Abschrift
des Karl Christian Friedrich Krause's Buches
Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft
zusammengestellt, überarbeitet und ins Englische übersetzt
aus Google Books
von Bruder Vincent Lombardo
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Zwar ist ansich selbst die Wahrheit Eigenthum aller Geister, und nur insofern auch das meinige, als sie das Eigenthum Aller ist: allein, da ich die in vorliegender Schrift ausgesprochnen Wahrheiten frei und selbstständig erforscht und dargestellt habe, ohne sie als schon angeschaute und in Worte gestaltete Wahrheit im Innern der Brüderschaft vorgefunden, ohne sie weder aus einem Logenarchive, noch aus den Papieren oder mündlichen Belehrungen eines Bruders oder sonst Jemandes, entlehnt zu haben; so erkläre ich hiermit offen und bestimmt: daß ich die vorstehenden Grundsätze, sowie meine ganze geschichtliche und vernunftmäßige Würdigung der Brüderschaft, als meine eignen, durch selbständige Forschung, frei und rein in mir selbst entstandnen Überzeugungen mittheile.
Ich bin in Ansehung der Ideen des Menschheitlebens und des Menschheitbundes, und in Ansehung der Bestimmung des Verhältnisses der Freimaurerbrüderschaft zu ihnen, sowie in Betracht der Forderung, daß die Brüderschaft vonnunan ein ofnes, neugebildetes Institut werden solle, endlich auch in Bearbeitung der drei Kunsturkunden in diesem Geiste, nicht Schüler irgend eines Bruders, irgend einer Loge oder Großen Loge, noch der ganzen Brüderschaft, noch irgend eines Menschen außer ihr. Ich Verdanke diese Einsichten weder einer gedruckten, noch handschriftlichen oder mündlichen, Belehrung; kein enger =XXIX= Bund, keine hohen Oberen haben mich gesandt oder gelehrt, oder wirken durch mich als ihr Organ; auch Keiner meiner Freunde hat diese Ideen in mir geweckt oder zur Reife bringen helfen. Ich lege alles Dieß der Brüderschaft als völlig Neues vor, was ihren gegenwärtigen Zustand weit übersteigt, und was sie erst frei zu dem Ihrigen machen muß. Auch habe ich selbst ganz allein den Plan zu vorliegender Schrift entworfen, und ihn selbständig ausgeführt; ich selbst habe dieß Buch geschrieben, kein Zweiter, Dritter, – keine Gesellschaft mit mir oder durch mich.
Meine Grundüberzeugungen über die Menschheit, ihr Leben als Eines geselligen Ganzen, und über den ihr, als Ganzleben, gewidmeten Menschheitbund, sind in mir die Frucht eines viel jährigen, ununterbrochnen Studium der Wissenschaft, der Kunst und der Geschichte, welchem ich, mit Hintansetzung aller aüßeren Vortheile, bishieher mein Leben geweiht habe. Die reinen Vernunftwissenschaften in ihrem ganzen Umfange, und in den verschiedenen Gestalten, welche sie zu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern gewonnen, soweit ich sie bei redlichem Streben überschauen lernte; die Kunst in allen ihren Werken, deren Anschauung ich mich theilhaftig machen konnte, und die Kenntniß der Menschheitgeschichte, soweit ich sie zu überblikken vermochte, verbunden mit eigner, selbstthätiger Forschung, haben mich jene Ideen, ihren Gliedbau, ihre allgemeinen Ansprüche und Wirklichkeit, und zwar ihre ganz bestimmten Ansprüche, von der jetztlebenden Menschheit wirklich gemacht zu werden, gelehrt. Diese Einsichten- und Anschauungen hatte ich mir im Wesenlichen schon erworben, ehe ich Bruder Freimaurer wurde; ich wurde Dieß vielmehr, um zu sehen, ob etwa diese Brüderschaft auf die Darstellung dieser Ideen hinstrebe; und wenn sich meine Einsichten in jene wesenlichen Ideen und in die Art ihrer Ausführbarkeit, während ich Mitglied der Brüderschaft war, erweiterten und berichtigten, so lag hiervon weder Grund, noch bejahende Veranlassung, in der Brüderschaft; vielmehr gieng Dieß aus meinem fortgesetzten Studium der Wissenschaft und der Kunst hervor, und aus der gereifteren Kenntniß des gegenwärtigen Menschheitlebens.
