Abschrift
des Karl Christian Friedrich Krause's Buches
Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft
zusammengestellt, überarbeitet und ins Englische übersetzt
aus Google Books
von Bruder Vincent Lombardo
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Durch die unter den Text der ältesten Lehrlinglection gesetzten Anmerkungen wollte ich vorzüglich diese Kunsturkunde aus ihr selbst erklären, und zum richtigen Verstehen und Würdigen derselben Anleitung geben. Die nun folgenden einzelnen Bemerkungena) sind bestimmt, theils die obigen fortzusetzen, theils aber auch, und vorzüglich, einzelne Stellen durch Zeugnisse und Erläuterungen anderer verehrten Brüder, und durch meine eignen gesammelten Kundnisse, noch mehr aufzuhellen, und durch weitere Erörterungen der Lehrbilder und Gebräuche diese noch fruchtbarer zu machen.
Die Hauptquellen, welche ich überhaupt bei der Bearbeitung der zweiten Kunsturkunde, und bei diesen weiteren Bemerkungen insbesondere, benutzte, habe ich bereits in der Vorerinnerung zu der zweiten Kunsturkunde (I, S. 126-130) angezeigt. Der in dieser zweiten Ausgabe (I, S. 297-322) mitgetheilte vollständigere Auszug des Essinger Rituales, und noch mehr die (in dieser zweiten Abtheilung enthaltene) vollständige Darstellung des neuenglischen Lehrfragstükkes des Lehrlinggrades, setzen mich in den Stand, die nachfolgenden Bemerkungen reichhaltiger und einleuchtender zu machen. Von dem Vorrathe des seit dem Jahr 1810 hierzu Gesammelten kann ich indeß nur einen Theil hier einweben.
Ich finde es zweckmässig, aus dem dritten Bande von Bruder Feßler's sämmtlichen Schriften über Freimaurerei (Freiberg, 1807, bei dem Bruder Gerlach,) diejenigen Bemerkungen und Ansichten der ältesten Lehrlinglection hier einzuschalten, welche mir wichtig schienen. Alles, was dieser, um die Belebung eines reinen, würdigen Geistes der Masonei in den Logen, und im Heiligthume jedes =278= Bruderherzen, hochverdiente Bruder über die älteste Freimaurerbrüderschaft und ihre Kunsturkunden in der angeführten Schrift sagt, ist geistreich und herzlich, und dabei mit so gründlicher Gelehrsamkeit ausgeführt, daß es jedem Bruder lehrreich und erwekkend sein wird, diese Schrift des Brs. Feßler zu lesen.
Andere Schriften, die ich in einzelnen Stellen benutzt habe, sind an jedem Orte angezeigt worden.
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a) Siehe I, 130!
Anmerkung. Ich werde im Folgenden des ersten Bandes erste Abtheilung mit I, dessen zweite mit II, des zweiten Bandes erste Abtheilung mit III, und dessen zweite mit IV bezeichnen.
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[The enter'd Prentice's Lecture.]
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Diese Urkunde führt zwar seit länger als einem Jahrhunderte die Überschrift: the entered Apprentice's Lecture, d.i. des neuaufgenommenen Lehrlinges Lehrstück (Lection); allein, da dieselbe nicht die geringste Aüßerung enthält, woraus man, ohne jene Überschrift zu kennen, schließen würde, daß hier von einem Lehrlinge die Rede wäre; und da vielmehr die Namen: Lehrlinge, Gesellen und Meister,a) darin gar =279= nicht vorkommen: so muß schon hieraus in jedem vorurtheillosen Leser ein Verdacht wider das vorgebliche Alter und die Echtheit dieser Überschrift entstehen. → [— Allein nicht nur …]
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a) Bloß der Meister der Loge wird Master genannt; und Fellow heißt hier Genoß, (nicht Fellow-Craft, d. i. Zunftgenoß, Zunftgesell im jüngeren Sinne,) das ist jeder mündige, ausgelernte Mitarbeiter an irgend einem Baue. In der Antwort auf die 30te Frage steht zwar, daß der Aufnahmling auf die erste Stufe (von drei Stufen) des am Boden gezeichneten Vierekkes trete; ferner werden ihm Zeichen, Wort und Griff "eines neuaufgenommenen Lehrlinges" mitgetheilt: allein die genauere geschichtliche Untersuchung ergiebt ebenfalls, daß diese Erkennzeichen erst späterhin in drei Grade vertheilt wurden; woraus sich dann von selbst versteht, daß alsdann die Worte: "eines neuaufgenommenen Lehrlinges" in diese Stellen der alten Urkunde beigeschrieben werden mußten, da die Abschriften derselben in den Logen gebraucht wurden. Doch ist Dieß nicht einmal in allen Stellen geschehen. So heißt es zB. in der 30ten Antwort noch ganz richtig: "die Verpflichtung [oder Eid] eines Maurers;" aber zum Schlüsse des an die Stelle der alten Verpflichtung eingeschobnen vernunftwidrigen Eides ist gesetzt worden: "Verpflichtung des nenaufgenommenen Lehrlinges."
→ — Allein nicht nur dieser Umstand, sondern Alles, was uns über die Verfassung der alten römischen Zünfte, sowie über die aller Bauhütten des Mittelalters überhaupt, und der Bauhütten in den britischen Inseln insbesondere, bekannt ist, (wovon ich das Wissenswürdigste in der zweiten Abth. des 2ten Bandes zusammengestellt habe,) beweiset, daß weder Lehrlinge, noch Gesellen (in dem Sinne der später entstandenen städtischen Zünfte) Brüder-Mitglieder der Bauhütte waren; daß vielmehr damals eigenlich noch keine Gesellen (im Sinne der heutigen städtischen Zünfte), im Gegensatze der Meister einer und derselben Loge, vorhanden waren. Denn nur Ausgelernte wurden als Brothers (fratres), Brüder, und Fellows, das ist als Zunft genossen, aufgenommen. Der Lehrling mußte viele Jahre lernen, (s. die Yorker Constitution!) und war nicht Mitglied der Loge, worein nur Mündige, Männer von gutem Rufe, nur Kunsterfahrne, aufgenommen wurden, welche eigenlich Masons, nicht aber Masters, hießen; mit welchem Namen ein Mason nur benannt wurde, insofern er einem Baue vorstand. Noch nicht einmal Ashmole (s. das Register unter diesem Namen!) erwähnt des Gegensatzes zwischen Lehrlingen, Gesellen und Meistern, weder in Hinsicht der arbeitenden Bauleute, noch der für die Zunft nützlichen Nichtbaukünstler, die man angenommene Brüder oder Maurer (fratres acceptos, accepted Masons) nannte, dergleichen auch Ashmole Einer war.a) — Erst =280= nachdem die während der Staatsunruhen in England überaus vermehrte Annahme von Nichtbaukünstlern die Veranlassung wurde, auch diese Gesellschaft, sowie so manche andere, zu einer Vereinigung für politische Zwecke zu benutzen, und zu dem Ende immer mehre Nichtbaukünstler aufzunehmen, und erst, als man hierzu mehre Stufen der Vertraulichkeit brauchte, entlehnte man, auf eine der Würde der alten, aus lauter Masons bestehenden Loge geschichtlich unangemeßne und ebenso mit dem Urbilde eines allgemeinmenschlichen Vereines unvereinbare, Weise aus den mittlerweile entstandenen und ausgebildeten städtischen Zünften jenen, dem Urbegriffe und dem Urbilde der geistigen Freimaurerei (der Geistmaurerei) widerstreitenden, Gegensatz von Lehrlingen, Gesellen und Meistern, um dadurch nicht Lehrlinge, Gesellen und Meister der Baukunst, sondern die verschiedenen Stufen geheimer Vertraulichkeit, zu bezeichnen; Maurerlehrlinge aber und Maurergesellen, im Sinne der städtischen Zünfte, sind, meines Wissens, zu keiner Zeit in die, noch neben den jüngern städtischen Zünften fortdauernden, Bauhütten und Logen der Freimaurer als Mitglieder aufgenommen worden; und =281= selbst in den städtischen Zünften haben nur Meister die eigenliche Mitgliedschaft in dem Sinne, in welchem in dieser unserer alten Aufnahmurkunde das Recht derselben ertheilt wird. Die Überschrift dieser zweiten Kunsturkunde: the Entered Prentice's Lecture, ist also gewiß unecht, und nach 1640 gemacht. Vielleicht hieß es: the Entered Brother's, oder the new accepted Mason's or Brother's (or Fellow's) Lecture.
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a) Es wurden schon sehr früh Nichtbaukünstler als Patrone in die Brüderschaft aufgenommen, (siehe die Yorker Constit. !) und es stammt dieser Gebrauch eigenlich aus den römischen Baucorporationen, wie zahlreiche Inschriften (in IV, S. 153 - 161, vorzüglich 158, n. b) uns lehren. Zu den Zeiten der politischen Beschäftigungen, da sich das Maurerhandwerk und andere schon längst von der Brüderschaft abgesondert hatten, nahm man dann freilich auch brauchbare Menschen aus allen Ständen auf. (Siehe Ashmole's Nachrichten IV, S. 281 - 289, Prichard's Vorbericht zu seiner Masonry dissected (hier zuvor S. 56 - 64), auch the Grand Mystery (hier S. 26 - 49), the Thinker upon Masonry, Nicolai's Schriften, und Lawrie's Geschichte der Freimaurerei, Freiberg, 1710, S. 96 und S. 357 f. meine Anmerkung zu letzterer Schrift!) Die vollkommne Trennung von den Baukünstlern, und die Erhebung zu einem allen Ständen gehörigen geselligen Vereine, ist zuerst von dem neuenglischen Großmeisterthume bewirkt worden; und =280= dann hieß (siehe das Anderson'sche Constit. Buch, und Browne S. 33, sowie auch die an GM. beigefügten satirischen Briefe!) an accepted Mason, d. i. ein angenommener Maurer, freilich etwas ganz Anderes, als jemals zuvor, wo man nur deßhalb Personen aus andern Ständen annahm, um Beförderer der eigenlichen Baukunst, und der Zunft der Bauleute, zu gewinnen; wie Dieß die an Lawrie's Geschichte anhangenden beiden schottischen Urkunden v. J. 1630, welche ich in IV, S. 353 f., aufgenommen habe, beweisen. In dieser, deutlich ausgesprochenen, und in die Verfassung der Brüderschaft mit ausdrücklichen Worten aufgenommenen, Trennung und Unabhangigkeit von der eigenlichen Baukunst und von den diese betreibenden Künstlern und Gewerken, welche schon zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts begonnen, (siehe das Altenb. Constit. Buch, S. 228) aber für England erst im Jahr 1717 vollendet wurde, liegt das wesenliche, ein neues Lebenalter der Freimaurerei beginnende und begründende, Verdienst der neuenglischen Großloge (vergleiche IV, S. 307 - 320!); welcher dann, nach mancherlei Widerstreben, (wie z. B. die erwähnten, in GM. beigefügten, satirischen Briefe, the Thinker upon Masonry, und andere Schriften wider das NE. Großmeisterthum, bezeugen,) alle noch übrigen Maurerlogen in England, Schottland und Irland folgten; (siehe meine Anmerkungen zu Lawrie's Geschichte S. 365!) obgleich in Schottland noch jetzt einige Verbindung der Handwerkmaurer mit der Großloge stattfinden soll.
Diese Annahme stimmt ferner mit dem ganzen Inhalte der Urkunde überein; denn die ganze Handlung, sowie alle einzelnen Gebräuche derselben, sind passend und gewähren einen verständigen Sinn, sobald man annimmt, daß die Handlung mit einem Erwachsenen, mündigen, kunsterfahrnen Manne vorgeht; erscheinen aber Ungereimt, wenn man sich einen unmündigen Jüngling als Aufnahmling denkt. Derselbe verlangt die Wohlthat der Mitgliedschaft, nicht der Lehrlingschaft, und die Benennungen: Brother, Fellow, and Master, werden in dieser Hinsicht als völlig gleichbedeutend gebraucht; (s. besonders Fr. 12 und 26!) auch ist in der ganzen Urkunde keine Spur des geringsten Unterschiedes oder Vorrechtes zwischen Mason und Mason, und selbst der Master [of the Lodge], der Meister (der Loge), wird oft vorzugweise the Mason, der Mason, der Baukünstler, genannt.a)
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a) Siehe GM. Fr. 18, hier I, Abth. 2, S. 56; IV, 221, Sp. a., Z. 3! The King's Mason heißt in einer andern Urkunde des Königs Baumeister.
Die offenbarste Bestätigung aber, daß diese Behauptung geschichtlich richtig, ist in dem Anderson'schen Constitutionenbuche selbst enthalten, wo in den sogenannten old charges, d.i. den alten Grundgesezzen des neuenglischen Systemes, (welche eigenlich die nach den veränderten Gesellschaftzwekken des neuenglischen Großmeisterthumes umgemodelten uralten Grundgesetze der Yorker Constitution sind,) wahrscheinlich aus Unachtsamkeit, die uralte Verfassung der Brüderschaft in Ansehung der Lehrlinge, Genossen und des Meisters, (der bei jedem Baue und in jeder Loge nur Einer war,) noch beibehalten gefunden wird.b) Es heißt daselbst =282= (siehe hier 2n Bds. erste Abth. S. 30 f.!) ausdrücklich: "daß kein Meister einen Lehrling annehmen solle, wenn derselbe nicht ein vollkommener Jüngling, dessen Leib ohne Verstümmelung (Fehl) oder Gebrechen ist, welche ihn unfähig machen könnten, die Kunst zu erlernen, seines Meisters Bauherren zu dienen, zum Bruder und zu gehöriger Zeit zum Gesellen gemacht zu werden, sobald er die Anzahl Jahre gedient hat," [nehmlich sieben,] "welche die Gewohnheit des Landes vorschreibt." Auch mehre Stellen des neuenglischen Lehrlingfragstükkes, besonders bei Browne, vorzüglich Dessen 181te Frage und Antwort, (welche ich hier S. 133 f., nebst meiner 173ten Bemerkung dazu, nachzulesen bitte,) stimmen hiermit völlig überein. Hieraus ist offenbar, daß erst der ausgelernte Lehrling zum Bruder, das ist zum Mitgliede der Gesellschaft der freien Maurer, gemacht wurde, und mehre echte, einzelne, geschichtliche Nachrichten lehren, daß Brother und Fellow oft gleichgeltend gebraucht wurden. (Siehe z. B. die folgende Note zur dritten Frage, und IV, S. 286, Z. 24!) Der Name: Bruder, ist daher wohl der allgemeine Name für jedes Mitglied, für die nenaufgenommenen ausgelernten Lehrlinge, den Master und die angenommenen Maurer.a)
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b) Diese Stelle ist auch im Const. Buche vom J. 1815 unverändert beibehalten worden. Es ist wohl zu bemerken, daß in obiger Stelle nicht gesagt wird, daß der Lehrling zum Gesellen, und dann zum Meister, gemacht werden solle, sondern bloß zum Gesellen, und (wie es im Verfolg dieser Stelle ferner heißt) weiterhin zum Aufseher, oder zum =282= Meister der Loge (Master of the Lodge), welcher nur Einer war, und den Namen Meister allein führte.
a) Man könnte die überschrift unserer Urkunde dadurch zu retten suchen, daß man annähme, entered Apprentice, hieße ein ausgelernter Lehrling, der in die Brüderschaft tritt (who enters the Lodge as Brother), zumal da in Fr. 14 es heißt: "enter! " "tritt herein!" — Allein wenigstens der, seit mehren Jahrhunderten bestehende, englische Sprachgebrauch ist wider diese Annahme.
Aus diesen geschichtlich erwiesenen Umständen ergeben sich andere, für die Entfaltung der Freimaurerbrüderschaft, und für die Prüfung des Alters und der Echtheit angeblich überlieferter Urkunden wichtige Folgerungen. So wird man, dem Gesagten zufolge, vergeblich nach alten Ritualen des sogenannten Gesellen- und Meister-grades suchen. Denn da es nur Logenversammlungen von Einer Art gab, und nur Ein Ritual für alle Brüder, welches wir noch in unserer zweiten Kunsturkunde im Wesenlichen echt aufbewahren; und da selbst die allgemeinen Versammlungen der Freimaurer zu York, nach Preston's glaubhaften Nachrichten, keine von den andern Logenversammlungen abweichende Form hatten, so fällt die Vermuthung =283= höherer Grade und Rituale derselben ganz weg, ja der Begriff: Grad, ist überhaupt der alten Masonei, ihrem Urbegriffe und ihrer Geschichte nach, ganz fremd. Als aber die Brüderschaft seit der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts wegen politischer Zwekke sowohl die städtisch gewordene Maurerzunft, als auch die geistlichen und ritterlichen Orden, der Wesenheit der uralten Masonei zuwider, nachahmte, und in der Brüderschaft Grade stiftete, die eine Stufenfolge von Heimlichkeiten bildeten, so mußten sie nothwendig neue Rituale erfinden, wozu sie den Stoff zum Theil aus dem alten echten Ritual entlehnten, das sie zu diesem Zwekke verstümmelten, theils diese Rituale neu ersannen, und dabei sich besonders biblischer und rabbinischer Überlieferungen bedienten, welche sie willkührlich umgestalteten und weiter ausführten, bis sie bequem wurden, eine brauchbare, den Vertrauten verständliche, und im Fall der Entdekkung vor Gericht unverfängliche Chifer ihres politischen Geheimnisses zu sein.a)
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a) Dieses ist ausführlich bewiesen in Br. Feßler's hand schriftlichem Versuche einer kritischen Geschichte der Freimaurerbrüderschaft. S. 295 - 321.
Bemerkung über den Gebrauch dieses Lehrfragstükkes.
In Schottland werden sehr oft maurerische Zusammenkünfte gehalten, wobei sich die Brüder die Gebräuche und das Fragebuch einprägen. Keher. 1) Dasselbe erzählt auch K. von den Irländern. (Siehe K. , S. 3 und 4!) Wie wenig geheimnißkrämerisch die schottländischen Brüder mit dem Gebrauchthume (Ritual) umgehen, berichtet Br. Keher (S. 12 ) folgendermaßen: "Jeder Bruder Meister muß, auf Verlangen, das Ritual seiner Loge, auch Abschrift davon, erhalten. Er kann es auch fremden echten Brüdern, oder auch einer fremden echten Loge, oder auch einer neuen Loge, zum Behuf ihrer Errichtung, mittheilen. Wird es ihm verweigert, so kann er sich bei der Großen Loge beschweren."
2te Frage. Ein Geheimniß. Im neuenglischen Systeme sind die drei großen Lichter nicht mehr das Hauptlehrzeichen (Hauptsymbol), sondern vielmehr die drei großen Grundsätze: Bruderliebe, Hülfe und Treue. (Br. Fr. 186, hier S. 235 - 237, nebst einer schönen Abhandlung, betitelt: "Lobrede auf die brüderliche Liebe, Hülfleistung und Treue.") Schon in GM. finden =284= wir [Fr. 40, hier S. 42,] drei besondere Punkte: Brüderschaft, Bundestreue und Verschwiegenheit, welche Bruderliebe, Hülfe und Treue [Fr. 41 ] vorstellen. Daher liegt auch das Geheimniß im NE. Systeme nicht ebenso versinnbildet zwischen dem Meister und jedem Bruder. Dafür heißt es aber bei Browne, (32ste - 37ste Fr. hier S. 128 ff.): "Warum wurden Sie zum Maurer gemacht?" "Um der Heimlichkeit willen, (for the sake of Secrecy,) und um aus der Finsterniß zum Lichte gebracht zu werden." — "Haben die Maurer einige Geheimnisse? " "Viele, und welche von großem Werthe." — "Wo verwahren sie dieselben?" "In ihren Herzen." — "Wem vertrauen sie dieselben an?" "Keinem, außer Brüdern und Genossen. " — "Wie entdekken sie dieselben?" "Durch Zeichen, Merkmale und besondere Worte." — "Wie gelangen sie zu denselben?" "Mir Hülfe eines Schlüssels." Dieser Schlüssel, den schon GM. (Fr. 22 - 26, hier S. 38 f.,) als Logenschlüssel (a Key of the Lodge) anführt, wird dann (Br. , Fr. 42,) ein maurerischen Geheimniß (a Masonic Mystery) genannt. Bei Prichard (Fr. 65 - 71, hier S. 76 f.,) kommt hierüber Dasselbe, was Browne enthält, vor; doch heißt es daselbst, von Letzterem abweichend: (Fr. 65) "Was sind die Geheimnisse (das geheime Wesen) eines Maurers?'' "Zeichen, Merkmale und einige (mehre) Worte." Nach Prichard und Br. ist also die Maurerei kein Geheimniß, sondern sie hat mehre Geheimnisse. Diese Geheimnisse sind nach Pr. bloß Zeichen, Merkmale und Worte; nach Br. hingegen werden die Geheimnisse selbst nur durch Zeichen, Merkmale und Worte mitgetheilt. Nach Pr. (Fr. 10, hier S. 66 f.,) "verhehlet der Bruder alle Heimlichkeiten (Geheimnisse) und geheimes Wesen (all Secrets and Secrecy) der Maurer und der Maurerei." Und in der 14ten der vom König Edred bis auf Heinrich VIII. gesammelten, der Yorker Constitution beigefügten, Satzungen heißt es: "Bei allen Beschlüssen soll man die alten Regeln" (old charges, Altgesetze) "und Grenzen der Verschwiegenheit (the Marks of the Secrecy) vor Augen haben."
3te Frage. Hier heißt die ganze Maurerei ein Geheimniß; doch gewiß nur in dem Sinne, den der Geist des alten Gebrauchthumes, die übrigen Kunsturkunden und alle Thatsachen der ältesten Geschichte der Anstalt bewahren. (Siehe I, S. 18 die Noten, und S. 112!) =285=
Zu der 5ten Bemerkung (I, S. 137) mache ich noch merksam auf die aus der Schrift: Ahiman Rezon, usw., 1813, gegebnen geschichtlichen Kundnisse über den neuern Ursprung der Benennungen: Freemason und Freemasonry, (s. das Sachverzeichniß unter: Freemason!); sowie ich auch hier Prichard's Vorbericht (S. 56 - 64) nachzulesen bitte.
4te Frage. Die Bedeutung von Fellow, Genoß , die ich in der 6ten Note (I, S. 137) angebe, wird auch durch die fünf Punkte der Genossenschaft, von denen ich bei Gelegenheit der 44ten Frage reden werde, bestätigt. In einer alten Handschrift (S. Preston's Ill., 1792, p. 185, und 1812, p. 156, die Note!) wird der Alderman der Stadt zum Genossen (Fellow) gemacht und dem Meister beigegeben, um dessen Amtansehn zu unterstützen. In GM. (Fr. 9) heißt es: "Was ist ein Genoß (Fellow)?" "Ein Gefährte eines Prinzen." Und im Br. (Fr. 8) heißt es: "Der Maurer ist — — der Genoß eines Fürsten (Fellow to a Prince)."
M. antwortet auf die 4te Frage! "Ich bin so angenommen und frei worden unter Brüdern und Gesellen.'' Vermuthlich hat in einem englischen Originale gestanden: "and became free," oder: "and made free amongst etc." Dieses ist ein bei allen Zünften noch jetzt gewöhnlicher Kunstausdruck, und heißt: "in die Zunft aufgenommen, und zur Arbeit berechtigt werden." Nicolai führt (Versuch usw. B. I, S. 192) das Beispiel an: "because he was not free amongst them;" und in einem Liede (The Freem. Pocket Companion; Edinb. 1763; p. 240.) finde ich: "Come, jest, love and laughter, ye joyful throng, you're free of the Lodge, and to Masons belong." "Kommt, Scherz, Liebe und Lachen, ihr freudenvolle Genossen! Ihr seid zünftig in der Loge, und gehöret den Maurern."
Noch ist zu bemerken, daß in unserer Urkunde, sowie auch in den beiden andern ältesten Kunsturkunden, zum Beweis ihres Alters, nur die Namen: Maurer, Maurerei, nie Freimaurer, Freimaurerei, vorkommen. Denn anfänglich gab es in England keine andern Masons, als unsere nachher sogenanntena) Free-Masons, =286= und bloße Tagelöhner (Labourers); auch waren diese Masons nicht etwa bloß Maurer in unserem Zunftverstande, sondern auch Steinarbeiter, Steinmetzen, deren Gewerk edler, umfassender ist, als das der Maurer (s. IV, 233 - 261), und auch in Deutschland noch lange das Recht behielt, die jetzt sogenannte Maurerarbeit selbst zu machen, ohne sich der Maurerzunft zu bedienen. (S. Zedler's Universallexicon unter: Steinmetz!) Da sich aber nach und nach städtische Zünfte ausbildeten, so entstanden zweierlei Maurer, bloß städtisch zünftige, und alte Freimaurer, die sich nun im Gegensatz, wegen ihrer alten Privilegien, Freimaurer nannten. → [Daher …]
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a) Geschichtlichen Außchluß, weßhalb die im Jahr 1717 gestiftete Großloge den Namen: Freemasons, annahm, giebt die Schrift: Ahiman Rezon, (vom Jahr 1813) in einer Stelle, die ich schon (S. 60, n, *) erwähnt habe, und weiter unten mittheilen werde.
→ Daher finden wir in GM. (Fr. 8 - 10) Maurer und Freimaurer ausdrücklich unterschieden, und bemerkt, "daß man einen Freimaurer an Zeichen, Wort und den Punkten der Aufnahme erkennen soll. " Die NE. Großloge nahm den Ausdruck: freie und angenommene Maurer, wieder in einem andern Sinne. (S. mehre weiter unten folgende Bemerkungen zur 52 - 56ten Frage, I, S. 311-315, die Bemerkungen zu Prichard, hier S. 60 ff., und zu Browne Fr. 176, hier S. 232 f., sowie das Sachverzeichnis bei Freimaurer!) — Noch bemerke ich, daß das Wort: Mason, ursprünglich nicht einmal Steinhauer, Steinmetz, sondern eigenlich einen erfindsamen Künstler überhaupt, anzeigte, und zwar völlig in dem Sinne der ersten Kunsturkunde; sodaß Dichter, Musiker, Mathematiker, Astronomen, Bildhauer, Mahler, Landbaukünstler, Baumeister, insgesammt mit dem Namen: Mason, bezeichnet werden. Den wortkundlichen Beweis siehe IV, S. 360 ff., 398 ff., 427 ff.! Daher heißt auch Masony, (welches Wort ich übrigens noch nirgends von der Maurerei gebraucht gefunden habe,) oder Masonry eine Gesellschaft erfindsamer Menschen, oder, im Sinne unserer ersten Urkunde, eine Gesellschaft Lebenkünstler. Mithin konnten auch die Tempelherren ihre Gesellschaften Masoneien nennen, und die Dichter des Mittelalters von einer himmlischen Messenei, das ist Gesellschaft der Heiligen und Seligen, reden. (S. IV, 404 ff.!) Möchte doch das übellautige Freimaurer, Freimaurerei, da es sogar unrichtig ist, einer bessern Benennung weichen! Anstatt Freimaurerei könnte Masonei, für Freimaurer Mason, gesagt werden.a)
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a) Ebenso für Freimaurer Freimason, für Freimaurerei =287= Freimasonei. In IV, S. 563 ff. habe ich diese ganze Wortfamilie entfaltet.
=287= In der neuenglischen Lection (GM., Fr. 9; Pr., Fr. 5; Br., Fr. 17) wird hier noch die Frage eingeschaltet: "Wie soll ich erkennen, daß ihr ein Maurer" (GM. hat Freimaurer) seid?" "Durch Zeichen, Merkmale, und die vollkommenen" (vollständigen) "Punkte meines Antritts" (Einlasses); worauf dann diese drei Dinge vorläufig erklärt werden. Noch will ich hier auf die sinnreichen 25 und 26ten Fragen und Antworten im Br. merksam machen, welche eine schöne Andeutung der Allgemeinheit der Maurerei enthalten. (S. hier 124 f. !)
5te Frage. Als Grund dieses Erfordernisses führt Feßler an: "weil das Weib die ersten Keime der menschlichen Anlagen und Kräfte in dem Kinde entwikkeln und befruchten soll; wozu die alten, freien Maurer die Magd, oder die Beischläferin, für unfähig hielten." — Es ist mir indeß kein geschichtlicher Beweis bekannt, daß die alten Maurer gerade Dieß gedacht hätten; und hätten sie es gedacht, so könnte ich ihnen nicht beistimmen. a)
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a) Die Gründe, weßhalb ich hierin nicht beistimme, findet der Leser zum Theil in meinen Bemerkungen zu Browne's Master - Key. (Siehe hier besonders S. 120, n. 27, S. 151, n. 74, S. 212, n. 142 und 228 f., n. 165 und 166!)
— In England fand unter den Römern, Angelsaxen, Dänen und Normannen Leibeigenschaft statt. In den angelsaxischen Gesetzen (S. Wilkin's Leges Anglo-Sax. eccl. et civ., London, 1721, Fol.!) kommen viele die Leibeignen betreffende Gesetze vor, woraus man sieht, daß die Könige, auf Anrathen der Geistlichkeit, die Leibeigenschaft zu mildern und zu vermindern suchten. Noch im Jahr 1272 waren die Einwohner mehrer Städte nicht viel mehr, als Leibeigne des Königs, oder ihrer Territorialbaronen; erst um's Jahr 1453 nahm die Leibeigenschaft ab, und wurde späterhin erst ganz abgeschaft. (S. Spittler's Entw. der Geschichte der Europ. Staaten, Berlin, 1807, Theil 1, S.379 und 386!) Daher hatte unsere Frage und Antwort eine Veranlassung in der Landverfassung, und rührt aus den Zeiten her, wo die Leibeigenschaft noch in England bestand. — Freilich konnte Anderson im J. 1723 sein Constitutionenbuch (S. 47) mit den Worten schließen: "Und nun, da die freigebornen britischen Völker sich von fremden und auswärtigen Kriegen losgewunden haben, kann auch die Maurerei neu aufblühen …" Auch enthält die =288= dritte Kunsturkunde, die Yorker Constitution, dasselbe Gesetz, und Anderson hat es im NE. Constitutionenbuche beibehalten; indem in der 3ten sogenannten alten Pflicht (s. IV, 29, 50!) verlangt wird, jedes Mitglied irgend einer Loge solle "ein guter und treuer Mann, freigeboren, von reifem und verständigem Alter, kein Leibeigener, kein Weib, kein unmoralischer, in Schande gefallener, sondern ein Mann von gutem Rufe, sein." — Merkwürdig sind daher in GM. (Fr. 9) die Worte: "Was ist ein Maurer?" "Ein Mann, gezeugt von einem Manne, geboren von einem Weibe, Bruder eines Königs." — Keher berichtete: "Daß der Aufzunehmende ein freier Mann sei, wird durchaus erfordert; Bediente und gemeine Soldaten können nicht einmal als dienende Brüder aufgenommen werden." Im Br. heißt es (Fr. 8): "Was für ein Mann muß ein freier und angenommener Maurer sein?" "Ein freier Mann, von einem freien Weibe geboren, der Bruder eines Königs, der Genoß eines Fürsten, oder der Gesellschafter eines Bettlers, wenn derselbe ein Maurer ist." Hierauf wird daselbst (hier S. 118 f.) in einer besondern Anmerkung der von mir angedeutete, im Moses I, 21, 14 gelegene, Grund dieser Vorschrift weiter ausgeführt.
6ste Frage. Diese Stelle fehlt zwar in GM. und in Pr., steht aber rein und vollständig im Browne (Fr.43); ist also auch von dem NE. Systeme angenommen.
Schon aus dieser Frage und Antwort sehen wir, daß hier unter Maurerei (Masonry, Masonei) mehr, als bloße Baukunst, verstanden wird; denn zu dieser, als solcher, braucht man nicht im Herzen vorbereitet zu sein.
"Diese Frage characterisirt das richtige sittliche Gefühl und die tiefen Einsichten der Verfasser des Rituals. Ist die Freimaurerei ein Geheimniß, welches in der erhabenen, unten vorkommenden, Bedeutung durch die Bibel, den Zirkel und das Winkelmaaß versinnbildet wird, so konnte die Frage nicht anders beantwortet werden, als gerade so, wie es hier geschiehet." Feßler. "Nur zu den im Freimaurerverhör unter Heinrich VI. erwähnten Künsten, zur Regierungkunst, der Religion, der Kunst, ohne Hülfe von Furcht und Hoffnung gut und vollkommen zu werden, nicht zum Ackerbau, Baukunst usw., ist es nöthig, im Herzen vorbereitet zu sein." Ebenders.
Daß im Mittelalter solche Einsicht da war, wissen Die, welche die religiösen Schriften dieser Zeit, sowie =289= Br. Feßler, kennen. Als ein Beleg möge folgende Stelle dienen, welche aus Richardus de St. Victore (einem schottländischen Mönche, der um's Jahr 1130 lebte,) in cant. c. 2. genommen ist. Ich entlehne sie aus der Schrift: Handbuch der Gottseligkeit, (Jerusalem 1789) auf den letzten Seiten. — "Das Herz ist jene Geheimkammer, worin in der Stille gelernt und gelehrt wird; allda wird man in der Erkenntniß des göttlichen Willens unterwiesen (Röm. 12, 2). Da werden gute Sitten und Tugenden im Wesen erlanget. Da wird man zu Beschauung göttlicher Dinge fähig gemacht. Zu dieser Kammer muß die Seele ihre Zuflucht nehmen, sich sammeln, eingehen, wie Moses zur Stiftshütte, um Gott Rath zu fragen, wie sie in allen zweifelhalten Sachen sich zu verhalten habe." — (Ich habe das Original dieser Stelle nicht nachlesen können.)
Hier schaltet auch Br. Feßler, als Erklärung, noch folgende Frage und Antwort ein. — "Wer ist in seinem Herzen zum Freimaurer vorbereitet?" — "Der Mann von gutem Willen und lebendigem Sinne für das Ewige, der im Drange seiner höhern Bedürfnisse Das, was der Ausdruck: Freimaurerei, bezeichnet, für das Höchste und Heiligste der Menschheit hält. Nur Wer so in seinem Herzen vorbereitet in die Bruderschaft eintritt, kann in derselben Befriedigung finden, und zur Würde eines kunstgerechten Freimaurers gelangen." — Wenn dereinst die Urbegriffe und Urbilder (Ideen und Ideale) des Menschheitlebens und des Menschenbundes in ihrer ganzen Fülle und Schönheit von unserer Brüderschaft anerkannt, und dieselbe nach diesen Urbegriffen und Urbildern, und durch sie, höher und der Menschheit würdig umgebildet sein wird: dann erst wird der Ausspruch, daß die Freimaurerbrüderschaft "nach dem Heiligsten und Höchsten" der Menschheit strebe, in voller Wahrheit gelten.
7te Frage: Anstatt dieser Frage hat Kh. Folgendes. — "An welchen Ort der Welt führte Dich Dein vorbereitetes Herz zur wirklichen Aufnahme?" — "Zum Orienta) in =290= N. (Name des Orts), zur constituirten Loge N. (Name der Loge)." Auch bemerkt Ebenderselbe: "In der schwarzen Kammer wird der Aufzunehmende gefragt, warum er Freimaurer werden wolle? Er antwortet: Gott habe es ihm in's Herz gegeben. — Von welcher Religion "er sei?'' und mehres Andere. (Vergleiche oben die ähnlichen Fragen aus M. , I, S. 308 f. !)
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a) Dieser jetzt allgemein eingeführte Ausdruck: "der Orient zu N.; im Oriente (oder Osten) der Loge N." kommt in keiner alten Urkunde vor, und kann darin nicht vorkommen, weil, nach der Lehre der ältesten Kunsturkunden, die Loge die ganze Erde umfaßt, die Freimaurerei, aber selbst "von Osten gekommen" ist, und der Meister "am Fenster der Ostseite der Loge sitzt, um den Aufgang der Sonne zu erwarten," =290= die Loge also zwar morgengestellt (orientirt), nicht aber selbst der Morgen, der Orient, ist.
8te Frage. "Der Aufzunehmende bekommt einen Strick um den Hals, an welchem ihn sein Pathe (Bürge), welcher allemal derselbe Bruder sein muß, der ihn vorgeschlagen, zur Loge bringt." Kh. — Im NE. System ist der Strick gleich bei dessen Entstehung abgeschaft worden; denn er findet sich weder in GM., noch in Pr., noch in Br. Vielleicht war er schon vor dem J. 1717 bei den zum Großmeisterthume zusammentretenden Logen nicht mehr im Lehrlinggrade gebräuchlich; denn er wurde frühzeitiger noch in den Logen, welche sich mit dem politischen Plane beschäftigten, aus dem Lehrlinggrade weggenommen, und dem sogenannten schottischen Grade, der auf den Meistergrad folgt, einverleibt, und späterhin Hiram's Ehrenband genannt. Die weiteren, früherhin (I, 139, n. 10) versprochnen, geschichtlichen Erläuterungen über diesen Strick siehe weiter unten zu der 57ten Frage!
"In a halting moving Posture," "in einer haltend - beweglichen Stellung," übersetzt M.: "in einer geraden beweglichen Stellung;" auch Pr. hat: "in a right moving posture," "in einer geraden (aufrechten) beweglichen Stellung." — Br. (Fr. 75) liest: "in a right humble, halting moving Posture," "in einer recht demüthigen, haltend-beweglichen Stellung."
In GM. werden gar keine Vorbereitunggebräuche erwähnt: da aber der Herausgeber dieser Urkunde Vieles weggelassen hat, so kann man daraus keinen verneinenden Schluß ziehen. Im Pr. fehlt der Strick, sowie das Blenden and Lichtertheilen. Vielleicht war das Blenden um's Jahr 1730 bei der großen Loge nicht gebräuchlich. Ich weiß aus guter Quelle, daß das Verbinden der Augen bei der großen Loge eine Zeit lang abgeschaft gewesen, hernach aber wieder eingeführt worden ist; sowie es sich denn auch bei Browne wieder umständlich findet. Das Verbinden der =291= Augen ist ein unfreisinniger (illiberaler) Gebrauch, der allerdings abgeschaft zu werden verdient.
9te Frage. M. antwortet: "ich empfand es so, als ich davor kam, und eingelassen wurde." Für stoppage, Hinderniß , liest Br.: (Fr. 60) an opposition, einen Widerstand.
Fr. 10. So liest auch Br. (Fr. 61); aber Pr. hat: (Fr. 18.) "by three great knocks," "durch drei große (starke) Schläge." Keher läßt mit ⋃ ⋃ — als Maurer, und mit — — — als Nichtmaurer, klopfen. Allein, dennoch ist wohl — — — alt und echt, und ⋃ ⋃ — neu. An sich kommt auch darauf nichts Wesenliches an. — Freilich bei den vielen höhern Graden, wo jeder eine besondere Art, zu klopfen, haben sollte, mußte man hierauf sehr bedacht sein. Browne läßt bei Eröfnung der Loge den Meister dreimal, die beiden Außeher aber jeden nur zweimal, klopfen. (Br. p. 5.) GM. erwähnt gar kein Klopfen.
Fr. 11. "Wer ist draußen?" M. Vergl. Br. , Fr. 65!
Fr. 12. Über Johannes den Taüfer und Johannes den Evangelisten, als Schutzpatrone (Schutzheilige) der Freimaurerbrüderschaft.
Ob es gleich durch Thatsachen völlig erwiesen ist, daß Johannes der Täufer, nicht aber Johannes der Evangelist, in dieser unserer Stelle gemeint sei: so ist doch die Behauptung nicht ungewöhnlich, und unter andern in der Jenaischen allg. Literaturzeitung (1805 N. 76) aufgestellt worden, daß die alten Maurer mit Johannes dem Taüfer Nichts zu thun gehabt haben. Dieß veranlaßte den Br. Schneider, in das Altenb. Journal für Freimaurerei (2ten Bandes 1s Heft, S. 46 - 64, und ebendaselbst S. 151- 154) eine Abhandlung einzurükken, als "Beantwortung der Fragen: Hielten die alten Free Masons ihre jährlichen Generalversammlungen am Tage Johannis des Täufers, oder am Tage Johannis des Evangelisten? und von Welchem dieser Tage ist das allgemeine Maurerfest abzuleiten?" Diese Abhandlung benutze ich jetzt, und füge noch mehre neue Thatsachen hinzu.
In der 9ten der seit König Edred bis auf Heinrich VIII. gesammelten Verordnungen, welche der Yorker Constitution beigefügt sind, heißt es: "Jährlich auf Johannes des Taßfers Tag … soll sich jede Loge versammeln." (In dieser ganzen Urkunde kommt Johannes der Evangelist gar nicht vor.) Dagegen ist die Meinung, als haben die =292= alten Maurer mit Johannes dem Taüfer Nichts zu thun gehabt, wohl vorzüglich durch Anderson's Cotistitutionenbuch Veranlaßt, in dessen beiden Ausgaben von den Jahren 1723 und 1738, sowie hernach in allen folgenden, sich die (XXIIte alte) Verordnung findet: "Es sollen die Brüder aller Logen in und um London und Westminster sich zu seiner jährlichen Versammlung (communication) und Fest entweder an St. Johannes des Täufers Tage, oder an Johannes des Evangelisten Tage, wie es die Großloge nach einer neuen Verordnung für gut finden wird, versammeln; indem sie sich seit "einigen Jahren (of late Years) an Johannes des Täufers Tage versammelt haben." Dieß "seit einigen Jahren" hat man fälschlich so verstanden, als wenn zuvor die Logen nicht an Johannes des Täufers Tage, (am 24sten Junius,) sondern an Johannes des Evangelisten Tage, (am 27sten December,) versammelt hätten; da sich doch diese Aüßerung nur darauf bezieht, daß sich, seit der Stiftung des Großmeisterthums im J. 1717, die Brüder in und um London und Westminster, von denen einzig hier die Rede ist, an Johannes des Täufers Tage versammelt hatten; Welches auch die in den spätern Ausgaben befindlichen Annalen der Großloge bestätigen. Denn vom Jahr 1717 bis zum Jahr 1725 wurde jedesmal an Johannes des Täufers Tage Versammlung und Fest gehalten, und an Johannes des Evangelisten Tage bloß eine der im Jahr 1717 gestifteten Quartalversammlungen. Nur vom Jahr 1725 - 30 an wurde an Johannes des Evangelisten Tage Fest und Versammlung gefeiert; hernach aber wieder meist an Johannes des Täufers Tage. Dieß war auch bei dieser Großloge bis zum Jahr 1813 ganz willkührlich; da es schon im Constitutionenbuche vom J. 1738 für völlig gleichgültig erklärt wird, ob das Fest an dem einen oder dem andern Johannestage gefeiert werde, oder auch an einem andern schicklichen Tage; "weil," wie sehr treffend bemerkt wird, "das Wohl der Zunft mehr, als Tagewahl, berücksichtigt werden müsse. Der, sonst nicht unerfahrne, Verfasser der Schrift: the Thinker upon Free-Masonry; London, 1752; (worin die Streitigkeiten der alten und neuen Maurer, doch nicht ganz unparteiisch, abgehandelt werden;) welches Werk auch deutsch, unter dem Titel: Über den Freimaurerorden, 1753, erschienen ist, (vergl. hier S. 16 f.) =293= giebt den neuen Maurern Schuld, "daß sie diese Verordnung aus Unwissenheit gemacht hätten; indem sie aus des Ausschlagung der Bibel bei'm Evangelio Johannis fälschlich geschlossen, nicht der Täufer, sondern der Evangelist, Johannes sei der Schutzpatron der Freimaurerei; da doch dieß Ausschlagen bloß darum geschehe, weil im Evangelium des Johannes von Johannes dem Täufer die Rede sei; bei welchem Letzteren, als dem Schutzpatrone der Maurerei, auch von jedem Neuaufgenommenen, bis zu den Zeiten der Königin Elisabeth, die Festhaltung der Gesetze angelobt worden sei." (Siehe Alt. Journ. II, 1, S. 62 f. !) Allein, diese Unwissenheit ist kaum glaublich; vielmehr konnte die Großloge, in Betracht, daß die Gründe, welche die alten Maurer bestimmten, Johannes den Täufer zum Patron zu wählen, nun eigenlich nicht mehr statthatten, Johannes den Evangelisten ebenso wichtig finden; da die Lehre der Freimaurerei, und sogar manche Hauptgebräuche, in dem bei den Aufnahmen von Alters her abgeschlagnen Evangelium Johannis enthalten sind. Die von mir (IV, S. 425) aus Noorthouck's Constitutionenbuche (p. 128) angeführte Nachricht: "daß die alten schottländischen Brüder des Morgens auf den Gipfeln der Berge, besonders an Johannes des Evangelisten Tage, zusammengekommen seien, und vonda an dem Mittagmahle gegangen," verdient eine weitere Prüfung. Auch hatten sie noch einen andern Grund dazu, beide Johannes zu feiern, der freilich an sich nicht eben triftig ist, aber in jener entsprechenden Nebeneinanderstellung der alten und neuen Geschichte der Freimaurerbrüderschaft liegt, welche das NE. Großmeisterthum künstlich ersonnen hat, um in der Hülle alter Namen, Personen, Länder und Orte die zum großen Theil bisheute geheim gebliebene Geschichte der Freimaurerei seit dem 16ten, vorzüglich aber vom 17ten Jahrhundert an, und ganz vorzüglich die Geschichte der Stiftung des Großmeisterthums im J. 1717, geheimlehrlich (mystagogisch), aber dem Kenner dieser Chifer deutlich genug, vorzutragen. Von dieser geheimen Ordengeschichte finden sich schon in Anderson's Constitutionenbuche Spuren, wie bereits Bruder Nicolai bemerkt hat: aber vollendeter zeigt sie sich in Browne's Master Key durch alle 3 Grade zerstreut. Hätten diese Erzählungen im Browne nicht die Bestimmung einer Chifersprache, so wären die Meisten davon geschichtwidrige und völlig abgeschmackt; da sie im Gegentheil sinnvoll genug =294= erscheinen, sobald man sie als Chifersprache nimmt. Daß ich mich aber in dieser Ansicht des Browne nicht irre, davon wird sich Jeder auch durch das Zeugniß des Preston überführen, der allerdings gerade da Aufschlüsse über die Ordengeschichte in den Lectionen, vorzüglich des Meistergrades, verspricht, wo sich dergleichen chifrirte Erzählungen in Browne's Master Key finden. Ich habe auch die Beschaffenheit dieser Chifersprache, dergleichen auch mehre andere sogenannte höhere Grade in ihrer fabelhaften Ordengeschichte (historia ordinis) sich bedienen, bei mehren Stellen Browne's bemerklich gemacht. (Siehe oben S. 143, 188, 218, n. 152!) Ich mußte Dieß erwähnen, um dem Leser den Sinn der 165ten -170ten Frage Browne's (hier S. 218 ff.; vergl. S. 221, n. 28, und I, S. 246!), welche ich nachzuschlagen bitte, bemerklich zu machen. Es wird daselbst gesagt, daß vor Zeiten die Loge dem Salomo, (vielleicht soll Dieß heißen: dem jedesmaligen Könige von England, oder irgend einem bestimmten Könige,) sodann aber, "da Dieser ein Ebräer lange vor unserer Zeitrechnung gewesen," Johannes dem Taüfer gewidmet worden sei, der an Johannes dem Evangelisten seines Gleichen habe; welcher Letztere dann in der beigefügten geschichtlichen Auslegung so genau beschrieben wird, daß er wohl Niemand, als Wren, bedeuten kann; wodurch es zugleich wahrscheinlich wird, daß unter Johannes dem Taüfer, in diesem Zusammenhange Inigo Jones, der auch im Anderson'schen Constitutionenbuche so sehr gefeiert wird, zu verstehen ist. Dieß Alles wird im Browne nochmals beider Erklärung der "Hieroglyphen" des ersten Grades (s. hier S. 260 f.!) sorgfältig wiederholt. Wenn daher (Br., Fr. 11,) gesagt wird: "Woher kommen Sie, insofern Sie überhaupt ein Maurer sind?" und wenn geantwortet wird: "Von der heiligen Loge des heiligen Johannes;" so ist gewiß der Taüfer zu verstehen; denn Dieser war allen Maurern als Schutzpatron gemeinsam; aber nicht ebenso Johannes der Evangelist, der den Maurern des neuen Systems als Mitpatron eigenthümlich ist. Der Beisatz: heilige Loge, der sich zwar schon im Pr. (Fr. 2) findet, aber in GM. und sonst in allen echten, mir bekannten, Kunsturkunden der reinen englischen Maurerei fehlt, giebt, in Vereinigung mit den vielen kirchlichdogmatischen Stellen im Browne, zu weiteren Betrachtungen über das neuenglische System Anlaß.a) =295= Pr. hat: "the Right Worshipful and holy Lodge of St. John's;" Welches entweder heißen kann: der (beiden) Johannes, oder wahrscheinlicher sich auf einen Ort oder Gebäude bezieht, der oder das dem Johannes gewidmet ist (St. John's place, church, college etc.).
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a) Vergleiche, Was ich oben S. 120 n. 124, S. 196. n. 126, S. 216 n. 150, und in andern Stellen darüber gesagt habe!
Allerdings ließ die Königin Elisabeth die maurerische Generalversammlung in York am 27ten December, als am Tage Johannes des Evangelisten, 1561, aus politischen Gründen, aufheben, (Siehe Altenb. Journ. , II, 1, S. 50, und Altenb. Const. Buch, S. 175 u. 180, und eine Abhandlung des Brs. Jones, in der Encyclop. Lond. Vol. XIV, N0. 989, in deutscher Übersetzung in Br. Moßdorf's Mittheilungen an Freimaurer, S. 165 f.!) und Heinrich Jermyn, Graf von St. Albans, ließ bei Wiederherstellung der Freimaurerei unter König Karl II, die erste Hauptversammlung am 27ten Dec. 1663 halten; allein, diese einzelnen Beispiele schließen die sonst bestätigte Thatsache, daß die allgemeine Versammlung eigenlich am Tage Johannes des Taüfers gehalten worden sei, nicht aus; zumal da an diesem Tage die schönere Jahrzeit die Versammlung begünstigte; indem auch ein Feiergehrauch im Freien, auf Hügeln, damit verknüpft war. (Siehe die hernach folgende Stelle aus Noorthouck's Constitutionenbuche!)
Ich komme zu den geschichtlichen Beweisen, daß die alten Maurer wirklich sich Johannes den Taüfer, nicht Johannes den Evangelisten, zum Ersten, Schutzpatron erwählt hatten.
1) In der Abtei Melrose in Schottland, die im Jahr 1146 eingeweiht wurde, findet sich eine den Baumeister der im Jahr 1123 begonnenen großen Cathedralkirche zu Glasgow in Schottland betreffende Inschrift, folgenden Inhalts:
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In Grose's Antiquities of Scotland (Vol. I, p. 120 ff.) findet sich eine ausführliche Nachricht über Marlross, or Melrose-Abbey, Tiviotdale. Das alte Kloster stand, nach Beda's Erzählung, schon im J. 664. Das neue Gebäude wurde im J. 1136 gegründet, und im Jahr 1146 der Jungfrau Maria geweihet. "Nichts," sagt Grose, "kann die Zierlichkeit und Vollendetheit der Fenster, und die Schönheiten der Zierathen übertreffen, womit dieses Gebäude verschwenderisch ausgestattet wurde." (Doch sind die meisten dieser Beiwerke aus dem 14ten Jahrhunderte.) "Der Name des Architecten, welcher diesem ehrwürdigen Baue, sowie dem mehrer anderen Cathedralkirchen und Klöster in diesem Königreiche, vorstand, ist durch zwei Inschriften aufbewahrt worden, mit alten engländischen Staben, an einer Mauer zur Linken des Einganges zum südlichen Flügel. Über der Einen ist ein Wappenschild (escutcheon) mit zwei Zirkeln (with two pair of compasases) in erhabner Arbeit (in saltire) zwischen drei Kleeblättern (between three trefoils). Diese Inschrift ist so entstellt, daß sie zum Theil unlesbar ist. Der Name des Architecten ist Johne Murdo. Diese Zeilen lauten, mehren Schriftstellern zufolge, also. —
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""So geyes the compass ev'n about |
""Sowie der Zirkel stetig herumgeht, |
"Der Sinn ist hier offenbar mangelhaft; noch stimmen auch die Staben verschiedener Wörter mit denen überein, die in der Urschrift noch lesbar sind." — In ebendiesem Werke wird (T. II, p. 194 sq.) eine alte, Johannes dem Taüfer gewidmete, Kirche beschrieben, die schon im J. 1378 im Verfall war.
2) Zur Hauptkirche in Jena wurde (S. Alt. Const. Buch, p. 157, h!) der Grundstein an Johannis des Täufers Tage gelegt.
3) In der erwähnten Schrift: "Thinker etc.," wird (S. 63 der deutschen Übersetzung) angeführt, daß der Bischof =297= von Winchester, John Poynel, im J. 1555 der Königin Maria versichert habe: "daß die alten Masons St. Johannes den Taüfer um deßwillen zum Schutzpatrone erkießt haben, weil er lehrete,a) daß Der, welcher zwei Kleider habe, eins dem Dürftigern geben, Wer aber Speise habe, auch diese mit dem Dürftigeren theilen, überhaupt aber Jeder mit Dem, was er habe, zufrieden sein und sittlich leben solle;" worauf die Brüderschaft von dieser Königin in Schutz genommen worden sei.
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a) Evangel. des Lucas, III, 10: "Und es fragten ihn die Leute: Was sollen wir also thun?" "Er antwortete ihnen: Wer zwei Rökke hat, der theile mit Dem, der keinen hat; und Wer Speise hat; thue auch also!" Vergl. 1. Brief Joh. 3, 17!
4) In M. (s. oben S. 307!) steht ausdrücklich: "Diese Loge ist im Namen Johannes des Taüfers geöfnet."
5) In Prichard's Masonry dissected (S. zuvor S. 50 ff.!) findet sich bei der Stelle des Gesellengebrauchthumes (s. zuvor S. 272!), wo der ausgefragte Geselle sagt: "daß er von der heiligen Loge des Heiligen Johannes komme," folgende spottende Bemerkung. —
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NB. The reason why they Denominate themselves of the Holy Lodge of St. John's, is, "because he was the Forerunner of our Saviour, and laid the first Parallel Line to the Gospel (others do assert, that our Saviour himself was accepted a Free - Mason, whilst he was in the Flesh); but how ridiculous and prophane it seems, I leave to judicious Readers to consider." |
NB. Der Grund, weßhalb sie sich von der heiligen Loge des heiligen Johannes benennen, ist, "weil Derselbe der Vorlaüfer unseres Heilandes war, und die erste Nebenlinie (Parallellinie) zu dem Evangelium legte;" (Andre behaupten, daß unser Heiland selbst zu einem Freimaurer aufgenommen worden wäre, als er im Fleische wandelte;) aber wie lächerlich, und unfromm (profan) Dieses erscheint, überlasse ich dem einsichtigen Leser, zu ermessen." |
6) Bruder Keher versichert, "daß noch jetzt jeder Neuaufzunehmende bei Gott und dem Schutzpatrone, Johannes dem Taüfer, schwöre;" und meldet, "daß bei Ablegung des Eides die Bibel im Evang. Johannis da geöfnet wird, wo von Johannes dem Taüfer die Rede ist." (S. die Schneider'sche Handschrift und die unten zu Fr. 30 daraus mitgetheilte Stelle!)
7) Es ist wahrscheinlich, daß die Freimaurer ihren =298= Patron nach Anleitung ihrer Lehrer und der Stifter ihrer Verfassung werden gewählt haben. Diese waren aber culdeische Mönche, welche, gleich allen Eremiten und Mönchen, wie bekannt,a) Johannes den Taüfer als den ersten Stifter des Eremitenlebens im neuen Bunde betrachteten, und besonders fast immer wohlthätige Anstalten ihm widmeten. Auch gab es im Mittelalter sehr viele wohlthätige, Johannes dem Taüfer gewidmete, Mönch-Gesellschaften in allen Ländern Europa's, und die meisten Hospitale wurden ihm gewidmet. Wozu noch kommt, daß in der altchristlichen Kirche Johannes der Taüfer, als Vermittler des alten und neuen Bundes, weit höher geachtet wurde, als Johannes der Evangelist; wie man Dieß noch aus dem römischen Missale ersieht, wonach noch jetzt in jeder catholischen Messe die Beichte (welche aus dem 4ten Jahrhundert herrührt,) anhebt: "ich bekenne Gott dem Allmächtigen, der Jungfrau Maria, dem seligen Erzengel Michael, dem seligen Johannes dem Taüfer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen, und Euch, o Brüder usw." Die Schrift: Paulli M. Paciaudii de cultu Joannis Baptistae antiquitates christianae; accedit in veterem ejusdem ordinis liturgiam commentarius; Romae, 1755, 468 pp. in 4to, (Vergl. IV, S. 339 !) giebt hierüber keinen nähern Aufschluß.b)
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a) Siehe vorzüglich: De veteri Monachatu et regulis, aut. Bivario; Lugd. 1662; Tom. I, Lib. II, cap. 1, und den Prodromus zum Monasticon Anglicanum! Johannes der Taüfer ist dort als ein Haupturbild aller Mönche aufgestellt; allen seinen Handlungen, selbst seinen Kleidungstükken, wird ein mystischer Sinn untergelegt.
b) Ich habe diese Schrift in der Büchersammlung des Brs. Nicolai vorgefunden, und genau durchsucht, ohne eine Belehrung über diesen Gegenstand, oder über die Geschichte der Masonei überhaupt, daraus zu erhalten.
8) Browne (Fr. 11) läßt den heiligen Johannes den allgemeinen Patron aller Maurer sein, worunter, nach Anleitung der 165 - 170ten Frage des Browne'schen Werks, nur Johannes der Taüfer zu verstehen ist.
9) In Robertson's Tour through the Isle of Man, London 1794, findet sich p. 84 eine angeistende Nachricht über den bekannten Tynwald, einen künstlichen Berg in der Mitte der Insel, worauf in alten Zeiten die Druiden Gesetze gaben, und noch heute die Gesetze für die Insel bekannt gemacht werden. Nachdem die Druiden ausgerottet =299= worden waren, wurde an die eine Seite des länglichvierekkigen, den Berg selbst umgebenden Walles eine dem heiligen Johannes gewidmete, noch stehende, Kirche erbaut, worin die Obrigkeiten zuvor dem Gottesdienste beiwohnen, ehe ein Gesetz vom Tynwald aus, dem Volke verkündet wurde; und da der Gerichttag (a Tynwald-Court) alle Jahre am Johannestage, worunter ohne Beisatz im Englischen, wie im Deutschen, allemal Johannes des Täufers Tag zu verstehen ist,a) gehalten wurde, wie Robertson erzählt: so ist wohl jene Kirche auch Johannes dem Taufer, und nicht Johannes dem Evangelisten, gewidmet. Robertson berichtet (p. 86 n. †) ferner: "Ehedem wurde ein Tynwald-Gerichttag jährlich am Johannestage gehalten; und Jedermann hatte ein Recht, jede ungewöhnliche Beschwerde vorzutragen, auf daß seine Klage im Angesichte des ganzen Landes (Volkes) gehört würde." Dieser Tynwald und seine Geschichte ist überhaupt dem maurerischen Geschichtforscher, zusammengenommen mit andern Thatsachen, nicht unwichtig; ich will daher noch mittheilen, Was Grose (in seinen Antiquities of England and Wales, Vol. VIII, p. 161) über diesen Tynwald sagt. "Der Tynwald ist ein künstlicher Bergb), bedeckt, mit Rasen; an einer Seite, ich denke an der südlichen, sind Stufen eingeschnitten, um zu der obern Ebne (the top) hinaufzusteigen; vonda werden alle für die Regierung der Insel neugegebne Gesetze bekannt gemacht; weßhalb sie Tynwald-Verhandlungen (Acts of Tynwald) genannt werden. Das Wort Tin, oder Ting, bedeutet in der Islandischen Sprache eine Volkversammlung; und wald ein Feld oder einen Platz.c)
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a) Dieses kann schon daraus geschlossen werden, weil am 24. December dort nicht füglich im Freien Vollversammlungen gehalten werden können. Auch war die Zeit der Sommer-Sonnwende bei den Druiden zu dergleichen Festen und öffenlichen Verhandlungen bestimmt.
b) Robertson (I. c. p. 85) sagt: ''der Tynwald-Hügel, ein dänischer Todenhügel (barrow), von Kegelgestalt und schöner Bauart."
c) Nach dem neuesten und bisjetzt einzigen Wörterbuche der isländischen Sprache (Lexicon islandico-latino-danicum Biörnonis Haldorsonii, Biörhaldorsens islandske Lexicon, cura Raskii editum, praefatus est Müller, Havniae 1814, 4to) sind diese Angaben nicht ganz richtig: denn darin findet sich weder tin, din, noch wald; sondern bloß thing, forum, conventus, Ting, Sammenkomst; thing, n. pl., parochia, Soge, Menighed; thingbok, =300= tabulae publicae, Protokol; thingi, colloquium v. consultatio, Samtale, Raadslagning (Berathung); thingskop, processus juris forensic, Rettergangsmaade (Prozessgang); thingvöllr, campus v. locus judiciorum, en Mark, Plads, hvorpaa Ting holdes "(Gerichtsplatz)." — Dieses letztere Wort ist also wohl der echte urdeutsche Name für das entstellte: Tinwald; wenn nicht etwa Tinwald eine angelsaxische Wortform ist, woran ich zweifle.
Es ist weder eine Geschichterzählung, =300= noch Überlieferung, hinsichts der Errichtung dieses Berges vorhanden, der wahrscheinlich von hohem Alterthum ist. Er wird umgeben von einem Graben und einem Erdwalle, der eine ebne Fläche (area) in der Form eines rechtwinkligen Parallelogrammes einschließt, innerhalb dessen an dem den Stufen gegenüberstehenden Ende sich eine kleine Kirche befindet, wo vor der Bekanntmachung eines jeden neuen Gesetzes die ersten Staatbeamten dem Gottesdienste beiwohnen. Der Eingang zu dieser ebnen Fläche war durch einige, aufrecht stehende, steinerne Thürpfosten (stone jaumbs), die durch daraufgelegte Querstükke verbunden waren, denen von Stonehengea) in Etwas ähnlich; die meisten dieser Querstükke sind aber jetzt herunter. — Der Tynwald steht etwa drei englische Meilen von der Stadt Peele, auf der Hochstraße, die von da nach Douglas führt. — Diese Zeichnung ist im Jahr 1774 genommen." Diese Grose'sche Abbildung ist viel genauer, als die vorerwähnte von Robertson, sonst aber damit völlig einstimmig, obgleich beide an Ort und Stelle gemacht sind.
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a) Siehe im Sachverzeichnisse unter: Stonehenge, welches eigenlich Choirgour hieß. Durch diesen Eingang giebt sich dieser Gerichtplatz deutlich als eine druidische Einrichtung zu erkennen, welche also die Christen nach Vertreibung der Druiden beibehielten, und mit ihren christlichen Vorstellungen, durch die nöthigen Änderungen und Beiwerke, vorzüglich durch Hinzufügung einer Kirche, in Einklang brachten. Daß die Christen ihre Kirchen meist an der Stelle druidischer Heiligthümer errichteten, ja oftmals diese Heiligthümer nur zu christiliche umbildeten, ist aus Ledwich, Grose, Cordiner of Banff uAm. bekannt.
— Der Tinwald selbst ist ein runder, in vier Erdstufungen (Terrassen) unterbrochener Hügel, auf deren Ringebnen, wovon die unterste die breitste ist, auch noch viele Leute stehen können; die von einer Erdstufung zur andern führenden Stufen sind nach den Zahlen 4, 4, 4, 5 vertheilt. Von Humboldt beschreibt in den pittoresken Ansichten der Cordilleren und Monumente amerikanischer Völker =301= (Tübingen 1813, S. 31-50) die Pyramide von Cholula, deren Bauart mit dem Tynwald auf Man eine auffallende ähnlichkeit hat, die wohl nicht zufällig sein kann; zumal da auch eine große Ähnlichkeit mit dem Thurme des Belus stattfindet, die auch Zoega (de obel., S. 380) bemerkt hat. Daß aber diese Einrichtung nicht bloß der Insel Man orteigen, sondern eine allgemeiner verbreitete, war, sehen wir in folgender Stelle aus Grose's Antiqq. of Scotland (Vol. II, p. 181). "Der Mote of Urr, ein künstlicher Berg, war, zufolge der Überlieferung, Das, was das saxische Wort: mote,a) Gerichtplatz, Volk-Versammelort, andeutet; und als Galloway noch ein unabhangiger Staat war, so war dieses der Gerichthof (Hoflager, court), woselbst die kleinen Könige dieses Bezirkes ihre Volk-Rathversammlungen (national councils) hielten, und diejenigen neuen Gesetze und Verordnungen bekannt machten, welche von Zeit zu Zeit nöthig befunden wurden; es war zugleich der Gerichtplatz, wo ihre doomsters, oder Richter, Schwer-Verbrecher verhörten. Damals war Galloway in zwei Bezirke getheilt, den obern und unteren, hinsichts des Wassers Cree. Der Mote von Urr war damals der Groß-Gerichthof für den letzteren. Dieser Berg oder Hügel ist dem des Tinewald auf der Insel Man sehr ähnlichb), welcher zu ähnlichem Gebrauche bestimmt ist. — Diese Art von Hof (court) war nicht bloß Galloway oder der Insel Man eigen. Berge, die man motes und Gericht-Hügel (court-hills) nennt, sind zu sehen in der Nähe einer großen Anzahl von Schlössern und Baron-Landsitzen, nicht nur in Schottland, sondern auch in England; ihr Gebrauch jedoch, als Gerichthöfe, scheint in England vergessen zu sein, wo man allgemein vorausgesetzt hat, sie wären zu kriegerischen Zwekken erbaut worden, insonderheit um den Bedürfnissen der Ritter zu entsprechen, die beweglichen Thürme (moveable towers) und andere Werke eines Feindes überschauen und beherrschen (commanding) zu können."
