Abschrift

des Karl Christian Friedrich Krause's Buches

Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft

zusammengestellt, überarbeitet und ins Englische übersetzt

aus Google Books

von Bruder Vincent Lombardo

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Vorbericht der ersten Ausgabe.

III.


Einige Nachrichten, wie der Verfasser in seinen Überzeugungen gelangt,
und wie ihm insbesondere vorliegende Schrift entstanden ist.

Coat of Arms

  Nachdem ich nun meine Grundüberzeugungen über die Freimanrerbrüderschaft, und mein Verhältniß zu ihr, dargestellt habe, bin ich es noch der Sache selbst schuldig, zu erzählen, wie jene Überzeugungen in mir reif geworden sind, und wie mir insbesondere die vorliegende Schrift zu Stande gekommen ist. Deßhalb muß ich mehre Umstände meiner Lebengeschichte berühren, welche hiermit in Beziehung stehen. – Manchem möchte vielleicht diese Erzählung unnöthig erscheinen: allein die Natur der gegenwärtigen =XLI= Schrift, ihre Beziehung auf den heutigen und künftigen Zustand der Brüderschaft, und vorzüglich die Art, wie sie nach dem Erscheinen der Ankündigung bisjetzt aufgenommen, und von Denen beurtheilt worden ist, die sie noch nicht einmal gesehen hatten, sowie die Vermuthungen, wodurch man sich das Entstehen und Erscheinen derselben hat erklären wollen; alles Dieß macht es nothwendig, die Brüder von dem wahren Hergange der Sache zu benachrichtigen.

  Was die Wahrheit ansich betrifft, so ist sie von sich selbst Zeuge; und es ist völlig gleich, durch Wen sie ausgesprochen werde; allein, von dem Menschen, der sie ausspricht, zeugt sie nicht. Den Menschen dagegen muß geschichtliche Wahrheit überhaupt, sowie auch die geschichtliche Wahrheit, heilig sein, durch Wen und wann wichtige, beseligende Wahrheiten unter den Menschen an's Licht gebracht worden sind. Die Wahrheit ist Gottes und aller ihm ähnlichen Geister ewiges Eigenthum, nicht vorzugweise das Eigenthum irgend eines Einzelnen, oder einer Gesellschaft Einzelner; und wenn ich versichere, daß ich Das, was vorliegende Schrift enthält, durch eignen Fleiß und Liebe, frei und selbständig erforscht und hier mitgetheilt habe; so geschieht Dieß nicht, um mich selbst zu verherrlichen, nicht um mich über Andere zu erheben; da Das, was ich erkenne, so natürlich und so klar ist, daß es jeder andere Mensch auch als wahr finden, gefunden haben, oder noch finden kann, sobald er in diese Gegend der ewigen und geschichtlichen Wahrheit aufmerksam hingeschaut hat, oder noch hinschauen wird. Es lebt derselbe Geist in uns Allen, und Wahrheiten werden nicht erfunden, nicht gemacht, sondern bloß gefunden, weil sie da sind, und jeder Suchende kann und wird sie finden, wenn er nur sonst dazu vorbereitet ist.

  Allein ich habe es mit vielen Brüdern zu thun, die bei Allem, was Jemand zum Besten der Brüderschaft unternehmen mag, geneigter sind, unedle, als edle, Absichten unterzulegen; welche wähnen, oder doch überzeugt zu sein vorgeben, daß, Was ein einzelner Bruder aus gutem Herzen frei und allein unternimmt, von unbekannten Obern angestellt, oder aus geheimen, den Eingeweiheten längst bekannten, Papieren geflossen sei. Mehre Brüder sind nur allzu geneigt, das vortrefflichste Neue als bloße Nachklänge früherer Belehrungen und Bestrebungen zu betrachten, und es geringschätzig darzustellen. Dadurch aber kann bei nicht =XLII= gründlich belehrten Brüdern der aufkeimende Glaube an das edlere Leben im Menschen und in der Menschheit nur allzu leicht erstickt, und das Auge der Brüderschaft von Dem abgelenkt werden, worin sie ihr einziges Heil zu suchen hat. Den Brüdern, welche so verfahren, möchte ich zurufen: Wahrheiten sind ansich weder alt, noch neu; und wenn ihr schon wußtet, daß, Was ich sage, recht und gut sei, warum sagtet, warum thatet ihr es denn nicht? warum lasset ihr die Brüderschaft in ihrem beklagenswerten Zustande, da ihr doch Macht hattet und habet, sie zu bessern? – Wer die Überzeugungen hegt, die mich beseelen, der kann sie unmöglich verschweigen; er muß sie offen mittheilen, er muß zu ihrer Verwirklichung thätig sein; – hätte schon Jemand alle diese Überzeugungen mit Klarheit gehabt, er hätte sie so laut verkündigt, wie ich, er hätte gethan, wie ich. Wer über diese Wahrheiten schweigt, wer Nichts für sie thut, der hat die Überzeugung nicht, den beleben sie nicht. Noch Andere geben vor, es geschehe nichts Neues unter der Sonne, nichts Neues werde gedacht; "hätten," sagen sie, "diese Ideen vermocht, auf Erden wirklich gemacht zu werden, so würden sie es schon sein; daß sie aber jetzt nicht schon wirklich sind, Das giebt sie als vielleicht schöne, aber als leere, Traumbilder zu erkennen." – So reden Viele, und erkälten und entkräften hierdurch sich selbst, und Andere um sich her; aber so ist es nicht, so wird es nicht sein. Jede Zeit entfaltet Neues, Eigentümliches; die Menschheit wächst auf Erden freudig heran; noch freudiger aber wird sie gedeihen, wenn diese entkräftenden Vorurtheile verschwunden, wenn alle edleren Menschen ihrer Kraft und ihres Berufs sich deutlich bewußt geworden sein, und als mitschaffende Kräfte der Menschheitgeschichte in geselligem Fleiße vereint wirken werden.