Ich sage dieß Alles nicht um eines eiteln Ruhmes willen, sondern um zu zeigen: daß ich ein volles, unbeschränktes Recht habe, meine Überzeugungen =XXX= über die erwähnten Gegenstände alles Brüdern, und sonst allen Menschen, so frei und offen mitzutheilen, als es mein Gemüth und mein Gewissen verlangt. Ansich aber gilt es mir völlig gleich, und macht mir gleichviel Freude, ob etwas Wahres, Gutes und Schönes zuerst durch Andere, oder durch mich, an's Licht gebracht wird.
Zwar hat die Ideen der Menschheit und ihres Lebens, als Eines organischen, wohlgegliederten Ganzen, soweit mir die Literatur der europäischen Völker bekannt ist, vor mir noch Niemand, in oder außerhalb der Brüderschaft, mit Klarheit, im Ganzen und in allen inneren Theilen dargestellt; noch Niemand die Gültigkeit dieser Ideen für unsere Zeit gezeigt, noch einen Plan mitgetheilt, wie sie jetzt in das Leben eingehen können; insbesondere hat noch Niemand die Idee des höchsten, wesenlichsten Bundes der Menschheit, auch nur in den ersten Anfängen, angedeutet. Doch glaube ich deßhalb keinesweges, daß nicht auch Andere diese Überzeugungen mit mir zugleich schon haben können; noch viel weniger, daß ich unter den Zeitgenossen der allein Fähige sei, sie zu erwerben. Vielmehr liegen diese Gegenstände dem Menschen so nahe, daß es wunderbar scheint, wie diese Lehren so lange unentwikkelt geblieben sind. Ich sage Nichts weiter, als daß ich diese Einsichten frei und selbständig gewonnen und gestaltet habe; es würde mich innig erfreuen, wenn ich erfahren sollte, daß auch Andere vor und mit mir diese Ideen erkannt und in ihnen gelebt haben, oder wenn recht viele Mitlebende mir sagten, daß Dieß auch ihre Überzeugungen seien, daß auch sie zur Ausführung derselben im Leben mitwirken wollen. Ich würde jede Veranlassung benutzen, mich mit Gleichgesinnten zu vereinigen; die Wahrheit würde durch die vermehrte Anzahl ihrer Verehrer mehr aüßere Kraft gewinnen; – wir würden, gesellig vereint, erfolgreicher für alles Das wirken können, was wir als wahr, gut und schön verehren, und wovon wir das Heil der Menschheit hoffen.
Was ich frei und selbständig als wahr erkannte, das stelle ich aus reinem, freien Triebe, aus eignem Willen und Entschlusse, bloß aus Liebe und aus Pflichtgefühl hier dar; und zwar zunächst hier für die Brüderschaft, weil ich weiß, daß ich auch in ihr schon vorbereitete Geister, schon gleichgestimmte Gemüther finde. Den Entschluß, überhaupt für die Freimaurerbrüderschaft zu wirken, und =XXXI= insbesondere, die vorliegende Schrift zu schreiben, und allen Brüdern Lehrlingen in die Hände zu geben, habe ich frei genommen, und ihn lediglich selbst zur Reife gebracht. Die Aufmunterungen, die mir von meinen Freunden, und von einigen achtbaren Logen und Brüdern, nach genommenem Entschlusse während der Ausführung zu Theil wurden, würden ganz vergeblich gewesen sein, wenn nicht ein selbstgewonnener, freier und fester Entschluß in mir gelebt hätte und noch lebte; denn die Abmahnungen, Behinderungen und Drohungen, die mich von so vielen Seiten bestürmten, seit mein Entschluß, vorliegende Schrift herauszugeben, in der Brüderschaft bekannt wurde, würden mich außerdem gewiß von meinem Vorhaben abgebracht haben.