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a) Auch in dem vorhinerwähnten islandischen Wortbuche stehet: "mot, n. concursus, conventus, Sammenkomst; inde: mannamot, idem, Folks Sammenkomst" (Volkversammlung).
b) Der Mote of Urr hat auch vier Erdstufungen: allein die zweite steigt von der ersten stetig, im Halbkreise, zur dritten hinan, wie ein Appareil
10) Selbst Anderson (Const. Buch v. 1738, zur 28ten =302= neuen Verordnung, und Altenb. Journ., II, 1, S. 52) sagt: "daß die Maurer vor Alters am Johannestage entweder in einem Kloster, oder auf der Spitze des höchsten Hügels, mit anbrechendem Tage, zusammenkamen" usw. Dieß ist in diesem Himmelstriche eher vom 24sten Junius, als vom 27sten December, zu glauben; zumal da im Mittelalter Johannes des Täufers Fest auf Bergen mit großen Feierlichkeiten, besonders mit Freudenfeuern, begangen wurde, welche letztere Gewohnheit noch heute in Thüringen, sowie in Irland, üblich ist.a) — Dennoch ist es möglich, daß von den alten Maurern schon, neben Johannes dem Taüfer, auch Johannes der Evangelist, vorzüglich wegen des ersten Capitels seines Evangelium, ganz besonders verehrt worden ist, nur nicht als Schutzpatron, noch durch ein eigenes Maurerfest. (Noch lese man in Nicolai's Bemerkungen über den Ursprung und die Geschichte der Freim. und Rosenkr., Berlin u. Stettin, 1806, S. 141 und S. 173, die gehaltvolle Bemerkung gegen Buhle, der ebenfalls Johannes den Evangelisten zum Schutzpatron der Freimaurer macht!)
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a) Siehe: Übersicht von Süd-Irland, in Briefen; Breslau 1779; S. 184!
11) Folgende Stellen aus Lawrie's Geschichte der Maurerei, und der Großloge von Schottland, (Edinb. 1804,) zeigen, daß auch die schottländischen Maurer Johannes den Taüfer zum Schutzpatrone erwählt hatten. — Lawrie erzählt (S. 140 der Übersetzung): "Es war lange herkommlich unter den Brüdern, ihre Hauptversammlungen am 24ten Junius, dem Geburttage St. Johannes des Täufers, zu halten; aus vielen wichtigen Gründen wurde jedoch von der Großloge von Schottland im J. 1737 beschlossen, daß die jährliche Wahl nicht länger an diesem Tage, sondern für die Zukunft am 30ten November, als an dem Geburtstage des heiligen Andreas, des Schutzheiligen von Schottland, gehalten werden sollte." Und (S. 296 der Übers.) ein Statut dieser Großloge lautet also: "Keine Loge, welche mit der Großloge hält, soll irgend eine Privatversammlung zu irgend einem andern Zwekke halten, als wegen der drei großen Grade der schottischen Maurerei (the three great Orders of Scotish Masonry), des Lehrlings-, des Gesellen- und des Meistergrades, als welches der alte Orden St. Johannes ist (being the ancient order of St. John)." =303=
In Hinsicht des Tages der Feier des Bundfestes, welches das Großfest (grand-festival) genannt wird, sind die beiden, seit dem Jahr 1813 (s. hier I, S. 121 f., und in dieser zweiten Abth. S. 220, n. 153!) vereinten Großlogen zu London dem soeben erwähnten Beispiele der schottländischen Großloge nachgefolgt, indem sie seit ihrer Vereinigung ihr Großfest nicht mehr an einem der Johannestage, sondern am Tage des heiligen Georg, des Schutzheiligen von England, feiern, wie ihr neues Constitutionenbuch (Part II, p.41) vorschreibt. Inwiefern nun gleichwohl die vereinte Londoner Großloge Johannes den Taüfer noch als allgemeinen Schutzpatron der Freimaurerbrüderschaft, und Johannes den Evangelisten als Dessen Beigeordneten (as his Parallel, or Equal; s. Browne, Fr. 169 hier S. 220!) anerkennt und feiert, kann ich nicht bestimmen, da ich das nach ihrem neuen Plane (s. I, S. 121, Z. 12 v.u.!) veränderte Gebrauchthum (Ritual) noch nicht kenne, auch der erste Theil des erwähnten Constitntionenbuches vom J. 1815 noch nicht in meinen Händen ist.
Übrigens verdient hier bemerkt zu werden, daß auch noch andere Gilden in England sich Johannes den Taüfer zum Schutzheiligen wählten; zum Beispiel die sehr alte Gilde der Tuch- und Leinwand-Schnitthändler (Taylors) zu London, wie ich IV, S. 414, urkundlich gezeigt habe.
12) Durch den Umstand, daß Johannes der Taüfer als Schutzheiliger der Masonei erscheint, muß der freimaurerische Geschichtforscher darauf geleitet werden, die Geschichte, die heiligen Bücher, die Lehren und Gebräuche der gottinnigen Gemeinde zu untersuchen, welche sich unter dem Namen der Johannesjünger, Zabier, und Sabier, angeblich seit Johannes des Taüfers Zeit, bis heute erhalten hat. Ob diese Gemeinde gleich viele Lehren der alten Sabier (Sabaei) angenommen, so ist sie doch mit eben Diesen nicht zu verwechseln; auch ist es sachwidrig, die Mitglieder derselben Johanneschristen zu nennen; da sie sich, soweit sich ihr Dasein geschichtlich verfolgen läßt, wider die Christen eine feindselige Stellung gegeben, indem sie ihren Meister Johannes weit über Christus erheben [see here], den sie geflissentlich (durch, in neuerer Zeit erdichtete, angebliche geschichtliche Umstände, und rohe Aüßerungen ihres gehässigen Sectengeistes,) herabzuwürdigen suchen. Ich habe den bedeutendsten Theil der diesen Gegenstand =304= betreffenden Schriftena) durchforscht, und, außer gewissen allgemeinen Übereinstimmungen mit der Lehre der Essener, des Zendavest, und der Gnostiker, welche auch in unserer ältesten masonischen Lehre der drei ältesten Kunsturkunden wiederklingen, nichts Einzelnes gefunden, welches auf die Wahl des Johannes zum Schutzheiligen der Masonei erklärenden Bezug hätte. → [Ihre Grundlehre …]
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a) Ein ziemlich vollständiges Verzeichniß, der früheren findet sich in Nösselt's theol. Litteratur § 474. Norberg entdeckte ihre heiligen Bücher in der königl. Bibliothek zu Paris. Die neusten, mir bekannten, Abhandlungen über die Johannesjünger sind: l) ein Aufsatz in Tittmanni meletemata sacra, Lips. 1816, p. 15 - 21, und 2) ein anderer von Gesenius in dem Probehefte der Ersch'ischen großen Encyclopädie.
→ Ihre Grundlehre ist: "Gott ist das höchste Leben, das Licht." Folgende aus ihren heiligen Büchern genommene Stelle wird mein Urtheil zu bestätigen dienen, und jedem Empfänglichen zeigen, daß diese Schriften werth sind in der Reihe aller heiligen Schriften des Orientes beachtet und geprüft zu werden.
"Im Namen des höchsten, ersten Lebens, des Höchsten der Lichtgeschöpfe, das an Erhabenheit alle Werke übertrifft! — Wohin ich komme als Gesandter (Bote, apostolus) des Lichtes, wende ich mich zu dir, o König des Lichts! Lob über mich (?), und (denn) ich erleuchte die finstern Herzen mit meiner Stimme. Selig sind die Friedfertigen, die sich alles Bösen enthalten! Ich bin der Gesandte (Bote ) des Lichts, den der Herr in die Welt gesandt hat. Ich bin der wahre Gesandte, in dem keine Lüge ist. Wer den Namen (die Lehre) des Lichtes annimmt, der wird erfüllt vom Lichte, und sein Antlitz wird erfüllt mit Glorie und sein Herz mit Weisheit. — — "Es sei gepriesen der erhabne König des Lichtes, der Gott der Wahrheit, der reine, gute, erbarmende Glanz! Wer seinen Namen in Wahrheit preiset, wird nicht fallen. Es leuchtet das Licht allen Geschöpfen, die vor ihm stehen, und die in ihrem Lichte stralen und in dem großen Lichte, welches über ihnen wohnet; die da stehen in den Wolken des Lichts, anbetend und bekennend den Herrn in der Höhe (der Erhabenheit): seliggesprochen (sei er) mit allen Seligsprechungen von Ewigkeit zu Ewigkeit! Er ist ganz Leben; er ist ganz Gerechtigkeit, unveränderlicher Glanz, unvergängliches Licht, ein Lebender über jeden Lebenden, ein Glanz über jedem Glanze, ein Licht, worin kein Schatten, ein Leben, =305= worin kein Tod, ein Guter (Gütiger), in dem kein Böses; ein Sanfter (Mildsinniger), in dem keine Herbigkeit (Strenge, Bitterkeit): der da segnet alle gerechte und getreue" (glaubige, fidelibus) "Geschöpfe, in deren Munde sein Name ist; ein König der lebendigen Stadt." (Vergl. I, 144, n. 23.)
Folgende Stelle enthält eine Spur der Lehre von einem dreifachen Leben (gemäß der Lehre der Brahmanen; s. Majer's Brama, 1818,.S. 61 - 65!), also auch von einem dreifachen Lichte (vergl. I, S. 157, n. 43, Sp. b, Z..3 v. u.!):
"Es stand Johannes in dem Orte alles Glanzes und Lichtes, und sprach: euch bitte ich, erstes Leben, und zweites Leben, und drittes Leben, daß zu dem Orte des Lichtes, in welchen ich gestellt worden bin, alle gerechte Menschen aufsteigen mögen."
Inwiefern aber die von den Zabiern heilig gehaltne Schriftensammlung wirklich noch echte Lehren des Johannes enthalte, oder jüngeren Ursprungs sei, Das muß erst die höhere Prüfkunst (Critik) bei genauerer Untersuchung sowohl dieser Schriften selbst, als auch der Geschichte und des Zustandes der sogenannten Johannesjünger, lehren. Eine urgeistige, gottinnige Grundlage ist in diesen Schriften nicht zu verkennen; es ist aber sehr viel Unwürdiges, Irriges, Abergläubisches und geschichtlich Unechtes (z. B. in streitsüchtiger Hinsicht wider das Christenthum) beigemischt.
13) Da die Gesellschaften der Bauleute des Mittelalters (die Corporationen der Masonen) mit allen Mönchorden, sowie auch mit den mächtigen Ritterorden, dem der Templer, und mit dem der Johanniter-Ritter, auch in Britanien, als Bauleute in innige Verbindung kamen, so könnte man auf die Meinung gerathen, die Wahl Johannes des Taüfers zum Schutzheiligen der Masonei schreibe sich von dieser Verbindung der Masonen mit der Johanniter-Rittern her, zumal da die vorhin (S. 302) angeführte Stelle, die von den drei Graden des Johannes-Ordens redet, dahin zu deuten scheine. Ich werde im Folgenden (s. das Sachverzeichnis!) auf dieses Verhältniß der Masonei zu den Ritterorden zurückkommen: allein die in vorstehender Abhandlung nachgewiesenen geschichtlichen Veranlassungen zeigen deutlich, daß die Wahl Johannes des Taüfers zum Schutzpatron der Masonei, in ihren Veranlassungen und in ihrem Dasein, älter ist, als der Johanniter-Orden.
Fr. 12. "Wie viele Brüder und Genossen =306= vor mir gethan haben." Diese Worte des alten, unverfälschten Rituales sind aus Unachtsamkeit seiner Verfälscher im 17ten Jahrhunderte stehen geblieben; denn sie geben deutlich zu erkennen, daß der Ansuchende nicht zum eingetretenen Lehrlinge (enter'd prentice), sondern auf einmal zum Bruder und Genossen (brother and Fellow, brother and fellow-craft, brother and craftsman) aufgenommen wurde. Auch in dem von Browne mitgetheilten Lehrlinggebrauchthume sind Andere dergleichen alte und echte Äußerungen stehen geblieben. (Siehe zuvor S. 234 Note 173!)
Fr. 13. "Weil ich frei, oder ehrlich, geboren und wohl empfohlen bin." M. Den Beisatz: wohl empfohlen, (duly recommended), hat Br. auch an einer ähnlichen Stelle. (Fr. 66.) Im NE. Systeme (s. Br. Fr. 77, nebst der ausführlichem Erklärung!) wird von Einem, der geschickt (a fit object) sein soll, aufgenommen zu werden, noch weiter verlangt: "er solle von reifem Alter, von gesunder Urtheilkraft und von streng sittlichem Lebenwandel sein." — Dieß ist in einer Gesellschaft, die nicht aus lauter eigenleblich (persönlich) vertrauten Freunden besteht, sondern nur nach dem Begriffe und durch das Band freier Geselligkeit vereint ist, eine sehr schwierige Aufgabe; daher auch die Logen dieselbe bisher niemals und nirgends befriedigend gelöst haben. Denn obgleich der allgemeine Ruf eines Menschen die Stimme der Mehrzahl in der Gesellschaft über ihn als Menschen sein möchte, so ist doch dieser, solange es noch Vorurtheile giebt, die die Mehrzahl der Mitglieder ganzer Völker fesseln, in vielen wesenlichen Hinsichten der Beurtheilung oft irrig, und der echtmasonischen Beurtheilung geradehin entgegengesetzt, und dabei, sowie Alles, was Br. weiter fordert, sehr schwer auszumitteln. Jeder im Volke mißt Jeden nach seinem eignen, oft trüglichen, Maaßstabe, den er noch dazu oft voreilig und unrichtig anlegt; er übertritt dabei leicht den Sittenspruch: "Richtet nicht!" sieht Splitter in des Andern Auge, — mißt sich das Richtamt des Herzenkundigers bei. Oft werden Würdige aus bloßen Misvorurtheilen durch Kugelabstimmung verworfen, und Unwürdige dagegen ebenso oft mit Freuden empfangen. Man sagt freilich, daß bei einer geheimen Gesellschaft eine strenge Sichtung und Auswahl noth sei; allein, da diese, ohne das engere Verhältniß eigenleblicher (persönlicher) Freundschaft, durchaus =307= unmöglich ist, auch eine strenge Auswahl der Mitglieder für eine jede öffenliche Gesellschaft ebenso wesenlich und zugleich in einer solchen weit eher möglich ist: so sollte die Brüderschaft ebendadurch zu der höheren Frage geführt worden sein: kann also die Freimaurerbrüderschaft, da sie nur für allgemeinmenschliche Zwekke arbeiten soll, eine geschlossene und geheime Gesellschaft bleiben, und ist nicht Letzteres eine Forderung, die mit dem jetzt ausschließend anzunehmenden rein- und allgemeinmenschlichen Kunstgebiet und Zwekke derselben unauflöslich streitet?a)
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a) Siehe die wesenlichen Bemerkungen über die Erforderniß des guten Rufes IV, S. 51, n. a)!
Vielleicht steht hier nicht ohne Bedeutung: "Wie hoft ihr" usw., nicht: "wie hoftet ihr?" Denn man kann die wesenliche Lehre und Bildung des Geistes und des Herzen, zu welcher die Masonei (Freimaurerei) mitwirken soll, nicht, auf einmal von Außen erhalten, sondern muß sich diese nach und nach selbstthätig erwerben.
Fr. 15. ) "upon what?" "und woran?" Br. (Fr. 23, 24) giebt als drei Punkte des Eintrittes auf die Frage: "Nach, in und an Was? (of, at and on what?)" die Antwort: "Nach meinem eignen freien Willen und Zustimmung, in der Thür der Loge, und an der Spitze eines scharfen Werkzeuges (Instruments), das auf meine linke Brust gesetzt wurde." Da nun in dem zunftmäßigeren NE. Systeme mehre solche Wortspiele vorkommen, so kann diese Antwort wohl ziemlich alt sein.
"Im ersten Grade wird der Aufzunehmende auf der rechten Seite ganz entblößt, im anderen auf der linken, und im dritten bis zum Nabel." Kh. Eine ähnliche Spitzfindigkeit meldet Derselbe als bei'm Niedertreten des Schuhes gebräuchlich. —
Übrigens ist wohl ein Schwerdt, kein Degen, als Zeichen der Gerichtbarkeit, die im Mittelalter den Logen verliehen war, dem Aufzunehmenden auf die Brust gesetzt worden. (Da mir jedoch keine Thatsache bekannt ist, welche zeigt, daß den Baucorporationen peinliche Gerichtbarkeit übertragen war; obgleich Dieses an sich nicht unwahrscheinlich ist: so will ich noch nicht entscheidend behaupten, daß das Schwerdt hier ein Bild der Gerichtbarkeit sei.) Man vergleiche die bildliche Darstellung des hier auf Tafel III abgebildeten alten Siegels! — Dieß sieht man auch aus dem sogenannten Logenschwerdte, =308= was die NE. Großloge, und, gleich ihr, mehre einzelne Johanneslogen, auf dem Meistertische führen. (Siehe die Abbildung desselben unter andern in der Übers, des Anders. Const. Buches, 3te Aufl., Frankf. 1762, als "Staatschwerdt der Freimaurergesellschaft.")a) Noch jetzt ist der Großschwerdtträger (Grand Sword Bearer) ein wesenlicher Beamter der vereinten Großloge (s. Book of Const. 1815, P.II. p. 17!) Was die sogenannte Bewafnung der Brüder selbst betrifft, so mag ich nicht absprechen, ob sie nicht im Mittelalter stattgehabt haben könne. Daß der erst Aufzunehmende nichts Angreifendes oder Vertheidigendes in die Loge bringen darf, beweist Nichts dagegen. Br. Keher berichtet: "Nur in den Aufnahmlogen des ersten Grades haben sämmtliche Brüder Degen und dreiekkige Hüte; in den übrigen Graden tragen bloß die Beamten dergleichen, und die Brüder, wenn sie Lust haben. Die Degen werden in der Lehrlingloge nur bei'm Lichtgeben entblößt."b) Gesetzt aber auch, dieses Degentragen, sammt dem Logenschwerdte, wäre ein sehr alter Gebrauch, so ist er dennoch abzuschaffen, sowie das Blenden, der Strick udm., da dieß Alles auf die reine Maurerei selbst keine wesenliche, vielmehr eine wesenwidrige Beziehung hat, und die äußere Gerichtbarkeit, wenn sie auch ehedem vorhanden war, doch längst verschwunden ist. Und zu was für Verdachte könnte nicht das Logenschwerdt der Staatgewalt Anlaß geben! Man denke an die Tempelherren! — (Vergleiche S. 212, a. und S. 251 a!)
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a) In der mehrerwähnten Schrift: Ahiman Rezon, (v. J. 1813,) wird dieser Gebrauch des Logenschwerdtes der neuenglischen Maurerei als ein unechter, neuangenommener Gebrauch vorgeworfen.
b) Hieraus sieht man, daß in diesen Logen die alten Gebräuche mit neuen vermischt sind.
Noch meldet Keher: "Im ersten Grade wird der Aufzunehmende, wenn er zur Thür eintritt, vom Meister vom Stuhl aufgehalten, ihm die Spitze des Degens auf's Herz gesetzt, und er gefragt: "Wer bist du?" — Der Pathe desselben antwortet: "Es ist ein Fremder, der nicht eher wieder gehen wird, als bis er "zum Freimaurer aufgenommen worden ist."
17te Frage. "Ich fühle, aber ich sehe es nicht." M.
Zu dem alten Freimaurergebete.
19te Frage. "Die Wohlthat eines Gebets." "Den Nutzen des Gebets." M. =309=
Ich habe in den Bemerkungen zu der zweiten Kunsturkunde (I, S. 143 n. 19) versprochen, mich darüber, "daß das Gebet eine Wohlthat" sei, sowie auch (S. 148, n. 29, Sp. a) darüber, was es heiße: Theilhaber deiner göttlichen Wesenheit ("Partakers of thy divine Nature") sein, hier ausführlicher zu erklären. Die Mittheilung über diesen heiligen Gegenstand, außerhalb des Zusammenhanges der Wissenschaft, in alleinstehenden Einzelsätzen unterliegt großen Schwierigkeiten, und ich würde mich in dieser Hinsicht noch mehr beengt fühlen, könnte ich nicht den Leser auf zusammenhangigere Darstellungen in meinen übrigen wissenschaftlichen Schriften verweisen, in Hinsicht deren ich überzeugt bin, daß es ihn nie gereuen wird, wenn er sie aufmerksam, liest, und wohl erwäget, und bis dahin gelangt, sich deren wesenlichen Inhalt, abgesehen von der großen Unvollkommenheit meiner Darstellung, anzueignen. Meine Grundüberzeugung in Hinsicht des Schauens Gottes, und der Gottinnigkeit habe ich wissenschaftlich entfaltet in meiner Schrift: Versuch einer wissenschaftlichen Begründung der Sittenlehre, oder System der Sittenlehre, 1r Band (Leipz. 1810 bei Reclam); welche aus 3 Büchern besteht, deren Inhalt folgender ist: Erstes Buch von dem Urwesen, Gott —, und dem Universum; zweites von Gott und der göttlichen Bestimmung aller Dinge; drittes von den höchsten Sphären in Gott, und von ihrem Wechselleben unter sich und mit Gott; und zwar dessen vierte Abtheilung: von Gott und der Welt in Einheit des Seins und des Lebens. — Dann in der Schrift: Urbild der Menschheit, vorzüglich in folgenden Abschnitten: von Gott und den endlichen Wesen in Gott (S. 13 - 28; Vernunft und Natur vereinigt durch Gott, und Menschheit, S. 28 ff.) Liebe und Wechselleben (S. 100 ff.); der Gottinnigkeitbund (S. 305-321); Wechselleben der Menschheit mit Gott (S. 420 - 432, und S. 449 - 452). Eine Würdigung der Entfaltung der Gottinnigkeit, des Gottvereinlebens, und des Gottbundes auf Erden, und zugleich eine Darstellung der einstigen höheren Vollendung der Menschheit in diesem wesenlichen Theile ihrer Bestimmung habe ich in dem Tagblatte des Menschheitlebens (Dresden, 1811, N. 50-52, S. 199 - 208) abdrukken lassen. Ich setze einige Stellen aus den soeben erwähnten Schriften her, "welche dem gotinnnigen Leser zeigen werden, in welchem =310= Sinne auch ich überzeugt bin, daß der reingute Mensch "Theilhaber der göttlichen Natur des Schöpfers" werden könne, und daß, und in wiefern das Gebet dem reinguten Menschen eine Wohlthat, das ist, ein Lebwesenliches, sei.
"Mit dem Worte: Innigkeit des Menschen, wird der Zustand desselben bezeichnet, wenn ein anderes Wesen in ihm, als ganzen Menschen, in Geist und Gemüth, in Erkenntniß und in lebendiger Einwirkung, wahrhaft gegenwärtig ist, und der Mensch zugleich wechselseitig sich, als ganzen Menschen, mit Geist und Gemüth, mit herzlicher Neigung, in Achtung und Liebe, nach dem in ihm gegenwärtigen Wesen hinneigt, und in diesem sich ebenso wechselseits gegenwärtig zu machen sucht, als es ihm selbst gegenwärtig ist, aufdaß es mit ihm eine wirkliche und wesenliche Einheit des Lebens eingehe. Daher umfaßt der Name: Gottinnigkeit, den ganzen Zustand und das ganze Leben des religiösen Menschen. Ebenso ist Menscheninnigkeit die der beschriebenen ähnliche, echtmenschliche Empfindung, Gesinnung, Neigung und Wechselwirkung des Menschen mit dem Menschen; und Menschheitinnigkeit bezeichnet das ähnliche wechselseitige Verhältniß des einzelnen Menschen zu der ganzen Menschheit, wonach die Menschheit ihm, und er der Menschheit, in Erkenntniß, Liebe und Leben gegenwärtig ist. In ähnlichem Sinne soll der Mensch vernunftinnig und naturinnig sein; und er ist es, sobald die Urbilder (die Ideen) der Vernunft und der Natur, als Endwesen in Gott, ihm anschaulich geworden sind." (Tagblatt des Menschheitlebens, N. 19.
— Eine ausführlichere Darstellung dieses Gegenstandes findet sich in der Einleitung zu der in der Schrift: Urbild der Menschheit, S. 304 - 313, befindlichen Abhandlung von der Gottinnigkeit.)
"Der Gottinnige (Religiöse) bewahrt auch reinen Sinn und Glauben für die Wechselwirkung Gottes mit der Welt und mit jedem seiner Geschöpfe, vorzüglich mit dem Menschen, seinem Meisterwerke; er glaubt an den Umgang der Geschöpfe mit Gott, ohne durch vorwitzigen Wunderglauben die Anschauung der ewigen Weltordnung und die unvertilgliche freie Schönheit der Geschöpfe zu verletzen" (in seinem Geiste zu verdunkeln oder aufzuheben). "Gott hat sein Werk nicht in der Zeit geschlossen, noch es, als fertig, außer sich hingesetzt; =311= er hält die Welt in jedem Moment in seiner Hand; sein Auge ruht mit Wohlgefallen auf ihr; und immer neue Ströme des Lebens, der Liebe und der Schönheit ergießen sich in sie, und durchdringen alle ihre lebendigen Theile. So überzeugt, lebt der gottinnige, religiöse Mensch mit Gott, mit sich selbst und mit allen Dingen befreundet, heiter und freudig; er gestaltet sich selbst, Gott nachahmend, in Leben und Schönheit; er möchte die Liebe Gottes verdienen; er ist der höheren Einflüsse in stiller Ruhe des Gemüthes gewiß, ohne sich derselben für würdig zu erklären, und ohne sie vorzugeben," oder sich derselben zu rühmen. (Urbild der Menschheit, S. 12.)
"Wie die leibliche Sonne nur in dem leiblichen Auge, welches sie selbst verklärt und ihr ähnlich gemacht hat, in einem ähnlichen Bilde erscheint, so wird Gott, der Urquell alles Seins und Lebens, nur in dem Menschen offenbar, welcher sich ihm in eigner Urkraft selbstständig ähnlich gemacht hat. Die in Tugend vollendete Menschheit ist wie ein reines Auge, worin Gott selbst in endlichem, treuem Bilde seines Alllebens erscheint, welches zwar Gott in seiner Unendlichkeit nie umfaßt, nie durchschaut, aber das Urwesenliche Gottes rein und ganz darstellt. Denn auf ähnliche Weise, wie das leibliche Auge, so klein es immer ist, doch die Einheit des Firmamentes und die Gesetzmäßigkeit seines zeitewigen Baues abspiegelt, so schauet das höhere Auge des sittlich-reinen Menschen in die Tiefe Gottes, in den Himmel seines Alllebens. Ehe dieß höhere Auge gereift ist, leitet Gott, auch noch unerkannt, den einzelnen Menschen und die Menschheit auf den Wegen des Lebens; doch nur so, daß ihre Freiheit sich im Kampfe mit der Weltbeschränkung bilde, bewähre, befestige. Auch dem noch ungebornen Kinde scheint die leibliche Sonne, erwärmt, belebt es; doch erst, wann sein Auge sich ihren Stralen eröfnet, erscheint sie ihm, und offenbart ihm in der Welt der Farben das Allleben der Natur. Soll Gott dem einzelnen Menschen sich inniger offenbaren, so muß dieser erst in sich selbst reif und bekräftigt, das ist, sittlich frei, und reines Herzens sein; er muß Gott mit Freiheit gleichsam entgegenkommen. Auch den noch unreifen Menschen leitet Gott, und führt ihn zum Heil; doch wird Gott ihm nicht offenbar. Wo aber sittliche Reinheit im Menschen und in der Menschheit ist, da wird auch Gottes uranfangliche =312= Gegenwart im Wesenlichen des Menschen und der Menschheit erkannt: dann wirket Gott, als die ewige Ursache, auf's neue urfrei ein in die Zeitreihe des Menschheitlebens, bis herab in jeden reinen Menschen. Der Mensch und die Menschheit beginnen dann einen neuen Lebenverein, einen Lebenbund mit Gott, worin sich ihre sittliche Freiheit bekräftiget und schöner entfaltet. Die Urväter des israelitischen Volkes, Moses und die Propheten, ahneten, Jesus aber, und durch ihn seine Schüler, erkannten das gottinnige Leben des Menschen als einen Bund des Menschen mit Gott, worin Gott auf Gottes Weise wirkt, und der Mensch auf Menschenweise thätig ist. Die Annahme der steten individuellen Einwirkung Gottes selbst, als des Urwesens, ab der Einen ewigen Ursache, in die Eine ewige Zeitreihe des Alllebens in ihm, ist mit den Aussprüchen der Urwissenschaft über die ewige und zeitliche und zeitewige Verursachung harmonisch; nur so ist Gott als allgegenwärtig, als der lebendige Gott, als liebende Vorsehung zu begreifen. Und sowie die innere Selbstvollendung aller Wesen die ewige Handlung Gottes selbst ist, wonach Gott Ihm selbst ähnliche Wesen in sich ewig schafft: so ist die wechselwirkende Lebenvereinigung Gottes mit den in ihrem Leben ihm ähnlichen, guten Wesen, die ewige Handlung Gottes, worin Gott alles ihm Ähnliche mit sich selbst, als dem Urganzen, wesenlich vereint. Doch ist diese Lebenvereinigung mit Gott nicht so zu verstehen, als wenn in ihr die von Gott ewig geschaffenen Wesen, als solche, vernichtet würden, oder als ob sie je Gott selbst gleich werden könnten; sondern sie bleiben in ihm ewig in dem Verhältnisse des Geschaffenen zum Schöpfer, des Endlichen zum Unendlichen, des Theilwesen zum Urwesen. Denn es ist ein ewiges Gesetz des Einen Lebens, welches sich im Ganzen, sowie in jedem Theilleben, in der Pflanze, im Thier, im Menschenleibe, wie im höheren Leben der Vernunft, der Natur und der Menschheit, allbewährt: daß jedes Einzelleben, in seinem höheren Ganzen verursacht und in ihm gehalten, in eigner, ihm im Ganzen und durch dieses angeborner Kraft, sich frei entfalte, und dann erst, im wachsenden Verhältniß seiner inneren Entfaltung, in äußeres Wechselleben mit seinen Nebentheilen, und mit seinem Ganzen selbst, aufgenommen werde." (Tagbl. des Menschheitlebens N. 52.)
"Wenn sich der Mensch durch den Reichthum der Schöpfung, =313= durch die Schicksale der Menschheit, durch die Leiden und Freuden seines eignen Lebens, innig ergriffen fühlt; wenn ihm Gott auf den Wegen des Lebens gleichsam sichtbar begegnet und hörbar zu ihm spricht: dann erfüllt die Liebe zu Gott, vereint mit Vertrauen und Hofnung, sein ganzes Herz und Gemüth; sein Geist ist in höheres Schauen versunken; sein Wesen antwortet Gott im Gebet; er empfindet die Seligkeit, ganz in Gott zu sein, und zu leben. Dann durchströmt ihn neue, jugendliche Kraft des Lebens, sein Herz wird rein und aller heiligen und schönen Gefühle fähig; die Liebe verstärkt ihre Herrschaft über sein ganzes Wesen. Was dieser Gottinnigkeit des Menschen in Gott entspricht; welches übersinnliche Verhältniß der gottliebende Mensch mit Gott schließe; wie sich ihm Gott liebend und erbarmend äußere; — davon vollwesengemäß zu reden, überschritte meine Kräfte. Möge jedes heilige Gemüth diese Seligkeit auf seine eigne Weise ahnen!" (Urb. d. M. S. 115; vergleiche meine Sittenlehre, S. 339 ff., 413!)
Wer den Sinn dieser Stellen im Geist und im Gemüthe fassen kann, der wird auch die Worte unseres alten Maurergebetes: "auf daß wir Theilnehmer deiner göttlichen Wesenheit [Natur] werden;" (that we may be Partakers of Thy Divine Nature) würdigen, und der Überzeugung fähig sein: daß Gebet dem Menschen Wohlthat sei. — Es kommt darauf an: Gott als das Eine Wesen zu erkennen, als Wesen, das ist, und das Alles in sich ist, was ist; daß Gott, als Ursache der Welt, über und insofern außer dieser ist, daß aber die Welt, das ist Vernunft, Natur und Menschheit, und jeder Einzelmensch in, unter und, sofern sie gut sind, mit Gott wesenheitlich vereint sind; — daß Gott in sich das Eine Leben ist, in welchem als in Einem Gliedbau, alles endliche Eigenleben aller endlichen Wesen in Gott ist; und daß Gott mit jedem seiner endlichen lebendigen Wesen, nach der Stufe der Wesenheit und der Lebenentfaltung dieses lebendigen endlichen Wesen selbst und der höheren Lebenganzen, worin es ein Theil ist, eigenleblich vereint ist. Dem dieses Erkennenden ist aber eben darin klar, daß Weseninnigkeit, das ist, Gottinnigkeit,a) ihm als ganzem Menschen, und als schauendem, fühlendem und wollendem, und überhaupt als eigenlebigem (individuell lebendem), urendlichem =314= Wesen, erstwesenlich ist, um zu einem gottähnlichen und gottvereinten Leben zu gelangen. Er wird daher bestrebt sein, in stetem, soviel er nur erringen kann, ununterbrochenem Andenken Gottes, — in der Gegenwart Gottes, — zu leben, und sowohl zeitkreislich, gemäß dem Wechsel der Jahre und der Tagzeiten, als auch bei jedem ihn wesenlich angehenden Eigenlebnisse, sich zu Gott zu erheben, sich in Gott zu sammeln, und sich zu entschließen, Gott ähnlich, und gottinnig zu leben: er wird, um dieses Alles mit Einem Worte zu sagen, — sich gottinnigen, oder, wenn, dem Geiste der Sprache gemäß, Wesen mit Gott gleichbedeutend gebraucht wird, sich weseninnigen. Gottinnigung aber, oder Weseninnigung, ist Beten, Gebet, — im vollen Sinne dieses Wortes, wonach dasselbe nicht auf das Bitten um das Lebwesenliche (das Gute) von Gott beschränkt wird; denn die Bitte in Freude und Noth des Lebens, um das Lebwesenliche — Gute, was wir unter der Voraussetzung wünschen, daß es wirklich in Gottes heiligem Willen enthalten, ist zwar ein wesenlicher, aber untergeordneter, Theil des Gebetes, als der ganzen Gottinnigung. In Hinsicht aber der Bitte im Gebete weiß der gottinnige Mensch, daß er Gott um eigenlebliche Hülfe in dem Guten, was wahrhaft, das ist nach Gottes heiligem Willen, gut ist, bitten darf und bitten soll, und er fühlt sich in liebinnigem Vertrauen, in den Leiden und Freuden dieses Lebens, wenn Menschen ihn lieben und im Guten helfen, und wenn sie ihn hassen, und bei Ausführung des Guten verlassen und hindern, von Gott zu Gott gezogen, daß er Gott bitte, ihm das erwünschte Gute zu geben, wenn es in Gottes Augen das Beste ist, oder es ihm zu versagen, wenn Dieses das Beste ist. Der Gottinnige ist dann immer gewiß, daß Gott, er gebe oder versage das eigenleblich Gewünschte, mit ihm das Beste thue, und ihm, seinem eignen allgemeinen Wunsche gemäß, das eigenleblich Beste gewähre, auch wenn er als urendlicher Mensch es nicht einsiehet. —
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a) Siehe die Erläuterung hierüber hier S. 199. n.131!
"Du großer und allgemeiner Baumeister (Mason)." Die neuenglischen Maurer sagen gewöhnlicher: universal Architect, oder: Architect of the Universe, Baumeister des Weltall. Dieß ist eigenlich einerlei; weil in den früheren Jahrhunderten Mason nicht bloß Maurer, sondern auch Baumeister hieß. So wird Heinrich Yevele des Königs =315= Mason genannt. (Siehe Anders. Const. Buch, 1738, S. 70!) Eigenlich heißt aber wortkundlich und in den ältesten Zeiten Mason nicht einmal Baumeister, sondern überhaupt ein verstandvoller und weiser Künstler. (Siehe oben I, 244, und die so eben zu S. 278 ff. erwähnten Stellen!)
"Daß er wie ein Tempel sei." Dieser Ausdruck ist ein schönes Eigenthümliche unserer Urkunde. Alles, was, und sowie es in Gott verursacht ist, ist unschuldig, rein und heilig, und gleichsam eine würdige Wohnung Gottes; — auch der Mensch. Wo immer im Weltall die Mehrzahl der Menschen noch nicht in reiner Liebe lebt, oder das Leben der Liebe verläßt; wo sie übermächtigen Weltkräften und dem ungeordneten Streite der Begierden im eignen Herzen zum Theil unterliegt; wo das Schaun, Fühlen und Wollen Gottes, der Menschheit, und der Menschlichkeit noch nicht in ihr Bewußtsein eingegangen, oder aus selbigem verschwunden; — da ist die Menschheit nicht "wie ein Tempel Gottes." In diesem urbildwidrigem Zustande ist die Menschheit dieser Erde noch zum größten Theile. Aber sie wird im Kampfe mit allen Mächten der Welt, in Gottes Hülfe und Liebe, die über ihr und in ihr waltet, ihre inneren Kräfte umso vollwesenlicher entfalten, und wann sie im Unglükke Gottes liebevolle Lebenleitung (Erziehung) erfahren, dann wird sie im vollen Sinne Menschheit werden, und im seligen Lebenvereine mit Gott und mit allen Endwesen wie ein schöner Tempel Gottes sein. Daß sie es werde, Dieß ist das große Tagewerk des Menschheitbundes, zu welchem unsre Brüderschaft aufstreben und in welchem wiedergeboren sie fortleben soll.
Zu der 23ten Anmerkung (I, 144 ff.) bemerke ich noch Folgendes. Schon Philo vergeistigte den Tempel Salomon's, indem er ihn als ein Gegenbild der ganzen Schöpfung betrachtet, lehrend, es seien zwei Tempel Gottes, der Eine: die ganze Schöpfung, der Andere: der Tempel zu Jerusalem. — Die Mystiker beziehen die drei Abtheilungen des salomon'schen Tempels auf die drei Stufen des gottinnigen (religiösen) Lebens. Auch Luther billigte diese Vorstellweise (s. Arnoldi hist, et descriptio theologiae myst.; Francof. 1702; p. 82, und Köpke diatribe de templo Sal., de tribus gradibus Christianismi; Lips. 1689; in 12mo!) — Über das Pferdeopfer, Aswamedha genannt, (welches ich I, S. 145 erwähnte,) =316= findet der wißbegierige Leser Auskunft in der Schrift: Brahma, oder die Religion der Indier als Brahmaismus, von Majer; Leipz. 1818; S. 17S ff. — Ich finde zwar die lehrbildliche Auslegung (symbolische Deutung) des Gliedbaues dieses Thieres sinnreich und angeistig; das Opfer selbst aber, seiner Absicht und seiner Vollziehung nach, ist ein sinnloser und vernunftwidriger Aberglaube.
"Ein treuer Bruder werde." Es ist sehr wahrscheinlich, daß wir die Benennung: Bruder, dem Christenthume verdanken. Denn bei den Römern heißen Die, welche zu demselben Collegium gehörten, gewöhnlich Genossen (collegae, sodales).a) Im neuenglischen Constitutionenbuche vom J. 1766 (S. 77) ist zwar eine Stelle aus der Lobrede des Eumenius auf den Kaiser Maximianus so übersetzt, als hätten die Collegia der römischen Architecten in Britanien den alten Namen einer römischen Brüderschaft geführt. Allein, Dieß ist völlig ungegründet; denn es wird dort nicht von den Baukünstlern, sondern von den Bewohnern der Stadt Autun, gesagt, daß sie nun von den Römern wieder als ein dem römischen Volke verschwistert es Geschlecht betrachtet würden; Welches die Römer mehren überwundnen, oder befreundeten Völkern thaten. (Siehe diese Stelle B. II, Abth. 2, S. 203 f. in der Note!) Jedoch finden sich mehre einzelne Spuren davon, daß die Namen ehethumlicher Liebe, wie: Vater, Mutter, Bruder, Schwester, auf wirkliche Mitglieder und auf Ehrengenossen der Collegien bei Römern und Griechen übertragen wurden; wie sich der Leser aus den von mir gesammelten einzelnen Kundnissen (in IV, 129, 156, 166, 365, 369; 244, 260; 355, 371) überzeugen kann.
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a) Zwar bildeten die Fratres Arvales, eine Art Priester, auch ein Collegium; sie hießen aber deßhalb Fratres, (Brüder,) weil ihre Stifter leibliche Brüder gewesen waren. Siehe über diese Gesellschaft B. II, Abth. 2, S. 129!
Noch muß ich zu meiner obigen 27sten Note, als einen Beweis, daß faithful treu, nicht rechtgläubig, heißt, auch B. I, Abth. 1, S. 42, Z. 25, anführen.
"Durch die Erkenntniß unsers Herrn Jesu Christi." Schon aus dieser Stelle, aber auch noch aus andern Thatsachen, ist zu schließen, daß die Stifter dieses Gebrauchthumes Christen waren, daß sie die Religion Jesu als die der Vollendeten anerkannten, =317= auch die Maurer in und durch dieselbe vollenden und zu derselben ausbilden wollten; wenn gleich aus andern Stellen hervorgeht, daß sie in Menschen von allen Gottinnigkeitbegriffen ("Religionen") den Menschen liebten, und mit ihnen menschlich und liebreich umgehen wollten; Welches ja selbst ein Grundsatz der unverfälschten Lehre Jesu ist. Dieser Punkt war seit 1717 bis zum Jahre 1813 ein unterscheidendes Eigenkennzeichen (Character) der sogenannten alten, unter dem im J. 1772 in London gestifteten Großmeisterthume (S. Lawrie's Geschichte, S. 105 f. der Übers.!), und der modernen, unter dem 1717 gestifteten Großmeisterthume arbeitenden Maurer geworden. Die sogenannten alten Maurer nahmen, wie mich Br. Houseal versicherte, allgemein weder Juden und Türken, noch sonst Unchristglaubige oder Heiden, auf, sondern bloß Christen von allen Parteien ohne Unterschied; auch in Irland sind Catholiken und Protestanten in den Logen untermischt. Aber die Stifter des NE. Großmeisterthums gingen hierin, dem Urbegriffe der Freimaurerei gemäß, noch einen Schritt weiter. Denn indem sie den Maurer, als solchen, bloß auf die noachidischen Gebote verpflichteten, (siehe die erste hier in IV abgedruckte, alte Pflicht in der Ausgabe des NE. Const. Buches vom J. 1738!) verlangten sie nur, daß der Maurer ein guter und treuer Mann sei. Zur Annahme dieses milden Grundsatzes mag wohl der erleuchtete und gottinnige, protestantisch-kirchlichgesinnte Christ. Wren, der allen Logen in und um London lange Jahre als Großmeister vorgestanden hatte, und der helldenkend, wie erzählt wird, "der esoterischen Lehrart zugethan war" sehr viel, wo nicht das Meiste, beigetragen haben. Beide Forderungen sind der alten Yorker Constitution und dem Fragstück unter Heinrich VI. wörtlich und dem Geiste nach gemäß. Die seit dem Jahr 1813 aus diesen beiden Großlogen vereinte Großloge aller Maurer von England (siehe I, S, 121! und die Geschichte dieser Vereinigung zum Theil in Br. Moßdorf's "Mittheilungen an denkende Freimaurer," — Dresden, 1818, — in der Übersetzung des Aufsatzes über Masonei vom Br. Jones!) hat, zufolge ihrer Sendschreiben, ihrer Vereinurkunde (act of union) und ihres Constitutionenbuches, hierin den Grundsatz der sonstigen neuenglischen Großloge angenommen, und unter andern auch dadurch bewährt, daß sie die Loge zur aufgehenden Morgenröthe zu Frankfurt am Main, =318= die meist aus israelitischen Brüdern besteht, durch ein Patent des Großmeisters, Herzogs von Sussex, vom 13. April 1817 constituirte und durch einen im Namen des Großmeisters erlassenen Brief des Großsecretairs White vom 30ten ebendesselben Monats in Schutz nahm. Diesem Grundsatze zufolge kann also, ohne Unterschied des Gottinnigkeitbegriffes, jeder Mensch aufgenommen werden; und es giebt jetzt z. B. in Nordamerika, wie mir Bruder Houseal (der lange Jahre dort gelebt hat) erzählte, ganze Logen, die bloß, oder der Mehrzahl nach, aus Israeliten bestehen. Dieß Gesetz ist nicht zuerst damals gemacht worden; sondern die Stifter des Großmeieterthumes haben das Verdienst, hierin den alten, echtmenschlichen Geist der Maurerei anerkannt und wiederbelebt zu haben. Man glaube aber nicht, daß diese Stifter, oder auch noch heute das Londoner Großmeisterthum selbst, irgendeiner andern Religion, als der christlichen, allgemeine Gültigkeit zugestehen, oder irgend einer andern gleichen Werth zuschreiben, oder in Ansehung der Religion gleichgültig sich verhalten. Denn ihr Constitutionenbuch nicht nur, das vom Jahr 1723 so gut, als das von 1784 und 1815, sondern auch ihr Ritual, im Grand Mystery, im Prichard, und beiweitem mehr noch ihr Gebrauchthum in Browne's Master Key, enthalten unzählige kirchlichdogmatische Stellen über Dreieinigkeit, Person Jesu, Erlösung, ewige Seligkeit und andere Glaubenlehren, und zwar im ganzen Ernste: sodaß man wohl sieht, daß die religiösen, officiel verbreiteten, Ansichten dieses Großmeisterthums von seinem Beginn an bisjetzt auf einen sehr orthodoxen Protestantismus hinausgehen. Dieß wird auch dadurch außer Zweifel gesetzt, daß sich schon früh, ganz sicher vor dem Jahre 1744, (siehe Ahiman Rezon, p. 47 - 49, und dessen Ausgabe vom Jahr 1813!) die Meister im Stuhle des großmeisterthumlichen Logenbundes, mit Ausschluß aller andern Brüder Meister, zur Bearbeitung eines höheren religiösen Grades der Maurerei, Royal Arch genannt, vereinigten, welcher "die Wurzel, das Herz und das Mark der Freimaurerei" genannt wirda), und noch etwas weiter, als orthodox, ist. =319= → [Capitultage dieser …]
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a) Diese Aüßerung stehet in der IV, S. 536 f. erwähnten Schrift: Ahiman Rezon, und ist auch in der neusten Ausgabe derselben vom J. 1813 wiederholt. Der Verfasser dieser Schrift, =319= L. Dermott, war im J. 1771 deputirter Großmeister im Stuhle der Großloge alter Maurer zu London unter dem Großmeister Duke of Athol. In seiner (p. XVII ff. stehenden) Address to the Gentlemen of the Fraternity (wo er sich noch D. G. M. unterschreibt,) stellt er unter andern 9 casuistische Fragen, den Gegensatz der ancient und der modern Masons betreffend, auf, deren 7te folgende ist: "whether it is possible to initiate or introduce a Modern Mason into the Royal-Arch Lodge (the very essence of Masonry) without making him go through the ancient ceremonies? Ans. No." "Ob es möglich ist, einen modernen Maurer" (des neuengl. Großlogensystems) in die Royal-Arch Loge (die wahre Wesenheit der Maurerei) einzuweihen oder einzuführen, ohne ihn die alten Feiergebräuche durchgehen zu lassen? Antw. Nein."
→ Capitultage dieser Royalarch-Maurerei sind, wie bereits erwähnt, schon in dem Free-Masons Calendar for 1777 und 1778, (den beiden ersten von der Großloge selbst amtlich herausgegebnen Jahrgängen,) angezeigt, und zwar in jedem Monat, außer den 4 Sommermonaten, einer. In den neuesten Jahrgängen, die ich vor mir habe, vom J. 1804 und vom J. 1806, sind zwar, aus Klugheit, diese Tage nicht mehr bemerkt; allein dieser höhere Grad wird noch ebenso bei der Großloge in London (und selbst bei der Großloge der alten Maurer) gespendet und feierlichst geübt, als früherhin: wie Dieß wohlunterrichtete Zeugen versichern. Dieses wird gegenwärtig in der im Jahr 1813 durch die vereinten Londoner Großlogen gedruckten Vereinurkunde, (act of union, welche in den vorhin angeführten "Mittheilungen des Brs. Moßdorf übersetzt stehet,) sowie in andern amtlichen Urkunden der neuen Großloge zu London offen bekannt, und damit entschuldiget, daß diese Royal-Arch-Maurerei "eine weitere Ausführung und Vollendung des Meistergradesa), also zu diesem, als darein inbegriffen, gehörig =320= sei." → [— Die Stifter des NE. …]
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a) In Preston's Illustrations of Masonry, vom J. 1812, stehet p. 309 - 311 eine belehrende Nachricht über das Verhältniß des Grand Chapter of Harodim, des Großcapitel der Harodim der R. Arch Maurerei, zu der NE. Großloge und zu der Masonbrüderschaft, wovon ich das Merkwürdigste aushebe, umsomehr, da diese Nachricht über die Aüßerungen der neusten Londoner Großloge Licht verbreitet.
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— "On the 4th of January 1787, was opened in London the Grand Chapter of Harodim. Though this order is of ancient date, and had been patronised in different parts of Europe, there appears not on record previous to this period the regular establishment of such an association in England. For some years it was faintly encouraged, but since its merit has been further investigated, it has received the patronage of several exalted =320= masonic characters. — The mysteries of this order are peculiar to the institution itself, while the lectures of the Chapter include every branch of the masonic system, and represent the art of Masonry in a finished and complete form." |
— "Am 4ten Januar wurde zu London das Großcapitel der Harodim eröfnet. Obwohl dieser Orden sich von alten Zeiten herschreibt, und in verschiedenen Theilen von Europa geschützt worden ist, so ist doch eine nach schriftlicher urkundlicher Verfassung bestehende Errichtung einer solchen Verbindung in England nicht bekannt. Vor einigen Jahren wurde er nur schwach ermuntert, aber seit sein Verdienst weiter untersucht worden ist, hat er den Schutz einiger Maurer von hohem Stande erhalten. — Die Mysterien dieses Ordens sind diesem Institute selbst eigenthümlich, während die Lectionen (Fragstükke) des Capitels jeden Zweig des maurerischen Systems in sich enthalten, und die Kunst der Maurerei in einer vollendeten und vollständigen Form darstellen." |
Diese Versicherung Preston's, welche mit den Behauptungen Dermott's übereinstimmt, streitet ganz mit jener Versicherung, welche (s. oben, im Texte!) die Vereinurkunde (Act of union) der neusten Londoner Großloge giebt; denn nach Preston und Dermott ist das System der Maurerei in der Royal-Arch-Maurerei, und zwar in vollendeter, vollständiger Gestalt, enthalten; nicht aber umgekehrt. Daß dieses Vorgeben irrig ist, wird die dereinstige Bekanntschaft mit der Verfassung und dem Gebrauchthume dieser Royal-Arch-Maurerei lehren, wenn man selbige auch nur mit dem Geschichtbegriffe der reinen, echten Maurerei vergleichen, geschweige, wenn man sie nach dem Urbilde des Menschheitbundes würdigen wird. — Br. Feßler hat in seiner mehrerwähnten critischen Geschichte der Freimaurerbrüderschaft (S. 660 - 674) vieles Schätzbare über die Geschichte der Royal-Arch-Maurerei bis zum J. 1782, gesammelt. — (Ein bei Gelegenheit der Vereinigung der beiden Großlogen in London im J. 1813 erschienenes sinnbildliches Kupfer enthält zwar die Worte: "no Harodim! no Kopts!" "keine Harodim! keine Kopten! Allein dieser Ausruf kann wider das amtliche Geständniß der Behörde selbst in der act of union gar Nichts beweisen.)
→ — Die Stifter des NE. Großmeisterthumes vom J. 1717 wollten also (sowie das Großmeisterthum der alten Maurer zu London, und sowie, noch heute das neue aus beiden vereinigte Großmeisterthum daselbst,) allerdings diejenige Partei der Christen, welcher sie angehörten, und die sie für die beste hieltena), obgleich ein großer Theil =321= der damaligen Brüder widerstrebten,a) in und durch die Freimaurerbrüderschaft befördern (siehe IV, S. 23 f., n. a, und S. 47, n. a)!); dachten aber dabei sehr duldsam (tolerant) und liebevoll gegen alle Menschen, und anerkannten die Maurerbrüderschaft als eine der ganzen Menschheit eigne, auf reine Menschheit und Menschlichkeit gerichtete, die ganze Menschheit beseligende, gesellschaftliche Anstalt, sowie sie dieselbe auch als eine solche geschichtlich überliefert schon vorfanden (s. die Y. Const. und IV, 46 f., n. c!); und haben sich so durch ihre Stiftung ein unvergängliches Verdienst um die Menschheit erworben. → [In Ansehung der noachidischen …]
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a) Wren, der als Großmeister die Maurerei in England gehoben und vervollkommnet hat, (s. das Sachverzeichniß unter: Wren!) und in hohem Alter noch im J. 1717 lebte, war ein aufgeklärter Protestant; Anderson war ein presbyterianischer Geistlicher, und Desaguliers ein französischer Reformirter; und die Stifter des NE. Großmeisterthumes legten bei Bestimmung des Zwekkes der Brüderschaft, =321= und insonderheit bei Bestimmung des Verhältnisses desselben zu der Religion und zum Christenthume die Lehre des Comenius und Dessen urbildlichen Plan, einen allgemeinmenschlichen Verein, als wahrhaft allgemeines, (catholisches) Christenthum, zu stiften, zum Grunde; wie ich bei genauer Durchforschung sämmtlicher Schriften des Comenius entdeckt, und in der vorliegenden Schrift bewiesen habe. (Siehe das Sachverzeichniß unter: Comenius!) — Da nun die damalige Brüderschaft viele sehr eifrige römisch-catholische Christen zu Mitgliedern hatte, welche zum Theil wohl die Brüderschaft als ein Mittel benutzen wollten, oder doch betrachteten, mit den Stuart'schen Königen zugleich auch das pabstlich-catholische Kirchenthum in England wieder herzustellen: so ersehen wir hieraus zugleich, daß das neugestiftete Großmeisterthum durch die Annahme der Lehre allgemeiner Religionduldung und durch ihr Bekennen zu dem Protestantismus in ihren gesellschaftlichen Formen und Gebräuchen, sich bei dem protestantischen Könige am besten von dem Verdachte, daß sie wohl den Plan der Stuart'schen Familie in ihrem geheimen Vereine betreiben möchten, reinigen konnten; daß sie sich aber ebendadurch Haß, Spott und Verfolgung ihrer andersdenkenden römisch-catholischen und stuartischgesinnten Brüder zuziehen mußten, welche ihnen reichlich zu Theil geworden sind; wie es viele Streitschriften damaliger Zeit beweisen. (Siehe unter andern die GM. beigefügten satyrischen Briefe, und meine, hier S. 26-31 befindliche, Vorerinnerung zu GM. und Pr. !)
a) Dieser neuen Einrichtung und Grundbestimmung des Zwekkes der Brüderschaft mußten widerstreben: alle Anhänger der Stuart'schen Partei und der Jesuiten, alle römisch-catholische, alle streng orthodoxe Mitglieder der hochbischöflichen Kirche, alle Zunftmaurer, welche die ausübende Maurerei auch in der Folge als Hauptsache beibehalten wünschten, endlich alle Anhänger der alten Maurergebräuche und Verfassung. Deßhalb mußten die Stifter der NE. Großloge sehr behutsam, umsichtig und mit bedächtiger Langsamkeit zu Werke gehn.
→ In Ansehung der noachidischen Gebote aber ahmten sie, der Yorker Constitution treu, (siehe die Anmerkungen zu derselben!) den Juden nach, welche die bloßen Judengenossen, und =322= die unter ihnen in Judäa wohnenden Heiden, darauf verpflichteten, und in die Vorhalle des Tempels zuließen, in Hofhnug, sie zu Proselyten zu machen, und dann ihrem Volke einzuverleiben. In ähnlichem Sinne scheinet mir auch das NE. Großmeisterthum alle Menschen in den ersten Grad, den sie ebenfalls als Vorhalle, die orthodoxe, blind kirchglaubige Royal-Arch-Maurerei aber als das Innerste und die Vollendung der Maurerei, betrachten, aufzunehmen, wenn sie nur Gott nicht leugnen und die noachidischen Gebote, sowie Treue und Rechtschaffenheit, als Äußerung der Religiosität anerkennen: indem die Großloge hoffte, durch den Besuch der Logenversammlungen nach und nach zu dem von ihr als einzig echt angenommenen schriftlichen Glaubenbekenntnisse hinzuführen. — Übrigens enthält schon ihr Lehrlinggebrauchthum kirchlich-dogmatisch-orthodoxe Stellen und Gebräuche in Menge, mit welchen ein Nichtchrist unmöglich einstimmen kann; und ich sehe nicht ein, wie ein Israelit oder Moslem, oder überhaupt irgend ein Nichtchrist, solche Antworten zu geben sich entschließen könne, als von ihm in der Loge, z. B. nach Browne's 144ter, 131ter, 132ter und mehren Fragen, verlangt werden. Die Meinung aber, daß das NE. Großmeisterthum gegen die christliche Religion, oder wenigstens gegen das Kirchenthum, sich völlig gleichgültig und unentschieden (indifferent) verhalte, und alle Religionen an seinen Ort gestellt sein lasse, erscheint mir völlig ungegründet, und beruht auf einigen Stellen in den alten Pflichten, welche den Worten nach religiösen Indifferentismus anzudeuten scheinen, allein dem Sinne und der, im Zusammenhange der Constitutionen, des Gebrauchthumes und des Lehrlingfragstükkes einzig möglichen, richtigen Auslegung nach, mit den eben ausgesprochenen Thatsachen sehr gut bestehen, und mit der Überzeugung, daß das Christenthum die Religion der Vollendeten sei, sich sehr wohl vertragen.a) =323=
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a) Daß Dieses wirklich den Sinn sei, worin Anderson, Desaguliers und die mit ihnen vereinten Brüder das erste Altgesetz dahin bestimmten, daß auch gutgesinnte, gottbekennende Nichtchristen in die Brüderschaft anfgenommen werden sollten, wurde mir seit dem Jahre 1810 noch weit wahrscheinlicher, da ich bemerkte, daß jene ehrwürdigen Bruder in Hinsicht der Annahme der noachidischen Gebote der Lehre des damals sehr berühmten Seldenus in seinem Naturrechte, (s. hier IV, S. 332 n. a!) und in Hinsicht des Planes, durch =323= die Masonei alle gutgesinnten Menschen endlich zu einer allgemeinen, im echten Sinne "catholischen", christlichen Kirche zu vereinen, der Lehre und dem Entwürfe des Comenius getreulich folgten. In Hinsicht dieses letzten Behauptung bitte ich den Leser, sich mit den in mehren Stellen dieses Werkes (z. B. hier S. 139 ff.) gelieferten Beweisen bekannt zu machen, und zugleich zu beachten, in welche Verbindung die Wiedergeburt der Freimaurerbrüderschaft im J. 1717 mit den Entwürfen, welche Valentin Andreae, der gefeierte, inniggeliebte Lehrer des Comenius, machte, zu einem allgemeinmenschheitlichen Vereine tritt (Vergl. hierüber: Nicolai's einige Bemerkungen usw. wider Buhle, 1806, S. 30 - 45!). Diese Beziehung bringt zugleich die weitere Ausbildung der Freimaurerbrüderschaft im 17ten und in dem ersten Viertel des 18ten Jahrhunderts mit der Rosencreuzerei in eine ganz andere Verbindung, als die ist, welche Bruder Nicolai in seinen Schriften (siehe hier: IV, S. 278, die genaue Angabe hierüber!) geschichtlich erwiesen zu haben glaubte, nehmlich nicht mit der, wider die Absicht ihres Veranlassers, des Val. Andreae, entarteten Rosenkreuzergesellschaft, sondern mit der urbildlichen Lehre des Val. Andreae selbst, wie solche in den Schriften seines Schülers, des Comenius, geläutert und ausgebildet, erscheint. Daß Ashmole, der im J. 1646 als Maurer aufgenommen wurde, damals auch Mitglied eines astrologischen und alchemischen Vereines war, und daß daher durch ihn, und seine Genossen, die von Val. Andreae herrührende Schrift: Fama fraternitatis, 1614, welche sich als Anhang befindet an der Schrift: Allgemeine und General - Reformation der ganzen weiten Welt, beneben der fama fraternitatis, etc. Regensburg, 1781) und die übrigen Schriften und Lehren dieses Mannes auch den dortigen Freimaurerlogen bekannt worden sein konnten, ist dem Br. Nicolai, als nicht unwahrscheinlich, zuzugeben; daß aber seine Annahme des Ursprunges der Freimaurerbrüderschaft, die er hieraus abgeleitet zu haben glaubte, irrig ist, davon giebt der geschichtliche Inhalt meiner Schrift den Erweis; (siehe hierüber I, S. 80 ff. und das Sachverzeichniß unter: Ashmole!) auch haben Dieses die Brüder Vogel und Feßler in ihren mehrerwähnten Schriften schon gezeigt.
"Seiner Familie verderblich ist." Daß diese Worte ein späterer Zusatz seien, kann nicht daher erwiesen werden, daß die Stifter der christlichen Freimaurerei unverheirathete Mönche gewesen. Denn es gab in den ersten Jahrhunderten, und in England noch weit später, ebenso gut verheirathete Mönche, als unverheirathete; sogar wurden in Mannsklöster Weiber und Jungfrauen als geistliche Schwestern, als sorores spirituales, (s. die Stellen aus du Cange hier IV, 367 - 373!) nicht selten aufgenommen; sowie unter den Maurern ein ähnliches Verhältniß der Weiber stattgefunden hat. Auch gilt ja diese Vorschrift hier nicht für die Mönche, =324= sondern für die Bauleute selbst. Den bessern Sinn dieser Vorschrift habe ich oben in der 66ten Note angezeigt. Browne sagt gar, anstatt Familie, Bekanntschaften, Verbindungen (connections).
"Wann wir der Verderbniß entgangen sind, die durch die Lust in die Welt gekommen ist." Hierin besteht, nach der Lehre der Mystiker, ''die Reinigung, die Rükkehr in den Stand der Unschuld.'' (S. Arnoldi hist. et descript. theol. myst.; Francof. 1702, p. 111, n. 15!) — In der Ordensregel des Columbanus, eines irländischen, culdeischen Mönches, welche Holstenius herausgegeben, und Ledwich (in seinen "Antiquities of Irland;" Dublin, 1790; p. 407 s.) übersetzt im Auszuge und mit Anmerkungen mittheilt, heißt es über die 4te Regel so: 4) "Von der Armuth und Beilegung der Begierlichkeit (der Lust, of concupiscence). Allezeit, — so sagen die egyptischen Priester,a) auf die Erkenntniß und Eingebung (inspiration) Gottes gerichtet zu sein, ist der sichere Weg, den Menschen wider unmäßige Begierden sicher zu stellen, seine Gemüth - Leidenschaften (mental passions) in Zaum zu halten, und ihn beschaulich (intuitive) zu machen. Entblößtheit von äußeren Gütern (nakedness) und Verachtung des zeitlichen Wohlstandes, sagt unsre Regel, sind die Vorzüge (the excellencies) eines Mönches. Das Zweite ist Reinigung von Lastern, und das Letzte und Vollkommenste ist die stetige (continued) Liebe Gottes."
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a) Hierunter sind die ältesten christlichen Einsiedler und Ascetiker in Egypten gemeint, die, sowie ihre Vorgänger,, die Therapeuten und Essener, den Culdeern bei ihrem Leben, und bei der Einrichtung ihrer Klöster, wie Ledwich geschichtlich beweiset, zum Musterbilde dienten. H.
"Allgemeine Liebe," (charity,) nicht nur allgemeine Menschenliebe, sondern Liebe gegen Alles, was lebt, ("to all our Fellow creatures," Browne: "gegen alle unsere Mitmenschen, oder Mitgeschöpfe." Johnson giebt folgende Bedeutungen von charity an. —
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"Charity 1) tenderness, kindness, love; |
"Charity 1) Zärtlichkeit, Zartgefühl, Sanftheit, Liebe; |
Hier ist charity in der dritten Bedeutung genommen, weil eine Bibelstelle zum Grunde liegt, (sowie auch Dieses in Browne's Master-Key Fr. 131, hier S. 195, vergl. Fr. 112, hier S. 176, ausgesprochen ist,) und Wer Weseninnigkeit in diesem biblischen Sinne übt, an dem wird sich dieselbe auch in den übrigen von Johnson angeführten Bedeutungen äußern. Da diese allgemeine Liebe mit jedem christlich-kirchlichen Systeme verträglich ist, so konnten auch die papistisch gesinnten Geistlichen, die die alte Maurerei übrigens sehr verderbten und entstellten, dieß Heiligthum der Freimaurerei unangetastet lassen, umso mehr, als die Benedictiner, besonders die nach der Regel der reformirten Cluniacensermönche lebten, in England am meisten verbreitet, sowie unter dem Mönchorden, die unter dem Pabste standen, vorzüglich ehrwürdig und verdienstvoll waren, auch Gelehrsamkeit schätzten, soweit dieselbe sie nicht mit der Pabstherrschaft (dem hierarchischen System) in Widerstreit brachte. Daher hat auch das NE. Großmeisterthum die ihnen überlieferte Bedeutung der Jacobleiter dahin verändert und veredelt, daß diese mit ihren drei Sprossen auf der Bibel sich gen Himmel erhebt, und die Brüder sich auf ihren drei, Glauben, Liebe und Hofnung bedeutenden, Sprossen gen Himmel, als welcher die Dekke der Loge ist, ausschwingen sollen. (Browne Fr. 127 - 133, nebst Dessen gehaltvollen Erklärungen.) Die Lehre von der allgemeinen Liebe (άγαπη, charity) ist besonders im NE. Gebrauchthume, nach Preston und Browne, ausführlich und schön dargestellt. Ich ermuntere den gottinnigen und menschheitinnigen Leser, diese Hauptstellen (hier S. 194 -199, und Preston's Lobrede, hier S. 199 ff.) nachzulesen, und dort auch meine Bemerkungen zu würdigen, worin ich zeige, daß unter charity eigenlich Weseninnigkeit geahnet, gedacht und gefühlt werde; wo ich erkläre, Was Weseninnigkeit ist (s. S. 167 n. 110, und von S. 194 an die Noten 127, 129, 131, 133), und daß dieses Wort erst dann seine volle Bedeutung erhält, wenn bei dem Worte: Wesen, Gott selbst, und alle End -Wesen in Gott, auch Wir, sofern wir in Gott leben, weben und sind," [s. hier S. 199. n. 131] verstanden wird.