  Ich muß sorgen, daß ich der Brüderschaft erscheine, wie ich bin, umso mehr, als seit der Ankündigung der vorliegenden Schrift die ungegründetsten Annahmen über meine Gesinnungen und Absichten, und über das Entstehen derselben, innerhalb der Brüderschaft ausgebreitet worden sind, um Das, was lediglich mir zuzuschreiben ist, und was ich lediglich aus Pflicht und Liebe thue, auf die Rechnung Anderer, ja sogar auf die Rechnung vorgeblicher, noch dazu meist geträumter, böser und schändlicher Absichten Anderer, setzen zu können, und mich als Werkzeug einzelner Brüder oder Logen darzustellen, damit die Brüder mir =XLIII= nicht Gehör geben sollen. Die Brüder, Welche Dieß ausstreuen, oder glauben, ahnen nicht, daß es noch freie Menschen giebt, die das Wahre und die Menschheit lieben, die aus eigner Kraft das Gute wollen, aus innerem Berufe dafür wirken, und über kleinliche Absichten unendlich erhaben sind. Und so will ich denn lieber, daß man Alles, was ich hier über mich selbst sagen muß, als eine Äußerung der Selbstliebe betrachte, als daß ich durch mein Stillschweigen jene absichtlich oder unabsichtlich, zum Nachtheil der Brüderschaft und der guten Sache, verbreiteten Unwahrheiten, anzugeben, zubilligen und zu unterhalten scheinen möchte, da ich lebe und selbst reden kann.

  Die Idee des Menschheitbundes hatte ich dem Wesen nach schon erkannt, noch ehe ich in die Freimaurerbrüderschaft aufgenommen wurde. Denn da ich, als Privatlehrer des Naturrechts bei der Universität zu Jena, in den Jahren 1802 - 1804, in Beziehung auf das Gesellschaft recht die Grundideen aller menschlichen Gesellschaften aufsuchen und genau bestimmen mußte, gelangte ich zur Ahnung der Idee der Menschheit als Eines geselligen Ganzen, und zur Idee einer Gesellschaft für das ganze, ungetheilte Menschheitleben, wovon mir die allgemeinen Vereine für Wissenschaft und für Kunst, deren Ideen ich damals deutlicher erkannte, nur als einzelne untergeordnete Theile erschienen waren. Die im Jahr 1804 begonnene und im Junius 1805 vollendete Handschrift dieses Theiles meines Naturrechtes, welche zu seiner Zeit gedruckt werden wird, ist Zeuge davon.

  Bisdahin wußte ich bloß, daß eine Freimaurerbrüderschaft existire, nicht, was ihr Zweck, ihre Bestimmung, ihre Werkthätigkeit sei. Doch, nach Dem, was ich damals durch meinen Freund Schneider, den ich schon als ein Kind lieb und werth gewonnen hatte, über die Freimaurerbrüderschaft auf mein Befragen erfuhr, mußte ich erwarten, daß dieselbe, ihrem Wesen nach, allgemeinmenschliche Zwekke verfolge, umso mehr, als ich selbst für diese Gesellschaft, wenn sie etwas Eigentümliches haben sollte, keine andere Bestimmung zu ersinnen vermochte. Dieß bewog mich im J. 1804, bei der Loge Archimedes zu den drei Reißbretern in Altenburg um die Aufnahme zum Maurer nachzusuchen, welche mir auch im Herbst 1804 gewährt werden sollte, aber meiner übrigen Verhältnisse wegen erst im Frühjahr 1805 vollzogen werden konnte. Noch muß ich erinnern, daß ich noch im J. 1804 ein System =XLIV= der Sittenlehre zu schreiben unternahm, dessen erster Theil jetzt im Wesenlichen unverändert erscheint; daß ich auch von dieser Seite auf die Idee der Ausbildung der Menschheit als Einer Person auf Erden geleitet wurde, und daß mir diese Idee auch in sittlicher Rücksicht in ihrer wahren Größe und Wichtigkeit erschien. Als ich von Rudolstadt, wo ich ein halbes Jahr privatisirt hatte, nach Dresden reiste, wurde ich im April 1805 in Altenburg durch meinen Freund Schneider in die Brüderschaft eingeführt, und zum Freimaurerlehrling aufgenommen. Seitdem habe ich, sosehr ich es auch gewünscht hätte, keine einzige Versammlung der Loge Archimedes zu den drei Reißbretern besuchen können, auch mit keinem einzigen Brüder dieser Loge in irgend vertraulichem Verhältniß oder Briefwechsel gestanden, außer auf's Neue mit dem Bruder Schneider vom J. 1808 an. Daher sind mir auch die Verhältnisse, Angelegenheiten, Beschäftigungen und Vorhaben dieser achtbaren Loge völlig unbekannt geblieben, sowie ich auch bisjetzt an denselben nicht den geringsten Antheil zu nehmen, Gelegenheit gehabt habe, oder zu haben suchen konnte.

  So vorbereitet, und mit der wesenlichen Idee des Bundes vor der Aufnahme vertraut, konnte ich nun leicht die wirklichen Keime des Allgemeinmenschlichen in der Freimaurerbrüderschaft nach und nach bemerken. Ich muß freilich gestehen, daß die Rituale und der ganze Zustand der wenigen Logen, die ich besuchte, sowie der Zustand der Brüderschaft im Allgemeinen, den ich bald kennen lernte, mich im Ganzen nicht nur nicht befriedigten, sondern anfangs, besonders bei der Aufnahme, mein Gefühl im Innersten beleidigten; doch nahm ich mir vor, die Brüderschaft in allen Graden und in ihrem ganzen Umfange erst genauer kennen zu lernen, ehe ich verzweifelnd aburtheilte, und besuchte daher auch alle Versammlungen, soviel als möglich. Am 31. October 1805 wurde ich, auf Empfehlung der Loge Archimedes, bei der Loge zu den drei Schwerdtern und den wahren Freunden affiliirt. Bei meiner oben erwähnten Stimmung, und bei meiner lebendigen Hofnung, in der Freimaurerbrüderschaft einen der Menschheit gewidmeten Bund zu finden, war meine Freude groß, als mir mein Freund Moßdorf die altenglische Aufnahmacte, welche im Wesenlichen mit dem in vorliegender Schrift mitgetheilten Texte derselben übereinstimmte, ohne Commentar zum Durchlesen gab. Bei'm ersten Lesen =XLV= ergriff mich der darin wehende Geist des Reinmenschlichen, der Geist inniger Religiosität und Bruderliebe, sowie der diesem Denkmal eigentümliche liturgische Character. Ich fand diese Lehrlinglection ohne Vergleich weit besser, als Alles, was ich zeither in den Logen gesehen hatte; ich erkannte, daß sie, bei allem Veralteten in ihren Formen, doch vieles Unvergängliche, für alle Zeiten Bleibende, enthalte. Von diesem Zeitpunkt an wurde mir die Brüderschaft in ihrem ganzen Dasein, also auch in ihrer Geschichte, theuerer; ich gab mir alle Mühe, sie genau kennen zu lernen, studirte Alles, was sich mir darbot, und nahm an den Arbeiten der Loge, deren Mitglied ich bin, wärmeren Antheil. Das glückliche Zusammentreffen mit einem so unterrichteten, und zugleich so biedern und mittheilenden Manne, als Bruder Moßdorf ist, dessen beträchtliche und mit ebenso großem Fleiß, als Verstande, gesammelte Bibliothek und ihm eigenthümlichen Handschriften ich, unter seiner erfahrnen Anleitung, als wie mein Eigenthum brauchen konnte, und die Bereicherung und Berichtigung meiner geschichtlichen Kenntnisse durch meine Verehrungwürdigen Freunde, Schneider und Feßler, deren Unterricht in der Geschichte der Brüderschaft ich genoß, endlich auch die freie Benutzung der hiesigen öffentlichen königlichen Bibliothek, die ich vorzüglich der Humanität des Herrn Hofraths Daßdorf, meines verehrungwürdigen Freundes, verdanke, – alle diese so günstigen Fügungen erleichterten und beschleunigten mein Nachforschen über die Geschichte der Freimaurerbrüderschaft, und ließen mich geschichtliche Resultate finden, welche ich ohne die Hülfe jener Männer niemals gewonnen haben würde.

