinschaft, der die Sicherung der sozialen und ökonomischen Mindestkriterien umfasst, und
• die Klärung bzw. Konkretisierung jener Probleme, die durch Hunger, Armut und Migration entstanden sind.

Auf den Punkt gebracht, bedeutet dies globale Gerechtigkeit, globale Solidarität und globale Humanität.

Diese großen Herausforderungen führen notwendigerweise zu künftigen Aufgaben der Bruderkette, die möglichst bald in Angriff genommen werden müssen, um die Freimaurerei auch als geistige Bewegung bedeutender zu gestalten. Eine ausschließlich ästhetisch-esoterische Verinnerlichung und der Rückzug auf Ritualistik und Symbolik sind zwar für die Bruderkette wichtig, schwächen sie aber gesellschaftspolitisch. Um dies zu verhindern, ist es dringend erforderlich, auf der Grundlage einer fundierten Analyse der geistigen und gesellschaftlichen Entwicklung unserer Gesellschaft das Engagement der Brüder zu unterstützen und einen Denkprozess einzuleiten, um zu erreichen, dass die Brüder jenseits von Parteipolitik eine Kurskorrektur der gesellschaftlichen Entwicklung beeinflussen können. Die Freimaurerei sollte sich als ethische Wertegemeinschaft und als humanes Verhaltensmuster dieser Verantwortung stellen. Es geht hier vor allem um eine Verantwortung für die Gesellschaft von morgen, gemäß den Ritualworten: "… wie hier im Tempel durch das Wort, im Leben durch die Tat walten zu lassen."

Für die Freimaurerei heißt dies, sich um ihre tragenden, substanziellen Kategorien neu zu kümmern, nämlich um


• die Selbstverpflichtung, an der sich der Br.: zu messen hat,

• die Entfaltung einer geistigen Haltung, eines Habitus, dessen Ausprägung sich im Diskurs (Diskursethik) gestaltet,

• die Entwicklung einer Philosophie als Lebenskunst (Königliche Kunst) eine neue ethische Orientierung am dynamischen Wandlungsprozess der Gesellschaft unter globalem Maßstab (Weltethos),
• eine aktive Toleranz und nicht eine passive Duldung,
• eine "reflexive" Aufklärung als neues Aufklärungsdenken,

• die Freimaurerei als Idee und gemeinschaftliche Praxis lebendig zu halten,
• eine verstärkte Verpflichtung zu praktischer Humanität und gesellschaftspolitischem Engagement,
• eine lebendige Gestaltung der Brüderlichkeit mit interessanten Baustücken und
• eine aufklärerische, ideologiekritische Haltung sowie das Eintreten für eine "offene Gesellschaft".

Die Themenschwerpunkte wurden von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen intensiv diskutiert. Hier nun die Ergebnisse dieses Diskurses. Ein Umfrageergebnis über den Werterahmen in Österreich ergab ein interessantes Ergebnis: 81% der befragten Menschen antworteten, dass Werte im Alltag sehr wichtig sind und nur 19% waren der Meinung, dass Werte wenig Bedeutung haben. Konkret wurde über die Weiterentwicklung und Vertiefung des freimaurerischen Werterahmens gesprochen:

• Eine verstärkte Verpflichtung zum Aufklärungsdenken, zumal die Werte der historischen Aufklärung heute nach wie vor sehr aktuell sind, sie müssen nur für die Zukunft weiterentwickelt werden.
• Eine Verpflichtung zur praktischen Humanität, zu Solidarität und Empathie.
• Eine aktive Toleranz, Respekt für die Andersdenkenden und die Ablehnung des Fundamentalismus.
• Das Eintreten für Menschenwürde und Menschenrechte in Wort und Tat.
• Eine Neuinterpretation der Königlichen Kunst als Philosophie der Lebenskunst.
• Annäherung an eine besondere Gesprächsform, die durch den Dialog mit anderen dem Leben einen Sinn geben kann.
• Die Entwicklung des brüderlichen Gesprächs zu einer Diskursethik, eine Das Symbol des "großen Baumeisters" und das Verhältnis zur Religion sind neu zu überdenken.

In der Diskussion wurde besonders darauf hingewiesen, die "Alten Pflichten" für die Zukunft verständlicher zu formulieren.