"Dein Friede auf uns ruhe." Das mit GM. bezeichnete Fragstück (hier S. 34 f.) hebt an: "Peace be here!" =326= Answ. "I hope there is." "Friede sei hier!" Antw. "Ich hoffe, hier ist Friede." Dieß ist wohl aus dem Christlichen: "Friede sei mit Euch!" entsprungen. Auch erscheint mir der, sehr wahrscheinlich urgebrauchthumliche, Kuß des Neuaufgenommenen mit dem Kusse des Friedens und der Liebe der ältesten Christen, welcher einen Theil ihres geheimen Gottesdienstes, (der nachherigen missa fidelium,) ausmachte, (siehe: Vogel's "Alterthümer der ersten Christen;" Hamb. 1780; S. 203!) verwandt, und ein gleich achtbarer und schöner Gebrauch, als dieser christliche.
"Welcher lebt und regieret." Es fehlen hier die Worte: "mit dir und dem heiligen Geiste," welche auf die Dreieinigkeitlehre hindeuten; vielleicht weil die Culdeer, der Lehre der ältesten griechischen Kirche gemäß, in Hinsicht der Dreieinigkeitlehre, besonders des heiligen Geistes, von der römischen Kirche abwichen.
"Alle vereinigt sein mögen, wie Einer." Zur geschichtlichen Erläuterung dieses Ausdrukkes bitte ich, die Stellen aus des du Cange Glossarium nachzusehen, welche ich in IV, 367 - 373 zusammengestellt habe; besonders die, welche unter dem Worte: Fraternitas, (n. 5) ganz nachgelesen zu werden verdient. "Laien wurden von den Mönchen zur Theilnahme der Gebete, der Stimmen und Beneficien (in partecipationem orationum, suflragiorum et beneficiorum) zugelassen; entweder bloß als Brüder, oder als Brüder und Mönche. (Vide Eckhardum Jun. de Casibus S. Galli c. 1, p.37 etc., et Monastic. Angl. I, p. 53, 331 etc.!)" Dieß geschahe mit Kaisern, Königen, Soldaten usw., wovon Beispiele angeführt werden. "Solche Brüderschaften wurden ihnen im Capitel, vermöge des Buches," (auf das Evangeliumbuch) "ertheilt." Nun wird aus dem Statutenbuche des Ordens zu Sempringham (s. hier IV, 372!) angeführt: "Wenn also ein Bischoff, oder Abt, der Canonicorum Regularium, oder der Mönche, oder ein König, in's Capitel eintritt, so sollen Alle außtehen und sich vor ihm neigen, indem er bei ihnen vorübergeht. Wenn er aber um die Mitgliedschaft anhält, da sollen Alle außtehen, und den Psalm sprechen: Siehe, wie fein und lieblich ist's, ihr Brüder, (in Eins) zusammen zu wohnen! usw. (Ecce quam bonum etc.) Und wenn ihm die Brüderschaft verliehen wird, so lege man seine Hände auf das Buch" (das ist, auf das Evangelienbuch) usw. =327= Nun folgen auch Beispiele, daß Weiber auf ähnliche Weise aufgenommen wurden. Da, wie Anderson (Const. B. v. J. 1738, S. 62, und v. J. 1756, S. 82) und die Yorker Constitution erzählen, auch andersher bewieset ist, die Bauleute in Klöstern, in einer ähnlichen Verbrüderung mit den Mönchen, ihre Logen hielten, auch die Klöster ihre beständigen Fratres caementarios, magistros caementariorum (siehe du Cange unter dem Worte: Magister, und S. Wilh. Const. Hirsaug. bei Herrgott!) hatten (sowie auch die Tempelherren): so kann wohl diese Stelle im Gebete durch den erwähnten Gebrauch veranlaßt worden sein. — In Hickesii Thesauro finden wir viele Brüderschaften (Fraternitates et Sodalitia) geistlicher und weltlicher Personen, und Beider untereinander, angeführt, unter andern auch die Verbrüderung der Äbte mehrer benachbarten Klöster, welche "Brüder unter sich sein wollen, wie Eine Seele" (esse ut anima una. Vergleiche auch du Cange voce: Fraternitas, n. 3!) — Überhaupt ist die herrschende Neigung zu innigen, freundschaftlichen Verbrüderungen durch das Band der Religion, des Ritterthumes, der Rechtpflege und der Poesie, ein schöner Zug des Mittelalters, und unsere Freimaurerbrüderschaft ist nur ein einzelner Zweig dieses ästereichen Baumes inniger, vertraulicher Geselligkeit. Innige Freunde gelobten sich damals, wie jetzt bloß Eheleute, unauflösliche Liebe und Treue vor den Augen Gottes und der Gemeine auf das Evangelienbuch. (Siehe: du Cange Glossarium, voce: Fratres spirituales, [hier IV, 371] et ejusdem Dissert, 21 ad Joinvillam!) a)
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a) Vergl. die IV, 367 - 377 gesammelten Kundnisse!
Unmittelbar aber ist der Ausdruck: Alle vereinigt wie Einer, wohl aus dem Evangelium Johannis (Joh. 17, 31 ff.) genommen. Nachdem Jesus (Joh. 13.) seinen Jüngern die Füße gewaschen, das Abendmal gefeiert, die wesenlichsten und liebinnigsten Lehren ertheilt, und ihnen die feierliche Eröfnung gethan hatte, daß er nun den schönsten Sieg über den Ungeist der nicht gottinnigen Welt sterbend erringen wolle, spricht er weseninnig betend: "Nicht für diese meine Jünger allein bitte ich, sondern auch für Alle, die durch die Belehrung derselben an mich glauben: damit sie Alle Eins seien, sowie =328= du, o Vater, in mir, und ich in dir, also auch sie in uns Eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast." — Auch diesen großen Grundsatz wahrer Lebeneinheit gottinniger Menschen unter sich in Gott, und in mit Gott, finden wir, nebst so vielen andern sinnvollen Lehren, Bildern und Gebräuchen, in dem Evangelium Johannis. Daher wird es wohl vorzüglich und mehr noch deßhalb, weil es die Grundlehren der Masonei selbst, als weil es die Geschichte Johannes des Täufers enthält, in der Loge aufgeschlagen. (Siehe obige Bemerkungen zur 12ten Frage!) Übrigens ist die Lehre von der Lebeneinheit jedes Einzelmenschen mit Gott, und Aller gottinnigen Menschen unter sich in und mit Gott, eine aus den frühsten Zeiten des Menschengeschlechtes, in den Vedams, (siehe Oupnekh'at, und Anquetil du Perron's Bemerke hierüber!) stammende Lehre, welche unter den gebildeteren Völkern in jeder gottinnigen Seele lebt.
Ich kann nicht unbemerkt lassen, daß unter allen jetzt lebenden Zweigen der Christenheit keiner sowohl überhaupt, als besondere in Hinsicht der Grundlehre von der Vereinigung mit Gott und vom Gebete, mit den Culdeern, den Stiftern der vergeistigenden Masonei (der Geistmaurerei, Geistmasonei) im Mittelalter, so ganz und so genau übereinstimme, als die Quaker; wie der Leser schon aus folgendem allgemeinen Zeugnisse ersehen wird, das ihnen ein ruhiger, unparteiischer Beobachter (Eichhorn, in seiner Geschichte der Literatur, im 6ten Bande, 1 Abth., 1810, S. 531 f.) giebt. "Auch die Quaker — Söhne des Lichts — setzten den Geist der Religion darin, mit Gott in Gemeinschaft zu leben, auf das innere Licht zu achten, sich von der Eitelkeit der Welt loszureißen, in der Furcht Gottes und in dem Gefühle der Gleichheit der Menschen zu leben."
Es gereicht überhaupt den Verfassern dieses gottinnigen, liebefriedlichen Gebetes zur Ehre, daß dasselbe von Glauben an Jesus und von Liebe zu ihm, die sie beseelte, voll ist; umsomehr da, außer der Gleichsetzung Jesus in Gott mit Gott, sonst keine kirchenlehrliche Satzung darin vorkommt. Wie ich glaube, daß jetzt gebetet werden solle, habe ich in der 88ten Anmerkung (I, S. 196 ff.) angedeutet. Der Menschheitbund wird Jesus als wesenlich im Entfaltgange des Lebens dieser Erdmenschheit anerkennen; denn Jesus hat durch seine Lehre, durch sein Leben =329= und Sterben für die Lebenbildung (Lebbelebigung, Erziehung) des Menschengeschlechtes Wesenliche gewirket. Mehr als sechzig Geschlechter der gebildetsten Völker haben sich, ihn als Urbild gottinniger Menschlichkeit im Auge, zu reinerer Menschlichkeit erhoben; vorzüglich durch ihn wurde ihr Glaube und ihre Hofnung in Gott und Menschheit geweckt, belebt, erhöht; durch ihn begeistert haben Tausende den Heldenkampf für Tugend und Recht gekämpft, und sind, sein zum Urbilde erhobenes Lebenbild geistig beschauend, in eine höhere Ordnung des Lebens sterbend eingegangen. — Dieß ist eine Thatsache der Geschichte dieser Menschheit, welche anzuerkennen, Jedem angemuthet werden kann, der dadurch, daß er sich zum Maurerbunde gesellt, zu erkennen giebt, daß Menschheit und Menschlichkeit seinem Geist und Gemüthe lieb und werth sind, er bekenne sich nun zur christlichen, jüdischen, moslemischen, oder sonst einer Gottglaubenlehre. Denn die Erkenntniß des Gottinnigen im Heidenthume, Judenthume, Islamthume, sofern dieselbe von Aberglauben frei ist, bestehet ebenso, wie die reine, von allem Satzungglauben freie, Gottinnigkeit des urwissenschaftlichen Menschen, vollkommen mit dieser reinmenschlichen Verehrung Jesu, und seiner erhabnen Verdienste um die Menschheit. — Ein Pythagoras, Platon, Cicero, Seneca, würden Jesus innig lieben und verehren, wenn sie sich auch nicht entschließen möchten, die Lehren irgend eines geschichtlich überlieferten Gottahnbegriffes, noch insbesondere die Kirchenlehren irgend einer christlichen Partei, zu unterzeichnen, und an den gottesdienstlichen Gebräuchen irgend einer Kirchenpartei, als solcher, Antheil zu nehmen. Diese Anerkennung Jesu, als eines gottinnigen Menschen, als eines Erziehers des Menschengeschlechtes, sollen wir als Maurer festhalten und ausbilden; die Überzeugung hinsichts des Verhältnisses Jesu zu Gott, und zu Gottes Wesenheit, überlassen wir dem Gewissen eines jeden Mitbruders. — Den Urbegriff der gottinnigen, gottvereinlebenden Menschheit erkannte Jesus; und reine Liebe zu der Menschheit beseelte ihn: und die Menschheit erschien ihm als ein Bürger des Einen, urganzen (unendlichen) und ewigen Gottreiches, welches alle endliche Wesen und alles endliche Leben in seinem Einen urganzen Leben urwesenlich, ewig, urzeitlich und urzeitewiga) umfaßt. — Der Menschheitbund ist seiner =330= Wesenheit nach auf die Ausbildung zur Menschlichkeit, und auf den innern Ausbau der Menschheit innerhalb des ganzen Umfanges ihres Eigenwesenlichen (ihrer Bestimmung) gerichtet. Daher nannte ich auch die Freimaurerbrüderschaft (den Masonenbund), sofern sie, als ein Keim des Menschheitbundes, diesem erstwesenlichen Berufe treu bleibt, eine im Gottreiche wesenliche Anstalt, und sagte, daß sie einen inneren wesenlichen Theil des Einen urwesenlichen Gottreiches ausmachea).
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a) In dem Einen Wesenlichen Wesens, das ist: Gottes, =330= ist enthalten das Urwesenliche, das Ewigwesenliche, das Zeitwesenliche (Werdwesenliche, Zeitlebliche), und das Urzeitewigwesenliche. Das Urwesenliche ist das über und vor dem Gegensatze des Ewigen und Zeitleblichen Wesenliche; das Ewigwesenliche ist das Wesenliche, welches als Allgemeinwesenliches dem Zeitwesenlichen entgegenstehet, und als solches unabhängig von Zeit und Zeitleben ist; das Zeitwesenliche (Zeitlebliche) ist das Wesenliche, sofern es in der Zeit stetig in seiner Grenzheit entgegengesetzte sich ausschließende Bestimmtheit ist; das Urzeitewigwesenliche ist das im Wesenlichen durch das Urwesenliche vereinte Ewigwesenliche und Zeitwesenliche. Jeder Urbegriff (Idee) und jedes Urbild, ist ewigwesenlich; das Eigenlebliche, als solches, ist zeitwesenlich, und jedes durch urwesenliche Thätigheit urbildlich gestaltete Eigenlebliche ist urzeitewigwesenlich.
a) Ich sage mit Bedacht, einen Theil, und setze hinzu: einen untergeordneten Theil; auch sage ich nicht, daß die jetzige Freimaurerbrüderschaft, der werdende Menschheitbund sey, geschweige die jetzige Freimaurerbrüderschaft, das Reich Gottes selbst ganz bewirke oder erhalte und fortpflanze, sondern nur: das Reich Gottes im Menschen und in der Menschheit, sofern der Mensch und die Menschheit ein Theil dieses Reiches ist. Siehe oben I, 149, n. 31, besonders (S. 50 zu Ende!
Noch bemerke ich, daß in allen engländischen, schottländischen und irländischen Logen bei'm Eröfnen und bei'm Schließen der Loge, sowie bei der Aufnahme, gebetet wird; wie man aus Preston's Illustrations, aus Browne's Master Key (S. I, Fr. 71; und S. 64 und 80) und aus Ahiman Rezon, dem londoner und edinburgher Pocket Companion, und andern Schriften mehr, ersieht; wo man auch Mehre dieser Mustergebete nachlesen kann. (Siehe einige hier I, S. 314 f., II, S. 134 f. und S. 148 f.!) Diese Letzteren sind entweder aus unserer Formel entstanden, und geben sie sehr entstellt wieder, oder es sind gleichfalls ältere Formeln, die mehre Lehrsätze der Kirche, besonders die Dreieinigkeitlehre, sehr sorgfältig enthalten. (Siehe the Freem. Pock. Comp., =331= Edinburgh, 1763, p. 146; Ahim. Rez. p. 45!) Nur wenige davon im Browne und Preston kommen unserem Gebete an Innigkeit und kindlicher Einfalt, nicht aber an Tiefsinn und Reichthum der Gedanken, nahe. Nach des Brs. Keher Berichte betet auch in den Schottländischen Logen der Meister nach Eröfnung der Loge um Segen zur Arbeit, und bei dem Schlusse derselben, während die Brüder die Kette bilden, ein Dankgebet. — Nach Browne (Fr. 71) "kniet der Aufzunehmende auch nieder, um die Wohlthat eines Gebets zu empfangen;" worauf das Gebet selbst folgt, welches einfach, reinchristlich, und ganz ohne kirchenlehrliche Stellen ist.
21te Frage. "Zu Gott; Was in seinen Augen gut ist, das wird er thun. (1 Sam. III, 18.)" M. Auch Br. hat diese Frage (72 - 74; hier S. 148). Die angeführte Bibelstelle ist der Ausspruch Eli, nachdem er vernommen, wie Jehovah ihn strafen werde; er sagte: "Er ist der Herr; er thue, Was ihm wohlgefällt." — Unbedingtes Gottvertrauen, ohne allen Rückhalt, noch Vorbehalt, worin der Mensch sich Gott ganz überläßt, ist eine wesenliche Äußerung der Gottinnigkeit; denn dieses Vertrauen ist Äußerung der Überzeugung: daß Gott jedem Menschen jedaugenblicklich sein ganzes Recht, sein ganzes Lebenwesenliche (Gute) thue. — Es ist daher echtmenschlich, also auch reinmasonisch, den Aufnahmling also zu fragen. Wenn aber, nach der Vorschrift entarteter Logen, der Aufnahmling feierlich gefragt wird: "wollen Sie sich uns (den Genossen der Loge, oder wohl gar den angeblichen hohen Obern) ganz überlassen?" so ist Dieses ein unheiliger Mißbrauch.
22te Frage. Wenn ich mich in der 37ten Note zu dieser Frage (I, 152 ) wider die schauspielhaften, unlauteren, sogenannten Prüfungen des Aufnahmlinges währender Aufnahme erkläre, so will ich damit zweckmäßige Prüfung desselben in Hinsicht seines Erkennens und seines Lebwirkens (theoretische und practische Prüfungen) keinesweges ausschließen; vielmehr sind diese für eine reiner Menschlichkeit gewidmete Gesellschaft hinsichts aufzunehmender Erwachsner durchaus wesenlich. Nur ist dazu erforderlich, daß der Verein schon eine wesengemäße Bundlehre habe, und deren Grundlehren in wenigen Sätzen dargestellt enthalte, (wozu selbst unsere zweite Kunsturkunde ein unzureichender Anfang ist,) und daß diese Prüfung mit offener =332= Ehrlichkeit, mit lauterer Liebe, ohne allen Hinterhalt, ohne alle List, Verstellung und Heuchelei, sich rein im Guten halte, und das Recht der selbwesenlichen Freiheit (der persönlichen Freiheit) nicht verletze. — Es ist zu wünschen, daß die im J. 1813 vereinten beiden Großlogen zu London diejenigen bis dahin bei der neuenglischen Großloge bestandnen unwürdigen Gebräuche, wodurch der Aufnahmling "in Furcht gesetzt werden" sollte (s. Browne Fr. 69; hier S. 149!) abgeschafft haben möge. — Es ist ein vergebliches Streben, widermenschliche, widerrechtliche, mißhandelnde, die persönliche Freiheit verletzende Gebräuche, dergleichen die genannten Prüfungen bei der Aufnahme bei verschiedenen sogenannten Logensystemen sind, (z. B. Reisen durch die Elemente, gefährliche Leibstellungen, abentheuerliche Tritte, und Sprünge, udm.) durch Übereinstimmungen mit ähnlichen Gebräuchen der griechischen und egyptischen und anderer Mysterien beschönigen, und als tiefsinnig und ehrwürdig darstellen zu wollen. (Siehe z. B. die Schrift: "La Franche-Maçonerie rendue à son véritable Origine, ou l'Antiquité de la Franche-Maçonerie prouvée par l'explication des mystères anciens et modernes; par Alex. Lenoir;" à Paris, 1814; in 4.; besonders, die Darstellung dieser menschheitwidrigen Abenteuerlichkeiten auf mehren der 10 Kupfertafeln!) Denn jene Mysterien unterliegen in dieser Hinsicht demselben Tadel; und leider sind eben jene Übereinstimmungen dadurch in das entartete Gebrauchthum mehrer, besonders französischen, sogenannten Logensysteme gekommen, daß die geheimnißsüchtigen Mitglieder derselben alle Nachrichten, die sie über die Mysterien der Alten aufbringen konnten, sogar, ohne sie gehörig geprüft zu haben, benutzten, um ihre neuangefertigten Gebrauchthümer damit auszustatten. (Vergl. meine Bemerkungen zu Lawrie's Geschichte, S. 319 - 321 u. 342 f.!) — Daß ich hierdurch nicht die Nachahmung älterer Vereine im Guten und Schönen tadle oder verwerfe, ersieht der Leser aus meinen vielfachen Bemühungen: die wesenlichen reinmenschlichen Lehren der Essener, der Soofi, der Culdeer zu allgemeiner Kenntniß der Brüderschaft urkundlich vorzulegen.
23te Frage. Ob nicht das Dreimalige hier doch Etwas bedeutet habe, darüber will ich nicht völlig absprechen. Bei der Einweihung der Kirchen wurde auch ein feierlicher Umzug um dieselbe gehalten, und dabei untersucht, =333= ob sie in der Linie der Heiligkeit, das ist genau Ost und West, standen. (Siehe: The Antiquities of England and Wales by Grose; London, 1787; Tom V, p. 179, und: Eadmerus in vita Dunstani!) Im Br. wird der Aufzunehmende zwar herumgeführt; wievielmal aber, wird nicht bestimmt. — Wenn ein römischer Sklav freigelassen wurde, so wurde ihm das Haupt geschoren und ein Hut geschenkt; dann wurde er umgedreht (in gyrum agebatur) und gesagt: "du sollst frei sein! gehe also hin, wohin du willst! " "(liber esto, atque abito, quo voles!)"
24te und ff. Frage. Siehe die Erläuterung dieser Stelle in M.; oben I, 316.!)
29te Frage. "Er schickte mich zurück." Hieraus sieht man deutlich, daß die Verpflichtung unten am westlichen Ende des Vierekkes am Boden geleistet wird, sowie oben aus M. (I, 317) beigebracht worden. Der Meister kam dann wahrscheinlich (I, 237) zu ihm herab. Im NE. Systeme dagegen nahet sich der Aufzunehmende durch drei Schritte dem Meister in Osten, und das so sinnreiche Herantreten an das bedeutungvolle Viereck geht verloren. Deßhalb spottet auch Dermott im Ahiman Rezon (ed. 1813, p. XXV) mit den Worten:
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"Several whimsical modes were proposed, some of which were adopted: the absurdity of them being such, I shall decline inserting them here. After many years observation, a form of walking was adopted, actually ridiculous. I conceive, that the first was invented by a man grievously afflicted with the sciatica. The second by a sailer, much accustomed to the rolling of a ship. And the third by a man, who, for recreation, or through excess of strong liquors, was wont to dance tbe drunken peasant." — |
"Verschiedene wunderliche Gebräuche wurden" (um's J. 1717) "vorgeschlagen, und mehre davon angenommen: da die Sinnlosigkeit derselben so groß ist, so vermeide ich, sie hier einzuschalten. Nach mehrjähriger Beobachtung (?) wurde eine Form des Schreitens angenommen, die in der That lächerlich ist. Ich vermuthe, daß die erste von einem Mann erfunden wurde, der mit der Lendengicht schwer behaftet war; die zweite von einem Seemann, der sehr an die Bewegung des Schiffes gewöhnt war, und die dritte von einem Manne, der, zur Erholung, oder durch Übermaß starker Getränke, gewohnt war, den Tanz trunkener Bauern zu tanzen." |
Die sinnvolle Stellung im rechten Winkel (s. I, 156; II, 67; =334= Browne, Fr. 84, 104!) verdient diesen Spott nicht, wohl aber die durch das Gradwesen eingeführten, (z. B. I, 267; 319 ) dem Hänseln der Handwerker ähnlichen, die Würde der Masonei verletzenden, Arten, zu schreiten. (Pr. Fr. 21; Br. Fr. 78 - 84; hier S. 152 ff)
30te Frage. Dieß giebt M. sehr abweichend so: "Fr. Welche Instruction hat er Dir gegeben?" "Antw. Er lehrte mich einen Schritt gegen den Stuhl zur Rechten des Angels des Winkelmaaßes thun, mit meinem linken Knie entblößt, meinen Leib aufrecht, mit meinem rechten Fuß in der Form eines Winkelmaaßes stehend, meine bloße rechte Hand auf die Bibel, und das Winkelmaaß und den Zirkel darauf, meine linke Hand die Spitze des Zirkels auf meine linke Brust haltend; und so habe ich die feierliche Verbindung oder den Eid des Freimaurerlehrlings ausgeschworen." — "Des Angels des Winkelmaaßes" ist das falsch übersetzte: of a right angle oblong Square; allein, "das Setzen des Zirkels auf die linke Brust" kann keine falsche Übersetzung sein; da hierzu kein Wort im Texte, sowie er in JB. (I, 156) und K. steht, vorhanden ist, auch M. zugleich den Zirkel auf die Bibel legen läßt: wie nach JB. und K. wirklich geschieht. Nach dieser Vorschrift in M. brauchte man also zwei Zirkel zugleich, oder ließ Bibel, Zirkel und Winkelmaaß so nahe an die Brust des Aufnahmlinges halten, daß die Spitze des Zirkels wirklich dessen linke Brust erreichen konnte. Nun hat schon Pr.: (Fr. 23) "den Zirkel an meine linke nackte Brust;" sowie Browne (Fr. 48) diesen Gebrauch genauer beschreibt: "während meine Linke einen Zirkel hielt, der gegen meine nackte linke Brust in Form eines Winkelmaaßes ausgespannt war." Mithin ist es mir wahrscheinlich, daß der sorgfältige Bruder von Dalberg hier den altenglischen und neuenglischen a) Gebrauch vereinigen wollte; da er den letztern vielleicht auch bei einigen altenglischen Logen eingeführt vorfand. Allein, dem alten Gebrauchthume (Rituale) gemäß muß der Zirkel auf der Bibel ruhen, weil die Lehrzeichen (Symbole) der drei großen Lichter zu einer Beschauung ungetrennt bleiben müssen, obwohl Nichts hindert, mit der Spitze des auf der Bibel ruhenden Zirkels zugleich des Aufnahmlinges linke Brust zu berühren. Im NE. Gebrauchthume dagegen, wo die Lehrzeichen der drei großen Lichter nicht so wichtig =335= sind, auch an dieser Stelle nicht vorgezeigt werden, konnte man bedeutungvoll den Zirkel auf die Brust setzen.
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a) S. oben die Stelle aus JB. I, 269!
Zunächst muß ich einige hieher gehörige Nachrichten des Brs. Keher anführen: "In welchem Grade eine Loge eröfnet sei, Das wird nie gesagt, sondern man sieht es aus der Legung des Zirkels und Winkelmaaßes, an den Säulen Jachin und Boaz, auch an den Zeichen, die der Meinster von Stuhle und die Beamten machen. Die bei'm Evangelio Johannes, wo von Johannes dem Taüfer die Rede ist, aufgeschlagne Bibel liegt nicht gelehnt, sondern gerade auf, da, und in der Mitte darauf, nach den Graden verschieden, Zirkel und Winkelmaaß. Im ersten Grade liegen beide Schenkel des Zirkels unter, im Gesellengrade aber der linke Schenkel unter, der rechte aber über, im Meistergrade dagegen beide Schenkel des Zirkels über dem Winkelmaaße." — Vermuthlich deswegen, weil von Alters her, und der Beschaffenheit der Sache nach, der Zirkel dem Meister eignet; (s. oben I, S. 167 col. a.) sowie Dieß auch im neuenglischen Systeme (s. Pr. Fr. 41 und II, S. 210, Fr. 143 und 145 und 155, f.!) ausdrücklich gesagt wird. "Das Logenschwerdt," (nicht der Degen,) "des Meisters vom Stuhle darf nie so, wie es in Frankreich geschieht, über die Bibel quer gelegt sein; sondern es muß zwischen dem Meister vom Stuhle und der Bibel, gleich an der Bibel, anliegen. Der Lehrlingstritt und Lehrlingsschritt muß die Figur eines Winkelmaaßes, ∟, vorstellen; der Gesellentritt und Schritt die Figur einer Setzwaage, ⊥, und der Meistertritt und Schritt bildet einen offenen Zirkel, ∨."a) Da wir aber aus M. (I, 310 ff.) gesehen haben, daß der Lehrling schon bei der Aufnahme auf das, einen Dreiangel bildende, Y tritt: so sehen wir auch hieraus bestätigt, daß man der Lehrlingaufnahme, als sie zum Lehrling grad wurde, Vieles entziehen, auch ihre Gebräuche umändern und das gegebne Sinnvolle und Einfache spielend erweitern mußte, um die beiden neuen Grade nicht ganz leer ausgehen zu lassen, und um gewissermaßen eine Stufenfolge da vorzuspiegeln, wo eigenlich ansich keine vorhanden, noch irgend in den Logen wirklich gewesen ist.
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a) Hierauf paßt allerdings der vorhin S. 533 angeführte Tadel Dermott's ebenso, als auf die besonderen Arten, zu treten und zu schreiten, des neueuglischen Systemes.
Übrigens stimmt der Feiergebrauch der schottländischen Logen bei der Ablegung des Gelöbnisses völlig mit JB., K., =336= und M. (siehe oben I, S. 157, und 269, 319!) überein, wie aus folgender umständlichen Nachricht des Brs. Keher erhellet. —
"In Schottland wird seit undenklichen Jahren der Lehrling so aufgenommen: Er legt, indem er vor dem Altare kniet, die Bibel unten auf seine flache linke Hand, welche der Meister vom Stuhl mit seiner rechten unterstützt, sodaß die Bibel schwebt. Seine rechte legt er auf den darauf liegenden Zirkel und Winkelmaaß, und der Meister vom Stuhl bedeckt Diese mit seiner linken. Es wird ihm dabei gesagt, daß er die bei'm Evang. Johannis, wo von Johannes dem Taüfer geredet wird, aufgeschlagne Bibel, mit dieser aber zugleich Zirkel und Winkelmaaß, zwischen seinen beiden Händen halte, um seinen Eid vor den Augen Gottes zugleich in der Absicht darauf abzulegen, daß er die drei großen Lichter der Freimaurerei verehren wolle, deren Bedeutung ihm nach dem Catechismus gesagt wird. Nun schwört er. Nach dem Eide werden die drei großen Lichter ebenso schwebend fortgehalten, und der erste Steward legt nun das Logenschwerdt dem Meister vom Stuhl auf die rechte Achsel, und setzt die Spitze auf des Aufzunehmenden Herz sanft auf; (überhaupt muß der Degen aus der nachfolgenden Ursache auf das Herz gesetzt werden;) wobei der Meister sagt: ""Im Namen dieser Loge erkläre ich Dich zum Freimaurer-Lehrling."" Nun erst werden die drei großen Lichter wieder an ihren Ort gelegt; worauf der Meister dem neuen Bruder eine zweckmäßige Ermahnung giebt, in welcher mit vorkommen muß, er solle sich merken, daß, so oft heute eine Spitze,an seinem Herzen gestanden habe, die Brüderschaft ihm habe andeuten wollen, daß er immer aufmerksam auf sein Herz sein, und niemals Zuflucht zur Heuchelei nehmen solle, welche bei den Freimaurern für ein Hauptlaster gehalten werde. Zugleich möge er sich nun an die Bibel halten, und einsweilen den Gebrauch des Winkelmaaßes kennen lernen, weil seine Schuldigkeit sei, den rauhen Stein in einen Quaderstein umzuschaffen."
Noch erinnere ich an die hieher gehörigen (78 - 80te) Fragen aus Browne, welche dem Schritte des Lehrlinges eine gute Bedeutung geben.
Zu obiger 41ten Note (I, 155 erster Abtheilung) bemerke ich noch, daß im Viereck der Sinn zu liegen scheint: die ganze Erde, das ganze Weltall, ist unser Tempel; kein einzelnes Haus, kein endlicher Tempel. =337=
Daß ich in ebendieser 41ten Note mit Recht die Stelle Joh. 1, 5 anführe, ist mir auch daraus noch wahrscheinlicher geworden, daß sie als Überschrift über dem unten beigedruckten Logencertificate des Brs. Houseal groß geschrieben steht. (S. IV, S. 321.)
32) Über den Eid und das Gelöbniß der Verschwiegenheit des Neuaufgenommenen, wie es ursprünglich war, verändert wurde, und jetzt eingerichtet werden sollte.
Um sich über das Gelöbniß, wodurch der Neuaufgenommene der Brüderschaft verpflichtet wird, eine richtige Vorstellung zu machen, ist es nöthig, vor Allem die Stimme der Geschichte zu hören, welche uns zuerst in der Yorker Constitution vom J. 926 hierüber eine zuverlässige, bestimmte Nachricht ertheilt. In derselben heißt es:
"Folgendes sind die Gesetze, die ihr annehmen, und wenn ihr sie angenommen habet, mittelst Auflegung der Hände auf das heilige Buch, (Evangelium,) das die Vorsteher darhalten werden, zu beobachten versprechen werdet. — — Auch soll jeder Meister sie verlesen lassen, wenn ein neuer Bruder angenommen wird; indem ein solcher sich ebenfalls auf das Evangelium dazu verbindlich machen soll."
Hier ist von einer feierlichen Verpflichtung (Obligation) auf das Evangeliumbuch, im Sinne des Mittelalters, die Rede. Um Dieß gehörig zu verstehen, muß man wissen, daß, nach der Einrichtung der römischen zum Christenthum bekehrten Kaiser, alle feierliche Verbindlichkeiten, Verträge und Betheurungen, selbst in den Gerichthöfen, durch Auflegen der Hände auf das Evangeliumbuch eidlich eingegangen wurden. Ursprünglich aber ist dieser Gebrauch eine Nachahmung des jüdischen, uralten und noch heute gewöhnlichen Schwures, (S. Rabbi Dav. ad Jes. VIII, v. 20) und kommt schon auf den ersten christlichen Concilien vor. Justinian ließ das Evangelium vor dem Richterstuhle hinlegen vom Anfange jedes Processes bis zum Endurtheile.a) Feierliche gerichtliche Eide wurden in den Kirchen vor der Gemeinde auf das Evangeliumbuch geschworen. (Vide 1. Novel. Jusjurand. quod praestatur ab iis, qui admin, accip.; et Harmenopulum, Lib. 1, Epit. tit. VII, in fine!) =338=
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a) Simile est, quod jussit Justinianus, ut ante sedem judicialem sacrosancta deponerentur Evangelia, et ibi ab initio litis in omnibus cognitionibus usque ad terminum et definitionem sententiae permanerent; l. rem non novam in fi. princ. C. de judic.
Nach dem Lehnrechte muß der Belehnte, auf das Evangeliumbuch die Hände legend, seinem Lehnherrn Treue schwören. So wurden auch Bischöfe und Geistliche der niedern Ordnungen auf das Evangeliumbuch vereidet; und es war bei allen religiösen Orden gebräuchlich, die Mitglieder ebenso durch Auflegen der Hände auf das Evangelium zu verpflichten; auch war Dieß bei religiösen Ritterorden nicht weniger der Fall. Selbst die von den Mönchen und Canonicis Regularibus (Chorherren) in ihre Brüderschaften aufgenommenen Laien aller Art, Manner, Weiber, Kaiser, Könige, Handwerker und dienende Brüder, wurden mit diesem Gelöbniß auf das Evangeliumbuch eingeweiht und verpflichtet, sie mochten nun zu geistlichen Brüdern, zur Theilnahme an den Beneficien der Brüderschaft, (zu geistlichen und leiblichen Wohlthaten, das ist Gebet, Begräbniß, Todtenmesse usw.) oder wirklich als Mönche, aufgenommen werden. (Siehe hierüber des du Cange belehrende Nachrichten in seinem Dict. med. et inf. latin. voce: Fraternitas, 5; wo noch andere Quellen nachgewiesen werden; und Veterum Scriptorum et Monn. collectio, studio Martene et Durand, in mehren Stellen!) a) Daher könnte auch, im Mangel geschichtlicher Nachrichten, nicht anders angenommen werden, als daß auch die Maurer ihre Mitbrüder mit demselben, damals allgemeingeltenden, Gebrauche werden aufgenommen haben; zumal sie ihre ganze Einrichtung verschiedenen Mönchbrüderscaften verdankten. Daß aber dieser Gebrauch wirklich bei den Maurern fortwährend üblich gewesen, sehen wir daraus, daß er sich unverändert in der, von Preston mitgetheilten, (S. Dessen Illustr., 1788, S. 100 ff., und 1792, S. 96 ff. und hier IV, 4 ff.!) noch bei der Lodge of Antiquity in London im Original vorhandnden, unter König Jacob II. geschriebnen, Bearbeitung der alten Gesetze und Pflichten,b)sowie auch in Prichard's Masonry dissected in der Vorrede,c)mit der Formel angegeben findet: "tunc unus ex senioribus teneat librum et illi ponant manum suam supra librum;" "dann halte Einer von den Ältesten das Buch;'' (das heißt in der Sprache des Mittelalters: das Evangeliumbuch;) "sie (die Aufzunehmenden) aber sollen die Hand darauf legen. =339= Auch in den späterhin an die dritte Kunsturkunde, die Yorker Constitution, geschriebnen Gesetzen wird das Verlesen der Constitution bei den Aufnahmen eingeschärft. Das Anderson'sche Constitutionenbuch vom J. 1723 war bestimmt, bei dieser Gelegenheit vorgelesen zu werden, wie die Überschrift desselben besagt; und Preston dringt sehr darauf, daß es auch heut zu Tage noch geschehe; — wie es auch allerdings erforderlich wäre.a)
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a) Siehe IV, S. 367 - 374!
b) Siehe dieselben IV, 4 ff.!
c) Siehe dieselbe vorn S. 58 f., und vergleiche die in Note b) erwähnte Stelle einer alten Constitutionen-Urkunde!
a) Vergl. hier S. 108, n. 9!
So wurden demnach jedem Aufzunehmenden, der Yorker Constitution zufolge, eben diese Constitution und Gesetze vorgelesen; und er gelobte dann feierlich auf das Evangeliumbuch an: die Pflichten zu erfüllen, die ihm die Brüderschaft auflege, und alle ihre Gesetze treulich zu halten. Da nun in der Yorker Constitution wirklich Verschwiegenheit in Ansehung der Kunstgeheimnisse (nach den im Fragstükke unter Heinrich VI. aufgestellten Grundsätzen) gefordert wird; so war auch dieß Gelöbniß allerdings, mittelbar, ein Gelöbniß der Verschwiegenheit, von welchem nun alles Das gilt, was ich schon (in meinem liturg. Fragstükke, sowie I, 18 und 158 n. 44,) gesagt habe, und weiter unten sagen werde. Aber es war nicht bloß, oder vorzüglich, ein Gelöbniß der Verschwiegenheit, sondern hauptsächlich ein Gelöbniß, die Lehren der Brüderschaft auszuüben, und ihren Gesetzen treu zu sein. Der Ähnlichkeit nach zu schließen, war die Formel dieses Gelöbnisses gewiß sehr einfach. Denn die gewöhnliche Formel im Mittelalter hieß: "So helfe mir Gott und sein heiliges Evangelium!" ("Ita me Deus adjuvet, et haec sancta Evangelia!") Bei den Angelsaxen waren die Schwurformeln ebenfalls höchst einfach, sowie auch die Strafen des Meineides noch immer, im Verhältniß anderer sehr harten Strafen, sehr gelinde, und den im sogenannten Freimaurereide gedrohten ganz unähnlich. (Siehe dergleichen Formeln in Hickesii Thes. Tom. II. diss, op., p. 112!) Verschwiegenheit, sowie die, ohnehin bekannten, Strafen des Meineides, wurden in dieser Formel wohl schwerlich noch besonders erwähnt; welche Annahme dadurch widerlegt wird, daß in jener alten, nach der Yorker gebildeten Maurer-Constitution, welche ich (aus the Encyclopaedia Londinensis N. 988. p. 478 ff.) der ersteren, als unserer dritten, Kunsturkunde beifügen werde ausdrücklich =340= gesagt wird, "daß während der ganzen Vorlesung der Altgesetze (the charges and regulations) der Aufnahmling die Hand auf das Evangeliumbuch legen solle;" welcher uralte Gebrauch auch von den Israeliten heute noch mit der Gesetzrolle bei Ablegung des Eides beobachtet wird. Und hiermit stimmt auch Prichard's Erzählung (siehe hier S. 58 f.!) und das Bruchstück einer alten Constitution, welches Preston mittheilt, (hier IV, 4,) überein. Da nun diese in den alten Constitutionen enthaltenen Gesetze (charges and regulations) nach der ausdrücklichen Versicherung der alten Constitutionen, Alles enthalten, wozu sich der Aufnahmling verpflichten mußte, und in selbigen (siehe in allen Ausgaben des NE. Constitutionen-Buches, unter andern auch hier in IV, den 4ten und 5ten Punkt des VIten Altgesetzes [old charge] und die Yorker Constitution!) schon die wesenlichen Vorschriften über das Geheimhalten vorkommen; auch der Aufnahmling nur Eine Verpflichtung ablegte: so ist hierdurch die Annahme noch eines besondern Eides der Verschwiegenheit, also auch das Vorgeben der Echtheit der obigen Eidformel, völlig widerlegt; und wir lernen außerdem hieraus, Was noch weit wichtiger ist: daß diejenigen Vorschriften und gesetzlichen Bestimmungen über die maurerische Verschwiegenheit als die einzig geschichtlich echt überlieferten anzuerkennen sind, welche die Yorker Constitution, und die nach ihr vor dem Jahr 1717 gebildeten Constitutionen, (sofern ihr Inhalt mit der Y.C. einstimmt,) sowie die erste Kunsturkunde, (s. I, 18, n. *) !) enthalten; und daß dagegen die seit der Mitte des 17ten Jahrhunderts, des politischen, die Masonei entweihenden, Zwekkes wegen, willkührlich angenommenen Veränderungen über die Art und Grenzen der maurerischen Verschwiegenheit, sowie auch diejenigen gesetzlichen Bestimmungen hierüber, welche die im Jahr 1717 gestiftete NE. Großloge in ihrem Constitutionenbuche seit jenem Jahre bis z. J. 1813 angenommen, und endlich diejenigen Bestimmungen, welche die seit 1813 gestiftete neuste Londoner Großloge, oder auch jede andere Großloge neuerer Zeit, festgesetzt haben, sofern sie mit der Yorker Constitution und der ersten Kunsturkunde streiten, nicht für alt- und echtüberlieferte allgemeine Gesetze des Masonbundes geachtet werden können; sodaß dieselben zwar jeden diesen Behörden untergebenen Maurer allerdings verbinden, hingegen der Maurer, =341= als solcher, nur dann sie zu beobachten verpflichtet ist, wenn er sich zu diesen Großlogen hält, oder im Fall er Dieses nicht that, nur insoweit, als er diese Verfügungen dem Urbegriffe des Menschheitbundes und dem geschichtlichen Musterbilde der Freimaurerbrüderschaft gemäß findet. — Mithin leidet es wohl keinen Zweifel, daß die in unserer Urkunde stehende Eidformel kaum irgend eine Ähnlichkeit mit jener alten, in frühern Jahrhunderten gebräuchlichen, behalten habe; und wenn ich also (oben in der 40ten Anmerkung S. 158 n. 44) von einem Theile derselben sagte: er sei noch am ersten echt, so meinte ich bloß, daß er älter sein könne, als die dort weggelassnen übrigen Verunstaltungen, deren Entstehzeit ich hernach angeben werde. — Doch in dem Fragmente der Lehrlinglection, das ich mit GM. bezeichne, findet sich glücklicherweise eine Formel des Eides, welche der ältesten Formel gewiß näher kommt;a)welche ich daher, sowie meine Bemerkungen und Erläuterungen dazu, jeden Leser nachzulesen bitten muß, ehe er weiter geht, wenn ihm daran gelegen ist, über diesen wichtigen Gegenstand richtig zu urtheilen.
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a) Siehe hier S. 44 f., und die Bemerkungen dazu!
Ich sage mit Bedacht: diese in GM. überlieferte Formel kommt der ältesten näher, als vorliegende in K. und JB.; nicht aber: sie ist selbst diese Formel; weil ich für die letzte Behauptung keinen strengen geschichtlichen Beweis habe. Die Formel des Gesundheittrinkens, welche, sogut wie die Zunftreimchen im Prichard, weit jünger ist, (siehe, hier S. 44 f.!) sind deßhalb für uns merkwerth, weil darin gesagt wird: "die Brüder haben geschworen, sich einander zu lieben;" wovon in unserm in JB., K. und M. vorliegenden Eide keine Spur ist. Indeß meldet auch der Verfasser von K.: "daß sich die Brüder hoch verschwören, einander zu lieben" usw. (Siehe oben S. I, 186, Z. 30 von unten!) Dazu kommt noch, daß sich auch in den, in K. und JB. mitgetheilten, Gesellen- und Meistereiden Spuren der alten echten Verpflichtung finden. Ich habe schon in mehren Stellen gezeigt, daß nach Ersinnung und Einführung des Gesellen - und Meistergrades, denen politische Zwekke die Entstehung gaben, Vieles der alten Lehrlinglection entzogen, auch dieselbe vielfach verfälscht wurde. (Siehe S. I, 147 und 200!) Dieß ist offenbar auch mit dem Eide geschehen. Denn nach dein feierlichen Gelöbnisse der Verschwiegenheit heißt es im Geselleneide sowohl, als im Meistereide: "ich will auch alle Geheimnisse =342= meines Bruders wie meine eignen bewahren, Hochverrat und Mord ausgenommen, und Das nach meinem eignen freien Willen, — Ich will keinem Bruder Unrecht thun (wrong), noch thun lassen, sondern ihm von aller Gefahr, soweit ich kann, Nachricht geben." Und im Meistereide wird noch dazu gesetzt: "auch schwöre ich, mich nach allen Gesetzen und Einrichtungen dieser Loge zu richtend."
"Er küßt das Buch." Diesen altchristlichen Gebrauch hat auch das NE. Großmeisterthum beibehalten, wie der Leser hier ( S. 154) bei der 87ten Browne'schen Frage nachlesen kann. Dieses "Versiegeln" findet auch im Gesellen- und Meistergrade statt. — Die Ablegung des Gelöbnisses auf das Evangeliumbuch war und ist wohl noch allen Ritterorden gemeinsam. So beschreibt Ashmole in seiner Schrift über: the Order of the Garter, — den Orden des blauen Hosenbandes, — die Installation ausführlich (p. 355). Die Eidleistung und das Küssen des Evangeliumbuches ist ganz wie bei den Maurern. Diese Ritter feiern auch, wie die freimaurerischen Großlogen, ein Großfest (Graud - feast), welches ebenfalls ausführlich beschrieben wird. — Wie alt übrigens dieser Gebrauch ist, erhellet auch aus folgender Stelle der Schrift: Paciaudii de cultu St. Johannis Baptistae Antiquitates etc.; Romae 1755, p. 420. "Sed quem veteres Christiani Sanctorum imaginibus praestabant cultum, eundem propemodum Evangeliorum codicibus illos exhibuisse legitimus; (Christi imaginent, et Evangeliorum librum debite illis cultu adorari oportere decrevit SynodusVIII. Can. III.) quare perfecto in Missa Evangelio Codex ipse ad Osculum Cleri et populi circumferebatur. Usu id jamdiu receptum perspicuo tradit Jonas Episcopus Aureliaensis, Saeculi IX scriptor de cultu Imaginum adversus Claudium Taurinensem: ""sacrae Religionis usus adhuc in Ecclesia servatur, ut perlecta sacri Evangelii lectione, ab Episcopo, vel Presbyteris, ceterisque sacri ordinis Religiosis, Codex, in quo Evangelii lectio recitara est, multiplicibus osculis veneretur." (Lib. II. in Praefat. Biblioth. P. P. tom. XIV.) Apud Hierosolymitanos illud frequentatum, ut M. Magistro, quum Sacro adest, liber Evang. deosculandus exhibeatur: et quamvis Honorius P.P. III. epist, ad Matth. Patriarcham CP. inhibuerit, quominus ad osculandum aliis quam personis inunctis deferatur (Rain. Annal. Eccles. An. MCCXXI n. XXVIII), duplex tamen caussa nostris =343= suffragatur, quod M. Magister loci Princeps sit (Principibus ad deosculandum deferri licere declaravit S. Rit. Congr. An. 1611), idemque sacri Ordinis caput."
Die Entstehung der in unserer Urkunde vorliegenden, ganz verwerflichen, Eidformel denke ich mir so. — Schon, vor den Zeiten des unglücklichen Königs Karl I. mochten sich die mit der römisch-catholischen Geistlichkeit in Verbindung stehenden und von der alten ursprünglichen Maurerlehre abgewichnen Baulogen mit kirchlichen und politischen Angelegenheiten befaßt haben, zumal seit der Erschütterung der Hierarchie in England unter Heinrich dem VIII. Aber seit sich das Unglück Karl des I., der schon im Jahr 1625 von Anderson als Großmeister der Brüderschaft aufgeführt wird, entschied, nahm ein großer Theil der Maurer für ihn Partei; und sie hatten wahrscheinlich sehen an der letzten Unternehmung der Schotten und Walliser, den König und das Parliament zu retten, (im J. 1648,) einigen Antheil.a) → [Nach der Hinrichtung …]
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a) Im Jahr 1641 wurde z. B. bei der ältesten Loge in Edinburg, der Loge St. Mary's Chapel, im Jahr 1641 "der wohlgeborne Robert Moray, Generalquartiermeister bei der Armee in Schottland, zu einem Meistermaurer erwählt." (Aus Br. Jones's Aufsätze über Maurerei in der Enclyclopaedia, deutsch übers, in Br. Moßdorf's erwähnten "Mittheilungen" S. 160.)
→ Nach der Hinrichtung dieses unglücklichen Königs (1649 ) benutzten die Königlichgesinnten die stillen Maurerlogen, um sich zu sammeln, zu rathschlagen, und es zu betreiben, daß sein Sohn Karl II. auf den Thron gesetzt würde; Welches auch, freilich nicht allein, noch vorzüglich, doch wohl nicht ohne ihre Mitwirkung dem Generale Monk im J. 1660 vollkommen gelang. Bei diesem halsbrechenden, aber in den Augen der Königlichgesinnten völlig gerechten, Vorhaben war die größte Behutsamkeit, zumal im Kampfe gegen den schlauen Protector, Oliver Cromwell, nothwendig. Auch nicht jedem Maurer konnten sich die Eingeweihecten vertrauen. Sie wählten also das Mittel eines engern Ausschusses, als eines geheimen Grades, worin sie unter der Mythe des erschlagenen und wiederzuerwekkenden Baumeisters Hiram, die in einige maurerische und viele neue Gebräuche und Embleme eingekleidet wurde, ihren Entwurf verbargen. Da Karl I. schon früher, als Beschützer der Brüderschaft, ihr Mitglied war; so konnte er nun umso eher der erschlagene Meister heißen. Späterhin kam, als Übergang und Vorbereitung zum Meistergeheimnisse =344= noch der Gesellengrad hinzu. Ich brauche Dieß hier, wo es Nebensache ist, nicht weiter auszuführen, und mit den geschichtlichen Beweisen zu belegen, deren Mehre sich schon bei Nicolai in Dessen erwähnten Schriften und im Altenb. Const. Buche S. 177 - 180 finden; und ich habe umso weniger nöthig, hierbei zu verweilen, da dieser Gegenstand in Feßler's handschriftlichem Versuche einer Geschichte der Freimaurerbrüderschaft so lichtvoll abgehandelt ist. Ich berührte Dieß bloß, um begreiflich zu machen, daß und warum es damals, für den politischen Nebenzweck vieler Logenverbindungen, nothwendig wurde, dem Lehrlinggrade noch zwei höhere beizufügen, sowie auch deßhalb jeden Lehrling lediglich auf Verschwiegenheit in Zukunft mitzutheilender Geheimnisse, und zwar mit Androhung einer furchtbaren Körperstrafe, zu verpflichten, und diese Verpflichtung im Gesellen- und Meistergrade noch stufenweise zu schärfen. Diese Strafe mußte den Königlichgesinnten, nach englischen Landesgesetzen, sogar rechtmäßig erscheinen; sie konnte in allem Ernste angedroht, und eine Todesstrafe konnte von dem wiederhergestellten König, als an Hochverräthern, wirklich an Denen ausgeübt werden, die dieß Geheimniß Verrathen hätten. Nun wurden die in der Brüderschaft wahrscheinlich längst vorhandenen Zeichen, das sogenannte Hals-, Herz- und Magenzeichen, die wohl sonst eine ganz andere Bedeutung hatten, in diese drei Grade vertheilt, und bloß auf die Strafe des Verraths gedeutet. Daß aber die Androhung der in vorliegendem Eide enthaltenen furchtbaren Strafe wirklich damals eingeführt worden, fand ich, lange nachdem ich mir diese Überzeugung gebildet hatte, geschichtlich ausdrücklich bestätigt in dem Werkchen: "Was soll die Parabel der Amicitier eigenlich bedeuten?" Berlin, 1802; welches in Ansehung der Nachrichten über die schottische Maurerei glaubwürdig ist.a)
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a) Siehe auch in Bapt. Hansenii de Jurej. Vett. cap. XXI, de jurejurando silentii! "An hinc nuperum in Britannia silentii jusjurandum in Conjur. illa graviore tractum? Catesbius ibi monet: ""nihil ante moliendum, quam omnes in silentium jurassemus. Nemo praeter nos in conclavi erat, ubi manu libellum tangimus, in quo preces ad numen descriptae sunt, oonceptisque jurisjurandi verbis invicem silentii fidem damus.""
Sollten wir nun nicht, unter diesen Umständen, jene unwürdige, in jeder Hinsicht verwerfliche, Eidformel ganz =345= aus unserem Gebrauchthume weglassen? — Sie verdient es nicht, auch nur noch verlesen zu werden. Wir sollten wenigstens zu der ältesten, in der Yorker Constitution und in GM. beschriebnen, Weise des Angelöbnisses zurückkehren. Dieß Angelöbniß sollte jetzt nicht mehr auf unbestimmtes Verschweigen eines Geheimnisses gestellt sein, welches seine Beschaffenheit völlig geändert hat, und wovon, da es längst nicht mehr politisch ist, ein jeder Bruder verpflichtet ist, erst noch zu untersuchen, ob es zu unsern Zeiten noch geheim sein soll, darf und kann.
Ich habe schon (I, 161 Sp. b) erinnert, daß ein bloßes Erlaubtsein eines Privateides von Seiten des Staates die Anwendung eines Eides bei dem Gelöbnisse der Aufnahme in einen reinmenschlichen Verein noch keineswegs rechtfertiget. Auch ist ein solcher Eid nicht in allen Staaten erlaubt; und der sogenannte Maurereid insbesondere ist oft, und in verschiedenen Ländern Europa's, eine Veranlassung zu harten Verfolgungen der Brüderschaft geworden. Wenigstens müssen Maurer, — das ist, wenn sie ihrer Bestimmung gemäß sind, reinmenschlich gesinnte Menschen, — nach den Grundsätzen ihrer Kunst, selbst wenn der Staat einen solchen Privateid gestattet, noch aus einem neuen Grunde aber, wenn er ihn verbietet, diesen Eid bei der Aufnahme abstellen. — Denn zu Ablegung eines Eides gehört, wenn derselbe reiner Sittlichkeit gemäß sein soll, ein ausdrückliches Gebotensein; ein solches Gebot aber muß aus der Eigenwesenheit (Natur) der zu beschwörenden Sache, und aus ihrer Beziehung auf den Schwörenden, als lebwesenlich, das ist als gut, und deßhalb als unvermeidlich, hervorgehn: sonst ist es ein Frevel, sich auf Gott und ewiges Leben, auf Alles, was uns heilig ist, zu berufen. — Ja selbst, wenn die Feier des Eides nicht gefordert würde, kann kein Maurer, als reinsittlicher Mensch, ein bei der Aufnahme zu leistendes Versprechen der Verschwiegenheit, vor der ofnen Darlegung des Gegenstandes derselben, weder billigen, noch abfordern; und kein reinsittlich gesinnter Mensch, der über diesen Gegenstand gründlich nachgedacht bat, darf ein solches Versprechen ablegen: denn der sittliche Mensch verspricht überhaupt nicht, Etwas zu verschweigen, ehe er weiß, Was es ist, und daß, und warum, und in wieweit es, der Reingüte, der Liebe, dem Rechte, und im Allgemeinen dem Heile der Menschheit gemäß, verschwiegen werden darf oder soll; =346= ebenso wenig also in der Form eines Eides! Und sollte sich ein reinsittlich gesinnter Mensch, ans Unüberlegtheit, zu einem Gelöbnisse der Verschwiegenheit vor erlangter Kenntniß der zu verschweigenden Sache haben verleiten lassen, so kann er dasselbe nur so lange, und nur insoweit halten, als es ihn nicht zu etwas Unsittlichem, Gottwidrigem, verbindet. Ewige Wahrheiten aber, die der Menschheit heilig, die zu ihrer Ausbildung wesenlich sind, deren Ausbreitung zu dieser Zeit soeben noth ist, und deren Erkenntniß sogar ohne die Mittheilung Derer, welche das Verschweigen derselben fordern, aus eignen Kräften zu Stande gebracht werden kann und soll, ewige, der ganzen Menschheit gehörigen Wahrheiten verschweigen wollen, und eine solche Verschwiegenheit angeloben, sowie von dem Unbesonnenen eine solche Verschwiegenheit fordern, Das ist eine Sünde wider den heiligen Geist, — wider das Göttliche und Heilige im Menschen. — Was ein Jeder von ewigen und zeitgemäßen Wahrheiten zu verschweigen habe, das muß er selbst in seinem Gewissen ausmachen; darüber den freien Menschen zu bevormunden, und ihm hierin Fesseln anzulegen, dazu hat kein Mensch ein Recht.
Ich bin aus Gründen und bei inniger Beschauung des ewigen Urbegriffes (Idee) der Menschheit und ihres Lebens, welche der Freimaurerei und der Brüderschaft, wenn auch bewußtseinlos, vom Anbeginn ihres Daseins zum Grunde gelegen hat, fest überzeugt, daß kein einziger innerer, in dem Eigenwesenlichen (der Natur) der Sache gelegener, Grund der ferneren Verheimlichung des Zwekkes unserer geselligen Arbeiten, unserer Gebräuche und Sinnbilder vorhanden sei, und daß uns der jetzige Lebenstand der Menschheit vielmehr die Pflicht auflege, unsern Bund in einen öffenlichen, der ganzen Menschheit gewidmeten Verein, — zum Menschheitbunde, — umzuschaffen, und demzufolge denselben auch in Bundinnigung (Liturgie) und Verfassung, und in der ganzen Werkthätigkeit, neu, urschön und fruchtbringend zu bilden. Daher kann ich nur dahin stimmen: daß der Aufzunehmende vor der Aufnahme über das Wesen und die Bestimmung des Bundes, sowie der Gesetze und der ganzen Verfassung der Brüderschaft, und insbesondere über vernunftgemäße, gottinnige und menschheitinnige Offenheit und Geheimheit in Wort und That, und über die =347= Grundsätze der Brüderschaft auch hinsichts dieses Gegenstandes, offen und gründlich belehret, und erst dann, sowie es vor der Entweihung der Brüderschaft durch politische Plane auch vor Alters geschähe,a) ein feierliches Angelöbniß vor den Augen der versammelten Brüder gefordert werde: "daß er seine Menschenpflicht gegen alle Brüder, und gegen die ganze Menschheit, aus allen Kräften erfüllen wolle;" daß man aber dabei keiner andern Verschwiegenheit mehr gedenke, als der das Eigenleben der Brüder angehenden (der persönlichen) Geheimnisse.
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a) Siehe vorn S. 45, n. 42 f.!
Auch Br. Feßler, Dessen Verdienste um unsern Bund mit der höheren Ausbildung des letzteren immer gerechter werden gewürdiget werden, will (s. Feßler's Schriften usw. 3ter Theil, S. 79 - 80 !) die hier mitgetheilte Eidformel, die er, mit Unrecht, die alte Eidiformel nennt, bloß zur historischen Kunde der Brüder gebracht wissen:
"weil wir nicht mehr in der wirklichen Baukunst arbeitende freie Maurer, mithin auch nicht mehr in der Nothwendigkeit unserer würdigen Vorfahren sind, die besondern Vortheile und Handgriffe der Kunst geheim zu halten, oder, aus Furcht vor Entheiligung, Kerker und Scheiterhaufen, die höhere Lehre der Brüderschaft zu verbergen. Unsere Gebräuche sind durch den Druck der Welt bekannt worden: ihre Geheimhaltung kann also durch keinen Eid mehr versprochen werden. Das einzige Geheimniß, was noch in der Brüderschaft liegt, ist das Wesen und die Tendenz der Freimaurerei, und die Geschichte ihres Ursprungs und ihrer Fortschritte. Wer das Wesen und die Tendenz der Freimaurerei unter Leitung unserer Symbole in seinem Innersten gefunden hat, der kann es durch Aussprechung nicht entheiligen; denn er wird von Denen, die es noch suchen, nicht verstanden. Wer durch eigne Forschungen zur Erkenntniß des Ursprungs und der Fortschritte der Freimaurerei gelangt ist, der kann zur Verschweigung seiner Entdeckungen durch keinen Eid verpflichtet werden."
— Auch mir ist durch eigne Forschung, und als Ergebniß alles meines Bestrebens in Wissenschaft und Kunst, der Urbegriff der Menschheit und des Menschheitbundes klar geworden; ich habe durch die mühsamsten Untersuchungen, =348= ohne hierbei irgend einer Loge oder Logenverbindung das Geringste zu verdanken, die Überzeugung gewonnen, daß die Freimaurerbrüderschaft der Keim dieses ewigwesenlichen Bundes ist. Dieß ist ein Eigenthum meines Geistes und Herzens, in Hinsicht Dessen ich jedoch mir selbst nicht das geringste Verdienst zuschreibe. Nichts in der Welt soll mich verhindern, das Gefundene, als das zu der höheren Ausbildung der Menschheit wesenlich Erkannte, der Mitwelt und Nachwelt so offen mitzutheilen, als es mein eignes Gewissen verlangt. Nie habe ich irgendwo ein Gelöbniß gethan, allgemeinmenschliche Wahrheiten zu verheimlichen; und die Aussicht auf die Schmähungen und Verläumdungen der Unwissenheit und der Hehlsucht verpflichtet mich noch insbesondere, Gott und dem Gewissen allein zu gehorchen. —
Ich schließe mit einer schönen Stelle Lessing'sa) — ""Kinderchen, liebt euch! "" — Dieses Testament Johannes war es, worauf ehedem ein gewisses Salz der Erde schwur. Jetzt schwört dieses Salz der Erde auf das Evangelium Johannes; und man sagt, es sei nach dieser Abänderung ein wenig dumpfig geworden." — Leider nicht nur ein wenig, freundlicher Lessing! doch vielleicht noch heilbar; und noch ist manches frische Körnlein dabei, was salzen kann — salzen wird.
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a) Siehe Lessing's kleine Schriften, in Dessen sammtlichen Schriften, 5ten Theil, S. 136, über das von ihm sogenannte Testament des Johannes, welches er daselbst, deutsch und lateinisch, aus Hieron. in Ep. ad Gal., c. 6., mittheilt.
Noch einige einzelne Bemerkungen über den Eid.
Br. Keher erwähnt, "es werde zugleich auf den Patron der Maurer, Johannes den Taüfer, geschworen." (Siehe S. 297, n. 6!) Dieß ist wohl ein jüngerer Zusatz eines römisch-catholischen Zweiges der Bruderschaft, welcher im Geiste dieser Kirche bei der Formel: "so helfe mir Gott!" noch: "und die heilige Jungfrau, und alle Heilige, und unser Schutzheiliger Johannes," hinzugefügt haben mag. In der, der Eidleistung vorangehenden, Ermahnung mag aber, schon von den ältesten Zeiten her, auch Johannes der Taüfer erwähnt, und auf das erste, aufgeschlagne, Capitel des Evangelium Johannes hingewiesen worden sein. — Die Bibel ist übrigens gewiß nicht bloß um des Schwörens willen in der Loge überhaupt, und auf dem Meistertische =349= insbesondere, da; Dieß beweist schon ihr Außchlagen bei dem Briefe Petri während des Gebetes, sowie die vielen biblischen Stellen, welche der Kunstlehre, den Sinnbildern und Gebräuchen zum Grunde liegen, insonderheit aber die Wahl der Bibel zum Sinnbilde des ersten Großlichtes in der Masonei. Ja, meiner Meinung nach, wird nicht einmal das Evangelium Johannes bloß oder vorzüglich wegen der Erwähnung Johannes des Taüfers aufgeschlagen, wie Br. Keher und mehre andere Brüder meinen, sondern vielmehr wegen der in diesem Evangelium dargestellten Lehre vom Worte, vom Lichte und vom Verhältnisse Jesu zu Gott und der Menschheit; Welches Hauptlehren in dem Lehrbegriffe der Culdeer waren.
Br. Keher berichtet ferner: "nach den verschiedenen Zeichen der drei Grade wird auch der Eid dreimal verändert, bei der Aufnahme zum Lehrling bloß der Ausreissung der Zunge und Gurgel erwähnt usw." Dieß ist ganz einstimmig mit der Darstellung des Gesellen- und Meistergrades in JB. und K. und M.
Mehre Brüder nehmen an, es sei in vorliegendem Eide das Schreiben usw. des Geheimnisses oder der Geheimnisse unbedingt verboten, und die Logen seien also mit ihrem eignen Gesetze im Widerspruche, wenn sie Rituale niederschrieben, Logengeräthe bei Nichtmaurern machen ließen, sogenannte Geheimdrukkereien errichteten usw. Allein eigenlich ist Dieses Schreiben selbst nur bedingt in dieser Eidformel verboten; nur wenn dadurch die geheime Kunst ungesetztlich erlangt werden würde; unter geheimer Kunst wird aber "die ganze Liturgie und ihre Ausübung in der Loge" verstanden. (I, 115 f.) Dieselbe Bedingung steht in der Eidformel bei Prichard (hier S. 68 f.); es heißt dort: "nicht schreiben, drukken usw. wodurch die geheime Kunst möchte ungesetzlich erlangt werden." Diese Beschränkung des Verheimlichens ist also der alten und neuen englischen Maurerei gemeinsam; und es kann daher, selbst nach den bestehenden Gesetzen, und nach den Worten dieser Eidformel selbst, gegen die schriftliche und druckschriftliche Offenkundigkeit (Publicität) innerhalb der Brüderschaft nicht das Geringste mit Fug und Recht eingewandt werden.