  Ich war nach Dresden gekommen, um mir Anschauungen in den schönen Künsten, vorzüglich in Musik, Malerei und Bildhauerei, zu verschaffen; weil ich danach einen unwiderstehliche Drang fühlte, zumal da ich schon seit vielen Jahren beschäftigt war, alle philosophischen Wissenschaften zunächst für mein eignes Bedürfniß in einem in allen Theilen gleichförmigen organischen Systeme auszubilden. Allein, im Winter 1806 - 1807 kehrte ich mit neuer Lust in den Umkreis der philosophischen und mathematischen Wissenschaften zurück. In diesem Winter arbeitete ich zuerst am Systeme der Sittenlehre weiter und ernstlicher; da wurde mir auf's Neue die Idee der Menschheit als Eines geselligen Ganzen, als Einer Person auf Erden, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, theurer, die früher =XLVI= schon ahnend aufgefaßte Idee eines allgemeinen Bundes für alles Menschliche bildete sich nach und nach in mir weiter aus; die Geschichte der Menschheit, und die Philosophie dieser Geschichte, wurde meine Hauptbeschäftigung; ich fing an, es immer klarer einzusehen, daß allen jetzt bestehenden menschlichen Gesellschaften eine Neubelebung wesenlich nöthig sei; daß diese nur durch ein neues, allumfassendes Institut bewirkt werden könne, welches ihnen Allen Harmonie und Haltung geben müsse; ich überzeugte mich, daß es, besonders jetzt, wo der Gehalt und die Formen aller einzelnen vorhandenen Institute nach den höheren Bedürfnissen der Menschheit erweitert und veredelt werden müssen, das höchste Verdienst sei, was Menschen sich erwerben können, wenn sie zur Reinigung, Veredlung und Erhebung aller geselligen Verhältnisse mitwirken. Mein Eifer für die Wissenschaft, und mein rastloses Ringen nach Erkenntniß zeigte mir, daß auch die Wissenschaft nur als geselliges Werk, im wahren Sinne, vollendet werden könne; daß es Zeit sei, einen freien, allgemeinen Bund für sie zu schließen. Im Frühjahr 1807 entwarf ich einen vollständigen Plan eines allgemeinen Bundes für Wissenschaft, und stellte diese Idee in einer Schrift dar, welche zum großen Theil druckfertig vor mir liegt, soweit sie damals vollendet wurde. Zugleich aber sähe ich auch ein, daß ein ähnlicher Bund für die Kunst, im weitesten Sinne, neben dem Wissenschaftbunde gebildet werden müsse, sowie daß der Wissenschaft- und Kunstbund erst in freier geselliger Wechselwirkung gedeihen könne. Doch auch hier, wo ich Wissenschaft und Kunst, als die Grundwerke der Menschheit, rein in's Auge gefaßt hatte, begegnete mir auf's Neue die Notwendigkeit, daß zugleich mit den höheren geselligen Bestrebungen für Wissenschaft und Kunst auch jenes höhere Glied in das Menschheitleben eintreten müsse, das ich schon früher im Allgemeinen erkannt hatte, dessen Inneres aber noch unentfaltet vor mir lag. Daher beschloß ich, das Erscheinen jener Schrift, worin ich die Idee des Wissenschaftbundes mit Anwendung auf unsere Zeit darstellte, vor der Hand noch aufzuschieben.

  Im Sommer dieses Jahres ergriffen mich noch inniger und vielseitiger, als zuvor, die wichtigen politischen Begebenheiten der Zeit; ich sah ein, daß sie das aüßere Hauptwerk der letzten Jahre seien; ich erkannte ihre Wichtigkeit und Würde in der Menschheitgeschichte; aber ich erkannte auch bald mit voller Klarheit, daß auch der Staat =XLVII= für sich allein das Heil der Menschheit nicht ganz zu begründen, nicht ganz zu schaffen, sondern es bloß zu befördern und an seinem Theile, auf seinem eigentümlichen Gebiete, wirklich zu machen vermöge; ich erkannte, daß auch der Staat seine höhere Ausbildung und Besserform nur als Resultat der fortwährend wachsenden, ebenmäßigen und gleichförmigen Vollendung des ganzen Menschheitlebens, als Ganzen und in allen seinen innern Theilen, selbstthätig gewinnen könne. Und so unternahm ich es damals, ein größeres politisch geschichtliches Werk zu schreiben, worin ich zugleich meine philosophischen Ansichten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit niederlegen werde. Schon zu Ostern 1808 sollte anfangs diese Schrift erscheinen. Allein, dieß Werk erweiterte und gestaltete sich mir unter den Händen zu einer philosophischen, geschichtlichen und harmonischen Darstellung des ganzen Menschheitlebens, und ich werde es nun nicht eher öffentlich mittheilen, als ich es nach dem Maßstabe meiner Kräfte für einigermaßen reif und des Gegenstandes würdig halten kann.