Neben dem Werterahmen der Freimaurerei, der in der Diskussion einen breiten Raum einnahm, wurden weitere, für die Freimaurerei aktuelle Themen zur Diskussion gestellt, insbesondere gesellschaftspolitische Probleme und das Verhältnis der Bruderkette zur Gesellschaft und zur Öffentlichkeit. Im Detail ging es hier um die Möglichkeit einer intelligenten Öffentlichkeitsarbeit, um eine verstärkte Diskussion über brisante gesellschaftliche Wandlungsprozesse, wobei vor allem die Bekämpfung der Verrohung der politischen Kultur, die Demokratiemüdigkeit, repressive Tendenzen in der Politik und Gesellschaft, die Menschenrechte und als Ergänzung dazu die Menschenpflichten, die Flüchtlingskrise, die Klimakatastrophe und ihre Folgen, der Populismus, der Terrorismus, der Islamismus, die ethischen Folgen der Künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung, der Transhumanismus, der Neoliberalismus, ein neuer Bildungsbegriff und der Überwachungskapitalismus im Zentrum der Debatte standen. Die Freimaurerei wurde als gesellschaftlicher Katalysator charakterisiert, worunter der indirekte oder direkte Einfluss der Bruderkette auf die Gesellschaft gemeint ist. Die Freimaurerei als mögliches Konfliktlösungsmodell kam auch zur Sprache. Weitere Themenbereiche befassten sich auch mit Männerbünden und der Frauenfrage, in der eine liberalere Haltung gefordert wurde, und mit Strategien gegen den Antimasonismus und die vielen absurden Verschwörungstheorien. Kontrovers diskutiert wurden die masonischen Zentralbegriffe Regularität und Irregularität, wobei besonders über Neudefinitionen und Grenzziehungen gesprochen wurde. Besonders kritisch überprüft werden sollten Kriterien der Ausgrenzung. Gefordert wurde in diesem Zusammenhang eine stärkere kooperative Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Richtungen der Freimaurerei. Auch die Bedeutung der Arkandisziplin und des angeblichen freimaurerischen Geheimnisses wurden aus heutiger Sicht betrachtet. Eine Entmythologisierung wäre hier zweifelsohne angebracht.

Im Prozess der Suche nach der freimaurerischen Zukunft hat dieses fundierte Gespräch einen wichtigen Beitrag geleistet. Darin waren sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einig. Um die erarbeiteten Vorschläge auch Schritt für Schritt umzusetzen, braucht es fundiertes Wissen, Mut, Gestaltungsfreude und produktive Zusammenarbeit. Der geistige Wettbewerb um die Gestaltung des 21. Jahrhunderts ist bereits angelaufen. Die Freimaurerei sollte als geistiger Impulsgeber in der Debatte über die Situation der Zeit nicht passiv zuschauen, sondern sich aktiv mit Fragen nach Werten, Tradition und Identität in den Logen bemühen.

 

On 6 October 2018, an exciting discussion on the future took place in the loge house of the Lodge "Minerva zu den Drei Palmen" in Leipzig, during which various current and substantial topics on the future of Freemasonry were discussed and heightened. All contributions of the 20 participants of the symposium from Germany, Austria and Switzerland dealt with the importance and further development of these topics for Freemasonry. The topic framework was developed by Br. Helmut Reinalter from Innsbruck, who, following the presentation of his recently published book on "The Future of Freemasonry," also led the discussion and gives below a summary of his keynote address and of the debate at the symposium.

For the first time in the history of mankind, Freemasonry is facing enormous upheavals that deeply intersect with the nature of man and the planet. The scope of socio-economic, technological, ecological and geomorphological changes could not be greater today. Our lives will change fundamentally in all areas of society. Post-industrial societies are emerging as a result of the upheavals of demographic change, new technologies and medical achievements, and new social models are emerging, with which Freemasonry will have to deal critically in the future. Modern social systems are increasingly transforming into risk-societies that require new ethical standards, such as, for example, global ethics. Globalization is changing democracy, especially since in a time of far-reaching processes of change and increasingly complex social developments as well as neoliberalism, democracies are reaching the limits of their effectiveness. Technically, they show up as easily vulnerable systems. World politics and world economy urgently need a basic ethical orientation in order to enable a more peaceful and humane world in the sense of Freemasonry.

There is no doubt that these transformation processes and their consequences create important new areas of responsibility for which there is an urgent need for global action:


• The establishment of a global legal and peace order to overcome the global community of violence,
• establishing a fairer (more just) framework for action for the global cooperation community, including the safeguarding of minimum social and economic criteria, and
• the clarification and/or concretization of those problems that have arisen through hunger, poverty, and migration.