In der 31sten Antwort hieß es: "die Verpflichtung, oder den Eid;" hier heißt es bloß: "diese Verpflichtung." In der Yorker Constitution und in einem jüngeren Fragmente der Constitution, welches Preston mittheilt (siehe dasselbe =350= hier IV, 5, Z. 6 f.!), ist der Ausdruck Eid nicht gebraucht. Prichard hat: (Fr. 3) "Verpflichtung oder Eid;" Br. aber (Fr. 86) bloß: "feierliche Verpflichtung, solemn obligation." Doch hat Browne das Formular derselben nicht mitgetheilt; Prichard dagegen, giebt eines, was mit dem unserer Urkunde (I, 158 ff.) im Wesenlichen übereinstimmt.
"The secret Mysteries; die geheimen Mysterien." Prichard liest im Eide: (Fr. 24) "the Secrets or Secrecy, die Geheimnisse, oder das geheime Wesen," (die Heimlichkeiten des Maurers oder der Maurerei;) und so drückte er sich auch zuvor (Fr. 10) aus. Bei Browne soll der Aufzunehmende Keines der ihm anzuvertrauenden "königlichen Geheimnisse" verrathen. (Fr. 85). — Daß unter diesen Geheimnissen übrigens die ganze bundinnigende sinnbildliche (liturgische) Kunst verstanden werde, ist daraus klar, weil sie ja durch Verrath soll entdeckt werden können, indem gesagt wird: "wodurch die geheime Kunst ungesetzlich könnte erlangt werden." In dem jüngeren Anhange der Yorker Constitution werden die alten Grenzen der Verschwiegenheit ("the Marks of Secrecy") zu halten befohlen; (siehe dort die 14te Verordnung und meine Bemerkung dazu!) welche also nach Maaßgabe des Fragstükkes und der Yorker Constitution auszulegen sind. Daß Mystery, am wenigsten Mysteries, hier nicht Metier, Gewerbe, bedeuten könne, habe ich schon oben (S. 161, Note 45) bemerkt; und es erhellet Dieses aus allen engländischen masonischen Druckschriften, insonderheit aus den Constitutionenbüchern der Großlogen, auch aus dem neusten v. J. 1815. In der für die ältere Geschichte der Brüderschaft lehrreichen Schrift: Firma Burghi, or historical Essay concerning the Cities, Towns and Boroughs of England by Madox, (London, 1726; Fol., p. 23 - 35) worin die Entstehung der Gilden und Brüderschaften sehr gründlich und ausführlich abgehandelt wird, steht zwar, vielleicht mit Hinsicht auf das damals aufblühende Großmeisterthum, "es sei kindisch, bei dem Worte Mystery, was durchaus bloß Zunft bedeute, noch irgend an Geheimnisse denken zu wollen;"a) allein da unsere Kunsturkunden wirkliche Mysteries, das ist =351= Kunstgeheimnisse und geheime Gebräuche, enthalten, so kann uns Dieß nicht irre machen.
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a) Siehe diese Stelle, nebst mehren aus der erwähnten Schrift, IV, S. 283 ff.!
Die hier angedrohte Strafe betreffend, so stimmt sie mit der Strafe des Hochverraths nur darin überein, daß sie Todesstrafe ist. Das Eigentümliche der Strafe des Hochverraths ist, gehängt und bei noch lebendem Leibe abgeschnitten und geköpft zu werden usw. (Siehe Blackstone's Comment. on the Laws of Engl. Dublin, 1775. Book IV, p. 92!) Dagegen finde ich die hier angedrohte Strafe des Zungausschneidens schon in frühen Zeiten erwähnt für Meineidige, die auf's Evangelienbuch falsch geschworen hatten. (S. Harmenopolum ad tit. VII. 1.1. "ei linguam excindi debere; qui tactis in templis Evangeliis jusjurandum praestiterit, ac deinde pejerasse deprehensus fuerit.") Vielleicht lag in dieser, nach römischem Rechte gewöhnlichen, Strafe der Grund, auch hier späterhin Zungausschneiden anzudrohen; vielleicht fiel man auch, ohne Dieß, in spätern Zeiten darauf, sich am sündigenden Gliede selbst zu rächen. In GM. (Fr. 12) kommt allerdings vor: "Fr. Welches ist der Punkt eures Antritts?" — "Ich hehle und verberge ihn, bei Strafe, daß mir mein Hals abgeschnitten, oder meine Zunge aus dem Haupte geschnitten werde." — Ich bin völlig gewiß, daß bei den alten echten, sich in ihren Beschäftigungen rein innerhalb der Grenzen der Baukunst und der reingeistigen Maurerei haltenden Maurern diese barbarische Strafe nicht angedroht, viel weniger geübt worden ist. Wie früh oder, spät man aber dieselbe, falls überhaupt ihre Androhung älter, als die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, ist, als ein Zunftschreckniß, nach Art des Hänselns, oder als sprichwörtliche Übertreibung,a) vielleicht in entarteten Logen eingeführt haben kann, will ich nicht entscheiden. (Vergl. hier zuvor S. 344!) Mit den angelsaxischen Strafen des Meineides, welche im Vergleich mit ihr sehr milde sind, hat die hier gedrohte Strafe Nichts gemein. (S. Wilkin's Leges Anglos., LI. Alvredi, c. 1; Eadwardi, c. 3; Athelstani, cap. 25; Canuti, 33.)
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a) In der deutschen und englischen Volksprache findet sich ein ähnliches Sprichwort.
"Funde merum Genio; spende dem Genius Wein!" Die schönsten Stellen über die Vorstellungen der Alten von den Genien sind vielleicht: Epictet. XIV. l. 1; Seneca Epp. 83. Ich bitte den Leser, mit Hülfe des Sachverzeichnisses, sich hier bekannt zu machen, =352= Was ich in IV über die Lehre und Verehrung der Genien gesammelt habe. Welch' ein alter Gebrauch übrigens dieses Weinspenden sei, erhellet aus folgender Nachricht des Bruders Schneider, der über das Urritual die mühsamsten Erkundigungen eingezogen hat. "Ich habe mich," sagt dieser verehrungswürdige Bruder, "weil ich Gelegenheit hatte, nach einem, der alten Constitution gleichzeitigen, alten Yorker Rituale sorgfältig erkundigt. "Ein Brief eines gewissen Herrn Erskine in Schottland an meinen alten Universitätsfreund van Dyk in Holland, dessen Güte mir Alles, was ich von Schottland und York Zuverlässiges erhalten habe, durch Jenen verschafte, antwortet darüber Dieses: ""In York weiß man jetzt kein der alten Constitution gleichzeitiges Ritual mehr aufzufinden, sondern bedient sich desselben Rituals, wie in Edinburg, oder vielmehr ist das Edinburger Ritual das Yorker. Schriftliche Nachrichten in York aber giebt es, wie mir versichert worden ist, allerdings mehrere, welche eines Urrituals gedenken. Ich habe selbst in den Nachrichten, welche in dem alten Codex nach der Constitution eingetragen sind, gelesen, daß man A. D. 1087 wegen Abschaffung des funde merum Genio berathschlagt hat. Da wir es aber noch haben; so habe ich daraus geschlossen, daß man's bei'm Alten gelassen hat, vielleicht aus einer gleichen Ursache, als warum auch mir Dieses funde etc. immer ausnehmend gefallen hat."" Zu Erläuterung dieses Gebrauches dient vielleicht auch folgende Stelle: "Alii Geni in informa adolescentis figureàrunt, eum funiculo in sinistra et lance vel disco in dextra, quae liquore repleta super altare quoddam effundebatur, ornatum et sparsum floribus, manifestando per haec genium bonum." Vid. Homo, et ejus partes, figuratus et symbolicus etc. opera Scarlatini, latin, don. a M. Honcamp. 1695. Fol. T. II. p. 65.
Zum Gesundheittrinken nach dem Eide. Der ausgebrachte Toast: "dem Herzen, das verhehlt usw." gehört zu den Zunftreimchen, geradeso wie das Reimchen am Ende des S. 44 aus G. angeführten, an derselben Stelle gewöhnlichen Toasts, und sowie mehre solche Reimchen im Prichard. M. übersetzt: "Das gehe uns Allen zu Herzen und halte unsere Zunge in Verschwiegenheit!" Ich habe schon oben S. 182, n. 72 erinnert, was in dem geselligen Zusammentrinken alt und echt sein mag. (Siehe auch die Bemerkung über den solennen Logenbecher.) =353= Auch die Bewegungen in Form des Winkelmaaßes konnten dabei sein, ohne gerade an Halsabschneiden zu erinnern. (Siehe hernach die echte Bedeutung des Kehl-, Hand-, Brust- und Fußzeichens bei der 42 - 46sten Frage!) Nach Kh's. Berichte heißt in Schottland auch das gewöhnliche Zusammenschlagen mit den Händen Feuern. Im neuenglischen Rituale bei Browne kommt wohl Laden, Ladung, aber nicht die Ausdrükke: Kanone, Pulver, Feuern, oder sonst ein dergleichen spielender, selbst geselligfroher Männer unwürdiger, Ausdruck, vor.
Denke ich mir die feierlich sinnvolle Stellung des Aufzunehmenden, (S. 154 ff., die 42te Note,) eine einfache, gemüthliche Verpflichtung zu Menschlichkeit und Bruderliebe, den Bruderkuß des Friedens, einen Trunk aus dem Becher des Bundes, und dabei den Anblick der in Eine Kette verschlungnen Bruder: so müßte Dieß im Neugeweiheten die Ahnung jener seligen Empfindung beleben, worin sich der gottinnige Mensch mit allen seinen Menschheitgeschwistern, als Gleicher unter Gleichen, selig in Gott und Menschheit fühlt, und Muth und Kraft zu einem gottähnlichen, menschheitwürdigen Leben gewinnt.
35ste Frage. "Der Meister und die umstehenden Brüder." M. Man könnte, wo das Verbinden der Augen, obwohl ohne Grund, beibehalten wird, wenigstens den Aufzunehmenden sich selbst die Binde um- und ab- thun lassen, um diesem Gebrauche das Unfreie wenigstens einigermaßen zu benehmen. Doch am besten bleibt dieser Gebrauch, als mit dem Geiste der reinen Menschlichkeit unvereinbar, ganz weg.
36ste Frage. Über die drei großen Lichter in der Freimaurerei.
Den Sinn dieses Lehrzeichens (Symbols), welches ich als das Hauptlehrzeichen (Hauptsymbol) der altenglischen Maurerei ansehe, habe ich in dem dieses Werk eröfnenden liturgischen Fragstükke, und I, 165, entwikkelt und erklärt. Es deutet auf allseitige gliedbauliche (organische und harmonische) Vollendung des einzelnen Menschen und aller Menschen in Einer Menschheit hin. Der Geist, in welchem das Fragstück unter Heinrich VI. und dieß ganze vorliegende Gebrauchthum (Ritual) gedacht sind, ist ein sicherer Zeuge, daß das Urbild der Menschlichkeit und Menschheit den Stiftern der altenglischen Masonei (Maurerei), obwohl noch nicht in wissenschaftlicher =354= gliedbaulicher Gestalt, vorschwebte, und daß sie von Liebe, diese Urbilder wirklich zu machen, beseelt, waren. Man bemerke wohl, daß ich den Sinn dieses Hauptlehrzeichens (Hauptsymbols ) angab, welcher ansich für die tieferforschende Vernunft darin angedeutet liegt, und daß ich daher nur behaupte, daß die Stifter desselben, — die Culdeer, die, ob sie gleich ein Theil der christlichen Geistlichkeit des Mittelalters waren, sich dennoch über die Kirchensatzungen, zumal über die des Pabstes und der römisch-catholischen Kirche, erhoben hatten, — diesen höheren Sinn ahneten. Denn dieses Gehrauchthum wurde von ihnen für sämmtliche Bauleute, für alle Genossena) der Bauzunft und für alle nicht zu der Geistlichkeit (dem Klerus) gehörigen Bauhüttenmeister (Logenmeister) und Baukünstler und als Schutzherren (Patrone) und Freunde der Zunft aufgenommenen Masonen (accepted Masons) gemacht, welche sie Alle zu ihrer höhern Erkenntiß und Liebe der Menschlichkeit und der Menschheit erheben und dazu erziehen wollten. → [Eine menschenfreundliche …]
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a) Denn damals waren die Lehrlinge nicht Mitglieder der Zunft, sondern nur ausgelernte Zunftgenossen (fellows) wie ich vorhin (S. 278 ff. ) gezeigt habe.
→ Eine menschenfreundliche Absicht, die ihnen indeß bei einer Gesellschaft so verschiedenartiger, und in vielem Betracht so ungebildeter, Menschen nur bis auf eine sehr enge Grenze gelingen konnte! — Auch sage ich bloß: daß die Stifter den höheren Sinn der drei großen Lichter auf ihre Weise geahnet haben: denn es wäre ungegründet, zu behaupten, daß sie das Urbild der Menschheit nach dem heutigen Zustande der reinen Vernunftwissenschaft (Philosophie) sich klar und Vollendet in allen seinen Theilen ausgebildet, und allseitig auf unsere Erde angewandt hätten, wie wir es nach unserer, in Betracht jener Zeiten, unvergleichbar reicheren und umfassenderen Länder- und Völkerkunde und nach unseren, in Vergleich mit der Vorzeit, viel weiter gediehenen geselligen Verfassungen heut zu Tage vermögen. — Ich suchte in den überlieferten Worten den Geist festzuhalten, und durch eine neue Kraftäußerung desselben Geistes das mir vorschwebende Urbild der Menschheit unserem Bunde näher zu bringen, und es für unsere, ja, für alle Zeiten, in bestimmteren Umrissen und in besserer Beleuchtung weiter zu zeichnen. Möge nun ebenso jeder Andere dieses Hauptlehrzeichen =355= auf seine eigne Weise, nach den Bedürfnissen seines eignen Verstandes und Herzens weiter vergeistigen! Ohne jedoch sich des Geistes der Vorzeit, sowie er sich in allen unsern Kunsturkunden, vorzüglich aber in der Yorker Constitution, ausspricht, bemächtigt zu haben, und ohne mit einer genaueren Kenntniß der Geschichte des Mittelalters und der Stifter unserer Brüderschaft gerüstet zu sein, ist es unmöglich, diesen wichtigsten Theil des altmasonischen Lehrzeichenthumes (Symbolik) in dem Sinne der Stifter zu verstehen und zu würdigen, oder sich den Ursprung dieses Lehrzeichens zu erklären.
Ehe ich mich nun hier über die drei großen Lichter weiterverbreite, erinnere ich den Leser nochmals an Das, was ich über Lehrzeichen (Symbole) und lehrzeichenliche Handlungen (symbolische Rite), besonders über den untergeordneten Werth derselben, und über Das, was der Freimaurerbrüderschaft in dieser Hinsicht noth thut, in dem Vorberichte, in dem die Grundsymbole vergeistigenden Fragstükke, und an anderen Stellen dieser Schrifta) gelehrt habe. Symbole und Gebräuche sind bloß untergeordnete Theile der Sprache, und setzen Sprache überhaupt, und daher, wie alle Sprache, Anschauung, Einsicht, unbildliche Kenntniß der dargebildeten Gegenstände voraus. Hinsichts der Erklärung der geschichtlich überlieferten Symbole muß man sich zugleich an die in unserem Fragstükke in der Volksprache beigefügte, mitüberlieferte Erklärung halten. — Unbildliche Belehrung, und überhaupt eine gliedbauliche (organische) Bundlehre, fehlte der Brüderschaft bishieher: diese muß erst gebildet, und dann müssen die Symbole und Gebräuche danach beurtheilt, gereiniget, neugebildet, und ihnen in dieser verbesserten Gestalt ihr bloß untergeordneter Werth in der Bundlehre und der Bundinnigung (Liturgie) angewiesen werden.
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a) Leser, denen es um gründliche Einsicht in diesen Gegenstand und um richtige Würdigung meiner Behauptungen hierüber zu thun ist, dürfen nur die in dem Sachverzeichnisse unter den Worten: Lehrzeichen, Symbole, Symbolik, Embleme, Grundsymbole, Gebrauchthum, nachgewiesenen Stellen nachlesen.
Über die Entstehung unseres Hauptlehrzeichens, der drei großen Lichter, habe ich mich ebenfalls schon früher (I, S. 166, in n. 50,) im Allgemeinen erklärt; und es =356= liegt mir hier noch ob, theils die geschichtlichen Beweise, theils noch einige Einzelumstände hinzuzufügen.
Sehr merkwürdig ist an diesem Lehrzeichen die doppelte Versinnbildung; daß nehmlich das Sinnbild der Lichter auf's neue versinnbildet wird durch drei körperlich dargestellte Dinge, die noch dazu schon auf andere Weise sinnbildlich in das Ganze dieser Bildersprache verflochten sind; indem Zirkel und Winkelmaaß, als Hauptwerkzeuge, zugleich die Arbeit und die Zunft versinnbilden.a) — Dieser merkwürdige Umstand nun muß geschichtlich erklärt werden; denn ohne geschichtliche, in der Lage der Baugesellschaften und der Geistlichkeit gegebne, Veranlassung würde wohl Schwerlich dieß Lehrzeichen je gewählt worden sein.
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a) Daher ist auch der herrschende Sprachgebrauch, wonach man Bibel, Winkelmaaß und Zirkel selbst die drei großen Lichter nennt, völlig unrichtig, und gewährt einen ganz andern Sinn, der dem echten, von den Stiftern des Gebrauchthumes beabsichtigten Sinne zum Theil gerade entgegengesetzt ist.
Licht ist zu allen Zeiten und bei allen Völkern, von ihrem ersten Keim an bis zur höchsten Blüthe ihres Selbbewußtseins, ein Bild der Erkenntniß und lebendigen Anschauung gewesen; Deß sind alle Sprachen, besonders aber alle Gottahnbegriffe (Religionbegriffe), Zeugen. Es ist allerdings wesengemäß, die ewige Wahrheit unter dem erfreulichen Bilde des Lichtes zu denken. Wahrheit ist dem erkennenden Geiste, Was Licht den Sinnen des Leibes. Licht ist in dem Leibwesen (der Natur) ein Allgegenwärtiges, Urlebendiges, Urschnelles, wie der anschauliche Gedanke in dem Heiligthume des Geistes. — Licht ist so der Wärme vermählt, als wahre Erkenntniß dem Gefühle. Licht und Wärme verhalten sich ebenso zu allen schaffenden Kräften des Leibwesen (der Natur), wie Erkenntniß und Gefühl zu dem Kraftleben des Geistes. (Nur in der im sogenannten Lebenmagnetismus wirksamen Urthätigkeit des Leibwesen erweist sich Dieses ebenso über dem Lichte wirksam, wie das ganze Selbinnesein des Geistes, worin das Selbstbewußtsein nur ein Theil ist über dem schauenden Gedanken des Geistwesen — der Vernunft — urthätig waltet.) Daher ist es wesengemäß, die übersinnliche Erkenntniß ewiger und unendlicher Dinge in ihren ewigen Urbegriffen und Urbildern (Ideen und Idealen), und sodann auch in ihrer urbelebenden und urverschönenden =357= Anwendung auf das wirkliche Leben, ganz vorzüglich durch das Licht bildlich zu bezeichnen, und dieses Licht ein höheres und vorzugweise großes, das ist, wissenschaftlich ausgedrückt, ein höherwesenliches, Licht zu nennen. In diesem Sinne nun ist der Name des Lichtes vorzüglich bei allen morgenlandlichen Völkern gebräuchlich; am tiefsinnigsten und reinsten in den urwissenschaftlichen Lehren der indischen Vedam, in einem noch urkräftigen Abglanze in der Lichtreligion des Zerduscht im Zendavest, trüber schon in dem Sterndienste der Sabäer, sowie auch bei den alten Egyptern, welche, soweit unsere Geschichtkunde in die Vorzeit zurückreicht, die aus Indien stammendea) schönste Blüthe der Menschheit in Afrika waren. Vondort ist dieser bildliche Sprachgebrauch, wonach unter Licht belebende (lebwirkige, practische) Erkenntniß verstanden wird, auch zu den Griechen und Römern, (vorzüglich in das Heiligthum der Vesta,) und, unabhangig von den Letzteren, unmittelbar von Indien und Persien aus zu den nördlichen Bewohnern Europa's in die Haine und Tempel der Druiden gekommen; wenn nicht etwa keltische Sprache und allseitige menschliche Bildung ein ehrwürdiges Überbleibsal eines in Afrika, den Indern in Asien entsprechenden, mit einem großen Theile des sonst bewohnbaren Landes dort vor Jahrtausenden untergegangenen Urvolkes ist.b) Kurz, in allen aus dem Morgenlande stammenden Gottahnbegriffen ("Religionen"), Weisheitbegriffen, und Volksagethumen (Mythologien) erfreut uns der Schein dieses höheren Lichtes, welches dann ebenso die christlichen Schriften des neuen Bundes, vorzüglich das Evangelium des Johannes, erheitert.c) So floß auch zu den christlichen =358= Stiftern, oder vielmehr Höherbildnern, unserer Brüderschaft dieser sinnbildliche Gebrauch des Lichtes in verschiedenen, sich mannichfach durchkreuzenden Quellen: obgleich zugestanden werden mag, daß sie, auch ohne alle geschichtliche Überlieferung, vonselbst dieses so angeistende Bild wählen konnten.
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a) Es ist nunmehr durch die genaueren geschichtlichen und erdkundlichen Untersuchungen über Indiens und Afrika's Völker, besonders durch das große Werk über Egypten, welches in Paris erscheint, nach meiner Überzeugung erwiesen, daß die egyptische Priesterkaste, welche die egyptische Volkbildung begründete und leitete, aus Indien dahin gekommen. Durch obenstehende Äußerung behaupte ich aber nicht: daß die ganze Menschheit dieser Erde, oder auch nur alle Völker in Afrika, aus Indien stamme.
b) Ich stelle Dieses nur als Vermuthung auf, ohne es bisjetzt geschichtlich erweisen zu können.
c) Daß Johannes des Täufers Lehre in Hinsicht des Lichtes ebenfalls mit den Lehren des Zend-Avest einstimmig war, ist aus den heilig gehaltenen Schriften der Zabier oder Johannesschüler sehr wahrscheinlich. (S. zuvor S. 303 f.!)
Am merkwerthesten ist in dieser Hinsicht die Übereinstimmung des essäischen Bundes in Ansehung der Hauptlehre, welche die Culdeer an die drei großen Lichter der Baulogen ketteten. — Wo derselbe Geist die Menschen beseelt, da treibt er allerdings, ohne alle geschichtliche Einheit des Eigenlebens, ähnliche Früchte. Daher die vorbestimmte Harmonie von Lehrbegriffen und geselligen Anstalten verschiedener Zeiten und Länder, welche entweder in keinem, oder nur in entferntem, geschichtlichen Zusammenhange stehen. Wenn sich aber wörtliche Übereinstimmung in Hauptsachen findet, und wenn schon erwiesen ist, daß der jüngere Verein den älteren geschichtlich kannte, dann hat der Geschichtforscher zu untersuchen, inwiefern eine eigenlebliche Beziehung beider Vereine etwa wirklich stattgefunden habe. So sind die Lehren und Kunstregeln der, einige Jahrhunderte vor und nach Jesu Leben, in Judäa und Syrien blühenden Gesellschaft der Essäer, und der in Egypten lebenden, mit den Essäern verbundnen, und in Lehre und Leben übereinstimmigen Therapeuten, mit denen der echten Freimaurerei genau verwandt, und stimmen in einzelnen Gebräuchen und Aussprüchen überein; ob sich gleich, besonders deßhalb, in ihrer Lebenweise auch bedeutende Verschiedenheiten von der der Masonen finden, weil die Essäer beisammen wohnten, und eine von der übrigen Welt ausgesonderte Gesellschaft bildeten. — Vorzüglich überraschend aber ist die Übereinstimmung der Grundlehre der Essäer, woran sie alle andere Lehren anreiheten, mit der in unserem überlieferten Hauptlehrzeichen der drei großen Lichter versinnbildeten Lehre, und mit meiner Auslegung derselben, welche zwar von der Feßler'schen und allen bisherigen abweicht, auch früher, als ich diese Stelle über die Essäer kannte, entworfen worden ist. Diese Grundlehre der Essäer hat uns Philo (in seiner Schrift: quod omnis probus liber; siehe Dessen Werke, Colon. All. 1613, p. 678 f.!) in folgender Stelle aufbehalten:
"Nachdem sie an die heiligen Orte" (der Gottverehrung, des Gebetes, und gottinniger Gespräche) gekommen, welche man Synagogen =359= nennt, so setzen sich die Jüngeren in Abtheilungen dem Alter nach nieder, und verhalten sich mit gebührendem Anstand' als Zuhörer. Alsdann nimmt der Eine die Bibel, und lieset daraus for; ein Anderer von den Erfahrensten lieset schwer verständliche Stellen vor, und gehet sie durch. Denn sie philosophiren meistens in einer sehr alten Bildersprache. Sie unterricheten sich in Religion, Gerechtigkeit, Haushaltung, in der Wissenschaft des in der Wahrheit Guten und Bösen, und Gleichgültigen, und in der Kenntniß, das Beste zu wählen und das Entgegengesetzte zu fliehen. Hiebei bedienen sie sich einer dreifachen Grundbestimmung und Grundregel: der Gottliebe, der Tugenliebe und der Menschenliebe."a) Nun zeigt Philo ferner, wie sie diese drei großen Grundsätze auf das Leben anwendeten, und macht besonders von ihrer Wohlthätigkeit eine solche Beschreibung, daß sie in Ansehung ihrer allgemein-menschlichen Sinnesart, die unter den eigenvolkstolzen Juden umso erfreulicher und bewunderwürdiger ist, unserer Brüderschaft als Musterbild aufgestellt werden kann. → [— Es wäre möglich …]
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a)

→ — Es wäre möglich, daß diese Übereinstimmung in der Grundlehre bloß auf der allen Menschen gemeinsamen Wesenheit beruhte. Indeß ist nicht zu leugnen, daß die Mönchen des Mittelalters, besonders die ältesten in Britanien, Irland und Schottland, welche dem römischen Stuhl erst im funfzehnten Jahrhunderte völlig unterworfen wurden, die Essäer und ihre Einrichtungen genau gekannt, und gleich den ältesten Mönchbrüderschaften und allen Stiftern derselben, die Essäer und Therapeuten, zum Muster ihrer Lebenweise angenommen haben; wie jeder weiß, der sich mit der Entstehung des Mönchleben bekannt gemacht hat. (Siehe hierüber vorzüglich das mehrmal erwähnte Werk des Bivarius!) Soviel aber ist geschichtlich erwiesen, und =360= schon die (in III) von mir mitgetheilte Sammlung von Stellen bestätigt es hinlänglich, daß sich diese christlichen Gottinnigen durch wissenschaftlichen Geist, durch Erfleiß der Geschichte, durch Ausübung der Künste, wozu sich Gelegenheit darbot, durch Erziehung des Volkes und der Fürsten, durch Beförderung alles Guten einzig auszeichneten: sodaß man wohl vermuthen kann, die morgenlandlichen Gestaltungen des Christenthumes seien ihnen nicht unbekannt geblieben, wenn auch davon keine geschichtlichen Beweise vorhanden wären, sowie sie jedoch vorhanden sind.a) Was nun den Baukünstlern Vitruvius, das waren den Mönchen ihre Mundüberlieferungen (Traditionen) über die Vorgänger und über die erste Stiftung des Mönchleben. Es ist daher, dieses Alles zusammengenommen, nicht unwahrscheinlich, daß die Culdeer, die Stifter unseres masonischen Gebrauchthumes, besonders bei Einführung der Vergeistigung der drei großen Lichter, auf die erwähnten drei Grundsätze der Essäer hingeblickt haben.
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a) So erweisen z. B. die vielen culdeischen Denkmale in den britischen Inseln, durch die auf ihnen dargestellten Geheimlehrzeichen (mystischen Symbole), die genaue Bekanntschaft der Culdeer mit der Lehre und den Einrichtungen des Manes, und den von ihm sich herschreibenden christlichen Secten. Manes aber entlehnte einen großen Theil seiner lehre und seines Lehrzeichenwesen aus Zerduscht's Lehre und Bildzeichenwesen; sowie uns durch des edlen Anquetil du Perron und des edlen Kleuker Bemühungen selbige in dem Zend-Avest schon längst vor Augen liegt. (Siehe hierüber die Abbildungen in der Schrift Cordiner's of Banff und Dessen beigefügte Erklärungen!)
Die Culdeer führten, hierin den Essäern und Therapeuten vollkommen ähnlich, ein beschauliches, aber zugleich für Menschenwohl unermüdetes, Leben, und unternahmen es, auch den ihnen achtbaren, unentbehrlichen und innig verbundenen Stand der Bauleute durch ihre höhere Lehre und Lebenkunst zusammenzuhalten, zu erziehen, und zu sich herauszubilden. Es mußte ihnen daran liegen, diesen Stand an die reine Vernunfterkenntniß des Ur- und Ewigwesenlichenb) zu erinnern, ohne welche auf dem ganzen Gebiete des Menschheitleben, auch in der schönen Kunst, Nichts gethan werden kann. Das längst vertraute Bild dieser Erkenntniß war ihnen Licht. — Sie mußten also jede Gelegenheit, die sich ihnen in der schon vorhandnen und von ihnen umgebildeten, geselligen Verfassung der Bauleute darbot, dahin =361= benutzen streben, um unter diesem sprechenden Bilde des Lichtes ihrer höheren Lehre Eingang zu verschaffen. Eine solche Gelegenheit zeigte sich wirklich: denn, betrachten wir nur den wirklichen Zustand der Baulogen, sowie er aus dem Geschäfte der Bauleute selbst hervorging, genauer, so ist dieser Ort, wo jene höhere Lehre den Bauleuten am eindringlichsten mitgetheilt werden konnte, nicht zu übersehen.a)
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b) Siehe die Erklärung dieser Wörter zuvor S. 329!
a) Die ganze hier folgende Darstellung der ursprünglichen Einrichtung der Loge, und der Weise, wie und durch Wen die ursprünglichen Zunftgebräuche und Bilder vergeistigt wurden, ist ein Ergebniß meiner Forschungen über die Baucorporationen der Römer, und die des Mittelalters, sowie über die Culdeer, und die älteren Gesellschaften der Essäer.
Die Bauhütte (Loge) hatte drei Hauptfenster, — außer denselben vielleicht mehre andere, — nach Osten, Süden und Westen, (GM. Fr. 17, 27, 28; Pr. 48 - 59;) an welchen die drei Beamten, der Meister und seine Gehülfen, die beiden Aufseher oder Pfleger (Wardens), saßen, und vermuthlich ihre Arbeittische vorsich hatten. (GM. 17, 28; Pr. 56 - 59.) Die Arbeiter selbst nahmen dann, nach der Wichtigkeit ihrer Arbeit, die Plätze ein, die verhältnißmäßig gutes Licht hatten; die Lehrlinge aber, die, außer den feierlichen Logenversammlungen, in der Bauhütte (welche eigenlich, als bedeckter Ort, für die geheimgehaltene Bearbeitung der Steine diente) zur Arbeit angelehret wurden, in Norden, (Pr. 62; Br. 104,) wo sich, vermuthlich weil es die beschwerliche Wetterseite eines leichten Gebäudes war, keine Fenster fanden (Pr. 55; Br. 94). Das Hauptlicht fiel also den Logenbeamten zu, die es auch bei der geistigsten, zartesten Arbeit der Grundrisse, des Rechnens, usw., am meisten nöthig hatten. Das schönste Licht des Morgens hatte der Meister, der schon vor Sonnaufgang auf der Stelle sein mußte. (GM. 17; Pr. 57.) Dem jüngern Aufseher war die Entlassung der Brüder des Mittags, die Aufsicht über die Hütte in ihrer Abwesenheit, und über die wiederkommenden Brüder; (JB. S. 248; K. S. 248, 253, 267 f.; Br. p. 5, 28 f., 41; M. p. 298 f.) dem ältern Außeher aber in Westen die Entlassung der Brüder, und die Auszahlung des Lohnes (JB. K. M. Pr., Br. ebendas., GM. 18), anvertraut. Die drei Hauptfenster hießen auch die Lichter, d.i. Fenster,b) auch wohl die festen Lichter, vielleicht =362= im Gegensatz der übrigen veränderlichen Fenster, und der zuweilen gebrauchten Kerzenlichter; (Pr. 51 ) höchst wahrscheinlich auch die drei großen Fenster, oder Lichter.
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b) Lichter, lumina, heißen bei'm Vitruv., Cicero, u. A. m. Fenster.
Auf dem Tische des Meisters am östlichen Fenster lagen Zirkel, Winkelmaaß, und Reißbret, theils als seine Werkzeuge, (Pr. 41; Br. 145)a) theils auch als Zeichen des Gewerkes;b) und, seit die Bauleute Christen waren, das Evangelienbuch, aus Frömmigkeit und als Zeichen derselben. (GM. Fr. 13, wo es heißt: Gott und das Winkelmaaß mache die Loge.) Zirkel und Winkelmaaß mochten in diesem Sinne schon bei den römischen Baucorporationen üblich gewesen sein (s. IV, S. 166, n. d.!); die Stelle der Bibel scheint bei ihnen ein Sinnbild des Gottes vertreten zu haben, dessen Tempelbaue die Corporation vorzüglich sich widmete, oder den sie zu ihrem Schutzgotte gewählt hatte.c) Daß aber das Winkelmaaß Sinnbild (Symbol) des Zunftregimentes war, das zeigt sich noch deutlich in GM., wo es (Fr. 21; hier S 38 f. ) heißt: "Wie wird die Loge regieret?" — "Nach Winkelmaaß und Lineal (Regel)." — So fiel also das Hauptlicht, vorzüglich das erste und schönste Morgenlicht, auf den Tisch des Meisters, und auf die vor ihm liegende Bibel, Zirkel und Winkelmaaß.
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a) Freilich wird bei Browne in der erwähnten 145ten Frage der Zirkel dem "Großmeister insbesondere," aber jedem Meister überhaupt das Winkelmaaß, (Fr. 155; hier S. 215;) als Auszeichnung zugeschrieben. Allein im 17ten und in den ersten Jahrzehenden des 18ten Jahrhunderts nannte man oft jeden Meister in Stuhl, zum Unterschiede von den übrigen Meistern seiner Loge, den Großmeister (s. I, S. 195!); späterhin gab man dem Meister im Stuhl der Großloge den Zirkel ausschließend, der zuvor jedem Meister gehört hatte. — Das Reißbret dagegen ist, nach Pr. Fr. 47 und nach Br. Fr. 162, dem Meister, als "unbewegliches Kleinod," geblieben.
b) Man sehe hierüber obige Stelle im Vitruvius, (hier I, 167, Sp. a.) und das Zunftzeichen der londoner Maurer in IV, 419, und Taf. III, Fig. 3! Noch jetzt ist allgemein in Europa das Zunftzeichen der Steinmetzen, Maurer und einiger verwandten Gewerke ein über dem Winkelmaaße rechtwinklig ausgespannter Zirkel.
c) Siehe IV, S. 92 - 212, besonders 166, n. d), und 169 ff., 185 - 187, über die, römischen Baucorporationen!
Hierin nun fanden die unserer Brüderschaft sich annehmenden christlich Gottinnigen eine erwünschte Gelegenheit, ihre höheren Lehren, mit Erzieher - Weisheit, still und unvermerkt, in die Bauhütten einzuführen, und sie auf die den Kunstgenossen faßlichste Art auszusprechen. =363=
— "Aus Osten, Süden, Westen kommt euch Licht zur Arbeit; aber noch mehr thut euch inneres Licht noth;a) ohne Dieß wird selbst eure Kunstarbeit nicht schön und wohl gelingen. Blikket auf den Tisch des Meisters, den hellerleuchteten! Die euch ehrwürdigen Werkzeuge des Meisters, und das euch heilige Evangelienbuch: sie weisen auf die drei ewigen Lichtquellen des Lebens hin.b) Die Bibel werde euch Anleitung zu reinem, vernunftwürdigem Glauben,c) zu liebevoller Verehrung Gottes; das Winkelmaaß, ein Bild des Gesetzes und alles Gesetzmäßigen, ermahne euch, gesetztmäßig" (wesenlebgesetzmäßig, reinsittlich, reingut, tugendlich) "zu leben; und der Zirkel, nach dessen Vorschrift der reichste, vielgestaltigste Bau sich fest und schön erhebt, sei euch Bild des liebevollen Umganges mit allen Menschen, vorzüglich der Bruderliebe und Brudertreue unter euch als Kunstgenossen! Wenn euch diese drei ewigen großen Lichter, Erkenntniß Gottes, Eurer selbst und der geselligen Menschheit, leuchten: dann erst werdet ihr gottgefällige Menschen und achtbare Künstler sein." —
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a) Vergl. Evang. Matth. VI, 22 f.; Evang. Joh. I!
b) Vergl. S. 305, Z. 10 ff., die Überlieferung der Lehre Johannes des Täufers von einem ersten, zweiten und dritten Leben.
c) Der Glaube, im vernunftgemäßen Sinne, besteht vorzüglich in der urgewissen Überzeugung: daß Gott in seinem Einen Urleben alles endliche Leben, auch das Leben dieser Menschheit und jedes Einzelmenschen, eigenleblich leite, und jedem endlichen Wesen, auch jedem Einzelmenschen, das ihm eigenleblich Beste verleihe, und daß Gott mit allen Ihm selbst in reiner Gesinnung auf urendliche Weise ähnlichen Wesen vereinlebe. Diese urgewisse Überzeugung ist eine ewigwesenliche und urwesenliche, (s. hier S. 329 n. a!) und kann daher in Jedem, der sie gewonnen hat, und solange er in Gott urbesonnen bleibt, durch keine sogenannten "widrigen Schicksale" jemals erschüttert werden. Denn der so Überzeugte glaubet, auch wenn er nicht siehet," das ist, er ist in der Wesenschauung, — in der Urerkenntniß Gottes, — ewigwesenlich der eigenleblichen Gegenwart Gottes gewiß, auch sofern er dieselbe eigenleblich, vermittelt durch die Sinne, nicht erkennt.
Hieran konnte nun ohn' Ende eine nach Fassungkraft, und nach allen geselligen Rücksichten, bestimmte fernere Unterweisung in wahrer Gottinnigkeit (Religion), ohne Wahn- und Aberglauben, in Reingüte (Tugend) ohne Furcht und Hofnung, und in geselliger Lebenkunst, ohne Verbrechen und Strafen, sowohl ohne Bilder, als auch in Bilder gehüllt, gefügt werden. Dadurch, daß sie die Bibel bloß als Sinnbild der Gottinnigkeit (Religion) =364= ausstellten, in einer Zeit, wo den Laien die Bibel, wenn auch noch nicht untersagt, doch ihre genaue Kenntniß erschwert wurde, a) — bewiesen diese Gottinnigen (Religiösen), daß sie von den willkührlichen kirchlichen Satzungen ihres Zeitalters innerlich unabhängig waren, und selbst über die dem römischen Bischof anhangende Geistlichkeit an Einsicht weit erhaben waren. Nicht als hätten sie die Bibel geringgeschätzt, oder Gottes Mitwirkung an ihrem Entstehen geleugnet: — nur blinden Glauben wollten sie nicht. — Auch die geschichtliche Thatsache der Ausbildung der Menschheit in Gottinnigkeit und Gottvereintheit (Religion), Wissenschaft und Kunst, von Osten her, bot sich hier dar, und konnte sinnbildlich an dem den Meister und seine Arbeit erhellenden Morgenlichte erläutert werden.
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a) Indeß ließ Athelstan doch im 10ten Jahrhundert die Bibel in die Landessprache, vielleicht auf Anrathen unserer Stifter, übersetzen.
Diesen Lehren nun gaben vielleicht schon diese ersten Stifter des Gebrauchthumes noch mehr Nachdruck dadurch, daß sie die Bibel bei dem Briefe Petri, vorzüglich aber bei'm Evangelium Johannes, außchlagen ließen, wo von dem göttlichen Worte und von dem göttlichen Lichte die Rede ist, und wo zugleich die Erwähnung Johannes des Täufers, als Schutzpatrones der Brüderschaft, einen Weg zu den Herzen der Brüder zeigte. "Hier begegnen euch," — konnten sie sagen, — "Stralen jenes Lichtes, das euch erleuchten soll; hier sind die Lehren der Liebe und der Tugend, die euch beseelen, die euch, als gute und treue Männer, in Bruderliebe, zu gedeihlicher Arbeit verbinden sollen." — Bei einem solchen Unterrichte konnten sie die schwachen, noch lichtscheuen, Augen der Brüder schonen und sie allgemach stärken, zugleich aber den lauernden Augen ihrer Verfolger entgehen, und ihre Fallstrikke vermeiden, um sich selbst für die Menschheit zu erhalten. Den Brüdern aber, die bei ihrer Aufnahme noch in den Satzungen des Kirchthumes befangen waren, oder auch nachher mehr oder weniger darin befangen blieben, wurde auf diese Weise kein Ärgerniß, sondern ein freier Anlaß zu höherer Erkenntniß und wahrer Tugend, gegeben; dagegen theilten sie wahrscheinlich Denen, welche sie als Fähigere erkannten, sowie dieselben nach und nach zu reiner Weseninnigkeit und zu reinsittlichem Willen hindurchdrangen, ihre höheren =365= Erkenntnisse, Gefühle und Absichten in einer weise und freisinnig abgestuften selbeigenleblichen (persönlichen) Vertraulichkeit liebinniger Freundschaft ohne gesellschaftlich festgestellte Bilder und Gebräuche mit.
Wollte man annehmen, diese uns in der vorliegenden Lehrlinglection überlieferte Auslegung der drei großen Lichter sei das Werk eines der letzten Jahrhunderte, so beweiset sich diese Annahme von allen Seiten als unstatthaft. Denn die in derselben enthaltene Lehre findet sich, sogar weit deutlicher, als sie hier ausgesprochen wird, schon in dem Fragstükke unter Heinrich VI, und in der wenigstens mit unserer zweiten Kunsturkunde selbst gleich alten Yorker Constitution; wie jeder Leser sich jetzt selbst überzeugen kann, nachdem selbige in dieser Schrift nach einer beglaubigten Übersetzung vor Augen liegt. Da nun in ebenderselben Yorker Constitution auf ein schon vorhandenes Ritual hingedeutet wird, und das erwähnte Fragstück ebenfalls darauf schließen läßt; indem darin von Einweihung und von einer geheimen, allgemeinen Sprache die Rede ist; auch jene, von den ersten Christen vor Diocletianus Verfolgung in dem blühendsten Zeitalter der Römer abstammenden, die päbstlichen Lehren und Anmaßungen verschmähenden Geistlichen, welche selbst ihre Gegner fromme Verehrer Gottesa) nennen müßten, ihre blühendste Zeit in England und Schottland vor dem zehnten Jahrhunderte hatten: so muß ich es für sehr wahrscheinlich halten, daß auch diese Auslegung der drei großen Lichter älter sei, als das zehnte Jahrhundert. Vor der Entweihung der Brüderschaft durch päbstliche Alleinherrschaft, durch politische und alchemische Plane, muß dieses Lehrzeichen (Symbol), nach dem erklärten reinmenschlichen Sinne desselben, zu Stande gebracht worden sein; umsomehr, als wir die Ausgeburten, womit diese unmasonischen Bestrebungen (Tendenzen) unsere Maurerbrüderschaft reichlich ausgestattet haben, als ganz anders geartet kennen: auch diese drei großen Lichter überall verschwunden sind, wo jene Dinge ihren Einfluß äußerten. — Ebenso wenig ist dieß Lehrzeichen ein Werk der nach einem politischen unmasonischen Zwekke bewirkten Umbildung der Maurerei im =366= siebenzehnten Jahrhunderte; — als ein neuerfundenes würde es sogar damals, wo die Culdeer, deren Fortdauer nur bis in das sechzehnte Jahrhundert noch in Schottland erweißlich ist, bereits erloschen, und wo die Meister der Logen ohne Zweifel dem herrschenden catholischen oder hochbischoflichen Kirchenglauben zugethan waren, schwerlich angenommen worden sein.
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a) Denn sie hießen, mit einem unter dem Volke üblichen Namen, Culdeer, Ceili-de, Culdichs. Daraus machten die Lateiner Coli-deos, Gottverhrer. Siehe die Beweise in der der zweiten Abtheilung des zweiten Bandes beigegebnen Stellensammlung über die Culdeer!
An dieser Stelle zeigt sich denn auch zugleich der Ursprung der drei kleineren Lichter in der Freimaurerei. An den drei Hauptfenstern saßen wirklich die drei, die Loge haltenden und lebenleitenden (regierenden) Beamten. So fügte sich nun leicht zu der erwähnten eine zweite Lehre:
"Leuchten euch die drei ewigen, großen Lichter: dann werden euch auch drei kleinere mit Erfolg scheinen. Groß sind sie ansich, klein in Vergleich mit jenen ewigen, unendlichen. — Sonne und Mond werden euch bei schöner Arbeit brüderlich vereinigt finden, und die Gesetze, sowie die gesellige Ordnung der Brüderschaft, welche vom Meister, vermittelt durch das Licht seiner Augen, auf die Beamten und auf alle Brüder leuchtend ausgehen, — gleich dem leiblichen Lichte der Sonne und des Mondes, — diese werdet ihr frei achten und ihnen treu und mit Liebe gehorchen. Große und schöne Bauwerke werden Bilder eures wahrhaft menschlichen Innern; und die Nachwelt wird Zeuge eures segenbringenden Bruderbundes sein." — a)
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a) Während die großartigen und schönen Riesenwerke jener Baugesellschaften im Mittelalter noch wohlerhalten sind, und zum Theil in ehrwürdigen, eigenschönen Bauresten das ganze Abendland schmükken, lebt auch ihr geistiger Bau in der im Jahr 1717 höher und freier belebten Freimaurerbrüderschaft, und außer derselben in den Volkschulen und Wissenschaftschulen (Universitäten) fort, in deren Gründung und Ausbildung im früheren und späteren Mittelalter in Frankreich und Deutschland sie sich auf ähnliche Weise verhielten, als zu der reinmenschlichen Umbildung der Masonei.
Die eigenliche Arbeit wurde bei Tage gethan. Nur wenn dringende Geschäfte, vielleicht auch gesellige Freude, die Brüder bis in die Nacht beisammen hielt, war künstliche Beleuchtung, — Kerzenlicht, nöthig. Sowie das schönste Tageslicht, so wurde dann auch dem Meister und den Aufsehern die schönste Nachtbeleuchtung vergönnt, um sie zu ehren und um ihre Arbeit zu fördern. Und sowie ferner ihr Arbeitort des Tages bei den Fenstern in Osten, Süden und Westen war, so hatten sie auch bei =367= Abend wenigstens ihren Ehrenplatz allda, und die schönsten Kerzen standen auf ihren Tischen. Auf diese Art gieng vielleicht der Name der großen Lichter, den eigenlich nur die Fenster führten, auch auf die drei ausgezeichneten Kerzen über; von Andern aber wurden die Letzteren vielleicht die kleinen Lichter genannt. Die übrigen Brüder hatten, versteht sich, dabei auch die nöthige, doch nicht ausgezeichnete, Beleuchtung. Dennoch scheinen diese Kerzen auf den Tischen der Beamten den Namen der großen Lichter, oder großen Kerzen, bereits vor mehren Jahrhunderten allgemeiner geführt zu haben, überall wo, von päbstlichgesinnten Geistlichen vertrieben, diese drei großen Lichter erloschen waren. Späterhin, da die Logen aufhörten, Baulogen zu sein, und in gewohnlich eingerichteten Häusern gehalten wurden, verschwanden die drei Hauptfenster ganz, die drei großen Kerzen aber blieben übrig, und daher wirklich vor den Logenbeamten stehen. Da in der Folge ferner das längliche Viereck, welches zuvor durch die Loge selbst dargestellt wurde, weder an Gestalt, noch in Ansehung seiner Lage nach den Weltgegenden, durch das Versammlungzimmer eines gewöhnlichen Wohnhauses nicht mehr kunstgemäß vorgestellt wurde, und man es daher zu malen, das heißt, bloß durch vier Linien flüchtig anzudeuten, begann; so rückten auch wenigstens die Plätze der Beamten, von den Wänden weg, in das Innere dieser Zeichnung; weil man die größere Anzahl der Brüder außerhalb desselben stellte; indem man es nicht so groß zeichnen konnte, oder, um es den Brüdern beschaubarer zumachen, nicht wollte. (Siehe die Zeichnung aus K., JB. und M. S. I, 263. und I, 313!) Späterhin hat man auch Dieß geändert, und bald bloß die Beamten, bald auch die drei Kerzen, außerhalb des gemalten, oder durch einen Teppich angezeigten, Vierekkes gestellt. Da die Liturgie der Brüderschaft, sowohl die eigenlich bankünstlerische, als die reinmenschliche, wesenlich und innig mit der Gestalt und Einrichtung der Bauhütte verflochten war, so mußte man allerdings, als man sich außer ihr, endlich aber gar ohne eine Bauhütte mehr zu haben, versammelte, zu einer Zeichnung seine Zuflucht nehmen, die das Wesenliche der Bauhütte, soweit es lehrzeichenlich (symbolisch) unentbehrlich war, darstellte; — man mußte Dieß, sobald man jene Bundinnigung (Liturgie) beibehalten, und die geschichtliche Einheit der Fortbildung der Brüderschaft erhalten wollte.a)
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a) Hierdurch bewährt sich die Richtigkeit jenes liturgischen =368= Grundsatzes: die ganze Umgebung in sinnbildliche Einheit zu verflechten. Denn wären auch nicht einmal die hier von mir gesammelten Nachrichten über den ältesten Zustand der Maurerlogen gerettet, so würde ein scharfblikkender Geschichtforscher, schon aus dieser Zeichnung am Fußboden und ihrer ritualmäßigen überlieferten Erklärung, den reingeschichtlichen Ursprung der Brüderschaft und ihrer Liturgie, ja sogar der wichtigsten einzelnen Symbole — durch höhere Critik errathen können.
Allein da man =368= einmal durch diese Zeichnung der Einbildungkraft Gelegenheit gegeben hatte, sich thätig zu erweisen, so blieb es nicht bei dieser einfachen Zeichnung. Zunächst verfiel man wohl alsdann bloß auf den Gebrauch eines Teppichs, um eine gleich fertige Zeichnung, zumal bei Veränderung des Versammlungortes, vorräthig zu haben, und malte bald ganz andere Bilder hinzu, die auf das wegen politischer und anderer Zwekke entstellte Gebrauchthum und Bundinnigung Bezug hatten. Man konnte nun darauf malen, Was man wollte: Tempel, Werkzeuge, Buchstaben, Sonne, Mond und Sterne, und so fort planlos ohne Ende; wobei dann die Forderungen der Einheit, der Verbindung aller Theile in der Einheit, und überhaupt der sinnvollen Schönheit, immer weniger beachtet werden konnten. Vielleicht hatte man auch schon früher die Kreide- oder Kohlezeichnung mit sovielen Nebendingen und neuen Lehrzeichen vermehrt, daß das Zeichnen desselben zu mühsam, zeitkostend und scheinbar wurde, man daher auf ein bleibendes Gemälde derselben bedacht sein mußte. Vielleicht auch ist an verschieden Orten und zu verschiednen Zeiten Beides geschehen; auch wohl schon vor der Einführung des sogenannten Gesellengrades und des Meistergrades. Nach Einführung dieser Grade aber, und der für sie eigens verfertigten Rituale, konnte man bei jener einfachen Zeichnung nicht bleiben, weil jeder sogenannte Grad seine eigne und zwar sehr bilderreiche forderte. Selbst der sogenannte Lehrlinggrad mußte die alte Einfachheit und Schönheit zum Theil verlieren; indem erfordert wurde, ihm, des Gegensatzes und der Andeutung der folgenden sogenannten Grade wegen, Mehres zu nehmen, zu geben, und an ihm Mehres abzuändern; wodurch endlich ein Gebrauch, der so einfach und verständlich war, so seltsam und so räthselhaft, und seine Bilder so unlesbar und durch so viele fremdartige Zusätze unkenntlich gemacht wurden, als er nun in den heutigen Logen sich darbietet.
Daß diese Ableitung der drei kleinen Lichter richtig =369= sei, lehrt schon die Beschaffenheit der Sache, geschichtlich aber Prichard, bei Welchem sich zuerst, auf die Frage: "Habet ihr irgend Lichter in der Loge?" (Fr. 48 - 50 ) "die drei Kerzen," (ohne Beisatz,) dann aber auch auf die Frage nach "festen Lichtern" (fixed lights) "die drei Hauptfenster" finden,a) (Fr. 50 - 54) und zwar "zu dem Gebrauche: daß sie den Brüdern zu, bei, und von ihrer Arbeit leuchten." Der Inhalt dieses Zusatzes ist wörtlich und eigenlich wahr. Und nun folgt im Pr. sogleich die Nachricht und Erklärung, (Fr. 55 - 59) daß die Plätze der Beamten in Osten, Süden und Westen sind, aus den bekannten Gründen, die nur Sinn haben, wenn sie von einer wirklichen, so eingerichteten, Bauhütte verstanden werden. — Nach Br. Keher stehen die drei Fensterb) noch auf dem schottländischen Tapis gemalt.
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a) Dabei macht Prichard, vermuthlich einer Urkunde oder mündlichen Überlieferung zufolge, (denn wie hätte er sonst auf den Einfall kommen können?) die richtige Bemerkimg: "diese drei festen Lichter sind drei Fenster, die man, obwohl keine da sind, doch in jedem Zimmer, wo Loge gehalten wird, voraussetzt." Auch in der Schrift: Solomon in all his Glory, kommen diese drei kleinen Lichter als Fenster vor.
b) Diese Fenster konnte man dann leicht zu Tempelthoren machen.
Allein gerade hierin, daß sowohl die großen, als auch die kleineren Lichter in der Freimaurerei von ebendenselben drei Hauptfenstern ihre äußere Ableitung nahmen, entsprang eine Trennung und Entfernung der Logen voneinander in Ansehung der Logengebraüche. Man konnte die drei kleineren Lichter beibehalten, und sie die großen nennen, und nun entweder die großen gar nicht erwähnen; — welches Letztere indeß in England in keinem, mir bekannten, Zweige der Maurerei geschehen ist: oder man konnte sie anders nennen und anders stellen. So enthält Prichard die Bibel, den Zirkel und das Winkelmaaß als, Gott, dem Meister und dem Gesellen gehörige, Geräthe der Loge (Furniture of the Lodge); wie sie wohl auch, ohne Rücksicht auf ihre wahre Vergeistigung, als bloße Zunftsinnbilder (Zunftembleme) füglich heißen können; und zwar setzt er weiter keine Erklärung hinzu. Browne zeigt, (Fr. 91 ff,) gleich nach der Ertheilung des Lichts, auf die drei großen Lichter, — Sonne, Mond und Meister, — als auf etwas aüßerst Wichtiges, hin, und bringt erst weiter hinten (Fr. 141 - 146) die wahren drei großen Lichter, ebenfalls als Logengeräthe; außer welchen er noch dazu sechs Logenkleinodien (Jewels) erwähnt; =370= übrigens jedoch mit der richtigen Erklärung: nur daß bei ihm die Bibel nicht mehr auf Religion und wahren Glauben hindeutet, sondern selbst Richtschnur des Glaubens ist.a) — Aber man konnte auch die drei großen Lichter beibehalten, aber anders deuten; und auch Dieß ist geschehen. Denn in GM., welches Fragstück überhaupt ganz von catholisch-papistischen Händen bearbeitet worden ist, finden wir (Fr. 27- 30) Folgendes, — "Fr. Wieviele Lichter? Antw. Drei; gerade in Osten, Süden und Westen," wo, nach GM., die Beamten sitzen. "Fr. Was,stellen sie vor? Antw. Die drei Personen, Vater, Sohn, und heiligen Geist. Fr. Wieviele Pfeiler? Antw. Zwei, Jachin und Boaz. Fr. Was stellen sie vor? Antw. Dite Stärke und das feste Bestehen der Kirche zu allen Zeiten (in all Ages)." —
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a) Siehe vorn S. 10 ff. und S. 84 ff. die Darstellung des Ganges und des Eigentümlichen der neuenglischen Lection! Da übrigens Pr. die echte Auslegung von Bibel, Winkelmaaß und Zirkel nicht enthält, so hat das NE. Großmeisterthum vielleicht erst später, durch die Vorwürfe der alten Maurer gedrängt, diese Auslegung aufgenommen.
Ebenso leicht, als zu den drei kleineren Lichtern, fand sich nun die Veranlassung zur geistigen Auslegung, der drei großen Pfeiler. Da die Yorker Constitution beweist, daß schon im J. 926 die Bauleute auf den Vitruvius und Euclides verwiesen wurden, und daß diese Schriften, schon damals, Handbücher jedes Baumeisters sein sollten: so ist nicht zu zweifeln, daß sie die drei alten Säulenordnungen, die dorische, ionische und corinthische, und des Vitruvius Auslegung derselben, kannten. Sowie nun Vitruvius die dorische männlich, die ionische weiblich, und die corinthische jungfräulich-zierlich nennt, so konnten diese Säulen, mit einer leichten Umänderung, in Einklange mit den drei großen Lichtern, auf Weisheit, Stärke und Schönheit, welche Eigenschaften auf die Eigenwesenheit des Weibes, des Mannes und der Jungfrau eine wesenliche (schon in dem hellenischen Sagethume ausgedrückte) Beziehung haben, gedeutet werden; da man den Sinn für diese Auslegung bei den Architecten vorfand.b)
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b) Siehe meine Bemerkungen zur 70ten Frage, sowohl obige 89te Bemerkung (I, S. 199), als die hier folgende, und zur 87ten und 65ten ff. Frage, und eine andere Vermuthung in der Schlußabhandlung zu diesen zweiten Bemerkungen.
Daran schloß sich endlich ebenso natürlich die Gestalt und Lage der Loge, da sie die Bauhütte schon =371= ansich trug, sowie auch das Lehrzeichen (Symbol) des farbigen Thronhimmels oder Himmeldekke (Baldachins), an; da man bei feierlichen Zusammenkünften höchstwahrscheinlich die Dekke der unansehnlichen Bauhütte mit einer Wolkendekke, vielleicht von blauem Zeuge, oder wenigstens den Stuhl des Meisters mit einem blaufarbigen Thronhimmel, ausschmückte.
Mit dieser sinnvollen Dekke beschlossen die Stifter unseres, seit der Einwirkung des Christenthumes in die Maurerei ältesten, Gebrauchthumes (Rituals) den ganzen Kreis der Grundlehrzeichen (Grundsymbole); nachdem sie den Vorrath alles in der Bauhütte schon Gegebnen zu Vergeistigungen weise benutzt hatten. An diese Grundlehrzeichen (Grundsymbole) aber fügten sich weiter eine Anzahl wohlgewählter Neben- und Hülflehrzeichen ungezwungen an, welche sich zu den Grundlehrzeichen ebenso verhalten, wie die in ihnen angedeuteten Lehren zu den in den Grundlehrzeichen angedeuteten Grundlehren der Maurerei. Die in den Nebenlehrzeichen dargestellten Lehren sind einzelne, weiter ausgeführte Theile jener Grundlehren, oder Anwendungen derselben auf einzelne Fälle. Und diese Beschaffenheit der überlieferten Lehrzeichen ist eben der geschichtliche Grund, weßhalb ich in dem vergeistigenden Lehrfragstükke, welches diese meine Schrift eröfnet, dieselben in Grund- und Nebenlehrzeichen (Grund- und Nebensymbole) abtheilte, und unter den Grundlehrzeichen wiederum das Lehrzeichen der drei großen Lichter als das Hauptsymbol hervorhob.
Was nun die Würdigung dieses überlieferten Hauptlehrzeichens betrifft, so ist, wie überall, also auch hierbei, die Beurtheilung nach den Zeiten und Umständen, worin es erfunden worden, zu unterscheiden von der Beurtheilung nach dem Urbegriffe und Urbilde, und von der besondern Beurtheilung nach dem durch den heutigen Zustand bedingten Musterbilde. Geschichtlich betrachtet, erweiset sich unser Hauptlehrzeichen besonders dadurch als zweckmäßig, weil es auf eine für die Menschen, denen es bestimmt war, damals sehr sprechende Weise nach derjenigen Erkenntniß hindeutete, welche dem Menschen, um sich als Mensch auszubilden, wesenlich ist. Auch ist dasselbe deßhalb achtungwerth, weil es zu der Forderung der eigenleblichen inneren Vollendung auch noch die Forderung der Frömmigkeit und Geselligkeit setzt, ohne die der Mensch als Selbwesen nicht vollendet werden kann. Und obgleich die Zeichen, =372= welche zu dem Hauptlehrzeichen gewählt wurden, von dem Geschäfte und dem geschichtlichen Gottglauben der Bauleute entlehnt sind, so ist doch Das, was dadurch angezeigt wird, für alle Lebenalter der Menschheit bleibend wesenlich. — Doch ist nicht zu leugnen, daß schon damals ein vollkommneres Hauptlehrzeichen hätte erwählt werden können, ohne an die Fassungkraft der Bauleute zu hohe Forderungen zu machen.
Denn wenn wir dieses überlieferte Hauptlehrzeichen nach dem Urbegriffe der Freimaurerei, und nach dem für jede Zeit bleibenden Bedürfnisse der Menschheit und zunächst der Brüderschaft prüfen, so erscheint es in mehren Grundwesenheiten und erstwesenlichen Hinsichten ungenügend; indem wir daran Ganzheit, Einheit und Gliedbau vermissen. An allen wesengemäßen (vollkommnen) Dingen muß sich an deren Eigenwesenheit zuerst Ganzheit und Einheit finden, und sodann in dieser Ganzheit und Einheit Gliedung und Vielheit. Deßhalb ist es für jeden geselligen Verein erstwesenlich, daß das ganze Wesenliche, welches ihm als Zweckbegriff zum Grunde liegt, (das ist, seine Ganzeigenwesenheit,) fest in's Auge gefaßt und klar erkannt werde, damit man das ganze Wesenliche lebend erstrebe, und alles Einzelne auf das Ganze beziehen, danach würdigen, und dem Gliedbau des Ganzen gemäß bestimmen und gestalten könne, aufdaß Wille und Handlung der Wesenheit des Bundes stetig rein und ganz entsprechen. So ist die Menschheit als lebendes Wesen (als Gliedlebwesen) das der Freirnaurerbrüderschaft (dem Masonbunde) als Zweckbegriff vorschwebende Urbild. Das Menschheitleben soll werden, als Ein Gliedganzes (organisches Ganzes, Organismus,) in jedem Einzelnen und in allen geselligen Vereinen, in beiden Geschlechtern, in allen Lebenaltern, in allen Völkern und Ständen, in jedem Theile der Menschheitbestimmung und deren Vereingliedleben (harmonisch-organischem Inbegriffe). Daher verlangt auch in dem Lehrzeichenthume der Freimaurerbrüderschaft zuhöchst, zuerst, und allein die Menschheit als Ein Gliedlebwesen Gottes im Weltall versinnbildet zu werden. Sowie Gott, — Wesen, — das Eine Ganze, über Allem ist, was ist, also ist auch in der wesengemäßen Sprache, und in jeder beschränkten Sprache, das Zeichen, welches Goft bezeichnet, das erste und höchste. Daher ist auch in der sinnbildlichen =373=lehrzeichenlichen Sprache (der Sprache durch Symbole und Embleme) das Symbol, welches Gott, — Wesen, bezeichnet, das erste, höchste und ansich in jeder Hinsicht das erstwesenliche, also auch ebenso für die Lehrzeichensprache des Menschheitbundes, und jedes geschichtlichen Keimes desselben, mithin auch für die Lehrzeichensprache der Freimaurerbrüderschaft. — Wenn wir nun in den Kunstüberlieferungen der Freimaurerbrüderschaft nicht den Buchstaben, sondern mittels dessen den Geist, erfassen, und die Ahnungen der Vorzeit in klares Schauen gestalten, so finden wir die eigenthümliche Wesenheit dieses Bundes darin: daß derselbe die reine, ganze, in allen ihren Theilen insich selbst, und zuhöchst mit Gott, und mittelbar mit allen Endwesen in Gott vereinlebende Menschheit erkenne, und sie in geselliger schöner Lebenkunst darzuleben (im Leben darzustellen) bestrebt sei. Daher ist der Urbegriff der gliedlebigen Menschheit, oder der Menschheit als eines Gliedlebwesen in Gott, der einzige Urbegriff, welcher der Freimaurerbrüderschaft als Zweckbegriff vorschweben soll, und dieser Urbegriff enthält mithin, als solcher, das ganze der Brüderschaft Eigenwesenliche. Dasjenige Lehrzeichen also, welches die Menschheit als Gliedlebwesen in Gott bezeichnet, ist für die Freimaurerbrüderschaft, sofern sie dem Urbilde des Menschheitbundes gemäß ist, das ihr, als solcher, erstwesenliche Lehrzeichen, und kann in dieser Hinsicht ihr Hauptsymbola) genannt werden, ob es gleich ansich demjenigen Lehrzeichen, welches Gott bezeichnet, als innerer Theil untergeordnet ist, und obgleich ansich, in aller Hinsicht, und zuerst vor und über jeder einzelnen Hinsicht, das Lehrzeichen, welches Gott bezeichnet, das Hauptlehrzeichen überhaupt ist. → [Hieraus werden diejenigen …]
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a) Sprachkenner werden bemerken, daß diese Benennung bloß bildlich, also nothwendig auch schwankend, ungenügend und nur theilwesenlich ist. Hauptsymbol soll heißen: das ersteigenwesenliche Lehrzeichen. Es sollte lieber Haupteigenlehrzeichen gesagt werden.