Ich lege hier ferner meine Überzeugungen frei zu freier Prüfung vor, auf dem Wege, der die Freiheit des Menschen völlig schont, und die freiste aüßere Veranlassung zum Selbstdenken giebt, – durch den Druck. Dieß Verfahren ist sowohl den allgemeinen Menschenrechten, als auch den Grundgesetzen der Brüderschaft und ihrem geschichtlichen Begriffe, völlig gemäß. Ein Jeder kann nun lesen, untersuchen, annehmen, bestreiten, verwerfen, danach handeln, oder nicht, wie er es will und vermag. Frei nach Wahrheit, forschen und das Erforschte frei mittheilen, Das ist jedes Menschen Pflicht; die Gesetze unserer Brüderschaft, wenn sie nicht leere Redarten sein sollen, berechtigen besonders hierzu, und die Geschichte lehrt, daß auch unsere Brüderschaft durch freie Forschung und durch ofne Mittheilung stets gewonnen hat, durch ein entgegengesetztes Verfahren aber stets verschlechtert worden ist.
Da Das, was ich in dieser und in mehren Schriften über die große Sache der Menschheit mittheile, ansich der ganzen Menschheit gehört, so gehört es auch der ganzen Brüderschaft, die ein untergeordneter Theil der Menschheit ist: ich habe daher das vollkommne Recht, und die ganz bestimmte Pflicht, mich allen Brüdern über diese Gegenstände zu eröfnen. Ich habe für alle Brüder geschrieben; mein Herz schlägt ihnen allen liebevoll entgegen, sie mögen Lehrlinge, Gesellen oder Meister heißen; ich wende mich so gut an jeden einzelnen Bruder, als an jede Loge und Große Loge, und zwar ohne alle individuelle, besondere Absicht und Hinblick auf irgend einen Bruder, auf irgend eine Loge, Große Loge, oder sonst =XXXII= einen Bund unter den Maurern. Ich bestimme keine meiner Schriften für einen einzelnen Gebrauch, den irgend eine Loge oder irgend ein Bruder davon machen könnte oder sollte; mein Blick ist vielmehr auf die ganze Brüderschaft, auf ihr ganzes Wesen, auf ihre ganze Werkthätigkeit, auf ihre Gegenwart und Zukunft auf der ganzen Erde, und auf ihre völlige Neugeburt, gerichtet.
Gesellen, Meister, und in was immer für höhere Grade Eingeweihete, werden deßhalb nicht vorbereiteter, nicht fähiger sein, meine Mittheilungen zu würdigen, als die Brüder Lehrlinge; denn es ist in der ganzen Brüderschaft, in allen Graden, die über den sogenannten Lehrlinggrad hinaus liegen, jetzt so gut, als in allen vorigen Zeiten, durchaus Nichts gethan, was eine gründliche, innere Veredlung des Menschen, auch nur nach dem jetzigen geschichtlichen Begriffe der Brüderschaft, bewirken könnte. Dieß Urtheil beruht auf genauer Kenntniß, und ist nicht nur das meinige, sondern alle geistvollere Brüder, die offen sein wollen, stimmen darin überein. Die für das höhere Leben der Menschheit in Geist und Gemüth vorbereiteten Brüder sind überall aus Lehrlingen, Gesellen, Meistern und Höhergraduirten gemischt; denn diese Vorbereitung muß der Bruder jetzt schon in die Brüderschaft mitbringen; er kann sie in und durch dieselbe, wie sie jetzt ist, sich nicht erwerben. Noch beiweitem mehre Vorbereitete und Würdige, Männer und Weiber, sind außer der Brüderschaft; in dieser aber werden unter den Lehrlingen, als der Mehrzahl, die meisten, und unter den immer weniger zahlreichen Höhergraduirten die wenigsten Empfänglichen sein.
Ich habe ferner, solange ich in der Brüderschaft bin, aus meinen Überzeugungen durchaus kein Geheimniß gemacht, sondern sie meinen Freunden, und den mit mir verbundnen Brüdern, soweit sie nur Empfänglichkeit zeigten, allezeit offen mitgetheilt, doch ohne sie Jemanden aufdringen zu wollen; ich habe vielmehr keine Gelegenheit versäumt, dahin zu wirken, daß diese Überzeugungen überallhin verbreitet würden.