 Als ich nun zum Behuf der nurerwähnten Schrift im Frühjahr 1808 die Idee der Menschheit als Eines geselligen Ganzen, in allen ihren innern Theilen, philosophisch, geschichtlich und harmonisch nochmals erforschte, da trat das Bild des Einen, allumfassenden Menschheilbundes auf Erden in voller Klarheit vor mein inneres Auge, und erfüllte mein ganzes Gemüth mit Liebe und Hofnung. Ich beschloß, die Vollendung und Herausgabe jener Schrift noch zu verschieben, und mich ganz der Erforschung und Darstellung der Idee des Menschheitbundes zu weihen. Denn ich sah und fühlte, daß gerade Dieß jetzt an der Zeit, daß diese Erkenntniß der Menschheit heilsam und gerade jetzt unumgänglich wesenlich sei. Ich bildete nun die Anschauung dieser Idee, in sich selbst in allen ihren Verhältnissen zum ganzen Menschheitleben aller Völker und Zeiten, auf der ganzen Erde, und zu allen jetzt schon bestehenden oder erst noch neu zu schaffenden einzelnen geselligen Instituten, aus; ich betrachtete und würdigte sie selbst als wesenlichen Theil der höheren Idee des ganzen Menschheitlebens, – der ganzen Menschheit als Einer geselligen Person auf Erden. Vom Mai bis zu Michaelis dieses Jahres wurden die ersten eilf Bogen meiner jetzt erscheinenden Schrift: "die Idee der Menschheit als Eines geselligen Ganzen" gedruckt Allein, schon in demselben Maimonat begann ich auch die =XLVIII= Schrift auszuarbeiten, welche nun unter dem Titel: "der Menschheitbund und die Freimaurerbrüderschaft," bald erscheinen, und Das klar, in allen seinen Theilen, organisch darstellen und beweisen wird, was ich in vorliegender Schrift bloß in einzelnen Aussprüchen und Winken andeuten konnte. – Dabei kam es mir darauf an, für die von mir erkannten Ideen passende Namen aufzufinden, und da ich keine vorfand, neue zu wählen. Da bot sich mir, noch im Frühjahr 1808, für den dem Ganzleben der Menschheit gewidmeten Bund der Name: Menschenbund, Bund für Menschlichkeit und Menschheit, sowie nachher die Benennungen: Menschheitleben, Ganzleben der Menschheit, und viele andere, dar, welche der Leser auch in vorliegender Schrift zum Theil finden wird. Ich wählte diese Benennungen jener Ideen und Begriffe nicht willkührlich, noch habe ich sie irgendwo entlehnt; sondern ich bildete sie nach den Grundsätzen der allgemeinen Bezeichnungkunst. – Da ich mich auf diese Weise immer mehr zum Anerkennen der höheren Bestimmung der Menschheit und der Brüderschaft erhob; so mußte mich die Frage: ob der Menschheitbund nicht nur überhaupt, sondern auch jetzt, ein offener, oder ein geheimer, sein müsse, nothwendig beschäftigen; denn, ohne sie gründlich beantwortet zu haben, war es unmöglich, die innere Verfassung und Werkthätigkeit jenes Bundes im vollständigen Grundrisse zu entwerfen. Ich fand, daß derselbe, seinem ganzen Wesen nach, und insbesondere in seinem jetzigen Entstehen, durchaus und völlig öffentlich und allgemein, Männer, Weiber und Kinder umfassend, sein müsse. – Von dieser Zeit an habe ich alle meine einzelnen philosophischen und mathematischen Studien indeß nur als Nebensache betrieben; ich habe mich selbst enthalten, die Früchte derselben zu brechen und meine zahlreichen wissenschaftlichen Manuscripte jetzt zum Drukke zu vollenden; und ich werde nicht eher zu ihnen zurückkehren, bevor ich nicht die Darstellung jener Ideen bis zu einer bestimmten Grenze ausgeführt habe.

  Ich sehe es als ein vorzügliches Glück an, daß ich in demselben Frühjahr am 19ten April, durch die Güte der Brüder von Brand, Moßdorf, Christ, Hauptmann und Schuricht, in den vom Br. Feßler im J. 1803 gestifteten "Großen Bund scientifischer Freimaurer, bei dem Archive desselben zu Dresden, als vertrauter "Bruder" aufgenommen wurde. Bei einem jeden dieser =XLIX= Archive befindet sich ein geschriebnes Exemplar von Feßler's "Versuch einer critischen Geschichte der Freimaurerei und der Freimaurerbrüderschaft von den ältesten Zeiten bis auf das Jahr 1802, in IV Foliobänden, nebst den dazu gehörigen urkundlichen Beilagen," als Grundlage der von Feßler beabsichtigten geselligen Forschungen. Dieß verdienstvolle Werk las ich nun diesen Sommer über mit Bruder Moßdorf lernend und prüfend durch. Meine geschichtlichen Kenntnisse erweiterten sich; und ob ich gleich von diesem geistvollen Denker, den ich zugleich als Freund innig liebe, in den Grundansichten und Grundüberzeugungen über Freimaurerei und die Freimaurerbrüderschaft abweiche, wie ein Jeder, der dessen Schriften mit den meinigen vergleichen kann, finden wird: so werde ich doch stets mit Dank bekennen, wie viel ich ihm, und besondere seinem jetzterwähnten Versuche, vorzüglich im Geschichtlichen, verdanke; – daß mich der würdevolle, reine Geist, wovon dieß ganze, mit gleichbleibender Kraft durchgeführte, Werk belebt ist, erhebend angesprochen hat; und daß ich erkenne, wie verdienstlich seine Bemühungen für die Brüderschaft gewesen und noch sind, und wie sie vorzüglich viele bessere Gemüther für die nun kräftig zu beginnende, schönere Zukunft des Bundes gewonnen haben. Diese Lectüre wurde mir dadurch noch lehrreicher und angenehmer, daß mich Bruder Moßdorf bei derselben mit seiner schönen Bibliothek noch vertrauter machte, und mir die wichtigsten Schriften, mit Hindeutung auf ihre geschichtlichen Beziehungen und wichtigsten Stellen, zu beliebigem Studium mittheilte.

 In demselben Frühjahre fiel auch die Wahl meiner geliebten Mitmeister der Loge zu den drei Schwerdtern und wahren Freunden auf mich, als sie ihren Redner für jenes Jahr ernannten. In diesem mir so theuern und lieben Amte bekam ich noch einen äußeren, schätzbaren Anlaß mehr, für die Veredlung der Freimaurerbrüderschaft thätig zu sein. Alle meine Vorträge hatten den Zweck, den Brüdern, besonders allen Neuaufgenommenen, das älteste, bessere Ritual historisch bekannt zu machen, daran in überlegter Fortschreitung höhere, allgemeinmenschliche Lehren anzuknüpfen, und so in schon vorbereiteten Gemüthern das Bewußtsein des Besseren zu verdeutlichen, und ihre Liebe zu ihm zu erhöhn und zu beleben.