→ Hieraus werden diejenigen Leser, welche über diesen Gegenstand tiefer nachgedacht haben, zugleich ersehen: daß das der Freimaurerbrüderschaft eigenwesenliche Hauptlehrzeichen mit dem Einen höchsten Hauptlehrzeichen als Zeichen in einer ähnlichen Beziehung stehen müsse, als die innere Beziehung der Menschheit in und zu Gott ist, und daß daher dasselbe nur dann gefunden werden könne, wenn das Eine urwesenliche Hauptlehrzeichen für Gott in =374= Schrift und Ton gefunden worden. Freilich werden schon diese Sätze sogar der Mehrzahl denkender Brüder nicht hinlänglich verständlich sein; und eben Dieses ist der Grund, weßhalb ich mich hierüber an dieser Stelle nicht weiter verbreite, ob ich gleich jenes Hauptlehrzeichen für: Gott, und das ihm untergeordnete Hauptlehrzeichen für: Menschheit, sowohl in der Schriftzeichensprache, als in der Tonzeichensprache, wissenschaftlich gefunden habe, und dasselbe bereits im J. 1810 in der ersten Auflage dieses Bandes für die Schriftzeichensprache hätte darstellen können, wenn ich, Dieses zu thun, als zweckmäßig erkannt hätte.
Wenn ich aber auch an dieser Stelle das wissenschaftliche Hauptlehrzeichen (Hauptsymbol) der Brüderschaft, das ist das Lehrzeichen für die gliedlebliche Menschheit, nicht in dem Einen Lehrzeichen für: Gott, entfalten kann: so werden doch wissenschaftlich gebildete Leser mit mir in der Forderung einstimmen, daß dieses Hauptsymbol, was auch immer für ein Zeichen angenommen werde, dennoch vor Allem in sich selbst Eins sein, und die Menschheit als Ein Gliedlebwesen versinnbilden müsse; daß es aber nicht bloß eine Reihe einzelner Zeichen für einzelne innere Theile, Äußerungen und Beziehungen der Menschheit und ihres Lebens befassen dürfe. Da nun die Menschheit ein Gliedwesen (Organismus) und ein lebendes Gliedwesen ist, so muß auch das sie versinnbildende Hauptlehrzeichen in seiner Einheit und Einfachheit selbst einen innern Zeichengliedbau enthalten; und ebenso in seine Theile gegliedert werden können, als die Erkenntniß des Urbegriff der Menschheit in die Erkenntniß seiner inneren Theile, und ihrer Vereinwesenheit in Ein Leben ebenfalls gliedgebildet, und in's Einzelne gestaltet werden kann und muß, wenn diese Erkenntniß einer Gesellschaft als Zweckbegriff dienen soll, welche der ganzen Menschheit, als Einem Gliedlebwesen (individuellen Organismus), im Vereingliedleben aller ihrer inneren Selbwesen (Personen), Kräfte und Werke, gewidmet ist. — Wäre z. B. der gliedlebige (organische) Menschenleib als Lehrzeichen für die gliedlebliche Menschheit angenommen worden, so müßte sein Gliedbau alle einzelnen Theillehrzeichen darbieten, welche allen einzelnen Theilen der gliedlebigen Menschheit entsprechen. — Dieses Hauptlehrzeichen darf ferner nichts Außerwesenliches, sogar nichts Höherwesenliches, enthalten; indem es aber selbst dem Urbilde der Sprache gemäß, gliedbaulich gewählt ist, muß es seinen Gegenstand wesengemäß in Gott bezeichnen, =375=also zugleich in seinem wesenlichen Verhältnisse in Gott, in Vernunft und Natur, und überhaupt zu allem und jedem Wesenlichen. Das Lehrzeichen also, welches, dem höchsten Hauptlehrzeichen, das Gott bezeichnet, untergeordnet, als Haupteigenlehrzeichen der Freimaurerbrüderschaft die Menschheit als Gliedlebwesen bezeichnet, soll die Menschheit rein und allein, aber in ihrem wesenheitlichen Verhältnisse des Seins und Lebens inzu Gott, und Gott untergeordnet inzu Vernunft und Natur darstellen; und zugleich als dem Menschheitbunde eigenwesenlich von dem Haupteigenlehrzeichen jeder andern Gesellschaft, wie des Wissenschaftbundes, des Kunstbundes, des Ehethumbundes, des Freundschaftbundes, des Gottinnigkeitbundes, des Rechtbundes, verschieden sein, endlich auch als Zeichen das Verhältniß des Menschheitbundes zu allen einzelnen inneren Theilbunden der Menschheit nachahmen.
Würdigen wir unser geschichtlich überliefertes Hauptlehrzeichen nach diesen ewigen Forderungen der Wissenschaft und des Lebens, so finden wir es ungenügend und ebendeßhalb für die Zukunft unstatthaft;a) denn es mangelt diesem Lehrzeichen, die Einheit, die Ganzheit, die Gliedbauheit; weil es in einer Dreiheit anhebt und endet, deren erstes Glied nach Gott hindeutet, das zweite auf den Einzel menschen, das dritte auf die Menschheit; oder: deren erstes Glied das Verhältniß des Menschen zu Gott, das zweite den Menschen an sich selbst (als Selbwesen), und das dritte das Verhältniß des Menschen zu anderen Menschen versinnbildet. → [Das Sinnbild der drei …]
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a) Kein aufmerksamer Leser wird diese Worte so verstehen, als wenn ich behaupte, das durch die drei großen Lichter Versinnbildete seie jemals unstatthaft, oder jemals oder in irgend einer Hinsicht unwesenlich für die Menschheit, den Menschheitbund und die Freimaurerbrüderschaft. Daß ich dieses Versinnbildete für ewig und in aller Zeit wesenlich erkenne, Das beweisen meine vorn der zweiten Kunsturkunde selbst untergesetzten Anmerkungen, meine Freimaurervorträge, und die in meinem liturgischen Fragstükke mitgetheilten Auslegungen und Vergeistigungen der überlieferten Grundsymbole der Freimaurerbrüderschaft.
→ Das Sinnbild der drei großen Lichter ist ferner darin unvollkommen, daß es nicht vollendet gliedbaulich ist: denn es ist zwar insofern vollständig, als das erste Glied nach Gott hinzeigt, da Gott Alles ist, was ist; auch ist es in der Hinsicht gliedbaugemäß, daß es das Verhältniß des Menschen zu Gott obenan stellt, wie es sich gebühret: allein sofern in selbigem einmal Mehrheit ausgesprochen ist, =376= sollten auch alle Glieder der urwesenlichen inneren Vielheit in Gott vollständig, und in wesengemäßer Beiordnung darin enthalten sein. Dann würde es aber folgendes Begriffbild (Schema) versinnbilden:
oder mit wissenschaftgemäßerna) Worten:
Gott
Gott
Vernunft — Natur b)
Geistwesen — Leibwesen b)
Menschheit;
Menschheitwesen.
Auch dieses Begriffbild ist jedoch noch nicht vollkommen gliedbaulich; denn es fehlt in ihm erstlich die Bezeichnung für: Gott, sofern Gott, als Urwesen,c) über Vernunft und Natur ist; sodann fehlen die Vereinglieder: Gott als Urwesen vereint mit Geistwesen, Gott als Urwesen vereint mit Leibwesen, und Gott =377= als Urwesen vereint mit den vereinten Geistewesen und Leibwesen, in welchem vollwesenlichen Vereingliede die Menschheit erst ein innerer untergeordneter Theil ist.
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a) Auch diese Wortbestimmung ist noch unvollkommen; die auf der folgenden Seite ist genügender, aber die beste kann ich ohne Erklärung nicht mittheilen, da sie zu vielen Mißverständnissen Anlaß geben mußte.
b) Jede Darstellung dieser übersinnlichen Gegenstände außerhalb des ganzen Gliedbaues (organischen Systemes) der Wissenschaft hat unüberwindliche Schwierigkeiten, deren eine sehr wesenliche der unvollkommne Zustand der Volksprachen veranlasset, welcher aber freilich nur eine einzelne Äußerung des noch unvollkommen und unentfalteten Lebenzustandes der Völker selbst ist. — Diese Schwierigkeiten betreffen jedes Wort, das man hierüber äußern mag. So das vieldeutige unbestimmte Fremdwort: "Natur," sofern es in obigem Begriffbilde das der Vernunft gegenüberstehende Theilwesen bezeichnen soll. Der eine Leser denkt dabei Dieses, der Andere Jenes; und der ganze jetzt übliche Sprachgebrauch dieses Wortes enthält dennoch nicht diejenige Bedeutung ganz, in welcher es oben genommen ist. Um jedoch die größten Mißverständnisse abzuhalten, bemerke ich, daß ich unter Natur nicht bloß oder vorzüglich das Ganze aller körperlichen Stoffheit (der Materie) verstehe, sondern das lebende endliche, in seiner Art aber unendliche, Wesen selbst, welches in sich auch der Stoff (die Materie) ist, und den Stoff, oder eigenlich, sich selbst als Stoff zeitewig bildet; zu Dem sich die uns in den Leibsinnen erscheinende stoffliche (materielle) Welt ebenso verhält, wie die Welt der Inbildkraft (Welt der Phantasie im Traumen und Wachen) zu der Vernunft (dem Vernunftwesen). Doch auch diese Erläuterung wird den Meisten unverständlich sein; und es ist hier überall nicht zu helfen, als durch gemeinschaftliches Erbauen der Wissenschaft, und gemeinschaftliches Ausbilden der Sprache.
c) Die deutsche Sprache, obwohl unter allen auf dieser Erde lebenden Sprachen vielleicht vergleichweis am meisten zu Darstellung des Gliedbaues der Wissenschaft geeignet, ist gleichwohl in Hinsicht des Wortthumes für die Urwissenschaft sehr beschränkt. So bezeichnet nach jetzigem Redgebrauche ur das Ewige, in Gegenheit des Zeitlichen; aber für die Wesenheit, =377= die über der ewigen und zeitlichen, in Gegenheit zu Beiden ist, sowie über die Wesenheit, welche über und vor aller Gegenheit ist, fehlt ein bezeichnender Urling (Stammsylbe). Daher ist eigenlich der Ausdruck: Urbegriff Wesens, oder: Urbegriff Gottes, wissenschaftlich ungenügend. Wollte man den uralten Urling: or, erneuen, und dadurch die Wesenheit und Seinart über und vor aller Gegenheit bezeichnen, so könnte diesem Übelstande abgeholfen werden.
Daher ist folgendes Begriffbild (Schema) dem vollkommneren Ausdrukke in der Wesensprache (Pasigraphie) schon näher.
Wesen
Urwesen.
Urwesen vereint mit
Urwesen vereint mit
Geistwesen.
Leibwesen.
Urwesen vereint
Geistwesen.
mit den vereinten
Leibwesen.![]()
Geistwesen und
Leibwesen, worin
Menschheit das
Vereinwesen ista)
Geistwesen, vereint mit Leibwesen.b)
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a) In der Wesensprache bezeichnet ein einziger Wortzug, und ein einziger Brustlaut, dieses Vereinglied. Auch die deutsche Volksprache, wenn sie, wie ich (in meinen zwei Abhandlungen von der Würde der deutschen Sprache, Dresden 1816, und in der Ankündigung meines Urwortthums der deutschen Volksprache) gezeigt, wissenschaftlich ausgebildet wird, bietet kurze und schöne Wörter für die vier Vereinglieder obigen Schemes dar; deren ich mich auch schon seit vielen Jahren bediene, die ich aber hier aus den angeführten Gründen zurückhalte.
b) Da es, aus den in den nächstvorigen Noten angezeigten Gründen, hierüber deutlicher und ausführlicher zu sein, an dieser Stelle und für diesen Zweck unmöglich ist: so kann ich urwissenschaftliche (philosophische) Leser, welche meine weiteren Darstellungen hiervon zu kennen wünschen, indeß bloß auf meine: Grundlage der Sittenlehre verweisen, da die strengwissenschaftliche Darstellung des Gliedbaues der Wissenschaft, die ich bearbeite, noch nicht erschienen ist. — Aus gleichem Grunde kann ich auch die wissenschaftliche Bezeichnung dieses Ganzen der Urbegriffe, welche es in meiner allgemeinen Zeichen- und Tonsprache erhält, nicht =378= mittheilen, so sehr ich wünschte, und so angelegenlich ich auch seit acht Jahren an der druckschriftlichen Darstellung meines Versuches der Wesensprache arbeite, von der ich schon in der ersten Ausgabe der vorliegenden Schrift als von einem weit gediehenen Werke reden konnte. — Für diejenigen meiner Brüder, welche sich der Urwissenschaft (Philosophie) nicht widmen, und mit derselben sich nicht vertraut gemacht haben, bin ich bemüht gewesen, diese übersinnlichen Gegenstände so faßlich abzuhandeln, als ich es innerhalb der Grenze der deutschen volküblichen Sprache bei redlichem Streben vermochte, in folgenden Schriften: "Urbild der Menschheit"; "Tagblatt des Menschheitlebens"; "Höhere Vergeistigung der echtüberlieferten Grundsymbole der Freimaurerbrüderschaft in 12 Logenvorträgen." Auch empfehle ich zudem Ende die in Br. Moßdorf's Mittheilungen enthaltenen Darstellungen aus meiner masonischen Lehre durch eine Auswahl von Stellen aus den soeben erwähnten Schriften.
Dieses Begriffbild stellt zugleich den Grundriß des ganzen Wissenschaftbaues dar; wenn es aber wesensprachlich (pasilogisch und pasigraphisch) bezeichnet wird, so giebt es den Grundzug (Hierogramma) und das Grundwort für diese ganze Sprache, und enthält in seinen einzelnen Theilen das Grundlautthum und Grundzeichenthum (alphabetum) derselben.
Daß aber die richtige Darstellung und Auffassung des Gliedbaues aller Endwesen in Wesen, das ist: in Gott, für jeden Menschen lebenwesenlich sei, also auch dem neuaufgenommenen Bruder in Geist und Gemüth vergegenwärtigt werden solle, davon wird jeder Bruder überzeugt sein, der selbst in dieser Erkenntniß lebet.
Beurtheilen wir ferner unser überliefertes Hauptlehrzeichen in Hinsicht Dessen, was als Mittel der Bezeichnung gewählt ist, so begegnet uns zuerst das den drei einzelnen Lehrzeichen, die es enthält, gemeinsam übergeordnete Lehrzeichen des Lichtes, welches offenbar ein Lehrbild der Erkenntniß oder des Schauens ist, also anzeigt, daß drei wesenliche Erkenntnisse versinnbildet werden sollen, allein nicht bloß als Erkenntnisse, sondern in ihrer Beziehung auf das Leben.
Diese Lichter werden ferner deßhalb groß genannt, weil sie drei große Erkenntnisse bezeichnen sollen. Dann aber ist das Wort: groß, ebenfalls nicht in seiner eigenlichen, sondern in einer sinnbildlichen Bedeutung zu verstehen. Denn eigenlich heißt groß =379=Alles, was und sofern es in bestimmten Grenzen wesenlich ist, und ein irgendartiges Wesenliche heißt, sofern es in bestimmten Grenzen ist, eine Größe. Großheit aber ist begrenzte Ganzheit, also in und unter dem Begriffe der Ganzheit enthalten. In dem Ausdrukke: große Lichter, soll aber nicht die Großheit der Erkenntniß, (gleichsam der Grad der Helligkeit,) sondern die Stufe der Wesenheit des Erkannten, und die Stufe der Lebwesenheit (die practische Wichtigkeit) dieser Erkenntnisse für den Menschen bezeichnet werden; das Wort: groß, wird also hier, selbst im übertraglichen (metaphorischen) Sinne, sinnbildlich verstanden, und stehet für das unbildliche: erstwesenlich.
Die drei einzelnen Lehrzeichen, welche sodann genannt werden, sind aber nicht drei Arten von Licht, sondern drei verschiedenartige, im gegenwärtigen Leben der Baukünstler sich darstellende Dinge, welche eben die Beziehung jener drei wesenlichen Erkenntnisse auf das Leben vermitteln, und an jene drei Erkenntnisse erinnern. So ist Erkenntniß Gottes und Beziehung des Lebens in Gott nach Gott hina) für den Menschen zum Theil vermittelt durch urkundliche Nachrichten von dem Schauen und Leben gottinniger Menschen, welche als "heilige Bücher und heilige Überlieferungen (traditiones)" anerkannt werden; deßhalb wählten die Culdeer ganz richtig das Evangeliumbuch, oder späterhin die ganze Bibel, zu dem Lehrzeichen, welches an den Urbegriff Gottes und der Lebeneinheit mit Gott erinnern sollte.b) Hätten sich ihnen in Hinsicht der Urbegriffe des Menschen und der Menschheit, außer der Bibel, die sie gewiß auch in diesen beiden Hinsichten ebenso nützlich hielten, als in Hinsicht der Erkenntniß Gottes und der Gottinnigkeit, zwei ähnliche urkundliche Werke dargeboten, als die Bibel in Hinsicht Gottes und der Gottinnigkeit ist, so hätten sie dieselben zu Lehrzeichen wählen gekonnt.
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a) "Beziehung auf Gott" kann vernunftgemäß nicht gesagt werden. Siehe die bereits in der vorigen Note angeführten beiden Abhandlungen!
b) Und ebendeshalb lehrt Preston in seinen Illustrations, v. J. 1812, S.36, im Geiste der reinen Masonei, und des echtüberlieferten ersten Altgesetzes (old charge), "daß der Maurer das Moralgesetz in Übereinstimmung mit der heiligen Schrift studieren solle;" und fügt in einer Note bei: "In England die Bibel, aber in Gegenden, wo dieses Buch unbekannt ist, Das, wovon man annimmt, daß es den Willen oder das Gesetz Gottes enthalte."
→ Sie zogen aber vor, für diese =380= beiden Erkenntnisse Lehrzeichen aus dem Gewerke der Brüderschaft zu entlehnen, damit sie währender Arbeit recht oft, und recht innig, an dieselben erinnert würden; und diese Maßregel ist allerdings im Geiste vernunftgemäßer Erziehung. Ohne die beigefügte wörtliche Deutung würde freilich Winkelmaaß und Zirkel vieldeutig bleiben, und die Absicht nicht erfüllen, aber ebendeßhalb ist die Auslegung in Worten urkundlich und feierlich beigegeben. — Hieraus ist die Unvollkommenheit entstanden, daß sich Winkelmaaß und Zirkel auf ihr zu Versinnbildendes ganz anders beziehen, als die Bibel zu Gott und Gottinnigkeit.
Solange man es daher überhaupt noch zweckmäßig findet, bei Bildern und Lehrzeichen stehen zu bleiben, welche die Baukunst darbietet, und solange man noch fernerhin darauf Verzicht leistet, ein Hauptlehrzeichen zu wählen, welches Einheit und Ganzheit mit Gliedbaulichkeit vereiniget, empfiehlt sich das überlieferte Hauptsymbol der drei großen Lichter, bei allen Mängeln, dennoch durch das erwähnte Wesenliche, was es leistet; zumal da unter allen geschichtlich überlieferten Lehrzeichen der Freimaurerbrüderschaft keines ist, welches sich verhältnißmäßig ebenso gut zum Hauptlehrzeichen eignete. Allein wir sollen hierin allerdings, das Urbild des Bundes im Auge, zeitgemäß weiter gehen, und ein den vorhin aufgestellten Forderungen genügendes Hauptlehrzeichen außuchen. Wenn aber auch Dieses geschehen sein wird, so werden auch dann noch unsere drei großen Lichter, als sinnvolles, lehrreiches und schönes, geschichtwesenliches Lehrzeichen (als historisches Symbol), als Eine der unendlichvielen, ansich gleich möglichen, Hindeutungen auf die Wesenheit des Bundes und seiner Lebenkunst, in gutem Andenken erhalten zu werden, verdienen.
Diese Überzeugungen über den Ursprung und die Bedeutung, sowie über den Werth der drei großen Lichter bestimmen auch mein Urtheil darüber, ob und inwiefern die Annahme derselben zum Hauptlehrzeichen, und ihre geschichtlich richtige, zugleich der Vernunft gemäße, Auslegung ein entscheidend wesenliches Merkmal (ein ausschließender Character) einer "echten und kunstgerechten," oder mit einem anderen Kunstausdrukke: "einer echten, gerechten und vollkommnen Loge" ausmachen könne, oder nicht. Hierbei sind folgende Grundwahrheiten zu bedenken und zu beherzigen. Die Wesenheit des Freimaurerbundes, und seiner Kunst, besteht nicht allein oder vorzüglich =381= in seiner Bundinnigung (Liturgie), oder in seinem Gebrauchthume (Rituale), noch weniger in seinem Lehrzeichenthume (dem Systeme seiner Symbole und Embleme); am wenigsten aber besteht sie in bestimmten Auslegungen derselben: im Gegentheil ist die ganze Bundinnigung, nebst allen in dieselbe aufgenommenen Gebräuchen und Lehrzeichen, erst selbst in der Wesenheit des Bundes abzuleiten (zu deduciren) und zu bestimmen, sowie auch nach dieser Wesenheit des ganzen Bundes urbildlich zu beurtheilen. — Die Freimaurerbrüderschaft, als Anfang des werdenden Menschheitbundes betrachtet, kann und darf in ihrer ganzen Entfaltung nie stillstehen, noch zurückgehen; sondern sie kann, und sie soll, immer denselben Urbegriff der gliedleblichen Menschheit im Auge, bei stetig bleibendem Zwekke, in ihrem ganzen Leben, mit der sich stetig höher auf Erden ausbildenden Menschheit sich neugestaltend, fortschreiten; sie kann und soll die ewigen Urbegriffe und Urbilder der Menschheit und der Menschlichkeit, sowie die Geschichte und den gegenwärtigen Zustand derselben auf Erden, immer gründlicher und gliedbaulicher erkennen und lieben, ihren eignen Zustand danach zeitstetig prüfen, sich selbst danach vollkommner in Verfassung, Bundlehre und Bundinnigung gestalten, und so, mit unermüdetem Kunstfleiße nach richtigem, voll und schönentworfnem Musterbilde sich selbst belebend, eine stets wesenreichere, schönere Zukunft in der Gegenwart begründen. — Endlich soll die ganze Menschheitlebenkunst, also auch die Lebenkunst der sich als Keim des Menschheitbundes veredelnden Freimaurerbrüderschaft, frei sein, das ist, sich aus selbeignem Lebentriebe, mit selbeignen Kräften nach dem ewigen Urbilde, nicht nach äußeren Bestimmgründen und Antrieben, gestalten. Es muß daher den Bundgliedern in Hinsicht der äußeren Formen der Kunst volle Freiheit verbleiben; und der Schönsinn, sowie die nur auf selberworbne Einsicht gegründete Überzeugung der Brüder, darf unter keinem, noch so scheinbaren, Vorwande in äußeren, fremden Fesseln gehalten werden. Auch in der Freimaurerbrüderschaft hemmt geschichtliches, äußeres Satzungwesen, wie in allen menschlichen Dingen, den stetigen, freien Fortschritt zu eigenschöner Vollwesenheit des Lebens. Wer in diesen Grundsätzen mit mir übereinstimmt, der wird mit mir die Überzeugung theilen: daß keinesweges das Lehrzeichen der drei großen Lichter, noch weniger aber eine bestimmte Auslegung desselben, ein entscheidendes und ausschließendes =382= Merkzeichen (Character) einer "echten und kunstgerechten," das ist wesengemäßen, Freimaurerloge oder Logenvereines sein könne. Noch beziehe ich mich in Hinsicht der Gründe dieser Überzeugung auf Das, was ich im 6ten Abschnitte meines die überlieferten Grundsymbole vergeistigenden Fragstükkes vorgetragen habe. Sind Logen, Logenbünde und Logenbundvereine nur in der Wesenheit des Bundes, welche ich deutlich ausgesprochen, mit uns einverstanden, so haben wir sie als echt, und als im Erstwesenlichen vollkommen, anzuerkennen; und ihre eigentümlichen, von den unsrigen noch so verschiedenen, Darstellungen der Einen Wesenheit des Bundes in Bundinnigung (Liturgie), Verfassung und Werkthätigkeit sind zu billigen und zu loben, soweit sie mit jenem Erstwesenlichen übereinstimmen; in jedem Fall aber äußerlich zu dulden, nicht aber mit Machtspruch und äußerer, unterdrükkender Gewalt zu bekämpfen. — Denn glauben wir auch, daß Brüder in Bundinnigung, Verfassung und Werkthätigkeit irren, und der Wesenheit der Kunst dadurch zuwider handeln, so bleibt uns, als Brüdern, die in ihrer Handlungweise die Wesenheit unserer Bundlebenkunst und die Menschheit ehren wollen, doch nur der Weg der freien, liebevollen und liebefriedlichen Belehrung offen; von äußerer Gewaltthätigkeit, und von roher Absonderung, ohne friedlichen Versuch der Belehrung, müssen wir uns rein halten. Vertrauen und Liebe führen zum Herzen, und öfnen es dem wärmenden Einflüsse lichtvoller Erkenntniß; und dadurch wird der Weise mächtig über den Verstand und das Herz des irrenden Mitmenschen; dadurch weckt und leitet er dessen Willenfreiheit, ohne dieselbe je zu stören, zu unterdrükken, oder in äußeren Banden unfrei zu gängeln. Einzelne und Gesellschaften, die es zuvor für unmöglich hielten, daß sie je vereinigt werden würden, sehen sich bald enge verbunden, wenn sie sich auf den Wegen der Liebe und des Vertrauens begegnen.a)
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a) Insofern ist die Wiedervereinigung der beiden Großlogen in London, im Jahr 1813, eine erfreuliche Erscheinung. Nachdem sich beide zuvor lange unduldsam bekämpfet hatten, lernten sie sich in Liebe und Achtung dulden, und gelangten endlich in Frieden zu vereinter geselliger Wirksamkeit. —
Ehe ich zu den noch übrigen Einzelbemerken über die drei großen Lichter fortgehe, ist es Pflicht, noch zwei allgemeine Erinnerungen zu machen, welche, wenn sie beherziget werden, der Brüderschaft von großem Nutzen sein werden. =383= — Es ist nicht genug, den Urbegriff und das Urbild (die Idee und das Ideal) der Menschheit den Brüdern in einem, wenn auch noch so zweckmäßig gewählten, Sinnbilde darzustellen. Denn der Urbegriff der Menschheit, der zugleich das wahre, nun gefundne, "Meisterwort" der Brüderschaft ist, kann und soll nicht nur in einem Hauptlehrzeichen, und in dem den Gliedbau dieses Lehrzeichenthumes entfaltenden Lehrzeichenthume (Systeme von Symbolen), sondern vielmehr in einer gliedbaulichen Bundinnigung (organischen Liturgie), die der Bundinnigung des in gliedbaulicher Entfaltung werdenden Menschheitbundes stetig ähnlicher gebildet wird, auf alle Weise kunstreich dargestellt werden. — Es ist hier nicht der Ort, diesen Gedanken auszuführen; ich kann bloß, zur Erläuterung einiges Einzelne andeuten. — Zuerst erinnere ich an ein ähnliches wesenliches (pasigraphisches) Zeichen für den Urbegriff der Menschheit, wie es das Winkelmaaß für die innere lebgesetzliche Vollendung, der Zirkel für Geselligkeit, und das längliche Viereck für die Loge sind. Denn diese erwähnten Zeichen sind wesenlich, wirklich wesensprachgemäß (pasigraphisch), das ist wirklich im Geiste einer allgemeinen, wesenlichen Zeichensprache, welche ohne Hülfe der Wortsprache verstanden werden kann. Solche Zeichen wirken durch den Verstand, wenn er wissenschaftlich gebildet ist, auf das Gemüth, und haben in Zeitpunkten, wo Leidenschaft den ganzen Menschen mit fortzureißen droht, indem sie an Grundwahrheiten erinnern, die den Menschen in Urbesonnenheit in Gott erhalten helfen, eine mitbesänftigende Kraft.a)
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a) Dergleichen meist aus den Grundformen im Raume entlehnte wesensprachliche Bildschriftzeichen (pasigraphische Symbole) hatten schon die Egypter. (Siehe die geistreiche Lettre sur les Hieroglyphes; [par Palin] à Dresde, 1802; sowie deren Fortsetzung: Essai sur les Hieroglyphes, ou nouvelles lettres sur ce sujet; à Weimar 1804; und Dessen geistreiche, wenn auch unzulängliche, Erklärung der hieroglyphischen Inschrift von Rosette; dann das bekannte Werk von Zaëga über die Obelisken, und das in Paris erscheinende Prachtwerk über Egypten, in der Abtheilung: Antiquités d'Egypte!) — Über die wesensprachlichen Versuche der Inder haben wir aus dem Oupnekhat (s. I, S. 144 n. 23!) aus Moore's Pantheon Indicum, und des Fra Bartelomeo Schriften eine noch unzulängliche Kunde, um sie ansich und im Vergleich mit den egyptischen gründlich zu würdigen. Wenn ich meinen eignen Versuch der Wesentonsprache und Wesenschriftsprache, der soweit gediehen ist, daß ich über urwissenschaftliche Gegenstände darin denk und forsche, =384= bekannt machen werde: so wird sich darin auch die wesenliche Bezeichnung der Menschheit, des Menschheitlebens und des Menschheitbundes finden, welche, außer dem Zusammenhange mitzutheilen, Einsicht und Gefühl nicht gestatten.
— Das herzliche und zugleich =384= schöngesellige und geberdkunstliche Lehrzeichen (das mimisch - dramatische Symbol) der Kette, — welches noch vieler schönen Nebenbestimmungen fähig wäre, ist wohlgeeignet, (s. I, S. 275, Note **)!) eine in Gefühl und Willen aufgenommene bildliche, und zum Theil selbwesenliche Anschauung der Menschheit zu wekken und zu unterhalten; — wäre sie nur nicht bloß Männerkette! — Mann und Weib, und Kinder und Großeltern, in schöner Gruppung und in menschheitwürdiger Handlung durch lebende Menschen in Feieraugenblikken der Bundinnigung, oder in Rundbildwerk und Geschichtmalerei, vorgestellt; Menschen aller verschiedenen Erdländer geschwisterliebinnig, seelenvoll vereint; echtmenschliche Lebnisse (Scenen) wesenlebiger, reinguter Menschen aus der Geschichte, und nach Dichtwerken werden sprechende, verkündende (prophetische), erwekkende Bilder der künftigen edleren Menschheit sein! — Wenn sich dann alle Schönkünste vereinen, um solche als schöne Gebräuche in Leben und Handlung gesetzte, die urwesenliche und unmittelbare Anschauung ihrer Gegenstände begleitende Lehrbilder in ihrer Wirkung zu verstärken; wenn Gesang und Tanz, Musik und alle Bildkünste die Feier der Bundinnigung erhöhen: dann wird vieles Gute in Geist und Gemüth der also liebinnig vereinten Geschwistermenschen erinniget, und still und fest gegründet werden; auch die so vollendete Bundinnigung wird dann ihren untergeordneten Theil mitwirken, daß der Bau der Menschheit reiner, und reicher an Wesenheit und Schöne, fortgeführt werde.
Endlich darf ich nicht unbemerkt lassen, daß es keinesweges erstwesenlich, geschweige hinreichend, ist, den Urbegriff der Menschheit bloß zu versinnbilden, und es dabei sofort bewenden zu lassen. Dieses reichet nicht einmal zu der Belehrung hin, deren erstwesenlicher Theil ein ganz anderer ist. Denn vor Allem ist zu Belehrung der Brüder ein wissenschaftlicher, urwesenlicher Unterricht ohne Sinnbild und Hülle über die Wesenheit und Bestimmung des Bundes, das ist über die Menschheit als Ein Gliedlebwesen, als Ein geselliges Ganzes, zuerst erforderlich, worin die Menschheit sowohl unbegrifflich und urbildlich, als =385= geschichtbildlich (reingeschichtlich, in einem getreuen Eigenlebenbilde) und geschichturbildlich (geschichtphilosophisch), und darin auch musterbildlich (nach ihrem eigenleblichen Musterbilde) erkannt, und in reinwissensehaftlicher Sprache dargestellt wird; und diese unsinnbildliche Belehrung ist nicht nur ansich eher und höher wesenlich, als die sinnbildliche und lehrzeichenliche (symbolische, emblematische, und allegorische), sondern wird selbst als vorangehende Bedingung vorausgesetzt, daß auch die wesengemäße sinnbildliche und lehrzeichenliche Darstellung gefunden, mitgetheilt und richtig und wirksam ausgelegt werde. Diese unsinnbildliche Erkenntniß ist eigenlich die Eine Erleuchtung unserer Brüderschaft, welche ansich und zuhöchst in Gott von Gott, als dem Einen Lichte, urzeitewig ausströmt; aber wo sie erleuchten, erwärmen, lebenwekken, befruchten soll, da wird gottinnige, herzreine Selbthätigkeit der endlichen Geistkraft des Einzelmenschen, und der in Gesellschaft wie in Einen Menschen vereinten Einzelmenschen, von Gott erfordert.a)
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a) Ich bitte wissenschaftforschende Leser, hierüber meine Oratio de scientia humana et de via ad eam perveniendi, (Berolini 1814,) zu lesen; sowie auch, Was ich in dem Tagblatte, in meiner Sittenlehre, und in meinem Versuche vom Urbilde der Menschheit gesagt habe. (Vergl. auch I S. 34, n. **)!)
— Dieser unbildliche Unterricht thut unsern Logen noth, und ebendieser mangelte ihnen noch ganz. Deßhalb bin ich seit dem Jahre 1808 bestrebt, diese wesenliche Bundlehre, soweit meine Kräfte reichen, im Ganzen des Einen Wissenschaftbaues zu gestalten und darzustellen. — Solange diesem Mangel nicht in den Logen abgeholfen wird, solange wird die Brüderschaft die Forderungen, welche jeder gottinnige und menschheitinnige Bruder, und die Menschheit selbst, mit Recht an sie macht, in Zukunft so wenig erfüllen, als sonst und jetzt. — Alle anderen Gebrechen unseres Bundes können nur insoweit geheilet, und alle in ihr schlummernde Keime des Guten nur insoweit geweckt werden, als dieser Grundmangel an lichtvoller, wissenschaftlicher, unbildlicher Erkenntniß der gliedlebigen Menschheit in Gott, nicht ausgefüllt wird.
Nach diesen Erörterungen wird es nun auch leicht sein, Das richtig zu beurtheilen, was uns Br. Keher über die Gebräuche der Logen in Schottland in Ansehung der drei großen Lichter berichtet hat.
"Auch die Logen in Schottland," sagt er, "sind beständig bei ihrem alten, im Wesenlichen, und überhaupt beinahe =386= ganz, mit dem Yorker Ritual übereinstimmenden, Ritual und bei der noch im Jahr 1717 bestandnen Verfassung geblieben.a) Noch jetzt sind Bibel, Winkelmaaß und Zirkel nach dem schottländischen Rituale die drei großen Lichter in der Freimaurerei. Diese erscheinen den schottländischen Brüdern so wichtig, daß der erste Schafner, der die fremden Besuchenden zu examiniren hat, einen Jeden derselben besonders nach den drei großen Lichtern fragt und, wenn dieser sie richtig anzeigt, hernach dem Meister meldet: ""ich habe den Fremden examinirt; er kommt aus einer echten (genuine) Loge."" Hat aber derselbe andere große Lichter angegeben," (siehe die großen Lichter des NE. Systems bei Browne: Sonne, Mond und Meister; hier S. 168 ff.!) "so heißt es: ""ich habe den Fremden examinit; und Humanität will, daß man ihn zulasse."" Ihre Auslegung der drei großen Lichter kommt mit jener in K. und JB. wörtlich überein. Zirkel und Winkelmaaß gehören nicht auf das Tapis, sondern zum Symbol auf die Bibel; dagegen werden auf demselben noch ein Zollstab und drei Fenster, in Osten, Süden und Westen, angebracht; Jachin und Boaz sind nicht darauf gemalt, sondern zwei wirkliche Säulen. — Das Tapis liegt gerade auf dem Boden."
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a) Aus Lawrie's Geschichte, einem in vielem Betrachte lehrreichen Werke, worin auch die Geschichte und Verfassung der schottländischen Großloge zu Edinburgh ausführlich enthalten ist, kann man sich hierüber weiter unterrichten. Doch bedürfen mehre geschichtliche Behauptungen dieser Schrift einer Berichtigung oder ferneren Prüfung, welche ich in meinen Anmerkungen zu dieser Schrift (in der deutschen Übersetzung, Freib. 1810, S. 315 ff.) zu geben gesucht habe. Auch das Altenburg'sche Constitutionenbuch enthält in seinem geschichtlichen Theile viel Lehrreiches über die ältere Verfassung der Brüderschaft vor 1717.
Doch auch die in unserer Urkunde selbst gegebne Erklärung der drei großen Lichter hat mehre voneinander abweichende Auslegungen erfahren. Eine geistvolle und lehrreiche Auslegung derselben hat Bruder Feßler gegeben, und die Grundzüge seiner darin enthüllten Überzeugungen hinsichts der Wesenheit der Freimaurerei (im dritten Bande seiner sämmtlichen Schriften, S. 81) mit folgenden Worten ausgesprochen:
"Was sind diese drei großen Lichter?
Antw. Religion, Recht und Gesetz.
Fr.Was erleuchten und leiten sie?
Antw. Sie erleuchten die Vernunft, den Verstand und den Willen; =387= sie leiten den Glauben, die Einsichten und die Gesinnung; sie umfassen und vollenden dem ganzen Menschen.'' Und an einen andern Orte sagt er: ''Dieß ist die wichtigste und wesenlichste Stelle im ganzen Ritual; sie enthüllt das Geheimniß, das ist das Wesen und die Tendenz der Freimaurerei. Umso auffallender ist es, daß dieselben in allen neuern Ritualen ausgelassen und dadurch die wahren drei großen Lichter der Freimaurerei erloschen sind." — Noch anderes Lehrreiche und Tiefgedachte, mit seinen soeben erwähnten Worten Übereinstimmende, was Bruder Feßler in einem engern Kreise von Brüdern, in dem großen Vereine scientifischer Maurer und vertrauter Brüder, über die drei großen Lichter mitgetheilt hat, bin ich nicht berechtigt, hier auszusprechen.
Zunächst führe ich die Auslegung an, welche Br. Pierer im Altenb. Journale für Freimaurer (B. I, Heft 1, S. 36 - 81) mitgetheilt hat. Sie paßt zwar mehr auf die drei großen Pfeiler, als auf die drei großen Lichter: allein die vom Br. Pierer betrachteten Urbegriffe (Ideen) mögen dennoch füglich als große Lichter des Leben, vorgestellt werden.
"Kann," sagt Derselbe, "eine höhere, edlere, passendere Erklärung von dem ganzen maurerischen Symbole gegeben werden, als wenn man es als Repräsentanten Dessen, was dem moralischen Menschen über Alles heilig, achtungwerth und theuer ist, als wenn man es als Repräsentanten der "Wahrheit, des Rechts und der Sittlichkeit, des Wahren, Guten und Schönen, ansieht? — als Naturwesen strebt der Mensch durchaus von außen nach innen; sein Princip ist Selbstsucht; als Vernunftwesen dagegen von innen nach außen, und möchte, in Freiheit, mit Verstand, Thätigkeit und Gefühl das Weltall umfassen. Als Naturwesen hat er Begierden, durch Instinct; als Vernunftwesen aber der Einsicht und dem Gefühle der Würdigkeit gemäßes Verlangen. Wohin ihn sinnliche Triebe herabziehn, vondort sucht ihn Vernunft zu erheben. Der Begierde, zu besitzen, (Habsucht,) der, zu gelten, (Ehrsucht,) und der, zu genießen, (Wollust,) entspricht das Verlangen, zu wissen, (Sinn für Wahrheit,) das, zu nüzzen, (Sinn für's Gute,) das, zu lieben,a) (Sinn für Schönheit). =388= → [Einsicht erzeugt …]
a) Allerdings ist Liebe, als Streben nach Vereinleben, auch auf das Schöne, d. i. auf das Endliche, sofern es in und an den Grenzen seiner Endlichkeit gottähnlich ist, gerichtet; =387= jedoch nicht allein, noch erstwesenlich auf solches, sondern allein in Gott nach Gott hin, und in Gott nach allen Endwesen hin, sofern sie gut, das ist, eigenwesenlebig, eigengottähnlich im Leben, sind. H.
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→ Einsicht erzeugt Gefühl der Freiheit, Überzeugung von Gott und Unsterblichkeit, und Glauben an diese Drei. Er ist zum ersten großen Lichte geweiht. Sein höherer Thätigkeittrieb drängt ihn zum Schaffen, Bilden, zum Nützlichen, mahnt ab vom Schädlichen. Das Gewissen sagt ihm, daß das Rechtmäßige immer gut ist, und lehrt ihn, Was geschehn soll; das verehrte Gesetz gebeut majestätischstreng, und das Recht ist ihm heilig. Daß Gerechtigkeit einer höhern Weltordnung gehört, Dieß leitet sein pflichtmäßiges Streben auf ein höheres Gut. Er ist zum zweiten großen Lichte, zum Lichte des Rechts, hindurchgedrungen. — Sein edleres Gefühl liebt, ohne Rücksicht auf Bedürfniß, auf Lust und Schmerz, das Schöne einer höheren Welt; wo es auch, nach Plato, in dieses Leben himmlisch herein scheint, — um sein selbst willen. Diese Liebe giebt ihm die Weihe zum dritten großen Lichte, der reinen Schönheit, die, mit dem heiligen Scheine der Wahrheit und des Rechts zusammenfließend, über das ganze Wesen des Menschen eine dreifache Stralenkrone verbreitet. Die Schönheit stellt sich in reiner Form als sittliche Schönheit dar, welche sich im Ideale des Menschen die herzlichste Anhänglichkeit und innigste Liebe gewinnt. Diese Grundzüge des höheren Lebens bringen Einsicht, Willen und Gefühl in reine Harmonie, und vollenden den moralischen Menschen."
— Möchten doch alle Maurersymbole, recht vielseitig, also vergeistigt werden!
In Preston's Illustrations (ed. 1792, p. 102 f.; ed. 1812, p. 87) findet sich noch folgende Erklärung des Winkelmaaßes und Zirkels: "The Square teaches, to regulate our actions by rule and line, and to harmonise our conduct by the principles of morality and virtue. The Compasses teach, to limit our duty in every Station, that, rising to eminence by merit, we may live respected, and die regretted. "Das Winkelmaaß lehret, unsere Handlungen nach dem Richtscheit und der Schnur zu richten, und unser Betragen nach den =389= Grundsätzen der Sittlichkeit und Tugend in richtige Verhältnisse zu bringen. Der Zirkel lehrt, in jedem Berufe unser pflichtmäßiges Verhalten zu bestimmen, damit wir, durch Verdienste emporsteigend, im Leben geachtet und im Tode bedauert werden mögen."
M. übersetzt die englische Erklärung der drei großen Lichter also: "Die heilige Bibel ist, unsere Thaten zu richten, das Winkehnaaß, unsere Handlungen abzumessen, und der Zirkel, mit allen Menschen in freundschaftlicher Verbindung zu sein, insonderheit mit einem Brudermaurer." ( Vergleiche I, 315, n. *** !)
Über die Art, wie im neuenglischen Systeme, soweit es aus Browne's Master Key erkennbar ist, die drei großen Lichter behandelt werden, habe ich schon bei Gelegenheit des daraus mitgetheilten Lehrlingfragstükkes (S. 168, n. 94) Einiges erinnert. Wenn Bibel, Winkelmaaß und Zirkel daselbst Geräthe der Loge genannt werden; so muß man bedenken, daß das im Englischen stehende furniture nicht so unedel, als das deutsche Geräthe, ist, sondern im weitesten Sinne Alles bezeichnet, was zur Verschönerung, zum Schmukke dient, und daß es daher von den edelsten Dingen gesagt wird. Mithin kann man, zum Beispiel, für: "the furniture of the Lodge," auch setzen: "the beauty (die Schönheit) of the Lodge."a) Auch werden die meisten Wahrheiten, die in dem Lehrzeichen der drei großen Lichter enthalten sind, im neuenglischen Rituale durch andere Bilder empfohlen und eindringlich dargestellt; und die Wesenheit des durch dieselben Bezeichneten ist großentheils beibehalten worden. Sodann hatten die neuenglischen Brüder noch andere Gründe, die drei alten großen Lichter nicht so zu nennen, und sie anderswo anzubringen; diese Gründe muß man würdigen, um jene Brüder deßhalb nicht unbillig zu beurtheilen.b) Vorzüglich bitte ich, hier Das (vorn S. 210 ff.) nachzulesen, was Browne darüber (in der 141 - 146sten Frage) enthält.
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a) So sagt man: "a well furnished Lady", "eine wohlgebildete, wohl ausgestattete Dame''; "the furniture of the mind", "die Ausstattung des Verstandes (mit Kenntnissen, Tugenden)" udm.
b) In meinen Anmerkungen zu Browne's Master Key habe ich diese Gründe zum Theil entwickelt und gewürdigt (S. 168 ff.)
Daß in diesem Systeme der Bibel ausdrücklich der Rang einer Ordnerin des wahren Glaubens im Sinne der =390= protestantischen Kirche ertheilt wird; da hingegen im ältesten Rituale, ohne übrigens den inneren Werth der Bibel zu leugnen, dieselbe bloß ein Licht bedeutet: Dieß ist für die Freimaurerei selbst, sofern sie von der ganzen Brüderschaft ausgeübt wird, umso weniger nachtheilig, als das NE. Großmeisterthum in Ansehung des Rituals duldsam war, und dieses sein Ritual selbst keiner unter seiner Constitution arbeitenden Loge aufdrang, sondern hierin dem Verstande und Herzen der Brüder völlige Freiheit ließ, mithin, soviel diese Angelegenheit betrifft, den Geist der Prüfung nicht hemmte, noch weniger andere Brüder und Logen zu einem bloßen Ceremonienwerk und äußeren Heuchlerscheine verleitete; Welches unvermeidlich ist, sobald man die Annahme eines und desselben Rituals zur ausschließlichen Bedingung macht, unter welcher Brüder und Logen in einen Logenbund aufzunehmen, oder wohl gar als Maurer überhaupt anzuerkennen sein sollen. Ein jeder gesellige Verein bleibt der Vervollkommnung in dem Grade fähig, als er es vermeidet, durch Gesetze, welche das Einzelne und Kleine bestimmen, die freie Gestaltung seines ganzen Eigenlebens für die Zukunft zu hemmen oder zu erschweren, und in willkührlichen Satzungen den Keim seines innern freien Lebens zu erstikken.
Ehe ich weiter gehe, habe ich noch einige im Vorigen in Hinsicht der drei großen Lichter versprochene Erläuterungen beizubringen. (Sehen Sie hier die Englisch Übersetzung)
(Zu I, 167, Sp.b.)
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a) Auf das Sinnbild der Kreislinie folgt in dem urwissenschaftlich geordneten Gliedbaue des menschheitbundlichen Lehrzeichenthumes zunächst die Gegenrundlinie (Ellipsis), und sodann die Eirundlinie (Ovalis). Die Gegenrundlinie ist Gegenwesenheit in der Gleichwesenheit, aber nach beiden Seiten gleichwesenliche Gegenheit; die Eirundlinie aber ist noch eins neue Gegenheit mehr; indem sie nach der einen Strekke (dimension) gegenheitlich mehr oder weniger krumm ist. Von der einfachen Eilinie gelangt der gliedbaulich forschende Geist ferner zu dem Begriffe der Doppeleilinie, welche auch nach der zweiten Strekke (dimension), also zugleich hinsichts der beiden Achsen derjenigen Linie, deren =391= Eilinie sie ist, gegenheitlich krumm ist; eine Linie, die in dem Gliedleibleben (der organischen Natur) an den Gliedern der Thiere vorwaltet, auch an der ganzen Gestalt einiger untern Thierarten, an Fischen und Schalthieren, vorzukommen scheint. Übrigens sind der Eilinien urviele; da diejenige Gegenheit der Krümmung, wodurch sie Eilinien sind, auf jede krumme Linie, sie sei nun einfach oder doppelkrumm, bezogen werden kann. Und von je gestaltreicherer, gliedbaulicherer Art eine Krummlinie ist, ein desto tiefsinnigeres und reicheres Lebensinnbild gewähren auch die auf sie sich beziehenden Eilinien. So ist die Eilinie des Kreises die einfachste, die der Gegenrundlinie (Ellipse) schon reichhaltiger, die der Spirlinie (die Spir-Eilinie, ovalis spiralis) noch mehr. Aber freilich setzt das Verständniß solcher höherartigen Sinnbilder eine immer höhere, und gliedbaulich mehr gestaltete, wissenschaftliche Geistbildung voraus, und zwar in doppelter Hinsicht, einmal der Raumgestaltlehre, dann der Menschheitlebenlehre. Befassen sich aber Menschen, deren Geistbildung noch nicht bisdahin gediehen ist, mit höherwissenschaftlichen Sinnbildern, so werden sie ihnen leicht Gegenstand des Aberglaubens, und Veranlassung zu fruchtlosem Grübeln. Ich habe bereits an einer frühern Stelle (S. 48, n. 52 ) hierüber Wesenliches gesagt, und soeben mein dort gegebnes Versprechen zum Theil erfüllt; auf die sinnbildliche Erklärung der Eilinien aller Ordnungen werde ich aber für diese Schrift schon darum Verzicht leisten, weil die von mir gefundene Theorie der Eilinien den Mathematikern noch nicht bekannt ist, also erst hier im Grundrisse mitgetheilt werden müßte; Welches zu weit vom Zwekke abführen würde.
Die Kreislinie ist die gleichförmige krumme Linie, das ist: die Linie, welche ihre Richtung stetig gleichförmig ändert; =391= oder, reinwissenschaftlich ausgedruckt: die einstrekkige Raumbestimmniß, deren jeder Theile Beziehung untersich und zu dem Ganzen (Richtung) nach dem Urbegriffe der Gleichwesenheit (gleichförmig) stetig gegenheitlich bestimmt (stetig verändert) ist.a) Die erste kennzeichnende Eigenschaft der Kreislinie ist daher reine Gleichwesenheit (Gleichartigkeit) aller ihrer Theile untersich, und im Verhältnisse zu der ganzen Kreislinie, sowie zum Raume.
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a) Dieses ist die ursprüngliche Begriffbestimmniß (definitio) des Kreises, worin derselbe nach seiner inneren eigenen Wesenheit, nicht aber nach seiner Beziehung auf irgend etwas Aüßeres, z. B. auf den Mittepunkt der von ihm umschloßnen Ebne, oder auf das Verhältniß zweier Gegenrechten (abscissen und ordinaten) erklärt wird. Die echte Theorie des Kreises ist die Ausführung dieser Begriffbestimmniß, welche ich bereits im J. 1803 vollendet habe. (Siehe den literarischen Anzeiger des Tagblattes, N. I, S. 3!)
Auf das Verhältniß der Menschen in und zu der Menschheit und in und zu Gott angewandt, ist daher der Kreis Sinnbild und Lehrzeichen der urwesenlichen, ewigwesenlichen, zeitleblichen, und urzeitewigen,b) reinen =392= und ganzen, Gleichwesenheit (Artgleichheit, Gleichartigkeit) a) aller Menschen, ohne Ausnahme eines Einzigen, untersich, und zu der Menschheit, dem Geistwesen (Vernunft), dem Leibwesen (Natur), und zuhöchst zu Wesen, — zu Gott. Gleichwesenheit ist erstwesenliche Eigenschaft (Eigenwesenheit) aller Menschen, und erst in dieser Gleichwesenheit ist, als untergeordnete Eigenschaft, auch eigenleblich verschiedene Gestaltung, — eigenlebliche Gegenwesenheit,b) belebt, welche wiederum in und durch jene ursprüngliche Gleichwesenheit aller Menschen in Liebe und Schönheit zu Vereinwesenheit (Mählwesenheit) in der Urzeit und dem Urraume eigenleblich vereingebildet istc) in dein Einen inneren Leben Gottes. → [— Die Kreislinie …]
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b) Siehe die Erklärung dieser Wörter zuvor S. 329, n. a!
a) Ich sage mit Bedacht nicht: Gleichheit überhaupt, ohne Beisatz; weil diese auch Gleichheit der Großheit (Quantität") und aller eigenleblichen Bestimmnisse insich schließen würde.
b) Wie die des Mannes und des Weibes, des Kindes, des Erwachsnen und des Greises, des Wissenschaftforschers und Kunstbildners, der Volkheit und aller innern Gegenglieder im Gliedbau der Menschheit.
c) Die Vereinglieder sind: Freundschaft, Ehe und Ehethum. Wissenschaftbund und Kunstbund und der ganze Gliedbau menschlicher Geselligkeit, dessen oberster Theil der Menschheitbund ist.
Hierüber habe ich Wesenliches angedeutet in der obigen lebkunstlichen Erklärung der Grundzahlen 1, 2, 3. (I, S. 205, Sp. b, u. ff.) Meine Sittenlehre, und die Schrift: Urbild der Menschheit, stellt dieses Urgesetz der Gleichwesenheit, Gegenwesenheit, und Vereinwesenheit, ansich in höchster Allgemeinheit (Sittenlehre, S. 29 - 82, und: Urbild der Menschheit, S. 536 f.) und an der Menschheit selbst gliedbaulich (organisch und systematisch) dar.
→ — Die Kreislinie ist reines Sinnbild für die reine Gleichwesenheit aller Menschen, noch vor und über der Gegenwesenheit und deren Vereinwesenheit, und ohne auf diese hinzusehen;d) für unsere Gleichwesenheit als Geister und als Leiber, und als Vereinwesen aus Geist und Leib durch Gott, als Menschen; =393= und für unsere reine und ganze Gleichwesenheit in unserem Verhältnisse zu Menschheit, zu Geistwesen, Leibwesen, und zu Wesen (das ist, zu der Vernunft, zu der Natur und zu Gott). Denn sowie alle Bogen derselben Kreislinie unter sich der Wesenheit nach gleich sind, seien sie auch an Großheit noch so verschieden; sowie sie sich alle auf völlig gleiche Art miteinander und zur Kreislinie verbinden, und gleichwesenlich gerichtet sind im Raume und gegen den Mittepunkt ihrer Fläche; also sind auch alle Menschen untersich, als völlig gleichartige Geschwister in Gott auf gleiche Weise in der Menschheit verbunden, und empfangen die Stralen des Lichtes der Liebe und des Leben Gottes und aller guten Endwesen in Gott, gleichsam aus demselben Stralpunkte, aus derselben Lebenmitte, wohin alle Geister, und alle Menschen des Welltall (des Inwesenthumes in Gott) Geist und Herz in ewig gleicher Innigkeit richten.
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d) Das Sinnbild des Kreises schließt sich daher unmittelbar an das Sinnbild der Setzwage (level) an, welches von der sonstigen NE. Großloge in ihrem Gebrauchthume zweckmässig benutzt wurde. Demgemäß sagt schon das engländische Volkwort (Sprichwort): "Alle auf Einer Wassergleiche, all upon the same level!" Siehe zuvor Browne Fr. 153; dann Br. Fr. 8, n. 27, und hier S. 228 f., und vergleiche den Gebrauch, den unsre amerikanischen Brüder von diesem schönen Sinnbilde in ihrem Sendschreiben an den menschheitinnigen Washington machten! (Siehe Br. Moßdorf's Mittheilungen, S. 189 f.!)
So lehret uns dieses Sinnbild, alle Menschen als völlig gleichartige, gleichberechtigte, gleicher Gottähnlichkeit fähige Endwesen anzuerkennen, und in Kraft dieser Gleichwesenheit sie Alle als Menschen gleich zu lieben, und Aller Wohl als gleichwesenlich zu achten und zu erstreben. Es erinnert uns insonderheit: aller Menschen sittliche Freiheit zum Guten anzuerkennen und sie Allen zu gewähren, und mit Allen als mit sittlich freien Menschen zu leben, mit Kindern und Erwachsnen, mit Männern und Frauen, in den menschheitwürdigen Verhältnissen der Freundschaft und der Eheliebe, sowie in den im Nunlebenstande der Völker noch durch Menschheitwidriges getrübten Verhältnissen des Obern und des Untergebenen, des Herrn und des Dieners, des Geldreichen und des bittenden Armen. Sodann erinnert uns der Kreis: daß auch der Lasterkranke, der Verbrecher, jene urwesenliche und ewige Gleichwesenheit mit uns in Gott behält, daß auch Verirrung zum Bösen den Menschen nicht aus jenem unendlichen Kreise aller Menschen und Geister in Gott herausreißt, daß sein Beruf zum Guten in Gott ewig und unverlierbar ist, und daß er in Kraft jener Gleichwesenheit stets fähig bleibe, belehrt und dem Guten wiedergewonnen zu werden. Diese Einsicht wird uns erwekken, daß wir auch den Fehlenden und den Lasterkranken der Besserung stets noch fähig achten, daß wir ihn dieser Überzeugung gemäß mit achtender und liebender Schonung behandeln, ihm zu erkennen geben, wir glauben, er könne sich noch =394= bessern, und ihn dadurch trösten und ermuthigen, und daß wir dieses menschheitwürdige liebinnige Verhalten gleichförmig beobachten in allen Verhältnissen des Leben gegen den fehlenden Geliebten und Freund, gegen das fehlende Kind, den fehlenden Diener, und den die Staatgesetze verletzenden Unglücklichen. — Endlich lehrt uns auch die durch den Kreis versinnbildete Gleichwesenheit aller Menschen: daß wir jeden Menschen unter allen Umständen der Liebe fähig, und der erneuten Wechselliebe empfänglich halten; sie lehrt uns, den Kaltsinnigen, den Hartherzigen, ja den Feind lieben, und Allen, die von der Liebe gewichen sind, zeigen, daß wir sie lieben, daß wir glauben, das Licht und die Wärme der Liebe schlummere in ihnen bloß, und daß wir geneigt sind, das Band des Friedens und der Liebe mit ihnen zu erneuen. — Wenn wir so alle unsere Mitmenschen ohne irgend eine Ausnahme als sittlich frei, als des Guten und der Liebe fähig anerkennen, und anleben (behandeln), so werden wir, mit Allen, die mit uns in Einem Lebenkreise vereint sind, kreisverbunden, Gottes und der Menschheit würdig, in Liebefrieden rein im Guten leben.
Dieses Sinnbild gewinnt an Lebwirkigkeit (praktischer Kraft), wenn in der Bundversammlung die Brüder in Einen Kreis, die Hände in Eine Kette verschlungen, wie Ein Mensch vereint, die Augen nach der Kreisfläche Mitte gerichtet, worin sie die Sinnbilder des Wesenlichen ihres Bundes erblikken, Jeder Jeden liebinnig schauen, und in feierlicher Bundinnigung zu Hülfe und Treue immer fester sich verbinden. — Sind wir nicht als Ein Geschwisterthum auf der Kugelfläche der Erde überall Alle kreisgestellt? Laßt uns auch im Leben Ein Geschwisterbund in Liebe gleichförmig für alles Gute verbundner Menschen sein!
(Siehe hier S. 195, Note 125!)
Die NE. Großloge hat die drei Sprossen der JacobLeiterb) auf Glauben, Hofnung und Liebe gedeutet; und =395= unser Hauptlehrzeichen, die drei großen Lichter, zeigen durch die Bibel auf Glauben und Hofnung, und durch den Zirkel auf Liebe hin. Daher gebe ich hier noch einige Erläuterungen über diesen heiligen Gegenstand.
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a) Der Leser vergleiche, Was ich früher (S. 310 f. verbunden mit I, 102 f.) über den Glauben gesagt habe!
b) welche freilich ursprünglich eine der Masonei fremdartige Bedeutung gehabt haben mag; im Falle dieses Sinnbild nicht dennoch weit älter, als das siebenzehnte Jahrhundert, und seine älteste Bedeutung erst durch die politische Deutung verdrängt Worden ist. (Siehe hier S. 192, n. 123!)
Der Glaube ist die auf die Einsicht des urwesenlich und ewig Wahren gegründete Überzeugung: daß das Eigenlebliche (Individuelle) der leiblich - und geistlichsinnlichen Erfahrung ein innerer Theil ist des Einen Leben Gottes, daß Gott in seinem Einen Eigenleben seine eigne Wesenheit in Ewigkeit offenbarend gestaltet, in demselben, als waltende Vorsehung, in eigenleblicher Wirksamkeit, wahrhaft gegenwärtig ist, und daß insonderheit jeder Mensch in der eigenleblichen Beziehung zu Gott stehet, daß Gott demselben das eigenleblich Beste verleihet. Der Glaube ist von der Wahrheit, daß auch das Leben göttlich, und eben die Darstellung der Wesenheit Gottes in der urganzen, unendlichen Zeit seie, — selbst aus ewigen Gründen, als ewiger Wahrheit, überzeugt; daher ist der Glaube eine lebendige Gewißheit hinsichts der Erfahrung vor und über jeder einzelnen Erfahrung. Der in diesem Sinne Glaubige weiß, daß Gott lebt, und daß ansich in der Urzeit das Wesenliche, das Gute, wirklich wird, — so gewiß, als er weiß, daß Gott ist; oder mit andern Worten: so gewiß er Wesen, und die Welt und sich selbst in Wesen, schaut. Daher kann auch den Glaubigen keine wirkliche Erfahrung des Wesenheitwidrigen (des Bösen und des Übels) in seinem Glauben irre machen. Kann er die Möglichkeit und Wirklichkeit des Bösen nicht verstehen, nicht mit dem Urschaun Gottes vereinen, so erkennt er darin nur die Beschränktheit seiner eigenleblichen (individuellen) Erkenntniß. Hieraus erhellet auch, daß Glaube und Wissenschaft nicht miteinander streiten; daß vielmehr Urwissenschaft (Philosophie) zu dem Glauben (in obigem Sinne) führt, und selbst eine wesenliche vorausgehende Bedingung des Glaubens ist.a) → [Ohne Glauben vermag …]
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a) Um zu diesem Glauben zu gelangen, ist nicht nothwendig, die Wissenschaftforschung zum Vorberuf seines Lebens zu machen, ja nicht einmal, die Urwissenschaft (Philosophie) bis in die innersten Tiefen ihres Gliedbaues zu durchforschen; vielmehr ist die höchste und oberste, ganze, Erkenntniß und Anerkenntniß Gottes, und des Verhältnisses Gottes zu der Welt, hinreichend, diesen lebendigen und belebenden Glauben im Menschen zu wekken, und unerschütterlich zu begründen. Eine Erkenntniß, welche schon jeder angehende Jüngling haben kann, und soll! — Je tiefer aber der Mensch in den =396= Gliedbau der Wissenschaft dringt, desto anschaulicher, in das Leben einwirkender, und fruchtbringender wird auch sein Glaube an Gott in der Geschichte, in dem Leben der Menschheit, und in dem Entfaltgange seines eignen urendlichen Eigenlebens.
→ Ohne Glauben vermag =396= die Wissenschaft nicht, Weisheit zu werden und lebwirkig zu sein. Der Glaube ist urgewisses Schauen, wenn wir auf die ihn begründende ewigwesenliche Wahrheit sehen; er ist Ahnen in Dämmerung und Dunkel, sofern wir auf die Schranken unserer sinnlichen Erfahrung blikken, wonach wir nicht das Sonnstäubchen, nicht den Halm, geschweige uns selbst, oder andere Menschen, je durchkennen, und im Lichte Gottes vor Gott ganz durchschauen. Aber der Glaube ist ewig gewiß, wenn er auch leiblich nicht siehet. — Nur das endliche Wesen glaubet, gegründet auf sein urwesenliches und ewigwesenliches Schauen; dagegen Gott allein schauet auch das Eine Eigenlebliche insich, als in dem Einen Wesen. Dem endlichen Wesen ist der Glaube lebenwesenlich; denn durch vernunftgemäßen Glauben ist ein gottähnliches und gottvereintes Eigenleben, innerhalb der Schranken des eigenleblichen Wissens, für den Menschen und die Menschheit in der Einen Ewigkeit zum Theil vermittelt. Dieser Glaube begründet im Menschen ganzes, unendliches Gottvertrauen, und erweckt ihn, daß er sich bestrebe, in steter urbesonnener Gottinnigkeit, in Gottes Gegenwart, im reinen Streben nach dem Guten zu leben.
Die Hofnung ist die Eine Gewißheit, daß in der unendlichen Zukunft nur das Eine Gute in Gott wirklich werden wird, wie scheinbar auch im endlichen Kreise dieses Erdenlebens das Gegentheil sein möge; und daß auch diese Menschheit, und in ihr jeder Einzelmensch, ihre ewigwesenliche Bestimmung in Gott zu rechter Zeit nach dem Lebengesetze Gottes erreichen, und des Einen Gutes, das ist Gottes, werde theilhaftig werden. — Auch die Hofnung ist ein Theil und eine einzelne Wirkung des Glaubens. Auch sie ist nur dem endlichen Wesen eigen; denn Gott, und Gott allein, schauet Alles, auch die Ewigkeit der Zukunft, so, wie Gott sie bilden wird. — Auch die Hofnung wurzelt, wie der Glaube, in der Erkenntniß Gottes. Sie begleitet den Menschen auf dem helldunkeln Wege des Lebens, wenn er ihn in Glauben vor Gott wandelt, wenn er das Gute thut, weil es gut, =397= weil es Gottes ist; und er ist sich klar bewußt, daß reiner Wille des Guten, ohne allen äußeren Antrieb der Hofnung oder der Furcht, eine der ewigen, wesenlichen Bedingungen ist, daß er des Gegenstandes seiner Einen Hofnung in Gott theilhaftig sei und werde. Und diese Eine gottinnige Hofnung ist zugleich von Scheu vor den Schranken menschlicher Endlichkeit, vor dem möglichen Versinken in das Böse, im Gemüthe begleitet, wonach der Mensch weiß, daß auch er, wenn er nicht stets besonnen auf sich selbst achtet, der Verderbniß durch Unwissenheit und Lust, und dann jedes Bösen, fähig ist.