So habe ich auch diese Schrift bloß aus bejahenden, wesenlichen und friedlichen, nicht aus verneinenden, aüßerlichen und streitsüchtigen (polemischen) Absichten und Gründen geschrieben. Ich möchte die Menschheit an meinem einzelnen Theile veranlassen: daß sie durch die im Laufe ihres Lebens jetzt gewonnenen Kräfte ihr höchstes =XXXIII= geselliges Werk, den Menschheitbund, stifte; und die Brüderschaft: daß sie sich in diesem Streben mit der Menschheit frei und offen verbinde. Ich will Dieß um seiner eignen Wesenlichkeit willen; nicht weil ich etwas Wirkliches verdrängen oder umstürzen wollte. Freilich wird die Anerkenntniß der höheren Ideen auch in unserer Brüderschaft dem Menschheitwidrigen, Ungerechten und Unschönen unfehlbar den Sturz bereiten; aber dagegen wird das Menschheitwürdige, Gerechte und Schöne, was der Bund wirklich, obwohl sparsam, enthält, desto sicherer aufrecht erhalten, gereinigt, gestärkt und verschönt werden. Freilich wird die Wiedergeburt der Bruderschaft nicht ohne Streit geschehen; allein, dieser Streit wird die Spreu von den Körnern sondern. Denn das Gute wird zwar durch Streit nicht geschaffen, sondern es geht aus eigner Lebenkraft hervor; doch, der Weg wird ihm durch Streit gebahnt; durch Streit wird es errungen, – sowie jetzt die Menschen sind.
Ich habe Vieles sagen müssen, was Vielen befremdend ist, und gegen die herrschenden Überzeugungen geradezu, streitet, selbst gegen die Überzeugungen mehrer Brüder, die ich persönlich hochachte. Dann habe ich es aber mit ihren Behauptungen, nie mit ihren Personen, zu thun. — Um der Wahrheit Eingang zu verschaffen, ist es nothwendig, gerade die Wahrheiten vorzüglich herauszuheben, welche den jetzt herrschenden Überzeugungen entgegenstehen: allein, die Wahrheit ist, als solche, von den Personen unabhängig; ich habe daher nur selten, und nur mit Achtung, die Personen genannt, mit deren Überzeugungen meine Behauptungen streiten. Ich sage Nichts, um irgend einer Partei, oder um irgend einem Bruder, wehe zu thun: denn ich wünsche bloß für die ewigen Ideen zu begeistern, die mich erfüllen, und für das gesellige Werk, das ich empfehle.
Persönliche Satire und Spott, Schmähung, Widersprechsucht, Wohlgefallen am Zwiespalt, sind mir im innersten Gemüthe zuwider, zumal in so würdigen, allgemeinmenschlichen Dingen, und bei so heiligen Angelegenheiten des Lebens, wo es gilt, Menschen zu lieben, und von ihnen geliebt zu werden, um sie durch Liebe zum Menschlichen zu vereinen. Durch Lüge, Zank, durch persönlichen Spott und Bitterkeit werden die Gemüther und die Augen der Menschen getrübt, daß sie das reine Bild der Wahrheit nicht sehen, nicht lieben können; und selbst =XXXIV= vom Bösen werden sie durch solche Begegnungen nur selten, und nur mittelbar, abgelenkt, noch seltner aber für das Gute gewonnen. Zum wahrhaft Guten und Schönen führt kein Weg durch Böses und Widriges hindurch; und wenn ein solcher dahin führte, dürfte ihn der wahre, reine Mensch nicht gehen. Wer nicht im Geiste der Liebe und des Friedens denkt und lebt, der hat den Geist der Wahrheit und des Lebens nicht.
So abweichend auch meine Überzeugungen von den in der Brüderschaft herrschenden sein mögen; so sehr sie auch mit den heutigen Einrichtungen derselben streiten und auf Verbesserung und Höherbildung derselben dringen; so verschieden auch meine Bemühungen aufgenommen worden sind, und noch in Zukunft werden aufgenommen werden: so verdienen sie doch gerade deßhalb umsomehr die Aufmerksamkeit und die gewissenhafte Prüfung der Brüderschaft, und es ist umsoeher zu hoffen, daß sie nicht fruchtlos sein werden.
Um mein Verhältniß zur Brüderschaft in ein noch helleres Licht zu setzen, will ich mein Bestreben mit allen zeitherigen Bemühungen für die Brüderschaft vergleichen; mit solchen nehmlich, die ihren Absichten nach achtungwürdig sind, indem ich hier auf alle jene verächtlichen Tendenzen, Welche die Brüderschaft verdorben haben, und noch verderben, gar nicht Rücksicht nehmen kann.