  Während aller dieser Beschäftigungen bestärkte mich die vermehrte Kenntniß der Geschichte der Brüderschaft in =L= der Überzeugung, daß die Brüderschaft ein noch jetzt fruchtbarer Keim des von mir als wesenlich erkannten Menschheitbundes sei; und in der Hofnung, daß sie jetzt einer Neubelebung im höheren Geiste desselben täglich entgegenreife. Nun hatte ich erkannt, daß unbedingte Offenheit zu der wesenlichen Form des Menschheitbundes gehöre, fand aber die Brüderschaft in Ansehung des noch jetzt in ihr allgemein gepredigten Geheimhaltens mit jener Idee in thätlichem Widerstreite. Es mußte mir also daran liegen, auch geschichtlich zu untersuchen, wo, seit wann, in welcher Absicht, und in wieweit, das Geheimhalten in unsere Brüderschaft eingeführt worden, und welches insbesondere der Ursprung des rohen und menschenwidrigen, fälschlich alt genannten, Maurereides sei; es mußte mir ferner daran liegen, nach allen Rücksichten unparteiisch zu entscheiden, ob und in wieweit noch jetzt das Geheimhalten in unserer Brüderschaft rechtmäßig und sittlich sei. Ich bearbeitete diesen Gegenstand mit der größten Gewissenhaftigkeit von allen Seiten; und so entstand mir damals eine ausführliche Abhandlung über das Geheimsein und über die ihm entgegenstehende Publicität in freimaurerischen Angelegenheiten, welche ich zu seiner Zeit den Brüdern vorlegen werde. Ich theilte diese Abhandlung damals mehren Brüdern mit, auch meinem theuern Freunde Moßdorf, welchen sie völlig überzeugte, da seine mannigfaltigen geschichtlichen Kenntnisse und langen Erfahrungen ihm schon zuvor die Schädlichkeit des Geheimhaltens, und dagegen den Nutzen der Publicität, vielfach gelehrt hatten. – Ich fand, daß das Geheimhalten in unsere Brüderschaft ursprünglich in ganz andern Zeitumständen, mit ganz anderer Absicht, und nicht unbedingt, noch auch für ewige Zeiten, eingeführt worden ist; daß jener Eid erst später von Männern, welche die Brüderschaft durch politische Beschäftigungen entweiheten, widerrechtlich vorgeschrieben, und daß derselbe auch von der im J. 1717 gestifteten Großen Loge in London willkührlich, und aus mancherlei Nebenabsichten, beibehalten worden; daß auf diese Art die Hehlsucht (Mysteriokrypsie) ein neuerer, aus unlautern Absichten entsprungner, den ursprünglichen Geist der Brüderschaft entehrender, Mißbrauch sei, welcher ihr jederzeit unendlich geschadet und ihre Kräfte gelähmt hat, indem dadurch im Innern der Brüderschaft vielfache Täuschungen und Verderbniß ohne Ende möglich gemacht, und derselben ganz unnöthigerweise schwere, ihre Ausbreitung hemmende, =LI= Verfolgungen von Seiten des Staats und der Kirche, nicht nur in England, sondern in ganz Europa, zugezogen worden sind. Dieß sind unleugbare Thatsachen der Geschichte, die Jeder sehen muß, der sehen will. – Indem ich nun ferner untersuchte, Was der Brüderschaft jetzt zu thun sei, wenn sie zu höherem Leben gelangen solle, fand ich, daß Dieß, ohne die Schranken des Geheimnisses ganz niederzureißen, unmöglich, und daß es daher Zeit sei, jenes, der Brüderschaft widerrechtlich aufgedrungne Übel endlich ganz zu entfernen, und von nun an den Bund im Geiste menschenwürdiger Offenheit umzugestalten. Ich erkannte, daß fernere Verheimlichung nicht einmal im edlen Stile wahrer Klugheit sei; zumal da es klar ist, daß die Brüderschaft in ihrem und in der Menschheit jetzigem Zustande nichts zu Verheimlichendes besitzt, als höchstens dieß Bekenntniß selbst; daß sie sich also gegenwärtig bloß mit einer leeren, trügerischen Form des Geheimhaltens selbst entweihe.

  Zu Michaelis 1808 war meine Schrift über den Menschheitbund und die Freimaurerbrüderschaft zum ersten Theile fertig. In diesem Theile beweise ich die Nothwendigkeit und Wesenlichkeit dieses Bundes im Menschheitleben, entwikkele seine Idee, zeichne ihren Gliedbau vor und verbreite mich über die Verfassung, Liturgie und Werkthätigkeit, und über die Verhältnisse desselben zu allen andern menschlichen Dingen. Es war mir noch übrig, den zweiten Theil dieser Schrift zu vollenden, der das Verhältniß der Freimaurerbrüderschaft zum Menschheitbunde allseitig und ausführlich für Gegenwart und Zukunft entwikkeln soll. Auch dieser zweite Theil wurde damals bestimmt entworfen, und bedarf nur noch der letzten Hand. – Damit aber diese meine Schrift bei der Brüderschaft, deren Mitglieder, in Folge der herrschenden Hehlsucht, freilich gröfstentheils ohne ihre Schuld, in Ansehung der Geschichte und des wahren Wesens des Bundes unbelehrt oder übelbelehrt sind, mehr Eingang finden möchte, nahm ich mir im September 1808 vor, ein geschichtlich-liturgisches Werk bloß für die Brüderschaft zu schreiben, aus welchem nach und nach das vorliegende entstanden ist. Zuerst nehmlich setzte ich mir vor, meine Grundüberzeugungen über den Menschheitbund und die Freimaurerbrüderschaft, in der gewohnten katechetischen Form, auf eine den Brüdern allgemeinfaßliche Art, darzulegen; indem ich zeigte, daß in den alten echten Gebräuchen der Brüderschaft Ahnungen desselben enthalten =LII= seien, die sich durch fortgesetztes Vergeistigen klarer Erkenntniß näher bringen lassen. Dieser liturgische Versuch, welcher vorliegende Schrift eröfnet, war schon im November 1808 vollendet. Da sich aber die ältesten Kunsturkunden in den Händen der wenigsten Brüder befinden, und bis jetzt noch nicht philologisch-critisch zusammen gestellt und geschichtlich gewürdiget worden sind; so beschloß ich, sie so bearbeitet in derselben Schrift mitzutheilen. Daher bemühte ich mich auch, von meinem Freunde Schneider die älteste Yorker Constitution dazu zu erhalten; welchen Wunsch mir Derselbe, wie ich in der Vorerinnerung zu dieser Urkunde erzählt habe, mit größter Bereitwilligkeit gewährte; und nahm mir vor, besonders Feßler's und Schneider's schätzbare Vorarbeitern über diese Urkunden gewissenhaft und dankbar zu benutzen. Schon im Februar 1809 begann der Druck dieser Schrift; die kriegerischen Auftritte des vorigen Sommers, welche Bruder Gärtner's Pressen beschäftigten, und meine fortwährenden Bemühungen, ihr alle mir jetzt mögliche Vollendung zu geben, verzögerten die Beendigung des Abdrukkes bis hieher.