Und die Liebe ist das innige Wohlgefallen an dem geliebten Wesen, weil es gottähnlich, gut und schön ist, vereint mit dem innigen Streben, ihm durch ähnliche Güte und Schönheit wohlzugefallen; und sofern sie Liebe gegen Gott ist, ist sie verbunden mit ganzer Ergebenheit in Gottes heiligen Willen; gleich stark bei Dem, was Menschen Glück, als bei Jenem, was sie Unglück nennen; endlich auch begleitet von dem innigen Wunsche, mit dem Geliebten eigenleblich verbunden zu werden, wenn es sein freies Wohlgefallen ist. Glaube und Hofnung eignen nur endlichen Wesen: denn Gottes ist Schaun und Vollführen; aber die Liebe ist Gottes und aller guten endlichen Wesen. Es ist ansich nur Eine Liebe, die Liebe, womit Gott sich selbst liebt; und alle Liebe aller endlichen guten Wesen in Gott ist innerer endlicher Theil dieser Einen unendlichen Liebe. Auch die endliche Liebe jedes guten Menschen ist seine Eine Liebe, womit er Gott liebt, und alle einzelne Liebe, welche er der Vernunft, der Natur, der Menschheit, dem Menschen, den Eltern, dem Gemahle, den Kindern, den Freunden, den Volkgenossen, den Erdgeschwistern, — weihet, ist der Eine Gliedbau seiner Einen Liebe zu Gott. In allen guten und schönen Wesen erkennt der Liebende Gott; in ihnen liebt er allein Gott. Die Liebe Gottes führt ihn zu allen guten Wesen; und die Liebe und Lebengemeinschaft mit ihnen führt ihn wiederum zu Gott zurück.
Ich hatte mir vorgenommen, Mehres, was ich in den letzten zehn Jahren über die Verwandschaft der indisch - brahminischen, =398= sowie der zerduschtisch - persischen Geheimlehre mit der culdeisch - masonischen (deren Überbleibsale unsere drei ältesten Kunsturkunden enthalten) aus den Urquellen gesammelt habe, zum größeren Theile in dieser Schrift, und zwar vorzüglich bei Gelegenheit des Hauptlehrzeichens der drei großen Lichter, mitzutheilen. Ich bin jedoch gezwungen, davon abzustehen; theils weil diese Darstellungen mehr Raum fordern, als ich für sie bestimmen kann; theils weil ich es vorziehe, diesen Gegenstand in einem höheren Zusammenhange selbständig zu behandeln. Wer das Oupnekhat, den Zendavest, die Überbleibsale der Lehre des Manes gelesen, und die Abbildung der druidischen und culdeischen Denkmale in den mehrerwähnten Werken von Grose, Cordiner of Banff und Ledwich wohlerwogen hat, und diese meine Schrift dazu nimmt, der wird Vieles von diesen Übereinstimmungen vonselbst bemerken. Schon Anderson hatte geschichtliche Kunde von Geheimgesellschaften in Persiena) und =399= ich halte es für zweckmäßig, als ein Beispiel dieser Übereinstimmungen hier ein Bruchstück aus der Geschichte der Soofi in Persien aus Malcolm's history of Persia (London, 1815, II Voll. 4to) und zwar aus Dessen Nachricht über die Soofi (Account of the Sooffees; ebendaselbst Vol. II, p. 382 - 426) hier einzuschalten. Dieses Bruchstück schon, noch mehr aber die ganze gründliche Abhandlung Malcolm's, bestätigt vollkommen Anderson's Behauptung, da sich der Ursprung der geheimen Gesellschaften der Soofi in das grauste Alterthum verliert, und wahrscheinlich in Indien geschichtlich nachgewiesen werden wird. → [Die Soofi waren gegen …]
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a) Nachdem Anderson erzählt hat, daß Zerubabel (im J. der Welt 3489, und vor Christus 515) den neuen Tempel eingeweihet habe, welcher weit unter dem salomon'schen Tempel gewesen, fährt er also fort:
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— "In this Reign Zoroastres flourished, the Archimagus or Grand Master of the Magians (who worshipped the Sun and the Fire made by hie Rays) who became famous every where, call'd by the Greeks, the Teacher of all human and divine Knowledge; and his Disciples were great Improvers of Geometry in the liberal Arts, erecting many palaces and Fire Temples throughout the Empire and long flourish'd in Eastern Asia, even till the Mahometans prevail'd. Yet a Remnant of 'em are scatter'd in those Parts to this Day, who retain many of the old Usages of the Free Masons, for which they are here mention'd, and not for their Religious Rites that are not the Subject of this Book: For we leave every Brother to Liberty of Conscience; but strictly charge hint carefully to maintain the Cement of the Lodge, and the 3 grand Articles of Noah." |
— "In diesem Reiche blühte Zoroastres" (Zerduscht), "der Archimagus (Erstmagier) "oder Großmeister der Magier, (welche die Sonne und das durch deren Stralen entzündete Feuer verehrten,) und Derselbe war überall berühmt und wurde von den Griechen der Lehrer aller menschlichen und göttlichen Erkenntniß genannt. Seine Schüler waren große Erfinder der Geometrie in den freien Künsten; indem sie viele Prachtgebäude und Feuertempel durch das ganze Reich errichteten, und lange im östlichen Asien blühten, sogar bis die Mahomedaner die Obmacht erhielten. Und noch heute ist ein Überrest in jenen Gegenden hin und wieder zerstreut, welche noch viele der alten Gebräuche der Freimasonen (Freimaurer) beibehalten; =399= weßhalb sie eben hier erwähnt werden, nicht aber wegen ihrer Religiongebraüche, welche nicht der Gegenstand dieses Buches sind. Denn wir überlassen jeden Bruder der Freiheit des Gewissens, aber verpflichten ihn streng, den Kitt der Loge zu erhalten und die drei Großartikel des Noah." — Unter dem Kitt (cement) der Loge versteht Anderson "Bruderliebe (brotherly love)"; wie er in dem feierlichen Schlüsse der Altgesetze im Const. Buche vom J. 1733 (s. hier diese Stelle IV, S. 42 f.!) und in dem vom J. 1738 (hier IV, S. 62 f.) ausdrücklich erklärt." |
→ Die Soofi waren gegen das Islamthum und sind dagegen noch jetzt in einer ähnlichen Lage, als die Culdeer des Mittelalters gegen die übermächtige römisch-catholische Kirche waren; daher ihre ähnlichen Lehrgrundsätze hinsichts des Verhaltens gegen die herrschende aüßere Form des Gottesdienstes. Das Merkwürdigste sind die 17 Grundgesetze einer einzelnen Secte derselben, die hier folgen.
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During his reign, (a Heg. 1191) a celebrated Sooffee teacher, named Meer Maassoom Aly Shah*), came from India to Shiraz, where his followers soon amounted to more than thirty thousand persons. The orthodox priests took alarm, aud prevailed upon the mild Kurreem to banish the saint from his capital: but his reputation =400= was increased by the act of power that proclaimed him dangerous. After Kurreem Khan's death, Meer Maassoom who resided in a small village near Isfahan, deputed his first disciple, Fyas-Aly*) [A. H. 1195] to teach in that city. =402=
*) Meer Maassoom is called a disciple of Syud Aly Rezâ, a native of the Dekan. *) The author of the life of some of the principal of the modern Sooffee teachers of Persia states, that Fyâz Aly was of the sect of Noor-Buksheâh, or "the Enlightened," who trace their origin to Maroof of Kirkee and that he aspired to be the teacher of his sect till Meer Maassoom arrived from India, when he instantly bowed to his superior in knowledge, and was content to become his first disciple. This writer has given us a statement of seventeen tenets, which he says are openly professed by this sect. These were as follow:
These, this writer adds, were the seventeen articles of faith, to which this sect was, as far as his knowledge went, required to conform. These were the tenets, he says, taught by Fyâz-Aly, before the arrival of Meer-Maassoom in Persia. *) The writer of the Ms. here followed informs us, that men notorious for their profligacy and infamy were employed as spies to discover the doctrine of the Soofees. These men, he says, reported, that Meer-Maassoom was considered as a God by his disciples; and that Noor Aly Shah, Mooshtâk Aly Shah, and others of his favourite disciples, personated the angels Gabriel, Israel etc. etc. |
Während seiner (des Kurrim-Khan) Regierung, im Jahr der Hegira 1191, nach Christus 1776, kam ein berühmter Soofi-Lehrer, mit Namen Mir-Mahssum Aly Schach*) aus Indien nach Schiraz, woselbst seine Anhänger (Nachfolger) bald zu mehr als 40000 Personen anwuchsen. Die rechtglaubigen Priester schlugen Lärm, und brachten es bei dem sanften Korrim dahin, daß er den Heiligen =400= aus seiner Hauptstadt verbannte: aber sein Ansehen wurde durch diese Gewalthandlung, welche ihn öffentlich als gefährlich erklärte, noch vermehrt. Nach Korrim-Khan's Tode sandte Mir-Mahssum, der in einem kleinen Dorfe nahe bei Isfahan lebte, seinen ersten Schüler, Fyas-Aly*) im Jahr der =402= Hegira 1195 ab, um in dieser Stadt zu lehren. Dieser heilige Mann starb bald, und ihm folgte in seinem Amte sein Sohn, Nur-Aly Schach, welcher, obgleich jung an Jahren, doch, um, mich des Ausdrukkes seines Geschichtschreibers zu bedienen, "alt in der Frömmigkeit" war. Die Anzahl und der Rang der Anhänger Mir-Mahssum's erregte Besorgnisse in den Gemüthern der Priester von Isfahan, welche eine so übertriebne Beschreibung der niedrigen (verderblichen) Ketzereien (wie sie es ausdrückten) der Soofi, an Murad Khan sandten, und ihm so ernstlich anempfahlen, den Glauben aufrecht zu erhalten, durch die Bestrafung Derjenigen, deren Meinungen der wahren Religion und der guten Regierung auf gleiche Weise feindlich wären: daß der Monarch, sogleich nachdem er ihre Vorstellung erhalten hatte, Befehle sandte, Nasen und Ohren Einiger der Eifrigsten von der strafbaren Sekte abzuschneiden, und als eine weitere Züchtigung Allen, welche ihre Meinungen theilten, die Bärte abzuscheeren. Die unwissenden Soldaten, denen die Ausführung dieses Befehles anvertraut wurde, waren eben nicht fähig, treue Gläubige und Ungläubige zu unterscheiden: und ein gleichzeitiger Schriftsteller versichert uns, daß mehren rechtgläubigen Mahomedanern ihre Nasen und Ohren abgeschnitten und ihre Bärte abgeschoren wurden bei =403= dieser merkwürdigen Gelegenheit.
*) Mir-Mahssum wird ein Schüler des Syud Aly Reza, eines Eingebornen von Dekan, genannt. *) Der Verfasser des Lebens einiger der vornehmsten neuzeitigen Soofi-Lehrer Persiens nimmt an, daß Fyaz-Aly von der Secte Nur-Bekschiah, oder der Erleuchteten," (vielleicht ähnlich der Secte Tien-See, dh. der himmlischen Vernunft, in Sina), "welche ihren Ursprung von Maruf von Kirki herschreibt; und daß er solange der Lehrer seiner Secte zu sein sich anmaßte, bis Mir Mahssum aus Indien ankam, wo er sich sogleich vor ihm, als ihm selbst an Erkenntniß überlegen, demüthigte und damit zufrieden war, Dessen erster Schüler zu werden. Dieser Schriftsteller hat uns ein Verzeichniß von siebenzehn Lehrvorschriften gegeben, zu welchen sich diese Secte offen bekennt. Es sind folgende:
Dieses, setzt unser Schriftsteller hinzu, waren die siebzehn Glaubenpunkte, welchen, soweit seine Kenntniß reiche, die Anhänger dieser Secte nachleben sollten. Dieses waren, sagt er, ihre Lehrvorschriften, sowie sie Fyas-Aly, vortrug, ehe Mir-Mahssum in Persie ankam. *) Der Verfasser der Handschrift, welcher wir hier folgen, unterrichtet uns, daß Menschen, welche durch ihre Ehrlosigkeit und Schändlichkeit berüchtigt waren, als Späher gebraucht wurden, die Lehre der Soofi zu entdekkten. Diese Menschen, sagt er, meldeten, daß Mir-Mahssum von seinen Schülern als ein Gott betrachtet würde, und daß Nur-Aly-Schach, Mustak Aly Schach, und andere seiner vorzüglich geliebten Schüler den Engel Gabriel, Israel persönlich vorstellten, usw. usw. |
Da ich mich hier aus Mangel an Raum nicht weiter über die so eben mitgetheilte Stelle, und überhaupt über den Ursprung, die Lehren und Gebraüche der Soofi in Bezug auf Christenthum und Masonthum verbreiten kann, wozu diese reichhaltige, trefflich geschriebne, aus lauter echten Quellen geschöpfte Abhandlung Malcolm's so reichlichen Stoff giebt, so begnüge ich mich, für selbstforschende Brüder die mir bekannten vorzüglichen Quellen für diesen, wichtigen, noch unbearbeiteten Theil der Menschheitgeschichte anzuzeigen. — Ayeen Acbery or the institutes of the Emperor Akbar translated from the original Persian by Francis Gladwin; II Volumes; London, 1800; 4to. Aus diesem Buche sehen wir, daß Akbar der Große Soofis, Brahminen, und überhaupt Philosophen aller Schulen um sich hatte, und, die heiligen Rischi's der Vedam nachahmend, in deren Abend- und Nachtgesellschaft lebte; auch enthält diese Schrift eine schätzbare Übersicht aller in Indien herrschenden philosophisch-religiösen Systeme und Secten. — Prabod'h Chandro' daya, or the moon of intellect, an allegorical drama, and Atma Bod'h, or the knowledge of Spirit, translated from the Sanscrit and Pracrit by J. Taylor; London 1812. In dem Anhange dieser Schrift sind die Grundlehren der acht verschiedenen philosophischen Systeme der Inder lichtvoll erklärt, besonders die der Vedanta Philosophie. — Eine inhaltreiche Abhandlung über die Soofi findet sich in dem Ethnographischen Archive; (Jena, 1818, bei Schmid; Bd. I, Heft 1., S. 80 - 87;) darin, außer Malcolm's oben erwähntem =404= Werke, vorzüglich noch Mill's history of Mahomedanism etc. (London, Black. Parb. and Allen, 1817) empfohlen wird, welches Werk ich noch nicht gesehen habe; dann kommen darin noch folgende Anführungen über die Soofi vor: Tavernier voyage des Indes L. 3, ch. 2 et 6; Paris 1679; Chenier Recherches sur les Maures, t. 3, p. 146; Forbes's oriental memoirs, vol. 2, p. 230; D'Ohsson, tom. 4, p. 618; D'Herbelot, art. Fakir, Derwisch et Soofi.
Ich habe bei der 39ten Frage (I, 170, n. 58) eine Beziehung der drei kleinen Lichter in der Maurerei auf die geistliche und weltliche Macht angedeutet. Eine andere noch ältere Beziehung dieses Symboles auf uralt überlieferte Lehrzeichenkunst, in deren Kenntniß die Culdeer waren, werde ich vortragen in der diesen zweiten Bemerkungen beigefügten Abhandlung über die geschichtliche Beziehung des altmasonischen Gebrauchthumes und Lehrzeichenthumes zu den Lehrbegriffen der Inder, Perser, Egypter, der Gnostiker, und des Manes usw. nach Anleitung druidischer und culdeischer Denkmale in den britischen Inseln. M. übersetzt: "die drei niedern Lichter in der Freimaurerei." — Sonne, Mond und Meistermaurer finden sich, wie erwähnt, im neuenglischen Ritual als drei große Lichter; kleiner Lichter wird darin gar nicht gedacht. Feßler erklärt diese drei kleineren Lichter also:
— "die Sonne regiert nur den Tag, der Mond nur die Nacht; also die begrenzte Zeit unseres Wirkens; — der Meistermaurer regiert nur die Loge; also den begrenzten Ort unseres Arbeitens. Wenn wir demnach in den drei großen Lichtern die durch keine Zeit und keinen Raum begrenzte Tendenz der Freimaurerei erkennen, so erinnern uns die drei kleinen Lichter an die Beschränktheit und Endlichkeit unserer Logenthätigkeit."
— Browne (Fr. 97) setzt hinzu: "Warum hat der Meister die Ehre, mit diesen großen leuchtenden Körpern in der Freimaurerei verglichen zu werden?" — "Sowie es uns durch den beseligenden, göttlichen Einfluß der Sonne und des Mondes möglich wird, die Pflichten eines geselligen Lebens zu erfüllen: so werden wir durch die liebreiche Sorgfalt und Unterweisung des Meisters als Maurer geschickt, die Pflichten zu erfüllen, welche er und die Zunft von uns verlangen." =405=
Das Ritual einer irländischen, mit N. 63 bezeichneten Loge enthält (Fr. 50), anstatt unserer 36ten Frage und Antwort, Folgendes:
"Fr.Was sahet Ihr?
Antw. Ich sah drei große Lichter durch Hülfe der drei kleinern."
40ste Frage. Master-Mason, Meistermaurer. So wurde wohl eigenlich der Werkmeister, der den ganzen Bau leitete, (magister fabricae,) allein genannt; hernach wurden auch Die, welche einmal selbst einem Baue vorgestanden hatten, und vorstehen durften, nun aber bei einem großen Bau unter dem Meister desselben arbeiteten, Meister getitelt. Die unter dem Werkmeister arbeitenden Brüder hießen eigenlich alle bloß Genossen (Fellows). Schon in der Yorker Constitution werden Baumeister, Meister, Gesellen und Lehrlinge unterschieden. (Siehe auch die III, S. 4 ff. aus Preston mitgetheilte Urkunde!) In den weiter unten (in IV.) zu erwähnenden Nachrichten über den Bau des Domes zu Orvieto wird auch ein Meister der Meister (maestro de' maestri), nehmlich der Bauleute, Maler und Bildhauer zugleich, genannt.
41ste Frage. M. übersetzt: "und der Meistermaurer die Loge regiert, wie es sich gebühret zu thun."
42te Frage. "Steh' auf, Bruder Jachin!" Ich Vermuthe, der Beisatz: Jachin, als Beiname des Neuaufgenommenen, ist später gemacht, erst dann, als man dem Lehrlinge, Gesellen und Meister unterscheidende Namen gab. Vielleicht hieß es sonst: "Steh' auf, Bruder Maurer!" ("Brother Mason!") Br. hat wirklich: (Fr. 87) "Steh' auf, neuer Bruder unter Maurern!" ("Rise, new obligated Brother amongst Masons!")
"Bei'm' Griffe wird der Daumen, in Form eines Winkelmaaßes gebogen, in die Halsgrube aufgesetzt." Kh.
42 - 46ste Frage. Über Zeichen, Wort und Griff.
Zufolge den Aüßerungen des Fragstükkes unter Heinrich dem VIten und der Yorker Constitution, zusammengehalten mit Ashmole's Versicherung, sollte man vermuthen, es müsse sich bei den Maurerbrüdern eine reichhaltige allgemeine Sprache durch Lehrzeichen (Symbole) und Lehrbilder (Embleme) finden, besonders durch solche, welche, in bundinnigende Handlungen und Gebräuche (Rite) verflochten zu werden, geeignet sind. Und da aus diesem Grunde selbst Bezeichnungen durch Geberden hiehergehören, auch die schon in der Yorker Constit. erwähnten Erkennzeichen zu dieser =406= allgemeinen Sprache gerechnet werden, (indem sie wohl ursprünglich aus derselben entlehnt wurden): so läßt sich erwarten, daß die masonischen Überlieferungen mehre solcher Erkennzeichen enthalten, wenigstens ursprünglich enthalten haben werden. Nun sind aber in unserer Urkunde die Aufnahmgebräuche nur so aufbehalten worden, wie man sie nach der Abtheilung der Brüderschaft in Grade eingerichtet hatte; auch nahm man ferner, nachdem man diese Abtheilung oder vielmehr Zertheilung gemacht hatte, Vieles aus der sonst einfachen Handlung der Aufnahme zum Maurerlehrling weg, und vertheilte es in die übrigen Grade, um denselben Gehalt, und dem ersten Grade Beziehung auf die folgenden, zu geben. Daher müssen wir, um die alten Erkennzeichen so vollständig, als möglich, wiederzugewinnen, auch diese beiden jüngeren Grade zu Rathe ziehen. Wohlunterrichtete Brüder Gesellen und Meister, im Sinne der heutigen Brüderschaft, werden es ebendaher nicht unrecht finden, daß hier aus den heutigen Gesellen- und Meisterritualen Das bei dem Lehrlingsgrade erwähnt wird, was man ihm, zum großen Nachtheile der Gebräuche der Aufnahme und der guten Sache, ehemals mit Unrecht entzogen hat. — Daß mehre Erkennzeichen da gewesen sein müssen, sehen wir in Prichard (Fr. 5 - 7; hier S. 64 ff.) und Browne (Fr. 18 - 19; hier S. 122 ff.); welche Stellen der Leser hier, nebst meinen Bemerkungen, nachlesen möge, um das hier Folgende zu verstehen. Auf die uns im alten Gebrauchthume in Pr. und Br., als Theile des ältesten, im Lehrlingritual überlieferten Erkennzeichen passen aber diese Aüßerungen in den erwähnten Fragen aus Pr. und Br. gar nicht. — Daß in unserer Urkunde von diesen Erkennzeichen so Wenige stehen, darf uns nicht befremden, da in derselben absichtlich nur das Vorwesenliche der Gebräuche und der Lehrzeichen mitgetheilt wird. Das NE. Großmeisterthum dagegen hat wirklich Mehre der alten Zeichen und Merkmale beibehalten und auf seine Weise Sittenlehren damit verbunden. So ist z. B. der Zunftgruß in unserer zweiten Kunsturkunde nicht erwähnt, der sich in GM., Pr. und Br. ausführlich und übereinstimmig findet.a) — Wenn wir daher in irgend =407= einer, sonst glaublichen, Kunsturkunde noch mehre dergleichen Zeichen, Worte und Griffe angezeigt finden, so =408= sind sie im Allgemeinen unserer Aufmerksamkeit werth, und wir müssen geneigt sein, sie als echt anzuerkennen, insofern sie sich überhaupt als dem in unserer Urkunde ausgesprochenen Geiste der lehrbildlichen Bezeichnung gemäß bewähren. In GM. finden sich nun (siehe zuvor S. 46, Z. 6, bis S. 48, Z. 9!) wirklich mehre Erkennzeichen beigefügt, die jetzt sämmtlich außer Gebrauch sind; welche ich daher den Leser dort im Zusammenhange nachzulesen bitte.
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a) Ich werde hernach diesen Zunftgruß einschalten. Überhaupt liegt den überlieferten raumgestaltlichen (geometrischen) Lehrzeichen die Ahnung zum Grunde: die ganze Raumgestaltlehre (Geometrie) als ein Ganzes von Lehrzeichen (Symbolen) zu vergeistigen; =407= eine Aufgabe, mit deren Lösung schon die Urweisen Indiens, dann die Maghen (Magier) Persiens, die Priester Egyptens, die Pythagoräer, Platoniker, Essäer, Gnostiker und, wie Denkmale lehren, auch die Culdeer sich beschaftiget haben. Daß ich ebenfalls Dasselbe zu leisten, seit dem J. 1803 bestrebt gewesen bin, habe ich schon früher (S. 48 n. 52) erwähnt. Ich machte mir damals die Aufgabe, Dieses als einen untergeordneten Theil des Wissenschaftgliedbaues (des Systemes der Philosophie), den ich die Symbolik der Philosophie nannte, nicht nur an den Raumgestalten, und an Lehrzeichen, die aus der allgemeinen Großheitlehre (der Arithmetik und Analysis) genommen sind, auszuführen, sondern auch an allen Kräften und Gestaltungen des Leibwesen (an den organischen und unorganischen Naturreichen); und ich gründete diese Wissenschaft auf die Lehre von der inneren Gegenähnlichkeit der Endwesen in Wesen (auf die Lehre "von dem Parallelismus alles Antithetischen"). — Weiterhin ist es mir gelungen, die allgemeine Schriftzeichensprache (Pasigraphie), auf die lehrzeichenliche Urbedeutung der raumgestaltlichen Grunddinge (die symbolische Grundbedeutung der geometrischen Elementarfiguren) gegründet, insoweit zu vollenden, daß ich in dieser Sprache über Gegenstände der Urwissenschaft denken und schreiben kann. Soweit meine Kenntniß der bramahnischen Schriftzeichensprache, sowie der egyptischen (bei Benutzung der neusten Hülfmittel) reicht, vermuthe ich, daß diese alterthümlichen Versuche mit meinem eignen Entwurfe einer allgemeinen Schriftzeichensprache ebenso übereinstimmen werden, als ich im vorigen Jahre, bei Einsicht in die besten Sanscrit Wörterbücher und Sprachlehren, fand, daß die viele tausend Jahre alte Einrichtung der Lehre von den Grundlauten und Urlingen der Sanscritsprache mit dem von mir bekannt gemachten Plane eines Urwortthumes der deutschen Volksprache die größte Ähnlichkeit habe. — Auf diesem Wege habe ich auch die Lehrzeichen für das Urbegriffthum gefunden, welches ich, soweit hier thunlich war, vorhin S. 337 aufgestellt habe. Dieses urwissenschaftliche Lehrzeichenthum, (wovon das mittels Raumgestalten ein innerer, untergeordneter Einzeltheil ist,) ist zugleich das Ganze, woraus auch das eigenlich masonische, d. h. menschheitbundliche Lehrzeichenthum einst gewählt sein wird; wozu ich also eine wissenschaftliche und gliedbauliche (systematische und organische) bleibende Grundlage gefunden und gestaltet habe, die ich bekannt machen werde, sobald ich wichtigere Arbeiten werde vollendet haben. Bloße Ansammlung geschichtlich überlieferter Lehrzeichen kann zu dem wissenschaftlichen und gliedbaulichen Lehrzeichenthume nicht führen, theils weil so Weniges und so Unzusammenhangiges überliefert worden, theils auch weil jene älteren Versuche doch nur kindliche Versuche des erst keimenden Wissenschaftsinnes der Völker sind, endlich auch, weil das Überlieferte nur verstanden, gewürdigt, geordnet und ergänzet werden kann von Forschen, =408= welche nicht nur im Allgemeinen den Urbegriff dieser Lehrzeichensprache haben, sondern wirklich im Besitz der selbthätig und urgeistig, in ewiger Erkenntniß entworfenen Wesensprache selbst sind. — Sowie jedoch überhaupt die Kenntniß der Geschichte des Menschheitlebens zu Höherbildung desselben wesenlich ist; also haben auch die geschichtlichen Forschungen im Gebiete der Lebrzeichensprache einen zwar untergeordneten, aber wesenlichen Werth; und in dieser Hinsicht habe ich, soviel ich vermochte, alten masonischen Lehrzeichen, und ihrem Ursprünge aus älteren Lehren und Gesellschaften, sowie ihrer ursprünglichen und veränderten Bedeutung, nachgespürt, und achte dieses Streben auch an Andern, sofern es mit wissenschaftlichem Geiste, mit besonnener Prüfung (Critik) geschieht, und sofern dieses Streben rein bleibt von dem Wahne: als seien Lehrzeichen und lehrzeichenliche Belehrung das Erstwesenliche der Freimaurerei oder der Freimaurerbrüderschaft, und als seien die überlieferten Lehrzeichen schon ein vollendetes, gliedbauliches Ganze, wobei es zu allen Zeiten in der Brüderschaft sein Bewenden haben solle und müsse, usw.
Hieher gehört auch ein wahrscheinlich lange vor dem J. 1717 eingeführtes eigenes Erkennzeichen, um die angenommenen Maurer von den wirklichen arbeitenden Maurern zu unterscheiden, welches Prichard in seiner Masonry dissected zum Schluß der Meisterlection in folgenden Worten aufbehalten hat.
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Alle diese Erkennzeichen halte ich für echt, ob sie gleich in verschiedenen Zeiten erfunden sein mögen, und in England, mit Ausnahme des S. 48 angegebnen neunten, jetzt außer Gebrauch, und in den deutschen Logen gar nicht in Übung gekommen sind. Vorzüglich sind das 2te, 3te und 4te merkwürdig; denn sie sind natürlich, von der Zunft entlehnt, dem Geiste des Ritual gemäß, und von Fremden schwer zu entdekken. Das 2te deutet die Zunftbeschäftigung an; das 3te ist aus dem alten Gebrauchthume selbst genommen. (S. I, S. 311, Z, 18 v.u., S. 313 die Figur, und S. 242 n. 25!) Das vierte verstehe ich so, daß es mit beiden Händen gegeben wird; es ist weit inniger, als unser gewöhnliches; es fühlet den Tact des Blutes, das vom Herzen kommt, und deutet dadurch sehr ausdrucksam auf die Innigkeit des masonischen Vereinlebens; und das 6te ist die Geberde, womit die in dem lebeninwachen (lebenmagnetischen) Zustande Inhellsehenden in den gewöhnlichen wachen Zustand erwachen; nur daß sie diese Geberde nicht gerade dreimal wiederholen.a) Es ist überhaupt zu vermuthen, daß die alten Maurer, unter denen, da sie zusammen lebten und arbeiteten, eine weit innigere Vertraulichkeit stattfand, als unter heutigen bloßen Logengenossen, auch noch mehre, innigere, herzlichere, lehrbildliche Begrüßungen und Umarmungen gehabt haben mögen, nach den verschiedenen Verhältnissen ihrer Vertraulichkeit. Ein schönes Denkmal bestätigt diese Vermuthung. Ich meine die fünf Punkte der Genossenschaft (Mitgliedschaft, the five points of fellowship,) b) welche in keinem, mir bekannten, engländischen =410= Buche die fünf Punkte der Meisterschaft genannt werden. → [Sie bestehen …]
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a) Ein ähnliches Zeichen findet sich auch in der stillen Geberdensprache der Mönche.
b) Daß aber Fellowship hier wirklich ganz allgemein Genossenschaft heiße, beweiset eine Stelle Ashmole's, (IV, S. 286, Z. 18), wo ausdrücklich gesagt wird, daß der Nenaufgenommene in the Fellowship of Freemasons, das ist in die Genossenschaft oder Mitgliedschaft der Freimaurer aufgenommen worden sei. Diese Stelle steht noch vollständiger in der Schrift: the Lives of Lilly and Ashmole, woraus berichtigt ich dieselbe gehörigen, Orts nachtragen werde.
→ Sie bestehen in einer herzinnigen, vertraulichen Begrüßung, der herzlichsten, welche, soviel mir bekannt, die ganze Geschichte der Menschheit darbietet. ''Hand in Hand, Fuß an Fuß, Knie an Knie, Brust an Brust, mit den rechten Armen sich wechselseits umhalsend.'' — Zwar ist diese Umarmung im jetzigen Meistergrade auf eine gewisse Weise mit der Geschichte Hiram's in Verbindung gebracht; allein diese ist bloß äußerlich, und die schauspielerische Handlung (der dramatische Act), worin die, als eine Chifer des politischen Zwekkes ersonnene, ganz fabelhafte Geschichte Hiram's am Leibe des Aufnahmlinges selbst dargestellt wird, ist überhaupt dieser fünf Punkte der Meisterschaft so unwürdig, daß ein aufmerksamer Beurtheiler schon hieraus den Verdacht schöpfen könnte, es möge wohl hier ein älteres Kleinod der Brüderschaft einem fremdartigen Gebrauche beigegeben worden sein. Meine Behauptung wird schon durch GM. außer Zweifel gesetzt, wo diese fünf Punkte erwähnt werden, (und wo ich sie, hier S. 42 ff., nebst meiner Bemerkung, nachzulesen bitte,) ohne irgend dabei des Meisters, geschweige des Meistergrades, zu gedenken. Die Angabe des fünften Punktes: "Ohr an Ohr," ist der ganzen Handlung, welche die fünf Punkte darstellt, völlig angemessen. Denn, wenn, wörtlich genau, Herz an Herz sich schmiegt, so legen sich die Häupter der Umarmenden an- und nebeneinander; und es füget sich Ohr an Ohr. — Aus dieser Stelle sehen wir zugleich, warum hier die Benennung: Punkte, gebraucht wird. Die vier Hauptpunkte der Maurer, (die Pr. und Br. anführen,) hatten ihren Ursprung von den Punkten der vier Weltgegenden, vom Ost-, Süd-, West- und Nordpunkte; wofür nun gewisse Punkte des Menschenleibes als Lehrzeichen gesetzt wurden. Hieran wurden sittliche Lehren geknüpft, hernach aber noch mehre solche Punkte oder Grundlehren hinzugefügt. Alles wußte der sinnbildliche Sinn des Mittelalters zu vergeistigem. Und so können wir aus GM., Prichard und Browne den Schluß ziehen: daß die alten Maurer einen ausgebreiteten Gliedbau (System) von Kunstlehren hatten, welche zum Theil durch das ebenso ausgebreitete System ihrer allgemeinen Kunstsprache versinnbildet, versinnlicht, und so dem Verstände und zugleich =411= dem Herzen nahe gelegt wurden. In dem ältesten Lehrfragstükke ist nur das Wesenlichste, und Das, was dem ersten Unterrichte gehört, vorgetragen.a) Wir müssen daher alle echte, geistreiche und vom Sinne der Liebe zeugende Überbleibsale dieser höheren Lehre sorgfältig in den, seinem Ursprünge nach gleichfalls sehr alten, Lehrfragstükken außuchen, welche das NE. Großmeisterthum bei seiner Bundinnigung zum Grunde gelegt hat, und welche ich aus diesem Grunde in diese meine Schrift aufgenommen habe. Denn von sehr Vielem, was die Yorker Constitution, das Fragstück unter Heinrich dem VIten und GM. als ganz alt zu erkennen geben, hat man, aus Unkunde der Geschichte, angenommen, daß es erste Erfindung der das NE. Großmeisterthum stiftenden Brüder sei. So sind die hier zuerst erwähnten drei besondern Punkte, und ihre Erklärung, gewiß alt und echt, wenn sie gleich in unserem ältesten Lehrfragstükke nicht im jetzigen Lehrlinggrade stehen; und an die fünf anderen Punkte wurden zuverlässig nicht weniger schöne Lehren gekettet, welche der Herausgeber von GM. wegließ, weil sie mit den im Meistergrade, der der alten Lehrlinglection schon damals anhing, wirklich ertheilten vielleicht wörtlich übereinkamen. (Siehe oben S. 28 ff.!)
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a) Diese Kunsturkunde enthält überhaupt nur einzelne Blüthen der Wissenschaft und der gemüthschönen Menschheitinnigheit der Culdeer und der kunstgebildeten Architecten, welche sie den nicht wissenschaftlich erzogenen Zunftgenossen, (Brothers and Fellows) allgemein mittheilten. Wenn also in der vorliegenden Schrift behauptet wird, daß der Gesellen- und Meistergrad neu, und, als Grade, verwerflich seien, so wird damit nicht behauptet, daß die Culdeer und Architecten weiter Nichts gewußt haben, als was diese Urkunde enthält, die noch dazu nicht ganz vollständig und im Einzelnen nicht völlig echt auf uns gekommen ist.
K. trägt, übereinstimmig mit JB., (s. K. S. 58 f., JB. 1776, S. 34!) diese fünf Punkte der Genossenschaft, nebst ihrer, gewiß alten, von der hieher nicht gehörigen Scene mit Hiram unabhangigen, Vergeistigung, also vor. —
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Their Four Fingers Nails of their Right-Hand struck into the Wrist 'of his right Handb) and pulling it with all your Might, with your =412= Right-Foot to his Right-Foot, and his Right-Knee to your Right-Knee, and his Right-breast to your Right-breast and our Left-hand supporting his Back and whisper in his Ear the Masters Word. Mas. Brother - - - - pray will you explain them. Answ. 1st. Hand in Hand is, that I always will put forth my Hand to serve a Brother as far as lies in my Power. 2d. Foot to Foot is, that I never will be afraid to go a Foot out of my Way, to serve a Brother. 3d. Knee to Knee is, that when I kneel down to Prayers, I ought never to forget to pray for my Brother as well as myself. 4th. Breast to Breast, is to shew I will keep my Brothers Secrets as my own. 5th. The Left-hand supporting the Back, is that I always will be willing to support a Brother as far as lies in my Power. |
Ihre vier Fingernägel ihrer rechten Hand fest in das Gelenk seiner rechten Hand eingedrückt, b) und dasselbe mit aller Macht gezogen, =412= euern rechten Fuß an seinen rechten Fuß, sein rechtes Knie an euer rechtes Knie, und seine rechte Brust an eure rechte Brust, und eure linke Hand seinen Rükken unterstützend, und wispert das Meisterwort in sein Ohr. Meist. Bruder - - - - ich bitte, erklärt mir sie! Antw. Erstens: Hand in Hand ist, daß ich alle zeit meine Hand rühren will, einem Bruder zu dienen, so weit es in meiner Macht liegt. Zweitens: Fuß an Fuß ist, daß ich mich nie scheue, einen Schritt aus meinem Wege zu weichen, den ich gehe, wenn es darauf ankommt, meinem Bruder zu dienen. Drittens: Knie an Knie ist, daß, wenn ich niederkniee zum Gebet, ich nimmer vergessen soll, für meinen Bruder sogut, als für mich selbst, zu beten. Viertens: Brust an Brust ist, zu zeigen, daß ich meines Bruders Geheimnisse, wie meine eignen, verwahren will. Fünftens: die linke Hand den Rükken unterstützend, ist, daß ich allezeit willig sein will, einen Bruder zu unterstützen, sofern es in meiner Macht liegt. |
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b) Vergleiche den vorhin (S. 408 Z. 6) aus GM. n. 4. angeführten Griff!
Prichard giebt (in der Meisterlection) diese fünf Punkte mit einer lehrreichen Abweichung so an. —
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Exam. How was Hiram raised. =413= Resp. As all other Masons are, when they receive the Masters Word. Exam. How is that? Resp. By the five Points of Fellowship. Exam. Where are they? Resp. Hand to Hand, Foot to Foot, Cheek to Cheek, Knee to Knee, and Hand to Back. |
Exam. Wie wurde Hiram aufgehoben? =413= Resp. Wie alle andere Maurer, wenn sie das Meisterwort empfangen. Exam. Wie ist Das? Resp. Durch die fünf Funkte der Genossenschaft. Exam. Wo sind diese? Resp. Hand an Hand, Fuß an Fuß, Wange an Wange, Knie an Knie, und Hand an den Rükken. |
Der dritte Punkt, Wange an Wange, deutet auf einen Bruderkuß hin, und scheint mir alt und echt zu sein. Es ist überhaupt gedenklich, daß diese Umarmung mit verschiedenen Abweichungen gebraüchlich war. Es mußten auch wohl anfangs nicht gerade fünf Punkte sein: sobald es aber, vielleicht, in Übereinstimmung mit den fünf Säulenordnungen oder den fünf Sinnen, nur fünf sein sollten, dann mußten die übrigen weggelassen, oder nicht erwähnt werden. So läßt Prichard die Hand um den Rükken, Kh. dagegen um den Hals, legen; und Kh. läßt Mund und Ohr, GM. Ohr und Ohr, Pr. Wange und Wange, sich berühren.
Endlich Browne enthält (in der Meisterlection S. 74 und 75 ) hierüber Folgendes:
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— — and raised him by the five Points of Fellowship, which proved the first casuala) Token. — — — Name the five Points of Fellowship! Hand to Hand, I great you as a Brother; Foot to Foot, I walk parallel with you; Knee by Knee, to shew we worship one God eternal; Breast to Breast, that we should keep a Brothers lawful Secrets =414= as our own; and Hand over Back, that we should support a Brother Mason in all his laudable Undertakings finding him worthy, [provided it can be done without hurting ourselves or connections.] |
— — und hub ihn auf durch die fünf Punkte der Genossenschaft; Welches das erste zufälligea) Zeichen abgab. — — — Nennen Sie die fünf Punkte der Genossenschaft! Hand an Hand, ich grüße Sie als Bruder; Fuß an Fuß, ich wandele parallel (gleichen Schritts) mit Ihnen; Knie an Knie, zu zeigen, daß wir Einen ewigen Gott verehren; Brust an Brust, daß wir eines =414= Bruders ungesetzwidrige Geheimnisse, wie unsre eignen, bewahren; und Hand über den Rükken, daß wir einen Bruder Maurer in allen seinen lobwürdigen Unternehmungen unterstützen, wenn wir ihn würdig finden, [vorausgesetzt, es könne geschehen, ohne uns selbst oder unsern Verbindungen zu schaden]. |
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a) Wahrscheinlich ist der Ausdruck: casual, zufällig, im Zusammenhange der Chifern-Sage des Meistergrades von Hiram so zu verstehen: "bei Gelegenheit der Aufhebung des Meisters." Und so wird Das fälschlich als zufällig dargestellt, was aus dem Geiste der echten Masonei, mehre Jahrhunderte zuvor, als sehr wesenlich hervorging!
Aus der Erklärung des ersten Punkts sehen wir deutlich, daß die fünf Punkte ursprünglich eine innige Begrüßung waren, keineswegs aber der Erhebung Hiram's ihren Ursprung verdanken. Diese Erklärung im Browne ist, die mit [ ] eingeklammerten Worte ausgenommen, gut und schön, und ein Beweis, wieviel schöne und wesenliche Lehren der Menschheit an diese lehrzeichenliche Umarmung der Liebe und Treue gekettet werden können! Nun folgt im Browne (p. 75) eine weitere, nicht in der Chifer verfaßte, Erklärung. Da diese Erklärung den guten Geist der neuenglischen Maurerei vortheilhaft schildert, so theile ich auch sie mit.
"Erstens. Wenn eines Bruders Noth meine Hülfe und Unterstützung fordert, so will ich immer bereit sein, ihm einen solchen Beistand zu leisten, der ihn vom Sinken errettet, (ohne mir selbst oder meinen Verbindungen verderblich zu sein;) wenn ich ihn Deß würdig finde."
"Zweitens. Fühllosigkeit (indolence) soll nie Ursache sein, daß ich meine Tritte anhalte, noch Zorn, daß ich sie zur Seite ablenke; sondern, jede selbstische Rücksicht vergessend, will ich immer schnell auf den Füßen sein, zu retten, zu helfen und wohlzuthun jedem nothleidenden Nebenmenschen, vorzüglich aber einem Bruder Maurer."
"Drittens. Wann ich dem allmächtigen Gott meine Anliegen vortrage, so will ich der Wohlfahrt meines Bruders, wie meiner eignen, gedenken; denn, sowie die Stimmen der Unmündigen und der Säuglinge zum Throne der Gnade außteigen, so müssen gewiß die Seufzer eines glühenden Herzens zu den Wohnungen der Seligkeit gelangen. =415= Daher werden unsere Gebete gewißlich wechselseits füreinander erfordert." a)
"Viertens. Eines Bruders Geheimnisse, die mir als solche anvertraut werden, will ich bewahren, als wären es meine eignen; denn ihn um das anvertraute Geheimniß bringen, würde ihm die größte Beleidigung anthun heißen, die er nur in diesem sterblichen Leben erfahren kann; ja es wäre der Verworfenheit eines Mörders gleich, der im Finstern lauert, um seinem Feinde den Streich beizubringen, wenn er waffenlos und am wenigsten vorbereitet ist, einen Feind zu empfangen."
"Fünftens. Eines Bruders Character will ich in seiner Abwesenheit sogut, als in seiner Gegenwart, aufrecht erhalten; ich will ihn nicht selbst herabsetzen, noch dulden, daß Dieß von Andern geschehe, wenn ich es zu verhüten vermag. — So sind wir durch die fünf Punkte der Genossenschaft innig miteinander verbunden, wie eine untheilbare Kette reiner Zuneigung, Bruderliebe, Hülfe und Treue." —
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a) Siehe, Was ich S. 309 - 314 vom Gebete gesagt habe!
Noch müssen wir die Darstellung der fünf Punkte der Genossenschaft nach dem bisher mit M. bezeichneten Rituale der Loge zu Essingen vernehmen. (S. 78.) "Hand in Hand bedeutet, daß ich allezeit meine Hand ausstrekken will, um einem Bruder-Maurer nach meiner Möglichkeit hülfreich zu sein; Fuß gegen Fuß, daß ich mich niemals von dem Schritte will abschrekken lassen, um einem Bruder-Maurer zu dienen; Knie gegen Knie, um in meinem Gebete niemals eines Bruders Wohlfahrt zu vergessen; Brust gegen Brust, um alle Geheimnisse eines Bruder-Maurers, wie meine eignen, verschwiegen zu halten; die linke Hand hinter dem Rükken, daß ich einen Bruder-Maurer, soviel als ich kann, allezeit aufrecht halten welle, ohne daß es doch mir, oder den Meinigen, schädlich sei."
Alle diese gegebnen Lehren sind in unserem ältesten Lehrlingfragstükke auf andere Weise ertheilt und im Rituale vielfach erläutert, z. B. im Gebete vor der Aufnahme. Umsoweniger dürfen wir der in der alten Aufnahme enthaltenen reinen Masonei das ihr später entrissene Kleinod der fünf Punkte der Genossenschaft länger vorenthalten. — Wäre diese Begrüßung allgemein eingeführt, und mit den =416= allgemeinen Gebrauche der reinmenschlichen Benennung Du verbunden, so würde sie vieles Gute wirken. Könnten sich wohl Brüder länger hassen , die Verzeihung angethaner Beleidigungen länger aufschieben, wenn sie in der Bundinnigung aufgefordert würden, so innig als Brüder sich zu erfassen, wenn dann Auge in Auge sich spiegelt, Herz an Herzen schlägt, wenn der Bruderarm sie innig aneinander zieht, und der Kuß des Friedens den Bruderbund versiegelt? — Doch darf freilich diese Begrüßung durchaus nur freiwillig angeboten und angenommen werden, weil körperliche Berührungen nur aus freier Liebe gestattet werden können, und weil diese innige leibliche Vereinigung, wenn nur irgend Etwas noch die Herzen trennt, eine verwerfliche, unheilige, heuchlerische Misgeberde wäre! — Gewiß, dieser Gebrauch enthält einen Wink zu ähnlichen Versinnbildungen der Lehren der Menschlichkeit der innig vereinten Geschwistermenschen im reiferen Menschheitbunde.
Ein ferneres, sehr achtbares, Überbleibsal dieser allgemeinen masonischen Zeichensprache sind die in mehren Lehrfragstükken überlieferten Zunftgrüße. Daß dieselben in unserer zweiten Kunsturkunde nicht vorkommen, beweiset Nichts wider ihre Echtheit, da diese aus andern echten Urkunden, und durch den noch jetzt bestehenden Gebrauch der Grußmaurer (der den Briefmaurern entgegengesetzten sogenannten Grüßer; wie ich in IV, 249 gezeigt, und durch den IV, 260 mitgetheilten Zunftgruß urkundlich nachgewiesen habe) bewiesen ist; vielmehr ist aus dem Zwekke unserer zweiten Kunsturkunde: nur das bei der Aufnahme vorkommende Wesenliche zusammenzufassen, erklärlich, warum die Zunftgrüße nicht mit in sie aufgenommen worden sind. — Diese Zunftgruße wurden immer mit der Abfragung der Zeichen, Worte and Griffe in Verbindung gesetzt. In GM. kommt der Maurergruß, ohne ihn als Lehrlinggruß vom Gesellen- und Meistergruße zu unterscheiden, als Gruß eines Maurers, (oder Genossen, fellow), zwar nicht ganz vollständig, aber soweit er dasteht, mit allen Zeichen der Echtheit, in ein Zunftreimchen schließend, vor. (Siehe hier S. 39 - 43!) Prichard (hier S. 64 f.) beginnt gleich mit dem ausführlicheren Zunftgruße, der nun schon als Lehrlinggruß dargestellt wird, und in ein von dem in GM. verschiedenes, gleichfalls echtes, Zunftreimchen endet. =417= Im Gesellenfragstükke (p. 15 oder vielmehr 23) giebt Prichard, gleich nach der in Zunftreimchen von vier Strophen abgefaßten Lobpreifsung des Buchstaben G, folgenden Gesellengruß, der das Gesellenfragstük schließt.
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"Ex. God's good Greeting be to this our happy Meeting. Resp. And all the right worshipful Brothers and Fellows. Ex. Of the Right Worshipful and Holy Lodge of St. John's. Resp. From whence I came. Ex. Greet you, greet you, greet you thrice heartily well, craving your name. Resp. Timothy Ridicule. Ex. Welcome, Brother, by the Grace of God." — |
Der "Fragprüfende. "Gottes guter Gruß sei unserer glücklichen Versammlung (Zusammenkunft) geboten! Antwortender. Und allen sehr ehrwürdigen Brüdern und Genossen. Frag. Von der sehr ehrwürdigen und heiligen Loge des heiligen Johannes. Antw. Von wannen ich komme. Frag. Ich grüße euch, ich grüße euch, ich grüße euch dreimal von Herzen. auf's schönste, und bitte um euern Namen. Antw. Timotheus Lächerlich. Frag. Willkommen, Bruder, durch die Gnade Gottes," — |
Ein Meistergruß kommt in Prichard's Meister - Lehrfragstükke nicht vor. Der in Browne's Aufnahmfragstükke (hier S. 120 f.) enthaltne Lehrlinggruß stimmt im Wesenlichen mit dem Prichard'schen überein. Der ebendaselbst mitgetheilte Gesellengruß ist an derselben Stelle, als bei Prichard, und ist noch viel umständlicher und feierlicher. (Er stehet hier vollständig S. 272 f.) Ein eigenlicher Meistergruß findet sich auch bei Browne im Meisterfragstükke nicht; wohl aber gegen den Schluß desselben folgende zwei Fragen.
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"What is a Master Mason's name? Answ. Cassia; Cassia is my name, from a just and perfect lodge I came; a Master Mason raised most rare, from the diamond ashler to the square. Q. What is an excellent Master Mason's name? G b n. Etc." |
"Was ist eines Meister-Maurers Name? Antw. Cassia; Cassia ist mein Nahm'; von einer gerechten und vollkommnen Loge ich kam, ein Meistermaurer erhoben baß, vom Würfelsteine zum Winkelmaaß. Fr. Was ist eines vortrefflichen Meisters Name? Antw. Gbn." |
Zu den nicht zu verwerfenden Überbleibsalen der sonst ausgebreiteteren Maurerspräche gehören auch noch die mancherlei Spuren von Hülfzeichen, welche, in weiterer Ferne für Auge und Ohr Vernehmbar, dem Maurer Rettung in Leibesnöthen gewähren sollten. Wer die Stürme =418= des Mittelalters kennt, Wer es weiß, wiewenig damals noch überall, besonders auch in England, Schottland und Irland, die persönliche Sicherheit zuverlässig war, der wird es sehr natürlich finden, daß die weitreisenden, selbst durch ihre Kunst in den Kriega) mit fortgerissenen, Maurer auf solche Rettungzeichen bedacht waren, und dieselben wohl nicht bloß den Meistern vorbehielten. → [In GM. wird …]
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a) Sowohl die römischen Baukünstler, als die britannischen unter den Angelsaxen, mußten Krieggeräthe verfertigen, Brükken und Festungen bauen, Wälle ziehen usw., und deßhalb den Heeren selbst folgen. Vitruvius war auch dem Baue des Krieggeräthes vorgesetzt. (Siehe in IV die Abhandlung über die römischen Baucorporationen!)
→ In GM. wird, übereinstimmig mit K. [s. hier I, 186!] und mit Prichard, [s. S. 58 f.!] ausdrücklich gesagt, daß die Maurer schwören, sich einander zu lieben; (s. hier S. 46 den Text, und n. 44!) und die drei Grundlehren der Liebe, Hülfe und Treue, (brotherly love, relief and truth,) welche in GM. (Fr. 40, 41, 42; hier S. 42) als die drei besonderen Punkte, und im neueren NE. Gebrauchthume bei Browne (Fr. 185 f.; hier S. 233 ff.) als die drei großen Grundsätze, woraus die Maurerei besteht, angegeben werden, sind wahrscheinlich uralt und echt überliefert. An dem, im Meistergrade mitgetheilten, Hülfzeichen ist wohl nur soviel echt, daß die Hände über den Kopf mit verschränkten Fingern hoch erhoben und die hohlen Hände dabei gen Himmel gedreht werden; der Ausruf hingegen: "der Sohn der Wittwe," (bei Einigen mit dem Zusatze: "von Naphthali,") ist inNoth," durfte schwerlich älter, als das 17te Jahrhundert, sein. Bruder Keher meldete, daß dabei gerufen werde, nicht wie eben erwähnt, sondern: "God help every Man, he (who) begs to God almighty!" "Gott helfe Jedermann, der zu Gott, dem Allmächtigen, flehet!" — Noch berichtete Br. Keher Nachstehendes:
"In jedem Grade werden Hülfzeichen gelehrt. Im ersten, sowie in allen andern Graden, gilt folgendes Hülfzeichen: der Bruder, der in Noth ist, and sie einem Bruder eröfnen will, setzt als Zeichen zwei, mit den Grundlinien ineinander verschränkte, gleichseitige Dreiekke,b) die mit ihren =419= Spitzen ein Sechseck bilden, und rundum mit Flammen umgeben sind,a) und schreibt mit vorgesetztem ∟, als Zeichen des Winkelmaaßes,b) dann sein Anliegen ganz kurz darunter. Der Brief wird sofort in Form eines gleich seitigen Dreiecks gelegt und abgeschickt. Der Bruder, der ihn erhält, ist verbunden, zu dem bedrängten Bruder sogleich zu kommen; nur darf es nicht über Dreiviertelstunden weit sein.c) Dem zweiten Grade ist dieses Hülfzeichen eigen: wenn man einen Bruder erblickt, so hält man den linken Arm, in die Form des Winkelmaaßes gebogen, in die Höhe und bildet mit dem Daumen und übrigen Fingern ebenfalls ein Winkelmaaß, und legt die rechte Hand, ebenfalls in die Form des Winkelmaaßes gebracht, auf's Herz." → [Was Kh. über das …]
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b) Aus der geistreichen Abhandlung Paterson's über den Ursprung der Hindu-Religion (Asiat. Researches, T. VIII, p. 44 seqq.) sehen wir, daß dieses Lehrzeichen, nebst dem Kreuze, schon im Sivaismus vorkommt, und wahrscheinlich aus dem älteren Brahmaismus entlehnt ist. =419=
Ein gleichseitiges Dreieck bedeutet, ganz einstimmig mit Pythagoras Lehre, (s. hier I, S. 310!) Siva, das ist Wesen, als alle Gestaltung auflösend, sofern es die drei großen Eigenschaften insich vereinigt; das andere Dreieck, das, damit innig vereint, in diesem Symbole dargestellt wird, Siva's Weib, mit denselben drei großen Eigenschaften. Und es wird ferner von dem Verf. dieser Abhandlung bemerkt, daß die indischen Lehrzeichen mit den egyptischen wunderbar übereinstimmen. (Vergl. IV, 439 ff., und hier S. 397 ff.!) Beide von Paterson angeführte Lehrzeichen des Kreuzes und der beiden ineinander geschobnen Dreiekke finden sich auch in der Tafel von 84 indischen Hieroglyphen, welche Moore in seinem Hindoo Pantheon zusammengestellt hat. Auch folgende Stelle aus Wünsch's Esoterika (Th. II, S. 128 f.) gehört hieher. — "Dazu stellten sie" (die Essener) "in ihren Konventen das kabbalistische Siegel Salomon's oder das Pythagorische Symbol der Schöpfung auf, welches aus zwei ineinander geschobnen gleichseitigen und mit Sonnenstralen umgebenen Dreiekken bestand, folglich die mystischen, jetzt Apothekerzeichen der damals vermeinten vier Elemente, des Feuers, des Wassers, der Luft und Erde, enthielt, und woraus der Schöpfer mit Hülfe des Lichts die Welt nach Maaß, Zahl und Gewicht geometrisch gebaut hat. — Man findet heut noch dieses mystische Bild an einigen Judenschulen angeheftet. Sie nennen es das Schild David oder Salomon's Siegel, und treiben vermeinte Zauberei damit."
a) Wenn auch dieß Zeichen vielleicht ursprünglich einen andern Sinn haben sollte; so kann es doch auf Vereinigung zu herzinniger Liebe ganz ungezwungen gedeutet werden.
b) "Welches überhaupt allemal vor den Anfang jeder masonischen Zuschrift gesetzt wird." Kh. an einem andern Orte.
c) Hiermit vergleiche, Was Plot in der in IV, 296 f., 357, abgedruckten Stelle hierüber enthält, und wie er diese preißwürdige Einrichtung lächerlich zu machen sucht!
→ Was Kh. über das Hülfzeichen des Meisteigrades sagt, habe ich vorhin schon angeführt. — Gewiß, dieser Gebrauch der Hülfzeichen stammt aus der =420= innersten Seele und dem tiefsten Gemüthe des Menschen, und ist gleichfalls ein fruchtbarer Wink zu ähnlichen Gebraüchen in dem vollendeteren Menschheitbunde. Die Anwendung des Winkelmaaßes dabei verdient stets beibehalten zu werden. — Über die masonische Wohlthätigkeit habe ich an mehren Stellen dieser Schrift meine Überzeugung und meine brüderlichen Rathschläge ausgesprochen, besonders I, 181 n. 70; II, 302 n. 133; IV, 352 Text u. Note; 262 f.
Hier muß ich auch noch einen schönen, lehrbildlichen Gebrauch erwähnen, dessen Bruder Keher gleichfalls gedenkt: "Wenn zwei Brüder, von denen Einer verreist, auseinander gehen; so machen sie das Zeichen des ersten Grades, heben den rechten Arm in die Höhe, zu Gott zeigend, machen mit dem Daumen und mit den vier übrigen, geschlossen aneinander liegenden, Fingern ein Winkelmaaß, sodaß der Daumen in die Höhe gereckt ist, und geben sich die Hände mit dem Lehrlingdrukke, welcher überhaupt allemal gegeben wird, wenn man sich ausserhalb der Loge die Hände giebt."
Daß die ältesten Maurer eine allgemeine Zeichensprache hatten, ist umso weniger zu verwundern, als ihre Lehrer, die Mönche, von den frühesten Zeiten her eine allgemeine Zeichensprache durch Geberden, die mit den Händen und Fingern gemacht wurden, ausbildeten. Der Ursprung dieser Sprache wird schon dem heiligen Pachomius (im 4ten Jahrhundert) zugeschrieben, da er dieselbe in seiner Ordenregel empfiehlt; auch Cassianus und Nicephorus erwähnen sie; und der heil. Basilius untersagt ihren Gebrauch. (Bivarius de vet. Monachatu II, 285 n. 26.) Der heilige Benedictus nahm sie in seinen Orden mit auf. Vorzüglich aber erweiterten die Cluniacenser, ein Zweig der Benedictiner, der auch in England viele Abteien hatte, diese Sprache, unter der Abt Odo (im 10ten Jahrhundert); "sodaß sie mit dieser Finger- und Augensprache alles Nöthige bezeichnen konnten, und der Zunge allenfalls hätten entbehren können."a) → [Diese Kunst der …]
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a) De antiquis Monachorum ritibus, studio Martene (Lugd. 1690.) p. 881. Diese Abhandlung über die Zeichensprache, im Martene liegt der in dem auf folgender Seite anzuführenthem Werke Herrgott's befindlichen zum Grunde; nur daß letztere ausführlicher ist, und mehre abweichende Lesarten hat.
→ Diese Kunst der Cluniacensermönche ist uns zum großen Theil in zwei Handschriften aufbehalten worden; in einer kürzeren, welche das XVIIte Capitel in Bernard's, =421= eines Schriftstellers des 11ten Jahrhunderts, Beschreibung des Cluniacenser-Ordensa) ausmacht; und in einer längeren, dem 5ten - 25sten Kapitel von des Heiligen Wilhelm Constitutionen des Klosters Hirschau.b) Hier findet man die Zeichen aller üblichen Speisen, Gewürze, Getränke, Gefäße, Kleider, Kirchengeräthe, Priesterkleider, aller Theile der Liturgie, der Bücher, der Personen nach allen Ständen, verschiedener andern Dinge, der Gebäude und ihrer Theile, und der metallischen Geräthe. Diese Zeichensprache ist sehr bezeichnend, einfach und sehr scharfsinnig. Ich führe nur zwei Beispiele an, die hieher gehören. — Unter den Klosterbeamten ist auch ein Meister der Maurer (magister caementariorum); dieser wird dadurch bezeichnet, daß man das allgemeine Zeichen eines im Kloster Lebenden macht, und dann abwechselnd eine Faust auf die andere setzt, als wenn man den Bau einer Mauer darstellen wollte (praemisso generali, pugnum super pugnum pone vicissim, quasi simules construentes murum).c) Dieß Zeichen ist aber hier nicht als ein Theil der Maurersprache, sondern der Mönchsprache, anzusehen. — Dann wird jedes Gebäude so bezeichnet, daß man, die hohlen Hände nach unten, die Spitzen aller Finger vereinigt und die Hände nach unten wie ein Dach öfnet. Will man dann eine Kirche ausdrükken, so wird dieß allgemeine Zeichen vorangeschickt und dann das Zeichen des Kreuzes gemacht. Da nun gewiß mehre dieser Zeichen späterhin schriftlich gegeben wurden, und die Benedictiner unser altes Ritual vielfach umgearbeitet haben; so ist vielleicht daher das Zeichen für die, der Kirche heilige, Loge entstanden, welches sich in GM. (Fr. 16; hier S. 36 ff.) findet, und aus einem Dreieck mit darunter gesetztem Kreuze besteht. Das Zeichen eines Toden ist, den Zeigefinger quer über die Kehle zu ziehen (indicem per obliquum gutturis trahe).d) — Obgleich die Kartheuser anfänglich, sich dieser Zeichen nicht bedienen sollten;e) so geschah es späterhin dennoch; und es sind uns auch von ihnen, und noch von andern Orden, =422= Fragmente solcher Zeichen aufbehalten worden.a) Daß also viele der überlieferten masonischen Lehrzeichen ans dieser Zeichen- und Geberdensprache der Mönche entlehnt worden, leidet keinen Zweifel: jedoch mögen mehre derselben noch einen altern Ursprung aus dem Zeichenthume der Brahmanen und der Soofi haben; so z. B. sind die stillen, heimlich gemachten Fingerstellungen der Brahmanen bei dem Gebete von ähnlicher Art. (Siehe Solvyn's Hindous!) Doch Dieses gründlich darzustellen, würde mich hier zu weit führen.
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a) Vetus disciplina monastica, auctere Herrgott. Parisiis 1726; Ordo Cluniac. per Bern., Cap. XVII. de Notitia Signorum, p. 169 - 173.
b) Martene loc. cit., p. 882 - 888. Herrgott loc. cit. S. Wilh. Const. Hirsaug., p. 385 - 401.
c) Herrgott, l. c., p. 398 lin. 16.
d) Herrgott, l. c., p. 399.
e) Martene, l. c., p.881 - 832. Vergl. I, 173 das Lehrlingzeichen! =422=
a) Martene p. 888 - 892.
Oft bleiben Lehrzeichen (Symbole), und ihre Auslegung schwindet, oder wird verändert; oft bleibt dagegen die Auslegung, wird jedoch an andere Lehrzeichen gekettet. Beides hat auch in Ansehung der Maurerlehrzeichen in England, Schottland und Irland vielfach stattgefunden. So mögen auch wohl die Erkennzeichen vor Alters einen ganz natürlichen, oft sehr schönen, Sinn gehabt haben; doch er erlosch, oder wurde von spätern Auslegungen, welche veränderte Zwekke der Gesellschaft an die Hand gaben, verdrängt. Hievon zeigt sich an den in unserer Urkunde überlieferten Auslegungen des Zeichens und Wortes eine deutliche Spur.b) Das Zeichen wird auf die erst später eingeführte barbarische Strafe bezogen, und das Wort: Jachin, wird dem Lehrlinggrade zugeeignet. Dieß kann ursprünglich mit den Erkennzeichen nicht der Fall gewesen sein, die schon zu Zeiten der Yorker Constitution im Jahr 926 da waren. (Siehe unten die Yorker Constitution!) Nun finden wir schon in GM. nicht bloß ein Halszeichen, sondern vier Zeichen von ähnlicher Art, mit den Worten erwähnt: Ein Kehlzeichen (a guttural) ⌝, ein Fußzeichen (a pedestal) ⌞; ein Handzeichen (a manual) >; ein Brustzeichen (a pectoral) ☓.c) Die beistehenden Figuren mögen wohl sehr entstellt sein; die drei ersten scheinen sich sämmtlich auf das Winkelmaaß zu beziehen;d) das letzte aber scheint ein kreuzweises Legen der =423= Arme mit den Händen auf die Brust anzudeuten,a) Aus Prichard erfahren wir hierüber (Fr. 75 - 77) Folgendes. — "Wieviel Hauptzeichen (principal Signs)?" "Vier." — "Welches sind sie?" "Das Kehl-, Brust-, Hand - und Fußzeichen. (Guttural, Pectoral, Manual, Pedestal.)" — "Erkläret sie!" "Das Kehlzeichen den Hals; das Brustzeichen die Brust; das Handzeichen die Hand; das Fußzeichen den Fuß." Hier muß man vielleicht stillschweigend verstehen: betrifft, geht an (concerns) den Hals usw. Diese Zeichen finden wir bei Browne, (Fr. 187 - 189; hier S. 236 Fr. 187 ff. nebst Erklärung) einen sehr guten, und zugleich sehr ungezwungnen und altbrauchigen, Sinn untergelegt.