Ohne die Idee eines Institutes, und die nur in dieser erkennbare Bestimmung desselben, ganz und in allen ihren Theilen klar und innig zu erkennen und anzuschauen, ist es Unmöglich, seinen Zustand richtig zu würdigen und auf dasselbe vernunftgemäß und fruchtbar einzuwirken. So lange man bloß bestimmt, Was ein Institut nicht sei, Was es nicht beabsichtige; solange man es bloß in seinen äußeren Verhältnissen zu andern Instituten zu erkennen sucht; so lange man endlich bloß einzelne Theile seiner Wirksamkeit in's Auge faßt: so lange weiß man noch nicht bejahend, Was es selbst in seinem eigentümlichen inneren Wesen sei; noch, Was es demnach Eigentümliches beabsichtige, wie es im Innern organisirt Werden müsse und wie es sich demgemäß zu allen aüßeren Instituten verhalte; noch vermag man endlich das eigentümliche, bestimmt begrenzte Gebiet seiner Wirksamkeit zu überschauen. Aber noch Niemand hat eine Erkenntniß der letzteren Art in Ansehung der Freimaurerei und der Freimaurerbrüderschaft zu Stande gebracht; sondern alle Bestimmungen waren entweder =XXXV= bloß verneinend, gingen bloß von außen herein, oder bestanden in einigen unbestimmten Redarten, und bezogen sich nur auf einzelne Theile des Bundes und seiner Wirksamkeit. Daher konnte freilich der Bund weder in sich selbst, noch in seinen Beziehungen auf das ganze Menschheitleben, richtig gewürdigt und gebildet, die Grundvorurtheile der Brüderschaft nicht gehoben, noch ihre innern Hauptkrankheiten dadurch geheilt werden.
Deßhalb hat sich von allen Denen, die in der Brüderschaft Etwas zu wirken unternahmen, kein Einziger von den Fesseln der Geheimnißsucht und Hehlsucht gründlich befreit; denn hätten sie das wahre Wesen des Bundes erkannt, so hätten sie von dieser zweckwidrigen Maßregel zurückkommen müssen. Dagegen aber endeten fast Alle damit, das vermeinte Gcheimniß nur noch tiefer verborgen, nur noch vielfacher verschleiert wissen zu wollen; weil es immer nur für Wenige, nach Einigen sogar für immer Wenigere, geeignet bleiben werde. – Ich dagegen bin im geschichtlichen und reinvernünftigen Anschaun des Wesens des Bundes zu der Einsicht gelangt: daß das Geheimhalten und Geheimthun selbst dem geschichtlich ausgesprochen Wesen des Bundes zuwider sei, geschweige seiner ewigen Idee; daß es sich weder überhaupt, noch insbesondere jetzt, mit dem Wesen des geselligen Menschheitlebens vertrage; daß insbesondere bei einer Gesellschaft, die sich für das rein und allgemein Menschliche bestimmt, welche nicht durch persönliche Freundschaft, sondern bloß durch die Bande der allgemeinen Menschenachtung und Menschenliebe, zusammengehalten werden kann, und wirklich, was ihre edleren Mitglieder betrifft, einzig dadurch zusammengehalten wird, das Geheimhalten und Geheimthun zweckwidrig, ungerecht, unschön und verderblich sei; daß es durch den aüßeren Reiz, den es eiteln, auf gemeine Weise neugierigen, Menschen gewährt, ohne sie je zu befriedigen, oder zu veredeln, nicht entschuldigt werden könne; daß es mithin, als eine ungerechte und unweise Maßregel, unbedingt und völlig abgestellt werden müsse. Die Geschichte des Bundes hat mich ferner gelehrt, daß das Geheimhalten und Geheimthun die Hauptquelle alles innern und aüßern Verderbnisses und aller Verfolgungen der Brüderschaft war und noch ist; und die Vernunft zeigt mir, daß nur ein öffentlicher Bund für das Menschliche ein Allheilmittel für das Volk und die Menschheit werden kann.