In a nutshell, this means global justice, global solidarity, and global humanesses.

These great challenges necessarily lead to future tasks of the "Bruderkette" [fraternal chain of union], which must be tackled as soon as possible in order to make Freemasonry more important as a spiritual movement. An exclusively aesthetic-esoteric internalization and the retreat to ritualistics and symbolism are important for the brother chain, but weaken it socio-politically. In order to prevent this, it is urgently necessary to support the commitment of the brothers on the basis of a sound analysis of the spiritual and social development of our society and to initiate a thought process in order to enable the brothers to influence a course correction of social development beyond party politics. Freemasonry should face up to this responsibility as an ethical community of values and as a humane pattern of behavior. It is above all a question of responsibility for the society of tomorrow, according to the ritual words: "... as here in the temple through the word, in life through action."

For Freemasonry, this means to look at its supporting, substantial categories anew, namely:


• the commitment by which the brother: has to be measured,
• the development of a mental attitude, a habit, the expression of which is shaped in the discourse (discourse ethics),
• the development of a philosophy as an art of life (Royal Art) a new ethical orientation to the dynamic process of transformation of society on a global scale (world ethos),

• an active tolerance and not a passive toleration,
• a "reflexive" enlightenment as a new enlightenment thinking,
• to keep Freemasonry alive as an idea and common practice,
• an increased commitment to practical humanity and socio-political engagement;
• a lively design of fraternity with interesting building pieces and
• an enlightening, ideologically critical attitude as well as the advocacy of an "open society".

The topics were discussed intensively by the participants. Here are the results of this discourse. A survey result on the value framework in Austria yielded an interesting result: 81% of the people surveyed answered that values are very important in everyday life and only 19% felt that values have little meaning. In concrete terms, the further development and deepening of the Masonic value framework was discussed:

• An increased commitment to enlightenment thinking, especially since the values of the historical Enlightenment are still very topical today, they only need to be further developed for the future.
• A commitment to practical humanity, solidarity and empathy.
• An active tolerance, respect for dissenters and the rejection of fundamentalism.
• The commitment to human dignity and human rights in word and deed.
• A reinterpretation of Royal Art as a philosophy of the art of living.
• Approaching a special form of conversation that can give meaning to life through dialogue with others.
• The development of the fraternal conversation into a discourse ethic, a symbol of the "great builder" and the relationship to religion must be reconsidered.

Particular emphasis was made in the discussion on making the 'Old Duties' more comprehensible for the future.

In addition to the framework of values of Freemasonry, which took up a large part of the discussion, other topics that are topical for Freemasonry were discussed, socio-political problems in particular, and the relationship of the fraternal chain of union to society and the public. In detail, it was about the possibility of an intelligent public relations work, about an intensified discussion about explosive processes of social change, in particular the fight against the brutality of political culture, democratic fatigue, repressive tendencies in politics and society, human rights and, as a complement, the human obligations, the refugee crisis, the climate catastrophe and its consequences, populism, terrorism, Islamism, the ethical consequences of artificial intelligence and digitization, transhumanism, neoliberalism, a new concept of education and surveillance capitalism were at the center of the debate. Freemasonry was characterized as a social catalyst, by which is meant the indirect or direct influence of the fraternal chain of union on society. Freemasonry as a possible conflict resolution model was also discussed. Other topics also dealt with men's associations and the women's question, in which a more liberal attitude was called for, and with strategies against anti-masonism [Anti-Masonic Movement] and the many absurd conspiracy theories. The central Masonic terms of regularity and irregularity were controversially discussed, with particular emphasis on redefinitions and boundary demarcations. Criteria of exclusion should be particularly critically reviewed. In this context, a stronger cooperative collaboration between the various directions of Freemasonry was called for. The importance of Arcane discipline and the alleged Masonic secret were also considered from today's point of view. Demythologization would undoubtedly be appropriate here.


This well-founded conversation has made an important contribution to the process of searching for the Freemason future. The participants agreed on this. In order to implement the developed proposals step by step, it is needed in-depth knowledge, courage, creativity and productive cooperation. The intellectual competition to shape the 21st century has already begun. Freemasonry, as a spiritual source of inspiration, should not watch passively in the debate about the situation of the time, but rather actively endeavor in the lodges to answer questions about values, tradition, and identity.



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