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a) Martene, p. 888 - 892.
b) Man sehe, Was ich schon oben S. 172 und 173 in der 60ten Note über den ursprünglichen Sinn des Zeichens, Wortes und Griffes andeutete!
c) Dieß Zeichen erinnert zugleich an das schottische Andreaskreuz, und ist auch noch bei den Zunftmaurern in Deutschland gebräuchlich. (S. IV, 260 n. b!)
d) weil ja in GM., Pr. und Br. "alle rechte Winkel, und alle Linien, Erkennzeichen eines Maurers sind." (Siehe S. 122 f.!)
a) Siehe oben S. 261 n. *!
Dann folgen (hier S. 239 - 245) auf mehren Seiten recht gute Lehren der Lebenweisheit; wobei jede dieser Tugenden einzeln erläutert, auch noch in einer besondern amtlichen Frage Tugend für das unterscheidende Merkmal eines Maurers (the distinguishing character of a Mason) erklärt wird. — Es ist merkwürdig, daß diese vier Zeichen von Browne für ursprünglich, (original, was nach dem einzig gangbaren Sprachgebrauche nur soviel heißt, als mit der Sache selbst entsprungen,) also für so alt, als das Gebrauchthum (Ritual) selbst, ausgegeben werden. Da nun die erwähnten vier religiösen Hanpttugenden, einstimmig mit der stoischen Philosophie (siehe oben S. 91 und 92!) bildlich, der gewöhnlichen Vorstellung gemäß, jenen Gliedern des Leibes entsprechen: so vermuthe ich, daß diese Auslegung der Zeichen alt und echt ist; wenigstens ist sie des Geistes würdig, der aus der Yorker Constitution, dem Fragstück unter Heinrich dem VIten, und aus der ältesten Lehrlinglection uns anweht. — Auf diese Weise konnte also das Handzeichen, — (aus dem in Browne und Prichard liegenden Grunde auch das Halszeichen oder Kehlzeichen genannt, weil es im Ganzen auf die Tugend der Mäßigung sich bezog,) — gar wohl längst da sein, und vorzüglich als Hindeutung auf Gesetzlichkeit und Verschwiegenheit gebraucht werden, ehe es späterhin durch die Anwendung auf die Strafe des Halsabschneidens entweiht wurde. (Vergl. S. 421 n. e!)
Eine sehr schöne Anwendung des Brustzeichens findet sich bei Prichard (Fr. 57, hier S. 74 f.) vor; wie ich dort ( in n. *) ) bemerklich gemacht habe. =424=
Bruder Keher läßt das Halszeichen so machen, "daß mit dem Daumen und den übrigen Fingern ein Winkelmaaß gebildet, der Daumen in die Halsgrube gesetzt, und so die Hand schnell auf die rechte Seite gerissen wird, als Andeutung der Strafe."
Über den Lehrlinggriff ist zwar in unserer Urkunde keine Erklärung überliefert; aber der dabei gegebne Druck bringt ihn mit dem aus GM. (S. 46 f. n. 4) erwähnten Händedruck und den fünf Punkten der Genossenschaft, und mit dem bei diesen fünf Punkten gebräuchlichen Griffe, in Eine Klasse.a)
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a) Der Gesellengriff ist eine jüngere, leichte Abänderung des Lehrlingriffs, und ohne eigentümliche Bedeutsamkeit.
Was die Säulen Jachin und Boaz ansichselbst betrifft, so sehe man darüber die ältere Schrift: "der Tempel Salomonis usw. in einem Modell in dem Waisenhause zu Glaucha an Halle, zur Erläuterung sehr vieler Örter der heiligen Schrift, anno 1717 aufgeriebt;" Halle 1718; in 4to; mit Kupfern, welche freilich mit willkührlichen Erdichtungen ausgeputzt sind, und von einem nicht schönsinnigen Bauverständigen herrühren. Da werden alle einzelne Stükke des Tempels angeführt, unter andern, Num. 186, "die zwei aus Erz gegossenen Säulen, 18 Ellen hoch, so zu den Seiten des Eingangs im Tempel stehen. Die zur Rechten gegen Mittag nannte Salomo Jachin, das ist befestigt, und die zur Linken Boaz, das ist gestärket; 1. Könige VII, 15 - 27. Darauf zielen ohne Zweifel Jerem. 1, 18; Apoc. 3, 2; 1 Timoth. 3, 15." — Num. 187. "Die Kapitäle oder Knäufe auf denselben, 5 Ellen hoch." — Num. 188. "Das Netz- oder Strickwerk über denselben, welches 2 Ellen hoch über die Kapitäle herabgehangen." — Num. 189. "Das Lilien- oder Blumwerk über den Kapitälen, 4 Ellen hoch." — Die Saülen standen im Innern des weitläufigen Tempelgebäudes, außen vor dem eigenlichen Tempel, vor den 7 Stufen, die aus dem Priestervorhof in die Vorhalle führten; durch die Vorhalle kam man in das Heilige, und durch dieses erst in das Allerheiligste. Sie sind auf Tafel II. abgebildet; auf den Kapitälen steht hier (ohne daß die Bibel oder Josephus davon Etwas erwähnen; gerade so, wie im NE. Systeme und auf dem =425= oben mitgetheilten Frontispiece aus JB.) eine Kugel und darüber Etwas, das einer Lilie nicht unähnlich siehet. — Doch, soviel nur hierüber geschichtliche Auskunft möglich ist, ertheilt die Schrift: "Der Tempel Solomon's, von A. Hirt, mit 3 Kupfertafeln. Berlin bei Weiss 1809." In dieser geistreichen Schritt findet sich Alles zusammengestellt, was wir über den Solomon'schen Tempel aus der Bibel, und aus Josephus, (welcher indeß selbst keine anderen Acten, als die Bibel, vor sich gehabt zu haben gesteht,) wissen, und der schönsinnige Verfasser hat aus diesen, freilich mangelhaften und unter sich streitenden, Nachrichten eine bildliche Darstellung des Innern und Aüßern dieses merkwürdigen Gebäudes in 3 Kupfertafeln zu Stande gebracht. Er geht dabei von den richtigen Voraussetzungen aus, daß der Salomon'sche Tempel nach dem Model der Stifthütte eingerichtet und in egyptischem Style gebaut gewesen sei. Die beiden Saülen Jachin und Boaz finden sich Taf. II, Fig. I, 5; Fig. II, e, abgebildet. Der eigenliche innere Tempel Salomon's selbst ist ein längliches Viereck von Abend gegen Morgen, an dessen einer Kleinen Seite gegen Osten diese beiden Saülen stehen. Hieraus sieht man, daß auf dem in vielen Logen gebräuchlichen Tapis diese Saülen fälschlieh in Westen gemalt, oder als wirkliche Saülen aufgerichtet sind. — Welchen Sinn Salomon mit diesen Saülen verband, bin ich für jetzt nicht im Stande zu entscheiden; die jüdischen Sagen der Rabbinen, soweit ich habe nachlesen können, enthalten sämmtlich Nichts davon.a) Vielleicht hat das NE. Gebrauchthum des Gesellengrades Recht, wenn es sagt: (Br. p. 52; hier S. 267 f.) "sie hätten deßhalb am Eingange des Tempels gestanden, um die Israeliten an die zwei Wundersaülen zu erinnern, die Lichtsaüle, die sie zum rothen Meere führte, und die Wolkensaüle, die sie bei Tage umhüllte;" — wenn gleich diese Aüßerung im Br. wohl mehr als Chifer zu verstehen sein möchte. Daß sich diese Saülen auf die bei den Phönikern =426=übliche Verehrung von Sonne und Mond bezogen haben sollten, und daß Salomon hierbei dem tyrisehen Baumeister Hiram nachgegeben habe, ist mir nicht wahrscheinlich; denn die vollständigen Risse wurden, zufolge der jüdischen Überlieferung, (Chronic. I, 28, v. 12,) schon David von Gott selbst übergeben, und Salomon würde wohl schwerlich, als strenger Jehovahdiener, irgend Etwas bei diesem Baue zugelassen haben, was auf Abgötterei nur entfernte Beziehung hatte. Weit wahrscheinlicher ist die Hypothese über den hierarchischen Gebrauch dieser Säulen, welche Hirt in der erwähnten Schrift, veranlaßt durch Bendavid's Abhandlung: über die innere Einrichtung der Stifthütte, (im Berlin'schen Archiv der Zeit, October 1797, S. 27 f.) außtellt. Goldne Ketten liefen aus dem geheimnißvollen Raume über dem Heiligsten bis auf diese Saülen heraus, und vor ihnen im Priestervorhofe stand der gleichfalls eherne Braudopferaltar; bei der Weihe des Tempels erfüllte eine Gewitterwolke plötzlich das Innere des Tempels; in Maccab. II, 1, v. 18 - 31 und 2, v, 1 - 13 finden sich merkwürdige Stellen über das Verbergen und Wiederauffinden des heiligen Feuers, und die Wundersäulen bei der Auswanderung aus Egypten können einen ähnlichen Ursprung und Zweck gehabt haben.
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a) Auch der in sämmtlichen rabbinischen Schriften sehr belesene Rabbi Naphthali Abraham behauptet, daß sich daselbst über J. und B. weiter Nichts finde, als folgende Erklärung im Talmud. "Jachin ist auf den Mond zu beziehen, darum; "daß es gründlich ist, weil bei der großen Erdnähe des Mondes alle sich auf ihn beziehende Rechnungen leichter, genauer und sicherer sind, als die sonnlichen. — Boaz deutet ebenso auf die Sonne, weil die Sonne stark ist in ihrer Wirkung auf die Erde, auf Pflanzen und Thiere und das ganze Erdleben."
Eine wesenliche Beziehung dieser Saülen auf die urwissenschaitliche, auf den Himmelbau gegründete Lehre der Urvölker hat.
Br. Wünsch in seiner, Esoterica betitelten, Schrift (Zerbst 1818, S. 95) angedeutet,a) und noch =427= genauere Außchlüsse hierüber verspricht die durch ausführliche Schriften, deren immer mehre erscheinen, beförderte Kunde des indischen und egyptischen Alterthumes. — Die einzeln stehenden Saülen sind (nach Vitruvius) wenigstens ebenso alt, als die Tragsäulen, und waren vorzüglich als Denkmale gebräuchlich. Wir finden sie bei den ältesten indischen und egyptischen Tempeln; Welches nachzuweisen mich hier zu weit führen würde. Auch das Netzwerk und Lilienwerk hatte wohl zu Salomon's Zeiten einen tiefen Sinn. Welcher er auch gewesen sein mag, so hat doch das NE. Großmeisterthum damit eine gleich sinnvolle, echtmaurerische Auslegung, welche auf die Allgemeinheit der Maurerei hindeutet, verknüpft, die uns Browne (Gesellengrad, Seite 51 - 53) mittheilt; woraus ich einen Auszug vorn S. 267 ff. gegeben habe. Wenn es in Br. von beiden Saülen zusammengenommen heißt, daß sie Beständigkeit bedeuten; "denn Gott sagte in seiner Macht, er wolle dieß mein Haus fest machen", so ist hier die vormalige Beziehung auf das Stuart'sche Könighaus nicht zu verkennen.
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a) Boaz und Ruth, die Urgroßältern des Königs David, "stammen gleichfals von Sonne und Mond ab. Boaz heißt soviel, als der starke Held kömmt herab, legt sich schlafen, oder der Herr vollendet sein Werk, oder die Sonne geht unter. Denn die Götter oder Gestirne kamen ja vor Alters auf die Erde zu den Töchtern der Menschen herab, um Könige und Heroen mit ihnen zu zeugen. Hier war jedoch Ruth auch schon eine Göttertochter, die zur Sonne des Abends hinlief, usw. Man hat also dieses Büchlein " (das Buch Ruth?)" bloß gedichtet, um den König David zu vergöttern, oder doch um zu zeigen, daß dessen Ahnen schon große Götter waren; wenigstens behaupten die Rabbiner, daß in gedachten beiden Namen wichtige Geheimnisse liegen, die sie selbst nicht kennen."
Die beiden am Thore des Innern Tempels, dem Sinnbilde des Thierkreises, wo die Sonne bei den Cherubim wohnt, ohne Gebälke aufgestellten Säulen, 1 Kön.7, 15 - 22, genannt Jachin, oder der Starke, steigt auf, fängt sein Werk an, und "Boaz, der Starke, kommt herab, vollendet sein Werk, bedeuten wieder die beiden Saülen des Herkules oder Simson's, =427= das ist, sie stellten zwei fruchtreiche, mit Granatäpfel- und Oelbaümen prangende Berge, zwei Stützen des Himmels vor, hinter deren einem den ältesten Völkern die Sonne aufzugehen, hinter dem andern hingegen auf den Erdboden herabzukommen und in das Meer zu sinken schien. Ursprünglich aber waren beide gedachte Namen bloß ein Paar Exclamationen. Nämlich bei Sonnenaufgang rief man freudenvoll: Jo! Ehem! Jachhei! Jachin! Bei Sonnenuntergänge sagte man aber: Bauz, da liegest du! wie wir jetzt noch sagen, wenn wir ein geliebtes Kind zum Schlaf auf's Bette werfen." Diese Erklärung besteht sehr gut mit den von Hirt geaüßerten, soeben erwähnten Vermuthungen über den mystisch physikalischen Gebrauch dieser Saülen, welche selbst ihren Ursprung zunächst in Egypten, und mittelbar zuerst in Indien haben, wo dergleichen Saülen aus uralten Zeiten noch jetzt gefunden, werden. Die gelehrtere und tiefere Untersuchung gehört ober nicht hieher. Einige Bestätigung erhält diese Annahme des Br. Wünsch durch die in voriger Note befindliche Nachricht des Rabbi Naphthali.
Was ferner meine oben (S. 172, Note 60) geaüßerte Vermuthung betrift, daß diese Saülen ehedem beide in der Lehrlingaufnahme gebraüchlich gewesen, so beruht sie auf folgenden Gründen. 1) Nach K., JB. und M. tragen die beiden Aufseher diese Saülen wirklich in den Händen. (Siehe oben S. 242 n. 20; 262 C, und 263, C; 276*; 292 N.?.; 304.) 2) Steht in GM. (Fr. 29 - 30) "Wieviele Saülen?" "Zwei; Jachin und Boaz." — "Was stellen sie vor?" "Die Stärke und das Bestehen der Kirche =428= zu allen Zeiten." Mithin erscheinen sie hier ungetrennt. 3) In Prichard (Fr. 86 - 87; hier S. 78 f.) muß der Lehrling sowohl das Wort Jachin, als auch das Wort Boaz, kennen. 4) Br. Houseal erinnerte sich, in einigen Loger der alten Maurer Jachin, in andern Boaz, in einigen auch Beides, im Lehrlinggrade gebräuchlich gefunden zu haben, besonders in Nordamerica. — Man konnte diese Säulen auch deßhalb in den Gesellengrad übertragen, um in demselben, wie in Browne's Master Key geschehen, manche Lehre an sie anzuknüpfen, und die Handlung des Arbeitens und Lohnempfahens im Tempel dadurch vollständig zu machen.
Ich kehre zu den Erkennzeichen selbst zurück. — Bei Prichard (Fr. 85 - 87) sind die Erkennzeichen so verbunden: "Das Zeichen fordert ein Merkmal (the Sign ,demands a Token); das Merkmal (oder der Griff) fordert ein Wort." Auf ähnliche Art auch bei Browne (hier S. 172 f.); bei Diesem wird aber nach dem Worte noch der Gruß eingeschaltet: "Von den sehr achtbahren und ehrwürdigen Brüdern und Genossen der heiligen Loge des heiligen Johannes komme ich, Euer Ehrwürden schön zu grüßen." Doch hat Br. Zeichen, Wort und Griff nicht mitgetheilt. — In der Urschrift, welche K. und JB. abgeschrieben haben, hat keine Erklärung der Erkennzeichen gestanden; denn K. und JB. bringen sie nur in Noten bei: diese Verfasser haben sie daher aus dem damals üblichen Logenlehrbegriffe mündlich mitgetheilt erhalten. M. dagegen hat die Erklärung des Halszeichen, sehr nachdrücklich abgefaßt, mit in das Lehrlingfragstück Selbst aufgenommen, und die Frage eingeschaltet: "Was bedeutet das Zeichen?" — Das Zeichen selbst giebt er mit folgender Abweichung an: "die 4 Finger der rechten Hand, den Daumen unter der Fläche eingeschlagen, quer über, dem Halse von Links zu Rechts etwas schräge, oder schneideweise gezogen, um die im Lehrlingeide bestimmte Strafe anzudeuten."
Zu den Erkennzeichen ist auch noch das eigne Losungwort jeder einzelnen Loge zu zählen. "Jede Loge hat in Schottland ihr eignes Losungwort, das Mitgliedern anderer Logen nicht mitgetheilt wird. Man setzt es zwar in die Lection, aber in Gegenwart besuchender Brüder sagt man: ""ich bewahre es.''" Daher muß auch jeder Besuchende sein Logencertificat produciren, ehe er eingelassen wird." Keher. =429=
Zum Schluß kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken, daß geheime Erkennzeichen, weil sie immer einen Geist der Aussonderung aus der übrigen Gesellschaft verrathen, auch bei Schwachen einen gewissen Dünkel unterhalten, als Geheimzeichen abgeschaft zu werden verdienen, und daß der Bund, anstatt auf eine Geheimsprache und Geheimschrift (Kryptographie), lieber auf eine allen Menschen verständliche Allsprache (Pasigraphie und Pasilalie), oder vielmehr auf eine offenkundige Wesensprache, sinnen sollte, (von der ich bereits mehrmal gesprochen, (s. Sachverzeichniß unter Pasigraphie und Wensensprache!) welche die Wesenheit der Kunst allen Menschen faßlich und annehmlich zu machen vermöchte.
49ste Frage. Ich habe kein Beispiel finden können, daß die bei den Mönchbrüderschaften, als angenommene Brüder und Theilhaber an den Beneficien der Klostergesellschaften, zugelassnen Laien und Laienbrüderschaften Orden genannt worden wären; ich zweifle, ob Dieß jemals hat geschehen können. — (Vergl. S. 135 n. 56!)
50ste Frage. Die Stelle, worauf ich oben in der 58ten Note hindeutete, ist: Browne Fr. 104 f.; hier S. 172 f.
51ste Frage. "Bekamst Du einen Schurz?" "Ja! eignen Schurz von einem Lämmerfelle." — "Warum von einem Lämmerfelle?" "Weil ein Freimaurer geduldig, wie ein Lamm, sein muß, um bei seiner Arbeit mit desto mehr Inbrunst zu Gott, dem Allmächtigen, beten zu können." Diese Erklärung des Brs. Keher deutet auf einen sogenannten höhern Grad hin.
Zu welcher Zeit dieser lehrzeichenliche Gebrauch des Schurzfelles entstanden ist, darüber habe ich keine geschichtliche Nachricht. Ich vennuthe aber, er mag sehr alt sein; weil im Mittelalter jeder Stand bei feierlichem Erscheinen durch seine Tracht sich auszeichnen mußte; weil ferner die Auslegung der weißen Farbe dem Geiste des Ganzen so natürlich ist, und schon das den Stiftern unseres Gebrauchthumes, wahrscheinlich von den römischen Baukünstlern, überlieferte weiße Gewand (IV, 174), sowie das ihnen vielleicht vorschwebende Musterbild der Esseer, (s. zuvor S. 358 f.!) ebenfalls an weiße Kleider erinnerte.a) Daß die Schurzfelle bei der Arbeit nicht weiß bleiben, ist kein Einwand gegen die Feierlichkeit dieser Bekleidung; denn es ist hier bloß von dem Schurzfelle die Rede, welches =430= an Ehrentagen getragen wird. Auch die Maurer unter den Tempelherren trugen während der Arbeit lederne Handschuhe.a)
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a) Ich werde in der Abhandlung, womit diese zweiten Bemerkungen schließen, hierzu noch Einigesbemerke.
a) Siehe Münter's Statutenbuch, S. 178! "Kein Bruder darf lederne Handschuhe tragen, den Bruder Kapellan ausgenommen. … Auch tragen die Brüder Maurer sie zuweilen: und man erlaubt ihnen Solches, wegen der schweren Arbeit, die sie haben, und weil sie ihre Hände so leicht verwunden können. Sie dürfen sie aber nicht tragen, wenn sie nicht arbeiten." Auf diese Stelle bin ich durch den verehrungwürdigen Br. von Anton in Görlitz geführt worden.
"Der Meister überreichte mir einen weißen lammfellnen Schurz, welchen er mir anthat, und dabei sagte: es sei ein wahres Zeichen der Unschuld, viel älter, als das goldne Vließ, oder der römische Adler; und viel ehrbarer und ansehnlicher, als alle andere Ordenzeichen, Sterne und Bänder unter der Sonne; und daß er mir nur einmal in meinem Leben, nehmlich jetzt, sonst aber niemals wieder, überreicht werden könnte." M. — (Vergleiche auch Browne Fr. 98; hier S. 170; wo ich in der 101ten Note manches Merkwerthe über den Maurerschurz beigebracht habe.)
Wenn die alten Brüder sich nicht einer erhabnen, allgemeinmenschlichen Lehre, und einer höheren Bestrebung , bewußt waren, als der des Helden, des Staatmanns, des Künstlers und des Wissenschaftforschers; wenn nicht die Würde der Menschheit und der Menschlichkeit, welche höher ist, als jeder einzelne, einseitige Ruhm des Standes und der Geburt,b) der Erkenntniß und der Kunstfertigkeit, sie innig durchdrang: wie konnten sie, als Baumeister, und wie konnten die Mitglieder der Brüderschaft, als gemeine Arbeitleute, sich über jene Auszeichnungen erhaben erklären, welche den größten Theil des Menschengeschlechtes noch heute verblenden, — welche gehörig zu würdigen und höheren ewigen Gütern unterzuordnen, nur dem Gottinnigen und wahrhaft menschlich Gebildeten möglich ist? — Aus den Zeiten, wo die Brüderschaft sich zu politischen Planen verirrte, wo die Stuar'sche Familie wieder auf den Thron gesetzt werden sollte, kann diese lobpreisende Erhebung des Masonenbundes über alle bekannte Orden jener Zeit keinesweges herrühren; denn vorzüglich =431= die Anmaßung des Alters und der höheren Würde über elle Würden könnte in diesem Falle gar keinen Sinn haben.
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b) Siehe meine frühern Bemerke hierüber: S. 212, n. 142; S. 228, n. 165; S. 229, n. 166!
Es ist mir wahrscheinlich, daß schon von Alters her dem Neuaufgenommenen hier auch ein Paar weißlederne Handschuhe überreicht warden. Denn dieser Gebrauch ist allem Übrigen angemessen; er wird von Plot, als um das Jahr 1686 gebräuchlich, erwähnt, und schon die Maurergesellschaften in den Masoneien der Tempelherren trugen solche Handschuhe,a)
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a) Siehe Plot in der Stelle, welche in IV, S. 297, Z. 2, abgedruckt ist, und die Stelle aus Münter auf der yorigen Seite!
52ste - 56ste Frage. Hierüber erklärt sich M. folgendermaßen. — "Welches sind diese Werkzeuge, Bruder?" "Der 24zolIige Zollstab, das Winkelmaaß und der Dreispitzhammer." — "Wozu werden sie gebraucht?" "Der 24zollige Zollstab, um meine Werke abzumessen; das Winkelmaaß, um meine Werke zu ebnen, und der Dreispitzhammer, um das Überflüssige wegzuklopfen, damit das Winkelmaaß wohl passen möge." — "Bruder! wir reden hier von solchen Freimaurer - Werkzeugen, die nur einen Bezug auf die Sittenlehre und Beschäftigung des Geistes haben; Du mußt sie mir also besser erklären!" Nun folgt die Erklärung, wie in K., und unter'm Text ist bemerkt: "Die ersten 6 Stunden zur Arbeit bedeuten die Beschäftigung eines Jeden nach seinem Beruf; die 6 Stunden für Gott bestehen in Ausübung der Tugenden und des Gottesdienstes; die 6 Stunden für einen Bruder sind menschenfreundliche Handlungen."
Daß Morals nicht Sittenlehre (geheime Kunstlehre), sondern sittlicher Wandel, heißt, ist auch aus Browne ersichtlich, wo (Fr 77) der Aufzunehmende ein Mann von streng sittlichem Lebenswandel (of strict Morals) sein soll.
Für "vergeistigen" (spiritualize) braucht Browne auch noch das Wort moralize, sittlich oder sittenlehrlich (moralisch) auslegen.
Übrigens rührt dieß Vergeistigen gewiß schon aus dem zehnten Jahrhundert her; auch wurden schon sehr früh Nichtbaukünstler als Patrone in die Brüderschaft aufgenommen. (Siehe hier S. 279, n. a!)
Die hier erwähnte Eintheilung der Zeit kann allerdings dem Klosterleben nachgebildet sein. Denn selbst in England mußte unter den Angelsaxen jeder Geistliche eine =432= Handarbeit, das ist ein Handwerk oder Landbaugeschäft, oder auch eine freie Kunst, lernen,a) auch die Jugend, im Volk lehren. Körperliche Arbeit war auch den Mönchen schon durch Hieronymus, dann in der Regel des Basilius,b) sowie in der Regel des Benedictus, als =433= Pflicht ihres Standes, aufgelegt, und alle Die, welche über das Mönchleben Vorschriften geben, vergessen nicht, Dieß einzuschärfen,a) → [Zu Seite 183…] =434=
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a) Siehe (in Wilkinsii Legibus Anglosax.) die Gesetze König Edgar's (um's J. 960 - 975): "docemus etiam, ut Sacerdotes juventutem fedulo doceant, et ad opificia trahant, ut Ecclesiae auxilium inde habeant. — Docemus etiam, ut quilibet Sacerdos, augendae scientiae causa, diligenter discat opificium."
b) Da die Geschichte der Basilier-Mönche für (life Geschichte der Culdeer wichtig ist, und die Hülfmittel derselben nur in großen Büchereien gefunden werden, so halte ich es für zweckmäßig, einige Kundnisse über dieselben aus der Schrift: Ordinum religiosorum in Ecclesia militanti, eorumque indumenta icc. expressa etc.; ed. III; (Romae 1722, 4to; Pars I, n. XCIII) mitzutheilen: "Monachus sancti Basilii in Graecia. Sanctus Basilius Cappadox scribens Eustachio epift. 79. retulit a se visos in Palestina et Mesopotamia multos vitam ducere in frigore et nuditate, quasi in aliena carne degerent ipso opere ostendentes, quid fit in rebus vitae peregrinum esse; et conversationem in coelo habere; at se cupere quantum sibi possibile esset illos aemulari. Quamobrem crasso et rudi pallio, et zona, et e rudi corio calceamentis contentus, thiaram Episcopalem contemnens, in Sylvas Ponticas secessit, et Gregorium Nazianzenum ad idem vitae institutum vocavit. Deinde Monachorum antiquorum leges ita temperavit, ut solitariae atque actuosae vitae utilitates simul conjungerent. Regulam ab eo scriptam sequuntur omnes Monachi in Graecia, quorum imago exhibetur. Induuntur tunica lanea nigra, quam circa lumbos cingunt. Huic alia vestis pariter nigra imponitur cum manicis tribus circiter palmis latis, in parte, anteriori aperta habet, fimbrias laneas alterius, suboscuri tamen coloris, quas possunt parvis orbiculis conjungere. Caput semper tegitur quodam bireto, quo aures etiam conteguntur. Caputium insuper addunt, cui vittae conjunguntur, quae hinc super brachia dopendent, iisque crucem significari ajunt. Capillos et barbam nutriunt. Divina operantur Graecorum ritu, et in fermentato consecrant. Floruit autem ordo per multos annos in partibus Asiae minoris, sed recedentibus Graecia a Romana Ecclesia, eorum erroribus hi Religiosi corrupti sunt; ita ut inter eos pauci admodum, et in publico nullus, fidem Catholicam profiteantur; imo in tres classes dividuntur, quarum prima continet Monachos extra septa Monafterii in domibus privatis degentes, nullis votis obstrictos; secunda eos, qui vocantur Microscimi in Monasteriis viventes, sicut qui in tertia Classe dicti Megaloschimi, atque ii caputium magis amplum ferunt cum tunica superiori manicis orbata, solitariam vitam ducunt, nec extra septa abeunt, omnes tamen votis Religiosorum obstricti, horas Canonicas recitant, et a carnibus se abstinent. Floruisse S. Basilium circa ann. 362 affirmat Long. in sua Chron. et ex hac vita migrasse anno 578 ex S. Hieron. docet in Baron. in not. In ebendiesem Buche findet sich noch Folgendes bemerkt: "In Genua war auch eine Congregatio S. Basilii (quae Armenorum vocabatur) welche aber im J. 1550 von Pabst =433= Innoc. X. aufgehoben wurden. Augustinus bezeugt, daß noch bei Lebzeiten des Basilius Mönche nach seiner Regel lebten. Gregor XIII., const. 58 divi Basilii, sagt: "daß seine Söhne (Ordensöhne), ausgezeichnet durch Heiligkeit des Leben und durch Gelehrsamkeit, in allen Ländern der Erde (toto terrarum orbe), vorzüglich aber in Asien, Palästina, Griechenland und Italien, viele Jahrhunderte lang geblüht haben." — Alle italische und spanische Basilier-Mönche nahmen erst im Jahr 1443 römisch-catholische Kirchengebraüche (ritum Latinorum) an," — "Hinc est fortasse, quod sub D. Basilii regula vivere sibi suadeant quidam Monachi in multis Germaniae locis. — Caeterum hi Religiosi omnium venerationem exigunt ob virtutum exempla, quas exercent. (Recensentur in hiftoria Fundatt. Ordd. rell. gallice conscripta. et Amstelod. vulgata 1668.) Merkwerth ist die Versicherung des Gregorius Nazianz. (in orat. de laudibus B. Basilii); "daß sehr vermuthlich alle späterhin von verschiedenen Heiligen entworfene Ordenregeln aus der des h. Basilius, wie aus einem gemeinsamen Quell, geflossen." Daher ist anzunehmen, daß auch die Mönchordenregeln der Culdeer, z. B. die früher (S. 324) erwähnte des Columbanus, auf die Grundlage der des Basilius, jedoch frei, bearbeitet worden waren. Dieses bezeuget das Monasticon anglicanum, und ist auch daher zu vermuthen, weil (wie ich an mehren Stellen dieser Schrift gezeigt habe) die Culdeer ganz mit der Lehre und Kirchenzucht der griechischen Kirche übereinstimmten, weßhalb sie eben von dem römischen Bischoffe und dessen Mönchorden blutig verfolgt, ihre Klostersitze mit gewaffneter Hand zerstört, und sie selbst endlich im 15ten Jahrhundert ganz ausgerottet wurden.
a) Die Lehren des Hieronymus über das Mönchleben finden sich in begrifflicher Ordnung zusammengestellt in Bivarii de veteri Monachatu et regulis monasticis, (Lugduni 1662) Tom. II, 1. IV, c. 4, p. 16 - 62; ibid. p. 232 - 279, und in vielen andern Stellen; und ebendaselbst die Regel des Basilius, welches die älteste aller ausführlichen Ordenregeln ist. (Siehe: Regula S. Benedicti; Colon. Agr. 1575; Histoire des ordres monastiques par Helyot; à Paris 1714, Tome I; und die in der vorigen Note angeführten Stellen!) Die schönste Stelle des Hieronymus (Ep. Ad Marcell. 18.) über die Arbeitsamkeit der Mönche gebe ich im Auszuge einer Stelle des Vincentius Bellovacensis, in seinem speculum historiale, impressum per Joannem Mentellin, 1473; (Fol. max.) XVII, 22, "Facito aliquid operis, ut semper diabolus inveniat te occupatum. Vel fiscellam texe junco; vel canistrum lentis texe viminibus. Sarriatur humus, areolae equo limite dividantur, in quibus cum olerum jactata fuerint femina, vel plantae per ordinem positae, aquae ducantur irriguae, ut pulcherrimorum versuum spectator assistas; inferantur ergo fructuosae arbores, vel gemmis vel surculis, ut parvo post tempore laboris =434= tui dulcia poma decerpas. Apum fabricare debes alvearia, ad quas te mittunt Salomonis proverbia et monasteriorum ordinem ac regiam disciplinam in parvis disce corporibus. Texantur et lina capiendis piscibus, scribantur et libri, ut et manus operetur cibos et anima lectione satietur. In desideriis enim est omnis otiosus. Aegyptiorum monasteria hunc tenent morem, ut nullum absque opere atque labore suscipiant, non tam propter victus necessaria, sed propter animae salutem. (Ex Hieronymo.)" Vorzüglich lehrreich ist in dieser Hinsicht das 61ste Kapitel des 1sten Buchs von Martene de ant. Monn. ritibus, S. 68 - 76 von der täglichen Handarbeit, wo die religiöse Einrichtung derselben beschrieben wird. Über die angeführte Stelle des Hieronymus enthält Bivarius, II, p. 37, einen lehrreichen Commentar. — Mit welchem Nachdruck, als Nachahmung der Patriarchen, Propheten , Jesu, der Apostel, mit Hinsicht auf die Stellen: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brod essen;" und: "Wer nicht arbeitet, der soll nicht essen," von den frühsten Zeiten an, den Mönchen Arbeitsamkeit eingeschärft worden, kann man auch aus folgender Schrift ersehen: Veterum Scriptorum et Monumentorum — collectio, studio Martene et Durant, Tomo VIII, (Parisiis 1733,) p. 168, 162, 274, 817.
→ Zu Seite 183. In M. findet sich hier bemerkt: "Hier wird nun wiederum Gesundheit getrunken; die erste ist: dem Herzen, daß es die Geheimnisse bewahren solle; die zweite: der Zunge, daß sie die Geheimnisse niemals entdekken solle, und die dritte ist zu Ehren unseres wirklichen hochwürdigsten Großmeisters, der hochwürdigsten Generalloge, und allen, überall sich befindenden, rechtschaffenen Brüdern. Da muß unsere ganze versammelte Loge in vollen Freuden und Eintracht sein; die Gesundheiten werden mit Dreimaldrei getrunken, und jedesmal mit einem Houzza! begleitet."
Frage 54. "Alles Überflüssige abzuhauen. Ich habe in der 67sten Note (I, 179) erwähnt, daß diese Lehre den Mystikern (Weseninnigen) aller Völker und Zeiten eigen ist. So sagt die gottinnige Guyon (s. Deren Lettres chretiennes et spirituelles, Tome V, à Londres 1768, p. 4) "Car Dieu voyant la bonne volonté de celui qui le cherche au dedans de soi, s'approche de lui et lui enseigne une modération exacte en toutes choses. Il en retranche tout l'excès: et c'est alors que l'ame comence à s'apercevoir qu'elle a trouvé ce roiaume (de Dieu). Elle éprouve alors au dedans d'elle un directeur qui retranche, tout le superflu, et non le necessaire, qui ne donne pas la moindre chose de superflu à la nature, etc." (Vergl. auch Fenelon sur la fidelité dans les petites choses, in seinen Oeuvres spirituelles, Vol. I, ch. XXIII, p. 119 sqq.!) =435= — Auch Platon handelt in seinem Politicus von der Kunst, das Überflüssige, und ebenso das Mangelhafte, zu meiden, (s. Plat. Opp. Francof. 1602, Ficino interpr., p. 545, B!), und gründet seine Lehre auf die Erklärung dieser beiden Begrijfe. Beide Lehren sollten verbunden werden; aber der Spitzhammer erinnert bloß an die Entfernung des Überflüssigen, und zugleich an die Vorsicht in dessen Gebrauche, damit nicht Wesenliches zugleich mit abgenommen werde, welches an geformten Steinen, sowie an Rundbildern des Bildhauers, unersetzbar ist. — An einem vollendeten Steine soll jede Misbegrenzung, und jede Unbestimmtheit der Gestalt entfernt sein; jede verfehlte Gestalt, jede Ungleichheit, jedes fremdartige Unreine schändet das Werk. Gewiß ein fruchtbares Bild für die Lebenkunstlehre!
Auch in den heiligen Büchern der Inder finden wir die Lehre von Entfernung alles Überflüssigen, das den Geist und das Gemüth in unnützer Mannichfalt zerstreut, und von der Betrachtung und Erstrebung des Erstwesenlichen abhält. (Siehe Oupnek'hat, und Anq. du Perron Bemerkungen, auch Majer's: Brama, 1818, S. 57, 196 f.!)
Zu den Gründen (Reasons).
(Wobei die von Browne angeführten Gründe zu vergleichen sind.)
Es ist hier im Allgemeinen zu bemerken, daß wir in der hier folgenden Reihe von sogenannten Gründen (Reasons) weder alle, noch gerade die vorzüglichsten, haben, und daß die angeführten keinesweges alle echt und unverfälscht sind; indem sie offenbar aus sehr verschiedenen Zeiten herrühren. Der Verfasser von K. sagt selbst, daß er mehre solche reasons kenne (s. I, S. 184, und S. 187 n. 75!). Mehre dieser sogenannten Gründe sind mit Absicht ebenso räthselhaft, als Das, was sie erklären sollen.
Die in I, S. 188, Spalte a) versprochne Erklärung des geschichtlichen Ursprunges und der ursprünglichen Bedeutung des Strikkes habe ich an eine schickliche Stelle in die Abhandlung aufgenommen, womit diese zweiten Bemerkungen schliefen.
57ste Frage. "Daß mir mein Recht usw." "um mich der Gerechtigkeit zu überliefern." M. Da im NE. Systeme der Strick, mit Recht, abgeschaft ist, =436= so hat man einen ähnlichen Grund (Br. Fr. 52) mit dem Verbinden der Augen verknüpft.
Zur 75sten. Note, S. 187 und 188. Von den hier aus M. angeführten drei Gründen enthält Browne nur den zweiten über das Unbeschuhet-Sein. (Fr. 55.) — Wirklich durfte in den Salomon'schen Tempel Niemand mit einem Stock, oder mit Schuhen und schmutzigen Füßen, oder in gewöhnlichen Kleidern, kommen. Auch die Braminen ziehen die Sandalen aus, wenn sie in das Innere des Tempels gehen. (Siehe Meiners allgem. krit. Gesch. der Religionen, Band I, S, 476!) — "Worin besteht diese Heiligkeit?" — "Die Loge ist ein Sinnbild der ewigen moralischen Welt, in welche der Mensch schon bei seiner Geburt eingeführt wird, und in welcher das Geistige in ihm, über Tod und Verwesung erhaben, zur vergöttlickten Menschheit fortschreiten soll." Feßler. — Der gottinnige Mensch ist in jedem Zeitnun über Tod und Verwesung erhaben; seine Ewigkeit ist schon in diesem Leben begonnen, oder vielmehr: er ist in gottinniger Reingüte ohne alle Zeit und über alle Zeit schon in diesem Leben ewig; er ist als Geist und als Leib, und als Vereinwesen Beider in Gott, in innigem und schönem Lebenvereine, in Mitwirkung Gottes, Ein gottähnlicher Mensch geworden. — Und heilig ist Alles, was in Gottes Urlebenthume (ewigem Reiche) seiner Eigenwesenheit (eignen Natur) treu, mit Gott und mit allen endlichen Wesen in Gott im Wechselverhältnisse des Schauens, der Liebe und des Vereinlebens eigenvoliwesenlich (vollendet) lebt.
Frage 58. Da das Verbinden der Augen, selbst wenn man den Aufnahmling sich die Augen selbst verbinden and entbinden ließe, dem Urbilde reiner Menschlichkeit zuwider ist, so wird dieser Gebrauch überall abgeschafft werden, wo ein zarteres Gefühl belebt sein wird. Was etwa dieser Gebrauch Gutes mit sich führt, das kann auch ebenso gut erreicht werden ohne Verbinden der Augen, wenn der Aufnahmling in einem finsteren Zimmer zweckmäßig, übrigens ohne allen äußeren Sinnentand (Phantasmagorien), vorbereitet wird. "Selbst wenn der Sonne Licht uns entzogen ist, schaut des Geistes Auge insich selbst und in die Tiefe der Gottheit; das Ohr führt noch dem Gemüthe die Worte der Liebe und der Weisheit zu, und das Herz fühlt sich in reiner Liebe hingezogen zu reinmenschlicher, geschwisterlicher Geselligkeit." — Diese und andere Wahrheiten können dem Aufhahmlinge im =437= finsteren Zimmer durch die ihn Besuchenden in Erinnerung gebracht werden: und wenn er dann, so vorbereitet, in den Saal eintritt, worin er die in der Kette verbundenen Brüder erblickt, so wird er sich inniger ergriffen, und reiner angesprochen fühlen, als bei den bisherigen Gebraüchen der ersten Einführung.
59ste Frage. Zur 77sten Note: "daß ich sie im Finstern lassen soll." Dieß sagt Br. (Fr. 53) ausdrücklich. In Ansehung der sonstigen Bedeutsamkeit dieses Gebrauches (S. 90, Sp. a, Z. 11 v.u.). erinnerte Br. Schneider sehr treffend an die Bibelstelle (Matth. IV, 16): "Die in Finsterniß wandelten, sahen ein großes Licht." Vielleicht hat vorzüglich diese Stelle, zusammengenommen mit dem Gebrauche des Herumführens im Capitel bei der Aufnahme der Novizen in die Mönchorden, (siehe: vetus Disc. Mon., auct. Herrgott, und Taf., III, Fig. 1 !) den Verfassern des Gebrauchthumes Veranlassung zu der Einführung des Verbindens der Augen gegeben. Denn es sollte ihnen ja gleich nach Übernahme der Verpflichtung ein großes Licht gezeigt werden.
60te Frage. "Damit ich — in die Loge bringen könnte," — "wo nur kindliche Hingehung und ruhige Unterwerfung meine Pflicht war." Feßler. Man würde diesen Verehrungwürdigen Bruder, welchen tiefe gesellschaftrechtliche Einsichten auszeichnen, der das höhere Gradwesen, sowie alle sogenannten hohen Obern des Ordens, mit den Waffen der Vernunft und des Witzes mannhaft bekämpft hat, ganz falsch verstehen, wenn man glaubte, er rede hier von einer andern kindlichen Hingebung und ruhigen sittlichfreien Unterordnung, als von einer solchen, die den gelehrigen, bescheidnen Forscher, und den gegen die, von ihm selbst freiwillig anerkannten, Logengesetze gehorsamen Bruder, bezeichnet. — Von einer andern Hingebung und Unterordnung, als von der, welche der Vernunft und dem gemeinsamen Willen der Gesellschaft geleistet wird, wenn und inwieweit derselbe nicht mit der eignen Überzeugung des Einzelnen streitet, kann im Gebiete der Freimaurerei und in der ihr gewidmeten Brüderschaft nie die Rede sein. Ein freier Gehorsam gegen das als gut anerkannte Gesetz, der sich auf gründliche, selbsterworbene Einsicht stützt, sollte übrigens nicht Unterwerfung genannt werden; umso weniger, als solche Ausdrükke von herrschsüchtigen Genossen der Brüderschaft zum Vorwand und zur Beschönigung =438= der vernunftwidrigen Willkührmacht (Despotismus) gemißbraucht worden sind, und noch jetzt sehr häufig dazu gemißbraucht werden.
Zu Fr. 57 - 61. Mit den hier angeführten Gründen der Vorbereitunggebraüche ist es lehrreich, die ähnlichen Gründe aus Browne's Master Key zu vergleichen. (S. vorn S. 144 ff. die 43 - 55. Fr.!)
66ste Frage. Nach Pr. (Fr. 20) und Br. (Fr. 74 - 76 ) wird der Aufzunehmende nur einmal um die Loge geführt; nach M. und Anderen auch neunmal.
67ste Fr. Vergleiche hier Browne's Fr. 171 - 174, und Prichard's Fr. 74! Den geschichtlichen Ursprung der Behauptung, daß das Knie der schwächste Theil des menschlichen Leibes ist; habe ich noch nicht finden können. Es kann auch dieser Gebrauch Demuth und Untergebung gegen die Brüderschaft bezeichnen sollen. Das das Kniebeugen also verstanden worden, zeigen folgende Stellen: "Hieronymus et Origines supra textum Jeremiae (cap. 45, 3, 2): mihi curvabitur omne genu: quod idem a S. Paulo ad Ephesios et Philippenses asseritur: iidem autores nos docent, hoc de subjectione mentis, inclinatione animi, et obsequio cordis intelligendum." (Vid. Homo et ejus pertes figuratus et symbolicus etc. a M. Honcamp, 1695, T. I, p. 310, b.) — "Ad genua procumbunt, illaque tamquam sacra suppliciter venerantur et colunt, in his numen et sedem miserationis esse arbitrati." Servius ad Virg. III. Aen. "Physicos genua misericordiae consecravisse." Plinius (II, 5): "Hominis genibus religio quaedam inest, observatione gentium: haec supplices attingunt, ad haec manus tendunt, haec ut aras adorant, fortassis quia iis inest vitalitas (Alex. ab. Alex. Geniales Dies L. II. Lugd. Bat. 1673, p. 425). Diese letzte aus Plinius angeführte Meinung, daß die Knie ein Sitz der Lebenkraft seien, ist der in unserer Urkunde beigefügten Erklärung entgegen. In demselben Sinne heißt bei Homeros "die Knie lösen" (γουνατα λυειν) töden. Ein noch gesuchterer Grund wird in der S. 369, erwähnten Schrift: Solomon in all his Glory etc. (p. 4) angeführt. "His right knee is held out naked, in commemoration of the Corns, which St. John, the patron of the order, had at his knees." "sein" (des Neuaufzunehmenedn) "rechtes Knie wird nakkend blosgestellt, zum Andenken der Hornschwielen, welche der h. Johannes, der Schutzheilige des Ordens, an seinen =439= Knieen hatte." — Es ist mir aber wahrscheinlich, daß die Entblößung des linken Knies zugleich in den in obenstehenden lateinischen Stellen angeführten Beziehungen eingeführt worden ist, nehmlich um das flehendliche Bitten um die Aufnahme, die Ergebenheit an die Brüderschaft auf Leben und Tod, und die Bereitwilligkeit des Aufnahmlinges, sich mitleidig gegen Arme zu erweisen, lehrbildlich anzuzeigen.
Zur 87sten Note. Die erste Bedeutung von Lodge ist vielleicht, wie bei Collegium: die vereinigte Gesellschaft selbst, dann der Ort, wo sie sich versammelt. — Über die Straßburger Haupthütte siehe auch noch die Stelle aus Schöpflini Alsatia illustrata (IV, 251 ff.)! — Wir sollten in Deutschland den fremd klingenden Namen Loge nicht mehr brauchen, sondern etwa Halle, Bundhalle, Masoneihalle, Masonhalle, Masonerei, a) Masonsaal, — sagen, sowie im Angelsaxischen auch der Versammlungort einer Zunft oder Gilde Gildhalla hieß. Im Englischen heißt Lodge noch jetzt auch das kleine Häuschen, welches der Portier eines Palastes am Eingange desselben bewohnt.
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a) Dieses Wort ist gebildet wie: Pfarrei, Kämmerei, Schafnerei (oder Schaffnei, in Urkunden der Straßburger Münsterbaues bei Schadeous), Schäferei, Bücherei udm. Masonei ist mit Freimaurerei, Masonbund mit Freimaurerbrüderschaft, Masonerei mit Loge oder Logenhaus gleichbedeutig. (Siehe ausführlich IV, 363 ff.!)
69ste Frage. Hierbei finde ich in M. bemerkt: "Die Loge aus Dreien besteht aus dem Meister, dem Secretar und einem Lehrling, oder einem Gesellen oder Meister; eine solche kann nur Lehrlinge annehmen. Die Loge aus Fünfen bestehet in dem Meister, einem Vorsteher, dem Secretar und zwei Gesellen. Diese Loge kann Lehrlinge und Gesellen machen. — Die Loge aus Sieben besteht aus dem Meister, zwei Vorstehern, dem Secretar und drei Meistermaurern. Diese kann Lehrlinge, Gesellen und Meister machen. Die Loge aus Eilfen besteht aus dem Meister, zwei Vorstehern, dem Schafner, dem Secretär und sechs Meistermaurern. Diese kann, nebst dem Lehrling-, Gesellen-und Meistermachen, auch noch alle anderen Geschäfte der Loge berichtigen, worüber sie jedoch hernach in der allgemeinen Versammlung Bericht erstatten muß." — Der Grund dieser sonderbaren Einrichtung kann so wenig in der alten, als in der neuen, englischen =440= Maurerei liegen. Denn in GM. (Fr. 13) macht Gott und das Winkelmaaß die Loge; in Br. (Fr. 29; hier S. 126) macht die Bibel die Loge gerecht, (just); in Pr. (Fr. 12) heißt es: "Was macht eine gerechte und vollkommne Loge?" "Sieben oder Mehre." "Woraus bestechen sie?" "Aus einem Meister, zwei Aufsehern, zwei Gesellen und zwei angetretnen Lehrlingen." — "Was macht eine Loge?" "Fünf." "Woraus bestehen sie?" "Aus Einem Meister, zwei Aufsehern, einem Gesellen, und einem Lehrlinge." Browne (Fr. 30, 31; hier S. 126 f.) erwähnt bloß Sieben oder Mehre. "Was macht eine Loge vollkommen?" "Sieben oder mehre regelmäßig aufgenommene Maurer." — "Unter welcher Benennung?" "Ein Meister, zwei Aufseher, zwei Gesellen; und die Übrigen mögen angetretne Lehrlinge sein." Hievon wird in der Lecture des Lehrlinges kein weiterer Grund angeführt, weil nach Browne die weitere Erklärung hierüber in den Gesellengrad verlegt ist; welche der Leser nun hier S. 265 f. vollständig nachlesen kann. — Da man einmal drei Grade hatte, und die Aufseher, und von jedem Grade wenigstens Ein Bruder, dabei sein sollten, so mußte man wenigstens 5, und weil doch Mehre aus den niedern Graden sein sollten, wenigstens 7 Brüder, als wesenlich zu einer Loge annehmen.
Plot (IV, S. 249, Z, 12 v.u.) erwähnt, daß bei einer Loge der Maurer wenigstens 5 bis 6 Mitglieder zugegen sein müßten. Und Ashmole (s. ebend. S. 281) gedenkt wirklich einer am 16. October des Jahres 1646 gehaltenen Versammlung, wo nicht mehre als sechs Mitglieder zugegen waren. In der von Ashmole ebenfalls erwähnten Logenversammlung in Masons-hall, am 10ten März. 1682., wurden 5 neue Mitglieder zugleich aufgenommen, und zehn ältere, worunter Ashmole der älteste war, waren dabei zugegen. ( S. ebend. S. 286, mit Hinzunahme der Vervollständigung dieser Stelle am Schluße von IV!) Browne (Fr. 135) deutet gar die sieben Sterne auf die sieben zu Vollkommenheit einer Loge nothwendigen Brüder. (Siehe zuvor S. 204.!)
70ste Frage. Die Behauptung, die Baukünstler der Griechen und Römer haben die Grundsätze der Baukunst von dem menschlichen Leibe hergeleitet, könnte achtbaren Lesern, die mit diesen Gegenständen weniger vertraut sind, auffallend und gezwungen erscheinen. Dennoch ist sie geschichtlich wahr. Unter den Griechen verglich vorzüglich =441= Hermogenes die Theile des menschlichen Leibes mit den entsprechenden Theilen eines Gebäudes, und Vitruvius, Dessen Werk ein Handbuch der Baukünstler des Mittelalters war, (wie in der Y. C. selbst erzählt wird,) sagt (Lib. III, cap. 1) unter andern hieher gehörigen Dingen: "Die Zusammensetzung und die Proportionen können an keinem Gebäude richtig getroffen sein, wenn sie nicht genau nach den Verhältnissen der Glieder eines wohlgemachten Menschen gebildet sind." Und im ersten Capitel des 4ten Buches führt Vitruvius diesen, auf Kunstüberlieferungen und auf damals beobachtete Kunstlehren gestützten, Satz in Ansehung des Eigenwesenlichen (Characters) der drei ältesten Säulenordnungen aus; indem er zeigt: die dorische Ordnung sei dem Urbilde eines schönen, nackten Mannes, die ionische der zarten Schlankheit eines keuschverhüllten Weibes, und die corinthische der Schönheit eines blühenden Mädchen in festlichem Schmukke nachgebildet; und weiset sodann die Richtigkeit dieser Behauptung an den einzelnen Gliedern dieser Ordnungen nach. Diefe bemerkt schon Nic. Bergerius (in der Schrift: de publ. et milit. Imp. Rom. viis, in Graev. Thes. T. X, p. 569); indem er sagt: "die vornehmsten Architecten folgten in ihren Werken den Verhältnissen des menschlichen Leibes;" usw. — Tiefgedachte und inbildschöne, (poetischschöne) Bemerkungen über dieß Verfahren der Alten und über die erwähnten Vitruv'schen Stellen siehe in H. Chr. Genelli's Briefen über des Vitruvius Pollio Baukunst, im 2ten Hefte S. 35, 67, 71- 74, wo dieser urwissenschaftliche (philosophische) Künstler unter andern sehr treffend bemerkt: "Bei Wiederauflebung der Architectonik hat man nehmlich diesen geschlechtlichen Character, der die Basis aller ihrer Gebilde ist, gänzlich übersehen; und so ist die griechische Architectur unter den Neuern gänzlich in Insipidität verfallen." (Indeß ist schon dem berühmten Goldmann diese geschlechtliche Eigenwesenheit doch nicht ganz unbemerkt geblieben.) — Unsere Vorfahren im Mittelalter sprachen diese Kunstlehre der Alten nicht bloß nach, sondern übten dieselbe aus, wenn sie gleich in einem ganz andern Stile, als die Alten, in dem der gotischen Baukunst, baueten. Nichtkenner desselben führen freilich diesen Stil sogar als einen aüßeren Erweis der allgemeinen Rohheit des Mittelalters an; indem sie denselben nach dem ersten besten, sich ihnen darbietenden Gebäude, =442= was gotisch gonannt wird, beurtheilen. Wer aber die ehrwürdigen Ruinen gotisch-normannischer Baukunst im Monasticon Anglicanum, in Grose's Archaeologie; in Cordiner's and Mazell's Remarquable Ruins of North Britain; (London, 1795;) in the Antiquities of Scotland by Francis Grose, II Volumes; (London 1791;) ferner in A Selection of Views in Scotland; (London 1794;) in Ledwich's Antiquities of Irland, (Dublin 1790,) und in andern Kupferwerken betrachtet; vorzüglich aber, Wer das herrliche Werk des James Murphy (groß Folio; London 1792 - 1796;) über die berühmte Kirche Batalha in Portugal durchgesehen und studirt hat; Wer den schönen Stich des Cöllner Domes von Darnstedt, und die Kupfer zu Moller's Denkmäler der deutschen Baukunst, Heft 1 - 6 , Darmstadt 1815 - 1817, kennt, oder den Dom zu Mailand, die schönen Cathedralkirchen in Frankreich, z.B. in Auxerre, in Sens, uam., und unsere deutschen Meisterwerke in Strasburg und Cölln gesehen hat; Wer die gotische Baukunst, sowie die römische und griechische, nach ihren vorzüglichsten Meisterwerken prüft und würdigt: der urtheilt gewiß ganz anders über diesen, dem Mittelalter eigentümlichen, Stil der Baukunst. Die Betrachtung des Domes zu Mailand, und zu Siena, der Kirche Notre Dame zu Paris, und mehrer schöner gotischen Kirchen in Frankreich, verglichen mit den genannten Kupferwerken, zeigt mir ähnliche Grundverschiedenheiten in dieser Baukunst, als die Säulenordnungen der Griechen sind. An einem andern Orte werde ich mich hierüber umständlicher erklären, als ich es schon in mehren Stellen dieser Schrift gethan habe.a) — Unsere Vorfahren also, die Baukünstler des Mittelalters, folgten auch in Erfindung des erhabnen und sinnvollen gotischen Stils den Grundsätzen der Alten, und legten die Verhältnisse des Menschenleibes ebenfalls, aber auf eine ganz neue, originelle Weise, bei ihren Bauwerken zum Grunde. Dieß hat Murphy in dem erwähnten Werke bewiesen, und durch die IIIte Kupferplatte des IIIten Hefts sehr anschaulich gemacht, auch die Grundverhältnisse des Wuchses edler schlanker Bäume und die Gesetze ihrer Verzweigung steinbildlich nachgeahmt,b) — Andere unter =443= den Neuern haben den Grund der Verhältnisse der verschiedenen Saülenordungen vergeblich in den Grundverhältnissen der Musik gesucht. (Siehe unter andern Clemm's mathematisches Lehrbuch, im 2ten B.; Studtgard, 1777; vergl. auch, Was ich über den Einfluß der späteren griechischen Baukunst auf die sogenannte gotische (IV, 192) gesagt habe, sowie die Abhandlungen von Pownall (IV, 215), Wren (289 ff.), Murphy (266), Grose (222) und Henry (224) über den Ursprung und den Werth der gotischen Baukunst!)
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a) Siehe im Sachverzeichnisse Baukunst, gotische!
b)In vieler Hinsicht noch ausgezeichneter, als die Kirche zu Batalha, ist die Kapelle des königl. Collegium zu Cambridge (King's Colledge Chapel), wie aus den Kupfern und der Beschreibung =443= derselben erhellet, die befindlich sind in dem Werke: A history of the University of Cambridge, its colleges, hales, and public buildings; (in II Voll.; London 1815) Vol. I, p. 195 ff. Der Herausgeber sagt: "daß dieses Werk, im Ganzen betrachtet, mit keinem einzigen Werke der sarazenischen," d. h. gotischen, "Baukunst verglichen werden könne." — Die größte Festigkeit ist mit den schlanksten Gestalten vereint. Besonders merkwerth, und von wunderbarem Sammbau (Construction), scheint mir die Dekke des Hauptgewölbes. Auf jeder Seite streben 12 aus vielen Saülen bestehende Pfeiler empor, die, ohne durch ein gemeinsames Saülenhaupt (Capital) verbunden zusein, in 12 Ribben, deren mittelste allemal die stärkste ist, ausstralen, und sich in 4 Absätzen , in parabolischer Krümmung, etwa unter einem Winkel von 30 Graden, in die Dekke ergießen, wo sie mit der mittelsten Ribbe zusammenstoßen; von beiden Seiten treffen sie in geraden Linien zusammen. In diesen Fächern finden sich 4 Kreise, nach deren ersterem stets noch eine Ribbe eingesetzt ist. Diese Gestaltung hat große Ähnlichkeit mit der Ausbreitung der Hirnbalken in die Halbkugeln des großen Hirns. — In diesem und mehren andern Werken der gotischen Baukunst finde ich ein Streben, höherwesenliche und tießinnigere Urbegriffe und Urbilder darzustellen, als selbst in der hellenischen und römischen Baukunst. — Ich habe schon (in IV, S. 232 f.), mittels eines Außatzes aus der Nationalzeitung der Deutschen, dieses Meisterwerkes der Baukunst gedacht, wo gesagt wird: "Ihre Structur ist so künstlich, so wunderbar, daß geschickte Architecten sie zum Gegenstande vieljährigen Studiums gemacht haben." Dieses Werk ist wirklich von einem Mason, John Wafel, mit 60 Gesellen, größtentheils errichtet, und ist einer der schönsten unter tausend andern Beweisen: daß die Masonen und Architecten jener Jahrhunderte, wo die alten freien Baulogen blühten, und in der Verfassung und nach dem Gebrauchthum unserer drei ältesten Kunsturkunden arbeiteten, mehr als "gemeine Handarbeiter, geleitet von unwissenden Mönchen", waren.
Zu den drei Baumeistern der Welt und des Menschern bemerkt Feßler: "die alten freien Maurer verstanden darunter die Dreieinigkeit in der Gottheit; denn sie hielten es für pflicht- und zweckmäßig, auch aus ihren =444= Kunsthandlungen ihre Achtung gegen den kirchlichen Dogmenglauben durchschimmern zu lassen; und daran thaten sie weise." — Was ich hierüber im Allgemeinen denke, habe ich oben in der 88ten Note (Abth. I, S. 196 ff.) gesagt. Übrigens ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß die Stifter des Gebranchthumes gerade den Dreieinigkeitbegriff der damals herrschenden römisch-catholischen Kirche hierbei im Auge gehabt; vielmehr giebt uns der Anfang der Yorker Constitution einen sehr verständlichen Wink vom Gegentheil; und es wird ans diesem Grunde zweifelhaft, ob nicht dieser Grund (reason) ein jüngerer Zusatz catholisch-kirchglaubiger Brüder ist. Auch die griechischen Philosophen, besonders Platon, stellen nicht selten Gott als "den Architecten des Weltall" vor; und die gnostische Philosophie hat diese Lehre auf ihre eigne, allegorische und schwärmerische Weise ausgebildet. Es kann daher wohl sein, daß schon in den römischen Baucorporationen diese bildliche Ahnung und Benennung Gottes als Baumeisters oder Baukünstlers der Welt, oder der Welten, zunftgebraüchlich gewesen. (S. das Sachverzeichniß unter: Architect, Baucorporationen der Römer!)
Deßhalb ist es in den heutigen Logen allgemein gebräuchlich, Gottes mit dem Namen des höchsten Baumeisters der Welt zu gedenken. (S. besonders hier S. 272!) Diese Benennung ist noch verschieden von dem: des höchsten Mason, in unserer Urkunde; denn Mason heißt überhaupt: ein weiser Künstler. (Vergl. im Gebete die Worte: thou great and universal Mason of the world, und siehe die im Sachverzeichnisse bei dem Worte: Mason, angezeigten Stellen!) — Jene Benennung Gottes als des Baumeisters oder Architecten der Welt ist zwar richtig, aber nur theilwesenlich, also nicht erstwesenlich. Folgende Stellen aus Philo zeigen, daß bereits dieser Philosoph hierüber eine würdige Vorstellung hatte. Er sagt:
"Sollte nun nicht Jeder, der in diese in Wahrheit so zu benennende Großstadt, — in diese Welt, — ankommt, und der da erblikket Gebirge und Ebnen, erfüllt mit Thieren und Pflanzen, und den Zug der Flüsse und der Gehirgströme, und das Aufwogen der Meere, die Wohlgemischtheit der Luft, und den Wechsel der Jahrzeiten, ferner die Sonne und den Mond, die Regierer des Tags und der Nacht, und die Umbahnungen und Reigentänze der übrigen Irrsterne und Feststerne und des ganzen Himmels: =445= sollte ein Solcher nicht wahrscheinlich oder vielmehr nothwendig den Gedanken des Vaters, und Schöpfers und noch jetzigen Erhalters erfassen? — denn kein Kustwerk bewegt sich vonselbst, und ebenso ist die kustreichste Welt wie von einem an Wissenschaft guten und vollkommensten Wesen erbauet und verwaltet." — "Alle Jene nun, so Viele den Schöpfer und Vater des All, wenn sie sich auch nicht vom Anfang an dahin erheben konnten, ihn zu verehren, doch hernach, die Alleinregierung der Vielherrschaft vorziehend, ihn zu verehren mit Innigkeit trachten, müssen wir als die liebefähigesten und verwandtesten (gesellschaftlichsten) vorhaussetzen, welche von dem größten und gottinnigen Antriebe nach Geselligkeit su Freundschaft (Menchenfreundlichkeit) und gesitteter Vertraulichkeit erweckt werden; und diesen müssen wir auch glückwünschen, weil sie, wenn sie auch anfengs blind waren, doch nun ihre Augen aufgeschlagen haben, und aus dem tiefsten Dunkel in das glanzvollste Licht blikken."

Sehr richtig sagt Kant (in den Vorles. über die philos. Religionslehre, Leipzig 1817, S. 180):
"Es ist auch gut, wenn man in den Begriffen von Gott als dem Architect der Welt, und von Gott las dem Weltschöpfer, einen Unterschied macht. Dieser Unterschied ist so erheblich, als zwischen Accidenz und Substanz." Und ebenso treffend bemerkt er (ebendas. S. 163 unten): "Zwar hat man bei den =446= Alten die Materie oder den Grundstoff, woraus alle Formen der Dinge entstanden sind, durchgängig für ewig und nothwendig angenommen. Man betrachtete daher Gott bloß als den Baumeister der Welt, und die Materie als den Stoff, woraus er alle Dinge gebildet habe. Im Grunde nahm man also zwei Principien an: Gott und die Natur. Dieß diente trefflich dazu, den größten Theil der Übel in der Welt, unbeschadet der Weisheit und Güte des Architects, auf die Ursprünglichkeit der Materie zu schieben."
Dieser Vorwurf trifft vorzüglich die Lehre des Zerduscht, Platon's und aller gnostischen Parteien. Ebendaselbst (S. 162 f.) setzt Kant den Begriff Gottes als Architect der Welt, dem Begriffe Gottes als Weltschöpfer entgegen; indem ersterer Gott bloß als Urheber der Form, anderer aber Gott auch als Urbeber der Materie der Substanzen in der Welt selbst aussage; Beide aber seien enthalten in dem Begriffe Gottes als Welturhebers (autoris mundi. Vergleiche ebendas. S. 68 f.!) In der ursprünglichen, unbedingten (absoluten) Schauung Wesens wird Wesen als der urwesenliche Grund sowohl der als Selbwesen betrachteten Endwesen (der Substanzen), als auch ihres Lebens (ihres Gestaltens), und als mit dem Eigenleben aller Endwesen in ihm auch eigenleblich vereint erkannt. (Siehe in meinem Systeme der Sittenlehre Buch IV, S. 437 - 446!). Daher ist der Name: Mason und Architect der Welt, wohl begründet, bezeichnet aber nur eine einzelne unendliche Wesenheit Wesens, und in unserer deutschen Sprache ist nur Ein Wort: Wesen, das ohne alle weitere Beschränkung bloß in diesem höchsten Sinne gebraucht werden sollte; denn auch der Name: Gott, das ist Gut, bezeichnet nur Eine Theilwesenheit Wesens, da Wesen außer der Güte auch jede andere Theilwesenheit urselbganz ist. Die Culdeer nahmen zwar die Dreieinigkeitlehre nicht im Sinne der römisch-catholischen Kirche an, sondern hatten davon ihre eigne, der apostolischen Lehre nähere Ansicht; allein auch in der catholischen Kirche wurde schon sehr früh die Lehre von den drei Personen in der Gottheit moralisch vergeistigt, und insbesondere auf die Lehre von dem göttlichen Ebenbilde im Menschen bezogen. Hiervon ist ein sprechender Beweis eine dem berühmten Alcuin, dem Lehrer und Freunde Karl's des Großen wahrscheinlich mit Recht zugeschriebne Abhandlung, welche den Titel führt: de homine ad imaginem Dei creato, daß der Mensch nach Gottes Ebenbilde geschaffen sei (in ejusdem operibus, =447= Parisiis, 1617, T. I, p. 337 f.; confer, ibid. T. II, p. 147 b, c!) und so tiefsinnig und schön abgefaßt ist, daß sie einem christlichen Theologen unserer Tage Ehre machen würde.