In diesen Grenzen des Geheimen befangen, boten die =XXXVI= Bedeutendsten meiner Vorgänger ihre unmittelbar die Veredlung des Bundes betreffenden Erkenntnisse und Wünsche allein, oder vorzüglich, bloß Meistern, oder bloß Erwählten aus den Meistern an; eine Maßregel, die ebenso ungerecht gegen den Mehrtheil der Brüderschaft, als sie allezeit unfruchtbar geblieben ist. Denn alle die vorgeblichen Wahlen zu bloß aüßerlich bezeichneten Gesellen, Meistern, und zu Meistern über die Meister, mußten schon darum fruchtlos bleiben, weil es an bestimmten Anschauungen Dessen, wozu man wählen sollte, mithin auch an bestimmten Merkzeichen der Würdigkeit, fehlte; daher denn auch die Erwählten aller höheren Grade, engen Bünde, oder wie man immer dieselbe Sache noch anders benennen mag, zu allen Zeiten ein ebenso buntes Gemisch von edlen und weniger edlen Menschen geblieben sind, als die Brüder Lehrlinge. – Dieß sind die eignen Bekenntnisse aller Derer, welche, auf diese Weise Etwas im Innern der Brüderschaft zu bewirken, vergeblich unternahmen.
Dabei ergriffen zugleich die Meisten die beschränkte Maßregel, die Geschichte der Brüderschaft als Geheimniß, wohl gar als das einzige noch übrige Geheimniß, derselben zu betrachten, und sie durch den gemischten Haufen der höheren Erwählten, oder auch durch eine aus Letzteren bestehende neue Auswahl, ausschließend und ohne gesellige, werkthätige Gemeinschaft mit allen übrigen Geschichtforschern, betreiben lassen zu wollen. Dadurch aber wird die Geschtchtwissenschaft wenig gefördert, oft auch nach den Maximen dieser Höhergraduirten, sogar absichtlich, verfälscht. – Alles Bedeutende, was bisjetzt in der Geschichte der Brüderschaft geleistet worden, rührt doch ursprünglich nur von einzelnen, fleißigen, einsichtigen Brüdern her, nicht von engeren geheimen Verbindungen. Ich leugne nicht, daß auch die Geschichte durch gesellige Forschungen gewinne; – vielmehr kann auch sie nur freigesellig vollendet werden; allein, von einer aus allen Ständen gemischten Gesellschaft, von der nicht einmal der hunderte Theil auch nur die dazu erforderliche allgemeinere Bildung sich erworben hat, läßt eich planmäßige Forschung und kunstreiche Darstellung der Geschichte durchaus nicht erwarten; welche einzig und allein durch ofne, Allen, die Theil nehmen können und wollen, gemeinschaftliche Untersuchung gewinnen kann.
Die Meisten, welche Etwas innerhalb der Brüderschaft bewirken wollten, machten ihre Hauptbemühungen zur =XXXVII= Sache der Logen, sowie sie waren, ohne sie zuvor, im Wesenlichen, höher gebildet zu haben; sie suchten den Beifall und Beistand der Logen und Großen Logen, mußten aber ebendaher alle Schranken eingehen, alle Hindernisse erfahren, die der unvollkommne Zustand der Brüderschaft mit sich bringt; sie mußten sich ebendeßhalb oft sogar zu den verächtlichen Mitteln der Wirksamkeit herabwürdigen, welche von der naturwidrigen Geheimnißsucht untrennbar sind. – Ich aber weiß, daß der Menschheitbund, sowie alles Menschliche, nur durch die reine, ewige, unbesiegbare Kraft des Wahren, Gerechten, Liebreichen und Schönen für das gesellige Leben gegründet und ausgebildet werden kann und soll; daß die Kraft der Wahrheit ansich die gleiche ist, es mag ein Einzelner, oder es mögen Millionen Menschen sie bekennen; – ich weiß, daß es in Ansehung des Wesens der Wahrheit ebenso wenig auf mich, oder sonst auf einzelne Brüder, als auf die ganze Brüderschaft, ankommt. Ich bin überzeugt, daß erst einzelne Brüder, und Logen, und Große Logen, völlig rein und frei das Wahre und Gute erkennen, und es sich in den Gemüthern aneignen, daß sie erst selbst die Nothwendigkeit einer Wiedergeburt und Neubelebung unseres Bundes einsehen, und diese erst wünschen müssen, ehe eine nützliche Wirksamkeit dafür in ihrem Innern beginnen kann. Daher will ich stets die erkannte Wahrheit bloß frei und offen aussprechen, sie nur zur freien Prüfung frei mittheilen, um freie Anerkenntniß derselben, ohne Logenzwang und Logengesetz, möglich zu machen; hege aber die lebendige Hofnung zur Brüderschaft und zur Menschheit, daß ich nicht vergeblich reden werde, und biete zu jeder vernunftgemäßen und wohlbegründeten geselligen Wirksamkeit im Innern des Bundes jederzeit die Hand.