  Im Winter 1808 - 1809 wurde bei der hiesigen Loge zum goldnen Apfel die löbliche Einrichtung getroffen, daß alle hiesige Brüder in ihrem Lokale wöchentlich einmal zusammen kommen sollten, um sich mit einander über freimaurerische Gegenstände zu besprechen. Ich freute mich, hierdurch eine Gelegenheit mehr zu freierer Mittheilung zu erhalten, und nahm an diesen Unterhaltungen, so lange sie dauerten, einen so thätigen und lebhaften Antheil, als ich es für zweckmäßig hielt. Gleich in der ersten Zusammenkunft behauptete ein achtbarer Bruder, "daß man das Wesen des Bundes nicht als Humanität bestimmen könne," und forderte sämmtliche Brüder auf, sich hierüber mit ihm in ein wohlgeordnetes Gespräch einzulassen. Ich zeigte ihm dagegen, daß, wenn man unter Humanität die allseitige und harmonische Vollendung des ganzen Menschen und der ganzen Menschheit verstehe, durchaus nichts Anderes das Wesen des Bundes sein könne. Die Meisten der anwesenden Brüder fielen mir bei; und als dann gegen den fremden Namen Humanität gesprochen wurde, gefiel endlich, nach langen Debatten, der auch von mir in dem erwähnten Manuscripte schon früher gebrauchte Name Menschlichkeit, als der einzige sprachrichtige, am meisten; und ein anderer gelehrter Bruder führte dann zum =LIII= Überfluß aus mehren Musterschriftstellern unserer Nation Stellen an, worin dieß Wort in diesem, oder doch in einem ähnlichen, Sinne schon gebraucht ist. Nun hielt ich es für zweckmäßig, an diesem Orte zuerst mit dem Vorschlage hervorzutreten, daß die Freimaurerbrüderschaft mit dem wesenlichen Namen Menschenbund benannt werden solle. – In der Zwischenzeit sahe der ehrwürdige Bruder Wolke, als er mich besuchte, auf meinem Schreibtische ein Manuscript, betitelt: "Erster Entwurf des Menschenbundes," welches ich im Sommer 1808 als Skizze zu meiner vorhin erwähnten Schrift über diesen Bund entworfen hatte, liegen; und auf sein Befragen erklärte ich diesem liebenswürdigen, für alles Menschliche mit Jugendliebe empfänglichen Greise, daß ich unter diesem Namen das Ideal verstehe, dem auch der Maurerbund nacharbeiten solle und müsse. Er fand dieß Wort richtig geformt und zweckmäßig; nur sagte er, es solle besser Menschbund heißen; welcher letzteren Benennung er sich seitdem selbst bedient. Ich machte daher im Januar 1809 an der dazu bestimmten Tafel im Lokal der Loge zum goldnen Apfel folgenden öffentlichen Anschlag. —

  "Da die Freimaurerbrüderschaft die Menschen, rein als Menschen, zum allgemein Menschlichen verbindet; und da Dieß ihr Wesen, ihre Symbolik aber und ihr Ursprung aus der Brüderschaft der freien Maurer bloß ihre Form, ausmacht: so wäre es gut, für sie einen nicht bloß förmlichen, sondern auch einen wesenlichen, Namen zu haben, der in Fremden und Eingeweiheten durch seine sprachgemäße Bedeutung unwillkührlich das Andenken und die Liebe der Brüderschaft und des Wesens ihrer Kunst erneuete. Dazu hat mir nun der würdevolle einfache Name Menschenbund der einzig passende geschienen."

  Dieser Anschlag blieb mehre Wochen lang stehen; aber, außer Bruder Wolke und einigen andern Brüdern, die sich auch seitdem dieser Benennung mündlich und schriftlich hin und wieder bedient haben, fand die Mehrzahl diesen Namen unpassend und unbezeichnend, oder dieser Vorschlag war ihnen gleichgültig; Viele hatten Vieles, doch nichts Triftiges, dagegen. – Ob ich aber gleich diesen wesenlichen Namen selbst planmäßig ausgedacht, ohne ihn irgendwoher entlehnt zu haben, so ist er doch so natürlich, daß ihn wohl schon mancher Bruder vor mir gebraucht haben kann. Späterhin ist mir der Name Menschheitbund besser erschienen, weil er auf die Ausbildung der ganzen =LIV= Menschheit als Einer Person, in allen ihren innern Gliedern, hindeutet, und zugleich die Forderung ausspricht, daß die ganze Menschheit diesen Bund schließen soll. Daher kommt es, daß in den früheren Bogen dieser Schrift der Name Menschenbund, in den spätern aber meistens Menschheitbund, gebraucht ist.