Kein einzelner Bruder, der Etwas im Bunde bewirken wollte, keine Loge, kein Logenbund erhob sich bisjetzt, soviel bekannt geworden, über die bestehenden geselligen Formen, über die bestehenden Verfassungen und Rituale. Alle nahmen an: daß das Überlieferte, als solches, und weil es überliefert worden, der bleibende Grund, und zwar in einer im Wesenlichen unveränderten Gestalt, für alle Zukunft unwandelbar bleiben solle und müsse. Daher fielen sie insgesammt auf bloßes Reinigen des Vorhandenen, und auf bloßes Wiederherstellen des Älteren, Besseren; stellten aber auch mit Diesem vieles ältere Sinnlose, Zeitwidrige und Unzweckmäßige her; und wenn sie ja einige, =XXXVIII= nicht unedle, Zusätze machten, so konnten doch diese fremdartigen Elemente sich widerstreitender Zeiten und Völker, so verbunden, nicht in eine wahre Kunsteinheit zusammengehen, welche Geist und Gemüth zu wekken und zu unterhalten, und den höheren Forderungen der Nunzeit Genüge zu leisten vermöchte. – Dagegen bin ich überzeugt: daß überhapt jedes gesellige Institut, sofern es Menschenwerk ist, vom Künstler desselben, das ist von der höher und kräftiger auflebenden Menschheit, durch Vernunft, Gefühl und Verstand, in ihrer Harmonie, unablässig geprüft, nach dem höheren Leben der Zeiten stets umgebildet, erweitert, neugestaltet und höher gehoben werden müsse; daß Dieß also auch bei unserer Brüderschaft nothwendig sei, welcher das jetzige Menschheitleben weit vorgeeilt ist, und welche ihr Heil nur in einer durchgreifenden Veredlung, oder vielmehr in einer vollständigen Wiedergeburt, suchen und finden kann.
Ich habe nicht die Absicht, durch meine ofnen Mittheilungen bloß eine Verbesserung oder Ausbesserung einzelner Gebraüche, Bundgesetze, oder auch bloß des ganzen Ritualsystems, zu veranlassen, wodurch weder die Brüderschaft, noch die Menschheit, im Wesenlichen gewinnen könnten; sondern einen neuen Bundgeist möchte ich erwekken helfen, der das Ganze edler gestaltet, freier und schöner belebt. Denn ich sehe, daß schon jetzt, die Gemüther vieler edlen, reinen Menschen einer völligen Neuschöpfung nicht nur unserer Brüderschaft, sondern der ganzen Menschheit, sehnsuchtvoll entgegensehen. Ich schreibe dem Menschlichen, das ist dem Wahren, Gerechten, Guten, Liebreichen, Schönen, ein unmittelbares, ewig neues und unverwelkliches Recht zu, in das Menschheitleben einzutreten, von der auflebenden Menschheit verwirklicht zu werden, und so die Menschheit auf Erden zum sichtbaren Ebenbilde Gottes zu erheben. Daher behaupte ich, daß das Überlieferte, als solches, und deßhalb, weil es überliefert worden, kein Recht, noch Gültigkeit, habe, für alle Zeiten zu bestehen, sondern bloß, wenn und soweit es noch jetzt zeitgemäß ist. Das bloße Wiederherstellen des Alten, noch so Vortrefflichen, als solchen, womit nichts Wesenliches erlangt wird, ist, zumal so roh und unkunstsinnig, als dieß Geschäft zeither von den Meisten betrieben worden, eine widermenschliche, unweise, und unkünstlerische Maxime. – Der Jüngling kann das Eigne des Kindes nicht an sich tragen; nicht Alles, was am =XXXIX= Kinde schön, und gut, und lieblich ist, ist es deßhalb am Jünglinge und am Manne; auch die Menschheit muß an Jedem ihrer Lebentage neue Kraft und Würde aus dem nie versiegenden Lebenquell ihrer ewigen Natur schöpfen, um dadurch ihr Leben auszubilden und zu verschönen.