  Als ich zu Ostern, 1809 nach Altenburg reiste, um meinen Vater zu besuchen, benutzte ich die mir vergönnten wenigen Tage dazu, meinen geliebten Freund Schneider über meine Schrift und über meine in den letzten Jahren gewonnenen Überzeugungen ausführlich zu sprechen. Ich theilte ihm die ersten abgedruckten 9 Bogen der vorliegenden Schrift mit, welche seinen Beifall hatten; auch zeigte ich ihm den ersten Theil des Manuscripts über den Menschheitbund und die Freimaurerbrüderschaft, und eröfnete ihm, dieß Manuscript durchgehend, meine Grundideen und Grundüberzeugungen über die Zukunft der Menschheit und unserer Brüderschaft, welche seine lebhafte Theilnahme erregten. Dieser würdige Bruder war schon früher zu der Überzeugung durch sich selbst gelangt, daß die Geschichtforschung in der Freimaurerbrüderschaft durchaus frei und öffentlich sein, und daß bloß das Ritual, und zwar fortwährend, verheimlicht werden müsse. Er gab mir aber in Folge mehrer Unterhaltungen zu, daß es vielleicht im Plane der Vorsehung liege, die Freimaurerei zu einem öffentlichen Institute zu machen. Damals sagte mir auch Bruder Schneider, daß die Loge Archimedes zu den drei Reißbretern in Altenburg ihr Ritual revidiren und verbessern, und zwar, daß sie streng das altenglische Ritual wieder herstellen wolle; und da ich ihm sagte, daß die folgenden Bogen meiner Schrift dieß alte Ritual in einer noch nie gesehenen Vollständigkeit, und zwar critisch bearbeitet, enthalten werde, so versicherte er, daß diese Schrift der erwähnten Loge bei jenem Geschäfte sehr erwünscht sein würde. Da nun der Bruder Schneider mich seitdem bei Ausarbeitung meiner Schrift mit wichtigen geschichtlichen Beiträgen unterstützte, welche ich auch allenthalben unter seinem Namen erwähnt habe; so übersendete ich ihm aus Dankbarkeit und Achtung die abgedruckten Bogen bis zum 23sten, sobald als, sie nach einander die Presse verließen. In einem Briefe vom 3ten März 1810 schrieb er mir: "... Außerdem ist hier Nichts in Bezug auf Ihre Schrift vorgekommen: man revidirt jetzt sogar unser Ritual wieder nach ihr, indem ich die bisher erhaltenen Bogen dazu hergegeben, mich aber auch, aus =LV= Gründen, von jeder Theilnahme losgesagt habe." Ich selbst hatte nicht das Mindeste davon gewußt, daß Bruder Schneider meine Schrift vor Beendigung des Drukkes jenen achtbaren Brüdern übergeben wolle, und ich habe überhaupt auch die Bearbeitung des altenglischen Rituals ohne besondere Rücksicht auf irgend eine Loge, unaufgefordert, bloß aus den oben angeführten Gründen, unternommen. Ich fühle mich übrigens der um die ganze Brüderschaft verdienten Loge Archimedes zu den drei Reißbretern in Altenburg noch besonders dadurch verpflichtet, daß sie mich zum Maurer aufnahm und den Dresdner Brüdern empfahl; daß ich durch den Bruder Schneider aus ihrer Bibliothek Entick's Constitutions, sowie die Yorker Constitution erhielt, die sie hatte herbeischaffen helfen, ohne welche meine Bearbeitung der ältesten Kunsturkunden unvollständig geblieben wäre; daß ich ferner die durch Einige ihrer gelehrten Mitglieder im Druck herausgegebnen lehrreichen Schriften, welche, nebst Feßler's Werken, gewiß das Gehaltvollste in der freimaurerischen Litteratur sind, sowie jeder Bruder, benutzen konnte; endlich auch, daß ich aus ihrem Archive Bruder Schroder's Critic über das Altenburgische Constitutionenbuch, nebst des Bruder Schneider's Anticritik über einen Theil derselben, sowie Bruder Schroder's Critic des Feßler'schen Versuchs einer critischen Geschichte, durch Bruder Schneider mitgetheilt erhielt.

  Bis hieher habe ich, meine gegenwärtige Schrift betreffend, alle die Umstände angeführt, welche ich aus guten Gründen dem Buche selbst beizufügen für nöthig fand. Über das, was seit sie durch Bruder Moßdorf angekündigt worden, und seitdem diese Ankündigung in dem Circularschreiben der Loge zu den drei Schwerdtern und den wahren Freunden vom 11ten October 1809 an alle mit ihr correspondirenden Logen, mit Bewilligung der Brüder Meister, gelegentlich versandt worden ist, in dieser Angelegenheit im Innern der deutschen Brüderschaft vorgefallen, schweige ich hier, da die Akten noch nicht geschlossen sind, und um dem Urtheile der Brüder nicht vorzugreifen. Nur einen einzigen Umstand muß ich noch im Allgemeinen hier erwähnen. – Es ist, diese meine Schrift betreffend, in den beiden hiesigen Logen Vieles vorgefallen, Vieles zwischen ihnen und auswärtigen Logen und Großen Logen verhandelt worden: ich selbst aber habe diese meine druckschriftliche Unternehmung nie in irgend einer Hinsicht zur Sache irgend =LVI= einer Loge, oder eines Logenbundes gemacht, und werde sie nie dazu machen. Es waren bei der Loge zu den drei Schwerdtern und den wahren Freunden Schreiben von den drei Großen Logen in Berlin, von der Großen Provinzialloge von Niedersachsen in Hamburg, und von den Johannislogen in Görlitz und Bautzen, eingegangen; ich setzte daher, von dem Meistercollegium der Loge zur den drei Schwerdtern aufgefordert, eine an Letztere gerichtete ausführlichere Erklärung auf, worin ich, in steter Hinsicht auf die erwähnten Schreiben, die Natur und die Rechtmäßigkeit meines drückschrittlichen Unternehmens, soweit ich es zweckmäßig fand, darlegte. Ich reichte diese Erklärung am 31ten Januar in einer Meisterconferenz ein, und die Brüder Meister beschlossen hierauf, nachdem sie dieselbe durch den hammerführenden Bruder von Brand verlesen gehört hatten, sie an alle die erwähnten Logen zu versenden; welches auch kurz darauf geschehen ist.

  Noch muß ich einer angenehmen Pflicht Genüge leisten. – Die Güte und Liebe mehrer einsichtsvoller Brüder hat mein Studium der Geschichte der Brüderschaft befördert, erleichtert und mit den Früchten ihres Fleißes geschmückt. Ihnen bin ich hier dafür noch besonders und ausdrücklich Dank zu sagen schuldig; ob ich es gleich ohnehin für Recht und Pflicht hielt, an jeder Stelle meiner Schrift, in wichtigeren, wie in weniger wichtigeren, zu erwähnen, Was ich Anderen verdanke, jedesmal den Urheber namentlich anzuführen, und auf diese Art das Eigenthum Anderer von dem Meinigen zu sondern; nur dann aber Niemanden zu nennen, wenn entweder Etwas allgemein bekannt, oder Resultat meines eignen Forschens ist.

  Mein verehrungswürdiger Freund, Bruder Schneider, unterstützte mich durch seine gedruckten und ungedruckten Aufsätze, und durch mündliche Mittheilung seiner reichen geschichtlichen Kenntnisse und vielfachen Erfahrungen, mit einer Offenheit und Freudigkeit, die allen echten Freunden der Wahrheit eigen ist, und noch jetzt vereinen wir unsere geschichtlichen Forschungen in geselligem Fleiße. Ich sage ihm nicht allein hier öffentlich dafür Dank, sondern werde es auch in Zukunft nie vergessen, wie uneigennützig er meine geschichtlichen Kenntnisse erweiterte, und vorliegende Schrift durch wesenliche Beiträge unterstützte.

  Dem um die Brüderschaft hochverdienten Bruder Feßler, der, nachdem er der Brüderschaft die schönsten Lebenjahre =LVII= gewidmet, und von ihr Gutes und Übles reichlich erfahren, dennoch den Maurerbund, sowie alles Gute und Schöne, mit der Liebe eines Jünglings umfaßt, habe auch ich durch das Studium seiner gedruckten und ungedruckten Maurerschriften, vorzüglich in Ansehung der Geschichte der Brüderschaft, Vieles zu verdanken. Ich hielt es für Pflicht, seine geistreichen Schriften auch im vorliegenden Werke treu und dankbar zu benutzen. Auch fühle ich mich ihm noch besonders dafür verpflichtet, daß er mir das hier im Auszuge abgedruckte Eßinger Ritual, zu freier Benutzung bei derselben, freiwillig und freundschaftlich mittheilte.

  Ihnen aber, geliebter Bruder Moßdorf, bin ich den Dank des Bruders und des Freundes ganz vorzüglich schuldig. Noch ehe Sie mich kannten, noch ehe ich in die Brüderschaft aufgenommen wurde, hatten sie schon eine lange Reihe von Jahren zur Veredlung, der Brüderschaft gewirkt, Sich selbst über viele damals herrschende Vorurtheile erhoben, mit unermüdetem Fleiße die Geschichte der Brüderschaft studirt und die reichen, unschätzbaren Sammlungen über dieselbe zu Stande gebracht, denen so viele andere Brüder, ich aber unter ihnen Allen am meisten, und besonders für diese Schrift, gründliche Belehrungen verdanken. Sie hatten Nichts unbeachtet gelassen, was zum Besten der Brüderschaft von Ihren Zeitgenossen gewirkt wurde, und nahmen daher vorzüglich an Feßler's redlichen und geistvollen Bemühungen, der Brüderschaft aufzuhelfen und ihr eine edlere Richtung zu geben, den wärmsten, thätigsten Antheil; und mit Recht nannte Sie die gerechte und vollkommene Loge zum goldnen Apfel, in ihrem Cirkularschreiben vom 16ten November 1808, worin sie erwähnte, daß sie Sie im vorigen Jahre zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt habe, "den eifrigen und scharfblikkenden Archivar der Maurerei." Seit uns gemeinsame Liebe zur Brüderschaft, gemeinsames Studium ihrer Geschichte, gemeinsame Hofnungen ihrer Veredlung immer inniger und fester verbanden, haben Sie auch meine Bestrebungen aus besten Kräften befördert, und durch Ihre mannichfaltigen Kenntnisse, durch Ihre ausgebreiteten Verbindungen und Erfahrungen unermüdet sich bemüht, auch mein geschichtliches Wissen, auch meine Erfahrungen und meinen Wirkungskreis in der Brüderschaft zu erweitern. Es war mir eine innige Freude, in Ihnen einen Mann, und einen wahren Freund, zu haben, dem ich meine Gedanken und Ideen über die Brüderschaft, =LVIII= sowie sie in mir aufkeimten, mittheilen könnte, der sie mit Theilnahme empfing, und mich zur Ausbildung derselben ermunterte. Nehmen Sie meinen herzlichen Dank für alle die uneigennützigen Mühen, für alle den Zeitaufwand, wodurch Sie mich bei Ausarbeitung dieser Schrift mit literarischen Beiträgen reichlich unterstützten, und womit Sie sowohl für die grammatische Deutlichkeit und Correctheit meiner schriftlichen Darstellung, ohne die Eigentümlichkeit derselben irgend zu verletzen, als auch für die Correctheit des Abdrukkes, sorgten; für alle Ihre Bemühungen, die Brüderschaft auf meine Schrift zweckmässig vorzubereiten, den weiten Kreis Ihrer Verbindungen auf dieselbe aufmerksam zu machen, und ihr so auf alle Weise Eingang und Wirksamkeit zu verschaffen! Nehmen Sie die Versicherung meiner hohen Achtung, die ich deßhalb besonders für Sie empfinde, daß Sie allezeit den Muth haben, sich zur Wahrheit frei und offen zu bekennen, und männliche Standhaftigkeit, ihr treu zu bleiben! Sie haben es, seit dem Erscheinen Ihrer Ankündigung meiner Schrift, vielfach bewiesen, daß Ihnen Wahrheit und Recht lieber ist, als noch so ehrenvolle, noch so erfreuliche Verhältnisse, sobald sie mit der Schmach verbunden werden sollen, die erkannte Wahrheit zu verleugnen. Lassen Sie uns, in Lieb' und Treue zu nützlichem Fleiße untrennbar vereint, die Flamme der Freundschaft keusch bewahren, und in dem Bewußtsein, recht gethan zu haben, sowie in der Hofnung, daß unsere Mühen nicht verloren seien, stets neuen Muth und junge Kräfte finden!


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« Vorbericht der 1.ten Ausgabe - II.Vorbericht der 1ten Ausgabe - IV. »


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Coat of ArmsHaupt-Inhaltsverzeichnis

Coat of ArmsMain Table of Contents

« Einführung und Leitfaden zur ÜbersetzungIntroduction and Guide to the Translation »



« Zwekke dieses WerkesPurposes of this Book »



« Inhalt - 1ten Abtheilung des ersten BandesContents - Section 1 - Volume 1 »



« Inhalt - 2ten Abtheilung des ersten BandesContents - Section 2 - Volume 1 »



« Inhalt - 1ten Abtheilung des zweiten BandesContents - Section 1 - Volume 2 »



« Inhalt - 2ten Abtheilung des zweiten BandesContents - Section 2 - Volume 2 »



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