Alle, welche zeither unsere Brüderschaft zu veredeln trachteten, glaubten endlich, Dieß bloß, oder doch vorzüglich, dadurch zu erlangen, daß sie innerhalb der Brüderschaft thätig waren, ohne die übrige Menschheit als mitwirkende Kraft aufzunehmen; wenn sie daher je auf die übrige Menschheit in Angelegenheiten der Brüderschaft zu wirken unternahmen; so thaten sie es im geheimnißvollen Tone, ja sogar Viele mit übertriebner, lügenhafter Darstellung Dessen, was die Brüderschaft jetzt schon sei und leiste; sie sprachen oft von ihrem gegenwärtigen Zustande so, als wenn er schon vollkommen Das wäre, was sie wünschten, daß er sein solle. Dagegen bin ich überzeugt, daß die Menschheit als Ganzes über der Brüderschaft steht, die nur ihr innerer, untergeordneter Theil ist; indem aus ihrem Ganzleben alle Institute, auch das der Freimaurerei, hervorgingen. Ich behaupte, daß die Menschheit auch über die Brüderschaft richten werde, und richten müsse; daß ihr demnach die Brüderschaft verantwortlich sei und bleibe, und sich stets nach dem ganzen, allgemeinen Menschheitleben richten und umgestalten müsse. Ich habe ferner erkannt, daß die Menschheit selbst jetzt jenen großen Bund öffentlich zu gründen habe, dessen dunkle Ahnung allein auch unsere Brüderschaft vonjeher belebte; daß sich daher die Brüderschaft jetzt offen mit der Menschheit vereinen, und sich als freies, aber dem ewigen Gesetze des Ganzen gehorchendes, Glied derselben offen umgestalten und neubilden müsse. Dieß neue Wechselleben der Menschheit und unseres Bundes möchte ich vermitteln, und beginnen helfen; wünsche und hoffe daher, daß auf Beide zugleich harmonisch, planmäßig und gesellig, zu diesem Ziele gewirkt werden möge. Wenn also fast alle meine Vorgänger in der Brüderschaft, welche sie redlich zu verbessern strebten, zuletzt mit Verachtung des geselligen Strebens der Brüderschaft, mit Mißmuth und Hofnunglosigkeit endeten, weil sie vom Logenwesen in seiner alten, nur ausgebesserten, Gestalt erwartet hatten, Was es, in dieser nie leisten kann; so glaube ich daß der gesellige Zustand der Brüderschaft jetzt zu ihrer völligen Wiedergeburt reif ist, und meine Hofnung steht fest, ihre edelsten Mitglieder =XL= werden bald den Menschheitbund, als ofne Gesellschaft, beginnen, und die Brüderschaft werde in ihm, selbst vergeistigt und veredelt, fortleben.
Bei meiner Liebe und bei diesen meinen Hofnungen zur Brüderschaft werde ich mich ihr überhaupt freiwillig nie entziehen, auch die Loge freiwillig nie verlassen, deren Mitglied ich bin; solange als die Brüderschaft, und diese Loge insbesondere, mich als den Ihrigen erkennen. Denn dadurch, daß man den Besserüberzeugten, der den herrschenden Meinungen nicht länger hingebend folgen will, erinnert, "es könne ja ein Jeder, der mit dem jetzigen Zustände der Brüderschaft unzufrieden sei, sie sofort ungehindert und unbeschimpft verlassen, und sich einen andern Kreis seiner Wirksamkeit aufsuchen," dadurch läßt sich der Mann von höherem Pflichtgefühl nicht abweisen. Es ist vernunftwidrig und ungerecht gegen die Menschheit und gegen sich selbst, einen Wirkungkreis zu verlassen, wo noch Gutes zu hoffen ist, ohne zuvor alle rechtliche, und ansich selbst gute und menschliche Mittel der Verbesserung schon angewandt zu haben; und wo es unsittlich ist, davon zu gehen, da kann es durch aüßeres Erlaubtsein nicht sittlich, nicht vernunftgemäß werden. Ich wenigstens kann über Dinge, die der Brüderschaft und, Was noch mehr ist, der Menschheit wichtig und heilig sind, auch als Mitglied der ersteren nicht schweigen; und werde für Das, was jetzt am meisten noth ist, in und außer der Brüderschaft reden und wirken, solange ich lebe.
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