71ste Frage. Diese drei großen Baumeister, welche das ueuenglische Constitutionenbuch zu drei Großmeistern, nach seiner Art, stempelt, (vorzüglich Entick's Const., 1756, p. 16 - 25) waren: Salomon, Hiram, König von Tyrus, und Hiram Abif, ein von Letzterem dem Salomon zugesandter, vorzüglich geschickter, Künstler (nicht eigenlich Baumeister). Was hierüber die Bibel enthält, ist vorzüglich in 1 Kön. VII, 13 - 15 und 2 Chron. II, 13 u. 14, und IV, 6, nachzulesen. In unserer Stelle ist gewiß gar nicht an diejenige, zuerst als Chifer-Darstellung vergangner und zukünftiger politischer Begebenheiten ersonnene, späterhin aber auf vielfache Art anders gedeutete, maurerische Fabelsage vom Mord, Wiederfinden und Wiederbeleben des Hiram, zu denken, welche den liturgischen, jetzt völlig unbrauchbaren, Hauptbestand des noch jetzt allgemein gespendeten sogenannten Meistergrades ausmacht. Diese ersonnene Geschichte ist weder aus der Bibel, noch aus dem Koran, noch aus den jüdischen Überlieferungen entsprungen. In diesen Quellen insgesammt habe ich kein Wort vom Tode Hiram's finden können; und in den griechischen Schriftstellern, welche das NE. Constitutionenbuch hierüber nutzlos anführt, ebenso wenig.a) — =448= → [Bei Browne fehlt …]
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a) Die einzige außerbiblische Nachricht über Hiram finden wir im Josephus. Dieser erzählt: (Ant. Jud. L. VIII, c, 3, p. 424, ed. Haverc.) "Salomon ließ sich aus Tyrus vom König Hiram (παρα 'Ειραμου) einen Künstler schikken, mit Namen Chiram (Χειραμος), Dessen Mutter eine Nephthalitin, indem sie zu diesem Stamme gehörte, Dessen Vater aber ein Tyrier war, doch von Geburt ein Israelit. Er war in aller Kunstarbeit wohlerfahren, vorzüglich kunstreich in Gold-, Silber- und Erzarbeit. Durch diesen Künstler wurde nun Alles, was bei dem Tempelbau vorkam, nach des Königs Willen ausgeführt. Dieser Chiram verfertigte auch die beiden ehernen Pfeiler am Eingange, welche vier Finger dick waren, Ihre Hohe war achtzehn Ellen, ihr Umfang zwölf Ellen; ihre Kapitale schmückte er mit gegolsnem Lilienwerk, fünf Ellen hoch; um dasselbe war ein Netzwerk aus getriebnem Erze geflochten, und von diesem hiengen in zwei Reihen zweihundert Granatäpfel herab. Die eine dieser Saülen stellte er zur rechten Seite der Vorhalle, und nannte sie Jachin; die andere aber zur Linken, und nannte sie Boaz." Im Talmud und in den übrigen jüdischen Schriften ist nichts Nähere über Hiram enthalten; wie mich der bekannte jüdische =448= Gelehrte Naphthali Abraham [Rabbi] versichert, und ich auch sonst von andern der ebräisch-biblischen Literatur-Kundigen gehört hatte. — Eine geistreiche, aber geschichtlich unerweißbare, und den Meistergrad als Grad keinesweges rechtfertigende Ausdeutung der Mythe von Hiram giebt Cordiner of Banff (wahrscheinlich ein eifriger Royal Arch-Maurer) in seiner mehrerwähnten Schrift: Remarkable Ruins etc. of Northbritain, London 1796; welche Auslegung ich in IV, S. 439 - 445 wörtlich mitgetheilt habe. Ich ersuche den Leser, meine dort beigefügten Bemerkungen, sowie meine Urtbeile über das sogenannte Meisterritual, welche er hier IV, S. XV, und in dem sechsten und siebenten meiner Logenvorträge findet, zu erwägen.
→ Bei Browne fehlt die 71 - 72ste Frage; weil bei ihm sieben Brüder zu einer Loge erforderlich sind. Zu den (Seite 204 Sp. a) in der obigen 94sten Note befindlichen; Worten: "vielleicht weil man — wenigstens nichts Biblisches Neunzahliges wußten;" bemerke ich noch, daß in manchen Logen der sogenannten alten Maurer allerdings auch Neun erwähnt, und dabei die 9 Musen angeführt werden. — Übrigens ist der Ausdruck unserer Urkunde: drei große Maurer, dem Sinne nach verschieden von den drei Groß-Maurern oder Großmeistern des NE. Systemes. (Vergl. meine Bemerkung unter *) zu S. 58 !)
76ste Frage. "Weil der Mensch fünf Sinne hat; das ist: die zu einer Loge versammelten Brüder sollen so innig vereinigt sein, daß sie gleichsam nur einen einzigen Menschen ausmachen. Der Mensch ist ein vollendetes Ganze, dem jedoch fünf verschiedene Sinneden Stoff zu seinen geistigen Wirkungen zuführen müssen." Feßler.
72ste Frage. "Weil es sieben freie Künste giebt, die den zu Einem Menschen vereinigten Freimaurern zur Einheit und Übereinstimmung ihrer Arbeiten unentbehrlich sind. Zugleich beweiset diese Antwort, daß unsere Brüderschaft aus einem Zeitalter herstamme, in welchem noch alles menschliche Wissen in die gedachten sieben freien Künste eingeschlossen war." Feßler.
Schon die Griechen und Römer forderten von einem Baukünstler die Kenntniß der hier erwähnten und vieler anderen Wissenschaften; wie wir aus Vitruvius Baukunst (siehe die aus demselben in IV, 74 ff., mitgetheilten Stellen!) und unter andern aus dem Eingange von des Platon Politicusa) ersehen. Die altgriechische Gesellschaft =449= dionysischer Baukünstler drang ebenfalls hierauf, und hatte vielleicht eine eigne geheime Lehre. Daher auch Robison (in seinen Proofs of a Conspiracy), und nach ihm Lawrie, von ihnen die Freimaurerbrüderschaft ableiten wollen. Hierüber enthält des Letzteren Geschichte der Freimaurerei viel Ausführliches, sowie Derselbe auch die wichtigsten Stellen über diesen Gegenstand aus den Alten beibringt. Meine Anmerkungen zu der bei dem Br. Gerlach in Freiberg 1810 erschienenen —bersetzung dieser Lawrie'schen Schrift enthalten eine Prüfung dieser unhaltbaren Versuchannahme.
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a) Jeder Freimaurer, dem es darum zu thun ist, seine allgemeimenschliche Kunst in Geist und Gemüth zu umfassen, sollte =449= diese tiefgedachte Schrift Platon's lesen und prüfend durchdenken; denn sie enthalt viele wesenliche, mit den Grundsätzen reinmenschlicher Erziehung einklangige und mit unseren drei ältesten Kunsturkunden wörtlich übereinstimmige Lehren, über die Kunst der Selbstbildung, der Erziehung und der Regierung. Ich werde daher diese Schrift Platon's in die Reihe der wissenschaftlichen Keime der Bundlehre des Menschheitbundes aufnehmen, und die darin enthaltenes Aussprüche nach dem Urbilde der Menschheit würdigen in einer Schrift, welche ich seit dem J. 1808 bearbeite und unter dem Titel: der Menschheitbund und die Freimaurerbrüderschaft, bereits in dem Vorberichte der ersten Ausgabe der vorliegenden Schrift angekündigt habe. (Siehe diesen Vorbericht, S, XLIX, LIII; und Br. Moßdorf's Mittheilungen, S. 84 ff.!)
Wenn ich in der 95sten Note (S. 208 ) sagte, es seien diese sieben damals der ganze Kreis der Wissenschaften gewesen; so sind darunter bloß die sich auf Künste beziehenden Wissenschäften (doctrinae septem liberalem artium), die Kunstwissensehaften (arts - sciences) zu verstehen. — Denn die Theologie, die Physik, Metaphysik und Ethik wurden, besonders von den schottländischen und irländischen Philosophen des Mittelalters, scharfsinnig und tiefsinnig, mit großem Eifer, obwohl nicht in schöner Form, ausgebildet, und die britischen Wissenschaftforscher und Gelehrten verbreiteten damals ein Licht, welches Frankreich, Deutschland und ganz Europa erleuchtete; ihnen haben wir auch ganz vorzüglich die Stiftung und den Flor der ersten Universitäten zu danken.
Im neuenglischen Gesellengrade, nach Browne, macht die weitere Ausführung dieser 7 Wissenschaften und ihre Anwendung auf Freimaurerei, nebst der weiteren Lehre über die 5 Säulenordnungen, einen der wichtigeren und lehrreicheren Bestandteile desselben aus. (Siehe den Abriß dieses Gebrauchthumes des Gesellengrades hier S. 263 ff.!) Wenn der Gesellengrad, sowie der Meistergrad, =450= irgend Werth haben sollen; so können sie nur so eingerichtet werden, daß sie einzelne Kunstlehren weiter ausführen und anschaulich machen, welche in dem Ganzen der im Lehrlinggrade mitgetheilten Kunstlehre enthalten sind. Daher ist dieß Verfahren der NE. Großloge, daß sie die sieben Wissenschaften, sowie die Saülenordungen, im Gesellengrade weiter vergeistiget, sehr zu empfehlen, und in wisseuschaftgemäßere Anwendung zu bringen.
81ste Frage. Wenn ich in der 94sten Note, S. 203 - 206 es versuchte, den Zahlen eine Deutung auf Einheit, Ebenmaaß und Vereinbildung (Harmonie), als Grundformen alles Lebens im Geiste der Menschheit, zu geben; wenn ich ferner zeigte, daß die Zahlen einen tiefen, auf Lebenkunst anwendbaren Sinn haben, der nicht bloß Mathematikern, als Ganzheit-und Formlehrern, sondern jedem Menschen, als Menschen, klar und faßlich ist; wenn ich endlich ebendadurch zugleich den in der Bruderschaft gebräuchlichen Rednissen von heiligen, vollkommnen Zahlen einen in Urwissenschaft (Philosophie) und gesundem Menschensinne gegründeten Gehalt unterlegte: so hoffe ich, deßhalb von wohlwollenden und sinnigen Brüdern nicht mißverstanden und etwa mit schwärmerischen, urwissenschafllicher Klarheit ermangelnden, Verehrern der Zahlen in Eine Reihe gestellt zu werden. Ich bin mir einer klaren, urwissenschaftlichen Erkenntniß des Gliedbaues der mathematischen Wissenschaften bewußt, und weiß es, daß selbst in der Mathematik jene höherwesenliche und allgemeinere Zahlenlehre (eigenlich Zahlheitlehre) noch immer fehlt, welche Pythagoras und Platon ahneten, ihre Nachfolger aber durch Schwärmerei und Vermengung mit chaldäischem und anderem Aberglauben entweiheten. Zu dieser noch mangelnden Wissenschaft verhält sich die Kunst: allem Leben Einheit, Ebenmaaß und Vereinbildung (Harmonie) zu geben, ebenso, als die mannigfachen Anwendungen der gewöhnlichen Zahlwissenschaft auf Künste und Gewerbe zu dieser letzteren sich verhalten. Diese höherwesenliche Zahlenlehre gewährt ruhige, urfriedliche Anschauungen der allgemeinen und ewigen Formen der Dinge und ihres Lebens jedem Geiste, der, von dem verwirrenden Anblikke der Erdbegebenheiten zum heitern Schauen ewiger Dinge hinübergewandt, und beiderlei Erkenntnisse, die zeitleblichen und ewigen, im Urlichte der Erkenntniß Gottes vergleichend, würdigend und vereinend, auch in der =451= Geschichte der Welt, unseres Sonnehbauee, unserer Erde, und der Menschheit, den ordnenden und waltenden Urgeist Gottes, als des urwesenlichen Künstlers, mit dankbarem Gemüthe wiedererkennt und ihm, urvertraunvoll, sein eignes und der Menschheit Leben weiht.a)
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a) Siehe hierüber in dem von Fischer und mir herausgegebnen Lehrbuche der Combinationlehre und Arithmetik (Dresden, 1812, 1r B.) meine Abhandlung: über den Begriff der Mathematik und über das Studium derselben (das. S. XLVI - LVIII), besonders die Bemerkung (S. LI n. *)) über die Zahlenlehre, dann: Urbild der Menschheit, S. 10 ff.!
82ste Frage. Da die Raumlehre (Raumganzheitlehre, Geometrie) im Gliedbau der Ganzheitlehre (Systeme der Mathematik) sich ganz vorzüglich auf Baukunst bezieht, so gab Dieß, in spätern Zeiten, besonders den neuengliechen Brüdern Gelegenheit, unter Geometrie die ganze Kunst der Freimaurerei zu verstehen, und den zuvor aus ganz andern Gründen wichtig gewesenen Buchstaben G nunmehr allein auf Geometrie, oder auf Gott, zu beziehen, um dadurch vorzüglich dem Gesellengrade mehr Gehalt Zu geben. Dieß ist sehr glücklich im Browne geschehen. (Siehe das Sachverz. unter: Geometrie!)
85ste Frage. "Bei dieser Erklärung war die Absicht unserer Vorfahren, die Spuren ihres Ursprungs und ihres Alters den Nachkommen aufzubewahren, und sich zugleich als eine Brüderschaft auszuzeichnen, von welcher das herrschende Kirchenthum Nichts zu befürchten hatte." Feßler. — Sofern das herrschende Kirchenthum mit dem Urbegriffe Gottes, des Menschen und der Menschheit übereinstimmt, ja sofern dasselbe, auch durch vergängliche Hüllen, für die Menschen, wie sie jetzt sind, ewige Wahrheiten durchschimmern läßt, ohne welche in aller Zeit kein Heil ist, durch Hüllen, welche gerade für diese Menschen die einzig tauglichen sind, um das ewige Licht, nach ihrem Auge gemäßigt, aufzufassen: insofern wird der Menschheitbund und die Maurerbrüderschaft, als ein Keim desselben, dem Kirchenthume nicht hinderlich sein. Jedoch kann der reinsittliche, gottähnliche, also wahrhafte, von jedem Heuchelscheine reine, Mensch urwesenliche und ewige Wahrheiten in jenen vergänglichen Hüllen, sofern sie Irthum enthalten, nur lehren, solange er selbst den Irthum nicht bemerkt. Durch weises, Seitgemäßes Schweigen wird der Ausbreitung des reinen =452= Lichtes der Wahrheit nicht geschadet, noch auch der ewigen Lebwesenheit schöner Dichtung etwas entzogen.a)
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a) So würde die Gastfreundschaft der Griechen in jenen Zeiten der Herren und der Sclaven nicht die Wohlthat der damaligen Menschen geworden sein, wenn sie nicht in jedem flehenden hülfbedürftigen Fremden den gastfreundlichen Zeus selbst sich ihrem Heerde nahen geglaubt hätten. (S. Homeros Od. IX, 270; XIII, 213; XIV, 56 f'.; 388!)
Damit jedoch hierüber Niemand mich mißverstehe, erkläre ich meine Überzeugung: 1) daß Wahrheit, als Wahrheit, und sofern sie ganz oder zum Theil verstanden wird, allemal und nur nutzt, und gar nicht und niemals schadet; 2) daß Irthnm, als solcher, allemal und nur schadet, niemals und gar nicht nutzt; 3) daß das Bild des Zufrühöfnens der Augen vom Geiste gebraucht nur passend ist, sofern die zu große Anstrengung der erst sich bildenden Geistkraft, mittelbar durch das noch zu schwache leibliche Gliedlehen (Organ), schadet, ohnedaß deßbalb die, wie immer, früh erkannte Wahrheit selbst schaden könnte; 4) daß die Urwahrheit in ihrem reinen Urlichte bereits von zarten Kindern, als ihr erster klarer Gedanke, gefaßt wird, und in Zukunft, in der reiferen Menschheit, von Kindern allgemeiner gefaßt werden soll und wird; 5) daß es zwar zur Beschränktheit des Werdens des Menschheitlebens gehört: durch Irthum hindurch zur Wahrheit zu gelangen, daß aber der Irthum nie Mittel oder Erkenngrund der Wahrheit ist, und daß der die Wahrheit Schauende seine Mitmenschen nicht mit Absicht erst durch Irthum zur Wahrheit führen, noch überhaupt in niederen, unreinen Zuständen des Lebens zurückhalten dürfe. (Siehe hierbei auch S. 165, n. 90!) — Diese lebwesenlichen Lehren der Weisheit kann ich zwar hier nicht beweisen: sie werden aber in meinem Gliedbau der Wissenschaft in voller Klarheit erscheinen. Ewige Vernunftgründe, und eigeulebliche Erfahrung, bestätigen mir ihre Wahrheit.
Sofern aber das Kirchenthum mit jenen ewigen Urbegriffen streitet, sofern es umgebildet und höher vollendet werden muß, wenn im Leben des größten Menschen auf Erden, — der Menschheit, die Stunde gekommen, wenn die erstarkten Augen mit innigem Verlangen, ein reineres stärkeres Licht fordernb) insofern wird dann der Menschheitbund, und die Freimaurerbrüderschaft, wenn sie sich als einer seiner ahnenden Anfänge, vielleicht mit dem werdenden Menschheitbunde, sich höhergestaltend, vereint haben wird, — durch die stillen Folgen vereinwesenlicher und ebenmäßiger Ausbildung alles Menschlichen und Gottähnlichen, ohne gewaltsam in das freie innere Leben der Kirche je einzugreifen, jeden höheren Außchwung der Menschheit =453= zu reiner, inniger und schöner Gottinnigkeit und Gottlebenvereinheit bekräftigen und beflügeln. — Ja selbst Die, welche aus Blindheit, aus Gutmülhigkeit, aus irrigen Erziehgrundsätzen oder aus Eigennutz, den Aberglaubena) hegen, haben vom Menschheitbunde, sowenig als irgend ein anderer geselliger Verein, äußere, physische Gewaltthat zu fürchten. Denn die Waffe desselben ist Licht; sein Streit ist Liebe und Weisheit ist sein Sieg. Außerdem wird er friedlich schweigen, und die Wahrheit rein und lauter lehren, soweit es erziehkunstliche, liebinnige, urfriedliche Weisheit gestatten, oder, wenn er die rechte Zeit gekommen sieht, durch friedliche reine Belehrung die Irrenden von ihrem Wahne befreien, und zu reinem Lichte führen.
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b) Hierüber habe ich mich deutlicher erklärt in dem Tagblatte des Menschheitlebens N. 3, und besonders N. 50 - 53, S. 199 -208, und insbesondere über die einstige vollwesenliche Ausbildung der Religion auf Erden, daselbst S. 206 f.
a) Siehe meine Abhandlung über den Aberglauben und Unglauben: I, 102 ff.!
69ste - 86ste Frage. Die in diesen Fragen enthaltne Hindeutung von der Anzahl der eine Loge ausmachenden Brüder, das ist von der Gesellschaft ihres Bruderbundes, hinauf zu Gott als Schöpfer der Welt und des Menschen, auf die Erbauer eines Tempels des einigen Gottes, auf die Sinne des Leibes, auf die freien Künste, auf die Altväter des israelitischen Volkes (Patriarchen), und auf die die Lebenlehre (das Evangelium) Jesu den Völkern verkündigenden Lehrjünger Desselben, ist mehr, als ein Spiel mit Zahlen. Vielmehr scheint mir Dieß mit der höheren Lehre unserer Bundstifter in Beziehung zu stehen und bestimmt zu sein, daß die Hauptlehren der Kunst und die würdigsten, der Brüderschaft ähnlichen Vereine, als Musterbilder der Nacheiferung, den Brüdern gegenwartig erhalten würden. Die schöne Stelle über den Menschen und die Baukunst der Alten in der 70sten Frage sieht nicht wie ein müßiges Zunftspiel aus. — Umso sachgemäßer und ungezwungner schließt sich erst hier die erhabne Lehre von der Gestalt der Loge, und von ihren Stützen und ihrer Bedekkung, an.
Frage 76. "Warum machen Sieben eine Loge?" — Neueren Ursprunges, und erst nach Vollendung des Gesellen- und Meistergrades entstanden ist folgende Anwendung der Zahlen Drei und Sieben, zum Schlusse von Browne's Meistergrade. "Q. Name the seven originals! Answ. There are three different ways of preparing a Brother; three different ways of advancing to the master; three different obligations; three different signs; three different tokens, =454= and three different words." — "Nennen Sie die sieben ursprünglichen Dinge! Antw. Es sind drei verschiedene Wege, einen Bruder vorzubereiten; drei verschiedne Wege, dem Meister sich zu nahen; drei verschiedene Verpflichtungen; drei verschiedene Zeichen, drei verschiedene Merkmale, und drei verschiedene Worte."
87ste Frage. Dieß sinnvolle Lehrzeichen der Gestalt der Loge, welches ebenso weise durch den Zusammenlauf aller Höhenlinien in den Mittelpunkt der Erde das Gebiet der Brüderschaft auf diese beschränkt, als zugleich durch die Höhe ohne Ende die Wesenlichkeit (Lebwesenheit) des Menschheitbundes im Weltall ahnend und vorkündend darbildet, ist, nebst der Erklärung der Ausdehnungen derselben, zum Vortheil der Brüderschaft, in allen älteren, neueren, und neuesten, sogenannten Maurersystemen beibehalten worden,a) und verdient ebendeßhalb aufmerksam betrachtet und vorzüglich sorgfältig vergeistigt zu werden.
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a) Es ist zwar in einigen Systemen, wohl ursprünglich nicht ohne Beziehung auf das Dreieck, was im Grand Mystery steht, und auf den pythagoräischen Buchstaben, (S. 310 f.) die Loge oft, ja beiweitem am öftesten, durch ein gleichseitiges Dreieck bezeichnet worden: allein auch dort hat dasselbe nicht das Viereck aus dem Catechismus verdrängen gekonnt.
Die Veranlassung, weßhalb man dieß Lehrzeichen wählte, war eine doppelte. Zuerst der in den Baucorporationen selbst gelegene Grund, daß die Bauhütten, die Kirchen selbst nach dem Vorbilde des Salomon'schen Tempels (s. S. 424 ff.) nachahmend, von Ost nach West standen. Dieß wird ausdrücklich (Fr. 93 f.) gesagt; denn unter Loge ist hier die Bauhütte selbst zunächst zu verstehen, Sodann der Umstand, daß den Erfindern unseres Gebrauchthumes (Rituales), vorzüglich aber seiner Vergeistigung, das Viereck als ein uraltes sinnvolles Lehrzeichen längst bekannt, auch ihnen der ursprüngliche, tief im Menschen liegende Grund wichtig war, alles ihm Heilige nach dem im Osten aufgehenden Lichtquell der Natur hin zu richten, wohin der Betende, der Tiefdenkende, der Liebende, sich kehrt, wohin der Mensch das Antlitz des Geliebten wendet, dessen Leib er der heiligen Erde vertraut, — ein allgemeiner Zug der Liebe, der den Menschen so innig ergreift, als das Kleinweichthier (Infusionthier) und das Blatt der zarteren Pflanze. — Und daß die Frohkunde (das Evangelium) Jesu, und mit ihm Freude und Menschlichkeit, zu uns von Osten aus gekommen, =455= Dieß machte beide erwähnte Veranlassungen noch wirksamer.
Schon in der egyptischen Bildreichenschrift (Hieroglyphenschrift) wurde das regelmäßige und das längliche Viereck, sowie das Dreieck, der Kreis, die Ellipse und die Eilinie, als eine reingestaltliche Grundform (ein reingeometrisches, Element), in verschiedenen Beziehungen gebraucht, und in einer Bedeutung, die der masonischen (maurerischen) verwandt ist.a) In der That ist auch Nichts natürlicher, als den unendlichen Raum, und durch ihn bildlich das Unendliche, Ewige und Allgemeine, durch die drei Richtlinien nach Länge, Breite und Höhe darzustellen; und es ist dieses das wesensprachliche (pasigraphische) Grundzeichen des unendlichen Raumes. Die Tempel der Egypter bildeten meist längliche Vierekke, — wegen des Laufes des ihnen heiligen Nils, von Süden nach Norden;b) jedoch =456= sind die Pyramiden alle genau morgengestellt (orientirt). — → [Der große Tempel …]
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a) Siehe hierüber die schon mehrmals erwähnte Lettre sur les Hieroglyphes; (Dresde 1802;) vorzüglich die darin befindliche 2te, 3te und 4te Figur; deren Enträtselung der geistreiche Verfasser wohl ziemlich nahe gekommen ist! Und noch mehr Aufschluß geben hierüber die ausführlicheren Schriften desselben Verfassers, die ich zuvor S. 385 n. a erwähnt habe. Auf diesen Figuren kommt auch das längliche Viereck mehrmals, und mit verschiedenen Nebenbestimmungen, vor. Auch wird daselbst (S. 62 - 63) von den geometrischen Elementen der Hieroglyphensprache gehandelt. Der Triangel bedeutete, nach Plutarch, die Natur des Weltall, die eine Seite das männliche, die andere das weibliche Wesen, und die Grundlinie den Erzeugten. Nach dem Verfasser des Briefs bedeuten zwei nebeneinander stehende Winkelmaaße Sonne und Mond. Das Quadrat bedeutete das körperliche All, und den Fortgang der Begebenheiten, dessen Bild die gerade Linie ist; die unendlichen Erstrekkungen des Vierecks aber wurden durch ein nach den Weltgegenden gerichtetes Kreuz angezeigt. Das in GM. (s. S. 36 n. 16!) noch bei dem Logenzeichen vorkommende Kreuz könnte wohl ursprünglich diesen Sinn gehabt haben, und erst später auf die christliche Kirche gedeutet worden sein. (Aus Plutarch, Platon, und Proklus.) Auch deutete jede dieser Figuren bestimmte Gottheiten an. — Die Schrift des Fra Bartolomeo, viaggio alle Indie orientali, Roma 1796 (in der Abhandlung: dei segni geroglifici indiani, p. 297 - 301)und noch mehr Moore's Hindu Pantheon (London, 4to; nebst einer Tafel von 84 Hieroglyphen) enthalten Verzeichnisse heiliger Sinnbildzeichen der Braminen, uud in den Asiatic Researches finden sich viele dieser heiligen Zeichen in mehren Abhandlungen (besonders in Paterson's: origin of the Hindu Religion, As, Res. Vol. VIII, p. 44 ff.) erklärt.
b) Siehe Quatremere de Quincy de l'Architecture Egyptienne; à Paris 1803! So steht der große Tempel von Luxor =457= von Süden nach Norden; und er selbst, sowie alle seine Haupttheile, sind viereckt. — Vielleicht findet diese Richtung der Tempel aus ähnlichen Gründen Statt, als in Sina. (Siehe im Folgenden S. 461, c!)
→ Der große Tempel des Belus war, wie ein neuerer Reisebeschreiber aus eigner Ansicht des noch jetzt stehenden Baurestes bezeuget, genau nach den Weltgehenden gestellt, zum Behuf der vielleicht 2000 Jahre lang von den Priestern (welche Chaldäer hießen) angestellten Himmelbeobachtungen. Auch der innere Tempel Salomon's war ein längliches Viereck, von Oslen nach Westen ;a) und vor der östlichen Seite standen die Säulen Jachin und Boaz. — Pythagoras bediente sich des Vierekkee, sowie des Dreiekkes, als eines seiner wichtigsten Lehrzeichen, um Wahrheiten der Gottinnigkeit (Religion), der Leibwesenlehre (Naturwissenschaft ) und der Sittenlehre zu versinnbilden; auch wurden in seiner Lehre Dreieck und Viereck sinnreich zusammengestellt und miteinander in Beziehung gesetzt,b) sowie Dieß =457= auch in unserer Brüderschaft mit dem Dreieck und Viereck geschehen ist. (Siehe S. 40 n.26!) — Nach Vitruvius =458= sollen alle nicht runde Tempel längliche Vierekke bilden; und die Altäre der Götter sollen immer nach Morgen stehen, =459= auch nicht zu hoch sein, "weil der Betende gegen Morgen blickt."a) Bei den Juden war es verboten, das Angesicht gegen Osten zu kehren, und gegen den Aufgang der Sonne zu beten. (Hesek. 8, 16; vergl. Maimonides und andere Rabbiner; auch Chron. 29, 6!) Es wurde für sabäischen und zerduschtischen Aberglauben gehalten. =460= → [— Den Druiden scheint …]
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a) Siehe die vorhin S. 424 ff. über den salom. Tempel angeführten Bücher! Der Tempel selbst war 60 Ellen lang, 20 breit und 30 hoch, (nicht 120 Ellen hoch, wie Josephus Ant. Jud. 8, 4, §. 1, angiebt; Buch der Könige I, 6; Ezech. 41; Chron. 2, 3.) Dem salomon'schen Tempel sehr ähnlich sind die Tempel der Inder und Thibbetaner noch jetzt eingerichtet; auch der Tempeldienst bei den Letzteren hat mit dem mosaischem eine grolse Ähnlichkeit. (Siehe Meiners allgem. critische Geschichte der Religionen; [Hannover, 1806] Band 1, S, 475 - 478!)
b) Siehe Bruckeri Hist. Philos. I, p. 1061; Stanleii Hist. Philos., p. 741, aus des Proclus noch ungedrucktem Comment. in Eucl. Lib. III, def, 21; und Tennemann's Gesch. der Philos. B. I, S. 123! Merkwürdig ist's noch, daß wir in unserem Gebrauchthume (Rituale) Spuren des pythagoreischen Pentalpha finden. — Dieß Pentalpha ist die fünfzakkige, einzugige, regelmäßige Sternfigur, deren spitzer Winkel 360 ist; der Name rührt daher, weil diese Figur in Einem Zuge fünf Alpha beschreibt. Pythagoras hat das Pentalpha vermuthlich Wegen der regelmäßigen Zurückkehr insich selbst, wegen der ihm bedeusamen Zahl 5, und wegen der Beziehung auf 3 ineinander verschränkte Dreiekke, als ein Symbol der Gesundheit (Hygiëa,) gebraucht; daher es auch des Pythagoras Gesundheit heißt. Deßhalb setzte es einst Antiochus Soter, König in Syrien, auf die Fahnen, und gab den Soldaten die Losung: Hygiëa. Damit stimmt auch ein in Gorlaei dactyliotheca - pars I, n. 192 abgebildete, auf einem Siegelringe befindliche Figur überein: ein Pentalpha, von einer des Schwanz im Munde haltenden Schlange umgeben; ohne zwischengesetzte Buchstaben; sowie, ebendaselbst (pars II, n. 459) ein Pentalpha, in dessen inneren und äußeren Ekken unbekannte Zeichen, vielleicht Buchstaben, stehen. Gronovius merkt dabei =457= an: Hexagonum, literis ignotis conscriptum. Volunt viri docti saepe 'Υγιειαν in eo notatam extare. Auch kommt das Pentalpha auf einem mit symbolischen Figuren gezierten Friese vor in der Adderbury Church in Oxfordshire. (S. Grose's Antiq. of England T. I, Preface, p. 112!) — Es gehört auch zu den ephesischen Schriftzügen (litterae Ephesinae, γραμματα Εφεςια), von denen Erasmus Roter, in seinen Adagiis in einem besondern Abschnitte handelt. Im Deutschen heißt es Drudenfuß, Alpfuß, Alpenkrenz, Alpkreuz. Einige benennen jedoch auch die zwei ineinander verschränkten Dreiekke (s.418, b !) so. Auch in der Wappenkunst heißt es ebenfalls Alpenkreuz, besser Alpkreuz. (S. Campe's Wörterbuch!) — Es mag auch bei den Druiden bekannt gewesen sein, und ist ein Zeichen des Überflusses; daher es auch noch jetzt als Gasthofzeichen in einigen Gegenden Deutschlands gebraucht wird. — Übrigens giebt es unendlich vielerlei solche Polyalpha, oder vielekkige, regelmäßige Sternekke; zum Beispiel zwei Sternsiebenekke (Heptalpha), ein spitzes und ein stumpfes; ein Sternachteck (Octalpha), was gleichfalls in einigen masonischen Gebrauchthumen als Lehrzeichen vorkommt; zwei Sternneunekke (Ennealpha); ein Sternzehneck (Dekalpha); vier Sterneilfekke (Hendkalpha); ein Sternzwölfeck (Dodekalpha); welche alle mit einem Zuge gemacht werden, das ist, insich selbst geschlossen sind, und sofort in's Unendliche. Diese Sternekke haben, auch rein raumlehrlich betrachtet, viele merkwerthe Eigechaften. Ist der zur Seite eines solchen Sternekkes gehörige Bogen gegen den Umkreis des Zirkels, worein oder worum sie beschrieben sind, in unwechselzahligem (incommensurablem) Verhältnisse, so hat der dazu gehörige Stern, und zwar nach beiden Seiten, ohnedaß je zwei Endpunkte zusammenfallen, also unendlich viele Zakken; und der Zug kehrt nie in seinen Anfangpunkt zurück; — ein Bild der Seele, die in jedem Zeiten ihren ewigwesenlichen Anfang in der Zeit erneuet, immer nach gleichem Gesetz ihr Leben weiter bildend, ohne es zu schließen, ohne je in ihren Anfang, ihr Leben endend, zurückzukehren. Ein jedes dieser regelmässigen Sternvielekke hat besondere merkwerthe Eigenschaften, sowohl die geradzahlseitigen, als die ungeradzahlseitigen. Die geradzahlseitigen Sternregelekke sind nebenlinig (parallel-seitig), die ungeradzahlseitigen allgegenlinig. Wenn mau alle Seiten des ebensovielekkigen regelmäßigen Vielekkes soweit verlängert, bis jede Seite jede geschnitten hat, so erhält man alle Sternregelekke derselben Ordnung in Einem Sammbau (in Einen Construction); und umgekehrt, wenn man das kleinstwinkliche, äußerste Sterneck von jeder beliebigen Zahl Ekken bildet, so enthält dasselbe alle die größerwinkligen in und unter sich; so z. B. das äußerste Siebensterneck, dessen Winkel 25-5/7 Grad, enthält insich dasjenige Siebensterneck, dessen Winkel 77-x/7 Grad, und dieses wieder das regelmäßige, unsternige Siebeneck, deß Winkel 128-4/7 Grad ist. Diese gleichvielekkigen Sternekke in =458= Einen Sammbau verzeichnet, sind ein Bild des geselligen Vereinlebens. Je größer die Zahl der Seiten wird, desto mehre Sternekke von derselben Art sind bei den dazu geeigneten Zahlen gegeben; zum Beispiel sind schon 7 unterschiedne 19-Sternekke; 14 unterschiedene 31-Sternekke, und 49994 verschiedene 99991-Sternekke (indem 99991 eine Primzahl ist). Dagegen giebt es kein Sechssterneck, weil 6 eine sogenannte vollkoramne Zahl ist. Die Zahl 30 ═ 1. 2. 3. 5 giebt 3 verschiedne Dreißigsternekke durch die Zahlen 7, 11, 13; und zugleich 2 verschiedne Funfzehnsternekke, ein Zehnsterneck, ein Fünßterneck, endlich auch zugleich das regelmäßige Dreißigeck, Funfzehneck, Zehneck, Sechseck, Fünfeck und Dreieck. — Jedes Unendlichvielsterneck mit unzahligem Winkel und Bogen giebt durch seine unendlich vielen Umgänge unendlich viele Ordnungen winkelverschiedener Sternekke; ein Sinnbild der unendlichvielen Ordnungen der Kraftdurchdringung (dynamischen Durchdringung) im geistlichen, sowie im leiblichen Leben, und zugleich ein Sinnbild des gesellschaftlichen Vereinlebens der Einzelmenschen in der Menschheit. Die Sternunendlichekke, ob sie gleich alle urviele (unendlichviele) Ekken (Alpha) und Seiten haben, können gleichwohl nach der Reihe der ganzen Zahlen geordnet werden; denn die Seite desselben geht in dem Kreise entweder nicht ganz genau, nehmlich entweder Etwas mehr, oder Etwas weniger als zweimal (diapeiralpha), oder als dreimal (triapeiralpha), oder als viermal (tetrapeiralpha), und so fort ohne Ende herum; und zwar ist jede Art selbst wieder stetig unendlichvielartig nach dem Verhältnisse des Mangels oder Überschusses. So ist daher das Zweiurvielsterneck entweder ein mangeliges (unterganzes , elliptisches, wo der Bogen der Seite desselben um einen unzahliger) Theil kleiner als 180°,) oder ein übermässiges (überganzes, hyperbolisches wo der Bogen der Sehne desselben um einen unzähligen Theil größer als 180°). Diese merkwerthen Figuren sind bisher in der Geometrie im Allgemeinen ununtersucht geblieben, ob sie wohl einer gründlichen Untersuchung werth wären. Eine allgemeine Formel kann dafür nicht gefunden werden, weil ihre Betrachtung auf der Einsicht in die Reihen der Urzahlen (Primzahlen) und Gevieltzahlen (numerorum compositorum) beruht, aber eine allgemeine Formel für die Primzahlen zu finden unmöglich ist, weil keine ansich da ist; wie ich mit mathematischer Strenge zuerst in meiner Abhandlung über Factoren und Primzahlen (s. meine Factoren- und Primzahlentafel von 1 - 100000, neuberechnet und zweckmäßig eingerichtet usw., nebst einer Abhandlung der Lehre von Factoren und Primzahlen, Jena 1803, in Folio, S. 11 f.) bewiesen habe. — Diese Figuren eignen sich sehr zu tiefsinnigen sinnbildlichen Bezeichnungen; sie bestätigen aber meine mehrmal geäusserte Behauptung, (s. S.390 f. n. a.) daß dergleichen Lehrzeichen (Symbole) nur von Ganzheitlehrern (Mathematikern) gebildet (construirt), und nur von Urdenkern (Philosophen) denselben eine wesenliche Bedeutung gegeben werden kann; daß aber ebendeshalb, =459= um sie zu verstehen, und zu würdigen, und erwecklich zu finden, eine mehr als gewöhnliche wissenschaftliche Bildung von zwei Seiten der Wissenschaft erfordert wird. — Das Geschichtliche, was ich hier zu Erklärung des Pentalpha beigebracht habe, ist ein Ergebniß meiner eignen Nachforschung, und die mathematische Erläuterung und Construction habe ich gleichfalls von keinem Maurer entlehnt, sondern selbst geometrisch gefunden, da ich sie bei keinem Ganzheitlehrer (Mathematiker) vorfand.
a) Varro giebt 4 Theile des Tempels an, den linken gegen Morgen, den rechten gegen Abend, den vordern nach Mittag, den hintern nach Mitternacht. Daß die Tempel der Alten meist viereckt waren, beweisen schon ihre Überreste und die Münzen. Dieß zeigt auch Vitruvius B. IV, Cap. 5, wo das oben Erwähnte steht, und Servius zum Virgilius. Auch wurden die Templa, das ist eigenlich die Plätze, die zur Beobachtung des Vogelflugs bestimmt waren, von den Auguren bekanntlich zu dieser Absicht ostgestellt (orientirt); die vordere Seite sah nach Morgen, die hintere aber nach Westen; die mittägliche Seite hieß die rechte, die nördliche dagegen die linke. (Siehe Dempsteri Corpus Antt. Romm. Lib. III, cap. 9!) Dieses bestätiget folgende Stelle aus Gutherii dissert. de veteri jure Pontific. (p. 113)
"Redeo ad Varronem, qui Templi partes 4 constituit, sinistram ab Oriente, dextram ab Occasu, anticam ad Meridiem, posticam ad Septentrionem. Antiqua templa utplurimum quadrata eranit, quod'nummi veteres testantur, et aperte Vitruvius demonstrat, L. 4, c. 5. 4. Serv. 4. Aeneid. a quo Varroni magna lux affulget: Aedes, inquit ille, Deorum immortalium ad regiones quas spectare debent, sic erant conslituendae, uti Signum quod erit in Cella collocatum, spectet ad Vespertinam coeli regionem, ut qui adierint ad Aram immolantes, aut sacrificia facientes, spectent ad partem Coeli Orientis, et simulachrum quod erit in aede, quia aras Deorum necesse est ad Orientem spectare. Quadratura templorum πλινϑεια dicitur." —
Auch wurde von den Römern herkömmlich bei den Grenzbestimmungen und Eintheilungen der kleinereu Länder und Stadtgebiete, sowie bei Anlegung der Pflanzstädte (Kolonien), eine ähnliche Rücksicht auf die Weltgegendeu genommen; die vordere Seite hieß die nach Morgen, die hintere, die nach Abend; die rechte lag nach Norden, die linke nach Suden. Demzufolge wurden durch das ganze Gebiet zwei sich senkrecht schneidende Hauptlinien nach den Weltgegenden gezogen. Siehe: Auctores Finium regundorum, (Lutetiae 1614,) in der dem Hyginus zugeschriebnen Schrift: de limitibus, p. 160 ff.! Auch Plutarchus im Leben des, Numa (c. 14) sagt; "weil die Tempel nach Osten gerichtet sind."
→ — Den Druiden scheint diese Lage der Heiligthümer, sowie insbesondere das Viereck, nicht weniger heilig gewesen zu sein. Denn die noch übrigen, selbst die runden, druidischen Tempel haben eine bestimmte Lage nach den Weltgegenden; zum Beispiel der größte bekannte, das berühmte Stonehenge in England, liegt, wegen seiner stemkundlichen Bestimmung, welche Smith in der Schrift: Choir Gaur,a) the Grand Orrery of the Ancient Druids, commonly called Stonehenge on Salisbury plain; by D. J.Smith, (Salisbury, 1771;) nachgewiesen hat, von Südwest nach Nordost; und der (S. 298 ff.) schon erwähnte Tynwald ist mit einem Wall in Form eines länglichen Vierecks umzogen. Diese Gestalt heiliger Orte ist uralt; wir finden sie bei den Indern, bei den Persern nach der Lehre des Zendavest, beiden Druiden,b) und ebenso bei den Griechen und Römern. Schon wenn der Priester im Freien einen Schauort (templum) für Beobachtung des Vogelfluges machte, orientirte er diesen Ort und sich selbst und die Beobachtung. (S. 459, a.) → [Auch die ersten Christen …]
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a) Die (walische) Benennung: Choir gaur, Riesenchor, scheint mir sowenig die alte echte, als die spätere angelsaxische: Stonehenge, eigenlich Stan - hengest, d. i. Steingehänge. Auf ähnliche Weise nennt man ein druidisches Überbleibsal auf dem Brokkenberge die Hexenkanzel.
b) Wem es darum zu thun ist, sich hierüber gründliche Belehrung zu verschaffen, dem empfehle ich besonders das mehrerwähnte Oupnek'hat, bearbeitet von Anquetil du Perron, Zendavest, bearbeitet von Demselben und Kleuker, die Asiatic Researches, besonders in deren Vol. VIII, p. 44 ff., die Abhandlung Paterson's über die Religion und Gebrauche der Hindus, woselbst genau beschrieben ist, Was der Priester zu thun hat, wenn er beten und opfern will. — In Grose's Antiqq. of England and Wales, Tom. VIII, p. 163, ist der auf der Insel Jersey im J, 1786 zufällig ausgegrabue Druidentempel beschrieben, und in zwei Kupferplatten abgebildet. Es finden sich überhaupt viele druidische Monumente auf den Inseln Jersey, Guernsey, Alderny und Sark; alle kleiner, als gewöhnlich, weil sie nur einer kleinen Volkmenge dieser kleinen Inseln dienten. Der erwähnte Tempel ist also zwar auch klein, aber der vollständigste von allen überhaupt bekannten Druidentempeln; denn er ist noch völlig unverletzt; daher der Herausgeber vermuthet, die Druiden haben ihn bei dem Andrange der Römer selbst verschüttet, um ihn vor Entweihung zu bewahren. Auch er ist orientirt; der Hauptsitz und Altar in Osten; ihm gerade über in Westen ein ähnlicher Sitz und Altar; der Eingang ist südwestlich. Eine Münze des Kaisers Claudius wurde darin gefunden.
→ Auch die ersten Christen blieben bei dieser, durch viele =461= Völker des Alterthumes geheiligten Gewohnheit;a) und im Mittelalter hieß die Linie von Ost nach West, wonach die Tempel genau gebaut sein mußten, wenn sie sollten eingeweiht werden können, die Linie der Heiligkeit. (Linea sanctitalis.) b) Auch noch jetzt ist's bei vielen Völkern der Erde gewöhnlich, gottinnigkeitliche Gebäude von West nach Ost hin zu errichten, und die Altäre in Osten zu stellen; doch machen zum Beispiel die Siner hiervon eine Ausnahme, deren Tempel mit der breiten Seite gen Mittag stehen, auch den Haupteingang an der Mittagseite haben.c) — Nach Meiners (Von den verschiedenen =462= Menschennaturen) sind nicht nur die ältesten Tempel in Asien und Amerika, sondern auch die großen amerikanischen Leichenplätze, orientirte Vierekke.
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a) Siehe vorzüglich Hirt's historisch-architectonische Beobachtungen über die christlichen Kirchen, in der Zeitschrift: Italien und Deutschland, von Moritz und Hirt; 1stes Stück! Die wesenlichen Gedanken dieses Außatzes finden sich achon in Alex. Donatus de Urbe Romae, Lib. 4, c. 2; in Graev. Thes. Tom. III, p. 800 sqq. — Siehe auch hierüber Vogel's christliche Alterthümer; Hamb. 1780; S. 243 f.!
b) "Unter den Wundern des heil. Dunstan" (der im J. 988 starb,) "ist folgendes, das er bei der Einweihung einer Kirche gethan haben soll. Der heilige Dunstan verrichtete nehmlich diese Ceremonie in eigner Person; als er nun, nach der gewöhnlichen Form, im Feierzuge rund um das Gebäude ging, bemerkte er, daß es außer der Linie der Heiligkeit sei, das ist, daß es nicht genau Ost und West stünde; deßhalb berührte er es gelind mit der Schulter, und brachte es ,in seine gehörige Lage." (Aus Eadmerus, in vita Dustani, in Grose's Antiqq. of Engl. and Wales, Tom. V, p. 179).) — Dustan war ein gelehrter, kunstliebender Mann; diese Kirchsage (Legende) aber hat wohl der Aberglaube nach ihm ersonnen. Es finden sich noch Gemälde von Dunstan's Hand, die für jene Zeiten in Zeichnung und Zusammensetzung gut genug sind, (Siehe Strutt's Tableau complet des Costumes etc. des Anglois enrichi de Gravures etc. (Londres, 1797;) Tom. I, No. 50; sowie Ebendesselben Angleterre ancienne, Tom. 2, (à Paris 1789;) pl. XVIII!) In diesen beiden Werken findet man noch vorhandene Denkmale der Malerei in Britannien, welche sich in Vergleich der gleichzeitigen, bei'm Erwachen der Künste in Italien, nicht zu schämen haben; auch Trachten, und besonders Abbildungen von Tonwerkzeugen, welche die beschränkten Vorstellungen über die angebliche gänzliche Verwilderung im Mittelalter sehr berichtigen können. —
Wenn im neunten Jahrhunderte der Bischof bei der Messe das Gloria antonte (intonirte), so that er Dieß, wie noch jetzt die Carthäuser, gegen Osten gewandt. (S. Winter's erstes deutsches, critisches Messbuch; München, 1810; S. 94!)
c) Weil sich in Sina das leibliche Leben dieses Landes nach Süden öfnet, und in mehren Gegenden desselben von Osten Kälte kommt, so sind nicht nur alle religiöse Gebäude, sondern überhaupt alle Häuser, von Mitternacht auch Mittag gerichtet. =462= S. Du Halde Description de la Chine, Tom. 2, p. 84! Der von Jos. Hager in seinem Pantheon Chinois (à Paris 1806) beschriebene Tempel ist auch gegen Mittag hin offen.
Daß der Ausdruck unserer Urkunde: "zwischen Norden und Süden," auf die größere Erstrekkung des bewohnbaren Landes von Osten nach Westen, und überhaupt auf die eigenlebliche Beschaffenheit unserer Erdkugel im Sonnbaue hindeute, habe ich schon in der ersten Ausgabe dieser Schrift bemerkt; sowie auch, daß das Lehrzeichen des länglichen Vierekkes in den egyptischen Denkmalen vorkomme, nebst dem damit verwandten Zeichen des Kreuzes. Beide Lehrzeichen finden sich in einem unserer Urkunde verwandten Sinne bei den Indern, Sinern, Persern und Egyptern; und, Zeugnissen des Alterthumes zufolge, deutet das Kreuz den Durchschnitt des Gleichers und des Sonnbahnkreises (der Ecliptik) an, sowie die Alles in Einklang des Lebens bringende Kraft der Natur; (s. in dem mehrerwähnten Werke Cordiner's die hierüber im Abschnitte über die alten in Stein gehauenen Kreuze enthaltnen Nachweisungen, Palin's Schriften über die Hieroglyphen, und besonders Wünsch's Esoterika II.Th. S. 150 f.!) und das längliche Viereck bezeichnet auch das sogenannte Haus der Sonne, das ist, das Himmelzeichen, worin sie scheinbar steht, und worin sie gewöhnlich in persischen, egyptischen und altcaledonischen druidisch-culdeischen Denkmalen, zugleich mit dem Monde verbünden, durch die vereinten Scepter, das Sinnbild der allmächtigen und allweisen Vorsehung, abgebildet wird. Meine Abhandlung zum Schluße dieser zweiten Bemerkungen zeigt, daß die Culdeer wirklich im Besitze der druidischen und manichäischen, mithin auch mittelbar der indischen, zerduschstischen, und egyptischen Naturwissenschaft und Himmelbaulehre waren; und die auf so vielen uralten, in harten Stein gehauenen, hochschottländischen Denkmalen sich findende, vorhin erwähnte, Hieroglyphe der "in ihrem Hause," dem rechtwinklichen Vierekke, dargebildeten Sonne, nebst dem Monde, machen es wahrscheinlich, daß die Stifter unseres Gebrauchthumes, indem sie das rechtwinkliche Viereck als Gestalt der Loge, nebst diesen Erstrekkungen, bestimmten, au alle die uralt überlieferten =463= Bedeutungen des Vierekkes, des Kreuzes, und des Dreiekkes gedacht haben, zumal da, wie ich im Vorigen (40 n. 26, 418 b, 456 f. n. b, vergl. I, 310 f.) gezeigt, ⊏⊐ + und △ in verschiedenen Gebrauchthümern, einzeln und vereint, als Lehrzeichen der Loge wirklich vorkommen. Folgende Stelle aus Br. Wünsch's Esoterika (Zerbst, 1817, 2r Th., S. 86) stimmt im Wesenlichen hiermit überein, und enthält noch andere Andeutungen, worüber ich mich hier, aus Mangel an Raum, nicht verbreiten kann.
"Das längliche Viereck der Stiftshütte, 2. Mos. 26, und in der Folge des Tempels, stellte nach der damaligen gemeinen Meinung die Form der Welt vor, die von Aufgang bis Niedergang der Sonne, wie man glaubte, viel weiter, als von Mittag bis Mitternacht ausgedehnt war. Palmen und Laubwerk der Wände mußten andeuten die lieblichen Kinder der Mutter Isis, des Mondes, die Widderfelle der Dekke hingegen den himmlischen befruchtenden Widder und überhaupt alles Gute, welches Jehova durch die Schaafe den Menschen erzeigt. Blau, weiß, gelb und roth mußten die Vorhänge glänzen, weil der Himmel in diesen Farben prangte, als Moses das Modell dieser Wohnung des Herrn auf dem Berg Sinai sah. Die Bundeslade, 2 Mos. 25, stellt vor die von einer Schlange bewachte Geheimnißlade der egyptisehen Priester, die darin die Bilder und Symbole der Mysterien der Isis aufbewahrten."
"Aus allem Diesem geht deutlich hervor, daß das Lehrzeichen, welches die Allgemeinheit unserer Brüderschaft versinnbildet, mehr, als ein zufälliges Spiel des Witzes, daß es in den Gesetzen des menschlichen Verstandes sowohl, als in dem Verhältnisse der Menschheit zu der Natur, und in ihrer Bildunggeschichte, in dem Verhältnisse des Einzelmenschen zu der Menschheit der Erde, zu dem Leben des Leibwesen (der Natur) a) und zuhöchst zu dem Leben Gottes, wohl gegründet ist. Schon deßhalb muß es uns werth sein: seihe Wichtigkeit wird aber noch mehr erhöht durch die andern Lehrzeichen, welche sich an dasselbe, gleichwie an ihre gemeinsame Mitte, bedeutungvoll anschließen; ich meine die drei großen Pfeiler, den Sitz des Meisters und die Lage der Sinnbilder der drei großen Lichter in Osten, den Sitz des jungem Bruder Aufsehers in Süden, =464= und des ältern in Westen, wovon der Erstere zugleich auf des Lebens schönste Blüthe, der Letztere dagegen auf des Lebens Untergehen im abendlichen Alter, und auf das Heimleben des aus der Masonei (der Loge) dieser Erde entlassenen Bruders in eine höhere Ordnung der Dinge, an einen neuen Morgen, leise hindeutet."
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a) Nach Palin bedeutet das Viereck in der egyptischen Hieroglyphenschrift sowohl das ganz Erdland, als auch jedes Haus.
Aus dem ganze Inhalte der zweiten Kunsturkunde, und aus der Stellung des Lehrzeichens der drei großen Lichter, und des Lehrzeichens des länglichen Vierekkes als sinnbildlicher Gestalt der Loge, erhellet, daß in diesem uralten Gebrauchthume der salomon'sche Tempel nicht, wie in mehren entarteten Zweigen der Freimaurerbrüderschaft, das Hauptlehrzeichen gewesen sein könne. Dennoch ist ohne Zweifel die Vergeistigung des salomon'schen Tempels in und außerhalb der Freimaurerbrüderschaft sehr alt. Folgende Stelle aus Philo, auf die ich mich schon früher (S. 315) bezogen habe, giebt ein Beispiel davon.
"Für den erhabensten und in Wahrheit heiligen Tempel Gottes müssen wir die ganze Welt halten; indem sie den heiligesten Theil der Wesenheit aller Dinge insich enthält, — den Himmel, als Weihgeschenke die Sterne, und zu Priestern die Unterdiener der Kräfte Gottes, — die Engel, — unleibliche Seelen, nicht gemischt aus vernünftiger und vernunftloser Natur, wie unsern Seelen begegnet, sondern von denen das Vernunftlose abgetrennt ist, ganz und durchaus geistige, unfehlbar schließende, der Einheit, — Gott, vergleichbare Wesen: aber der mit Händen gemachte Tempel (zu Jerusalem) unw." a)
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Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung des salomon'schen Tempel in der Freimaurerbrüderschaft findet sich, und zwar sehr ausführlich, in der Yorker Constitution. Sodann wissen wir, (siehe den Beweis hier in IV, S. 216!) daß die Päbste in den Freibriefen, welche sie den wandernden Corporationen der Freimaurer ertheilten, sie mit den Erbauern des Tempel Salomon's vergleichen, wahrscheinlich um ihnen mehr =465= aüßeres Ansehn zu verschaffen. Schon in der ältesten Aufnahmurkunde des catholischen Zweiges der alten Brüderschaft, in GM. (Fr. 34), wird die Loge in der Halle des salomon'schen Tempels gehalten, und ein Jerusalem-Wort (fr. 37) erwähnt; und diese Anspielung ist seitdem in den nachherigen Gesellen- und Meisterritualen willkührlich weiter ansgesponnen worden. (Siehe besonders vorn den Auszug ans dem Gesellenrituale nach Browne, S. 263 - 274!) Wahrscheinlich haben die Brüder dabei am meisten Seldeni jus naturae et gentium, more Ebraeorum, Lips, et Francof. 1695, benutzt, worin, von S. 300 an, viele Schriftsteller über den salomon'schen Tempelbau angeführt stehen; vielleicht späterhin auch Bunyan's Schrift: Salomon's temple spiritualized, deren achte Ausgabe Dublin 1754 erschienen ist. — Nachdem dieser salomon'sche Tempelbau, nebst den daran geknüpften Geheimsagen von Hiram und seiner Mördern und Wiederfindern, eine Zeit lang zur Hülle des politischen Zwekkes der engländischen Brüderschaft gedient hatte, und es seit Wilhelm's III. Regierung immer dringender wurde, allen Schein der Fortdauer jener Absicht und der ihr angemeßnen Auslegung des Tempelbaues sorgfältigst zu vermeiden, fand die sich im J. 1717 neugestaltende Brüderschaft in Bacon's Dichtung vom salomon'schen Hause, und noch mehr in Comenius Vergeistigung des salomon'schen Tempelbaues, als eines Sinnbildes der Bildung eines Gliedbaues (Systems und Organismus) der Wissenschaft und der Weisheit, welche sehr bald in England, wider Comenius Willen, bekannt wurde, und in seinen operibus didacticis beschrieben wird, (vergl. hier S. 139 - 143!) einen willkommnen Anlaß, den salomon'schen Tempelbau, und die Mythe vom Baumeister Hiram, auf eine edlere Art umzudeuten, umsomehr, als, wie ich gefunden und bewiesen habe, die Stifter des NE. Großmeisterthumes (im J. 1717,) besonders Anderson, des Comenius Urbild einer allgemeinen, reinmenschlichen, christlichen Gesellschaft aller Menschen für alles Menschliche vondann als Vorbild und Zweck der Freimaurerbrüderschaft annahmen; welcher Plan des menschheitinnigen Comenius mit seinem Entwürfe eines salomon'schen Wissenschaft- und Weisheittempels in wesenlicher Beziehung stand. (Vergl. auch des Comenius kleine Schrift: "das Einzige Notwendige.") =466=
Das, wag GM. (Fr. 16, 17; hier S. 36 f.) über die Gestalt der Loge meldet, ist sehr merkwürdig. — Zuerst muß ich erinnern, daß der Herausgeber jenes Fragstükkes, aus dem oben (S. 28) angezeigten Gründe, höchst wahrscheinlich, die die Gestalt der Loge und ihre Ausdehnungen betreffenden Fragen mit Absicht weggelassen hat. Übrigens aber scheint mir das obige Zeichen bedeutend zu sein. Denn erstlich bedeutet das Zeichen des Kreuzes überall die Kirche, und kommt als solches in Urkunden des Mittelalters vor; sodann aber zeigte in der stillen Zeichensprache der Mönche ein dem obigen sehr ähnliches Lehrzeichen gleichfalls die Kirche an. (S. 421.) — Vielleicht stellten die alten Maurer ebenso durch zwei sich rechtwinklich schneidende Linien die unendliche Länge und Breite der Loge dar; da Dieß hier, wo es bloß auf den Ausdruck der Strekken (Dimensionen), ganzheitlehrlich (mathematisch) betrachtet, ankommt, dem Vierekke gleichgeltend ist; und so hätten dann die päbstlichgesinnten Umbildner des Gebrauchthumes dieß erwünschte Zeichen der Kirche schon Vorgefunden; a) vielleicht verwandelten sie aber auch das überlieferte Viereck in das Kreuz. Die vier aneinander stoßenden Winkel scheinen mir ein altes Bild zu sein; weil sie als Windrose auf die vier Hauptpunkte der vier Weltgegenden =467= (Sonnlebenpunkte) hinweisen, auf welche auch die in GM., Pr. und Br. erwähnten maurerischen Hauptpunkte führen; zumal da auch in der egyptischen Lehrzeichenkunst (Hieroglyphik) das Kreuz den unendlichen Raum bedeutete. Das △ über dem Kreuze kann dann auch auf das Auge der Vorsehung hinweisen, welches, als die Kirche beschirmend, vorzüglich über die Hochaltärea) im Mittelalter und noch jetzt, gesetzt, und in gleicher Absicht auch von dem NE. Großmeisterthume (siehe Br. Fr. 139, S. 26 f. und die Frontispiece's zu JB., in der ersten Abtheilung!) in der Freimaurerei gebraucht wird. (Siehe hierüber meine Anmerkung zu GM. Fr. 32, und die Nachricht von dem merkwerthen Denkmale in Pluscardine Abbey in der Abhandlung zum Schlüsse dieser weiteren Bemerkungen!)
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a) Auch ist es nicht unmöglich, daß die Baukünstler des Mittelalters das Dreieck in noch einem andern Sinne über das Viereck gesetzt haben. Vielleicht soll es die dritte Strekke (Dimension) der Loge, ihre Höhe, anzeigen. Denn das Dreieck ist Zeichen der spitzsaüligen (pyramidalen) Gestalt des Feuers, das gen Himmel strebt. — Dazu bedeutete es auch überhaupt alles Glückliche. — Alle echt altformige Pagoden der Brahma-Gottinnigkheit in Indien haben diese Form. (S. des hochgelehrten Langlès Monumens anciens et modernes de l'Hindoustan, en 150 planches, à Paris 1815, und die großen Kupferwerke über Indien von Daniells und von Solvyns,) Von daher erhielten auch die Egypter diese Gestalt; denn auch sie gaben ihren größten und heiligsten Tempeln eine der Pyramide sich nähernde Gestalt. Die druidischen Bauwerke, vorzüglich das berühmte Stonehenge in England, sind hierin den egyptischen völlig ähnlich; daß sie gleich den indischen, sinischen und japanischen Pagoden der Pyramide, als Grundgestalt, folgen. (Siehe Meiners krit. Gesch. der Religionen, B. I, S. 480!) Die Pyramidengestalt war ebenso das Grundprinzip der gotisch-normannischen Baukunst; und die spitzen hohen Thürme des Mittelalters auf den Kirchen und Begrabnißplätzen haben, nach des sinnreichen Murphy Erklärung, als Nachahmung der Pyramiden denselben Sinn. (S. B. II, Abth. 1, S. 266. f.!) — Doch stelle ich diese Deutung des Dreiekkes nur als eine Vermuthung auf.
a) Siehe B. I, Abth. 1, S. 266 n. c!
Mit diesem Gegenstande stehen noch folgende beide Fragen aus GM. (Fr. 33, 34) in Beziehung. — "Wie wird die Mittaglinie (der Meridian) gefunden?" "Wenn die Sonne den Süden verläßt und in die Westseite der Loge einbricht." — "In welchem Theile des Tempels wurde die Loge gehalten?" "In Salomon's Halle, an der Westseiteb) des Tempels, wo die zwei Pfeiler errichtet waren." — Die erste Antwort kann älter sein; aber die zweite stammt aus der Zeit, als sich die Logen mit politischen Planen beschäftigten. (Vergleiche meine Anmerkungen zur Übersetzung der Geschichte von Lawrie, vorzüglich S, 358 f.!) c) — Da die Kirchen genau himmelgestellt werden sollten, so enthielten sie an ihren Mauern eine Angabe des Meridianes; daher schreibt sich wohl auch die Gewohnheit in großen Kirchen Italiens, die von der Richtung der Mauern dennoch abweichende Mittaglinie astronomisch den Fußboden entlang genau zu verzeichnen. =468=
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b) Dieß ist irrig; diese Säulen standen an der Ostseite des Tempels. Es wurde hier unter dem salomon'schen Tempel der Bau der sogenannten maurerischen höheren Grade zu Herstellung der stuart'schen Familie auf den Thron von England verstanden.
c) Aus derselben Zeit ist ohne Zweifel auch folgende 19te Frage und Antwort: "Wer ordnet und regiert die Loge und ist Meister derselben?" "Irah, *, Jachin, oder der rechte Pfeiler." Ich habe bereits (S. 38 n. 20) dieses Wort Irah aufzuklären gesucht. Beide Vermuthungen, die ich dort aüßere, laufen dem Sinne nach auf Eins hinaus. Auch Jachin und Boaz, Salomon's Halle, und alle dergleichen Dinge, sind ähnliche Chifern, mit eingestreuten Nichts bedeutenden Umständen (Non-valeurs).
Die nurerwähnten, von den Weltgehenden (Sonngegenden) entnommenen, Punkte, oder Hauptpunkte, der Maurer enthalten viel Gutes, und unbezweifelte Spuren echter, alter Lehre. (GM. Fr. 39, 40 erwähnt drei besondere Punkte, hauptsächliche Punkte, particular points). Es heißt daselbst unter Anderem: " — — weßhalb alle Maurer am Bau des Thurmes zu Babel und des Tempels zu Jerusalem gebraucht wurden." Diese Worte sind ein späterer Zusatz; indem der Thurmbau zu Babel und der Tempelbau zu Jerusalem, (der erste, zweite und dritte,) wie man aus Browne sieht, auf bestimmte politische Hauptbegebenheiten in England hinzeigen. Hierauf folgen nun die schon oben (S. 42 f.) aus GM. mitgetheilten fünf Punkte der Genossenschaft, welche daselbst eigenliche (eigenthümliche) Punkte (proper Points) genannt werden. — Prichard erwähnt in einer Note (zu seiner 52sten Frage; hier S. 72 f.): "daß sich die (S. 379 erwähnten) 3 festen leichter auf die 3 Fenster, noch eigenlicher aber auf die 4 Hauptpunkte," (am Himmel) "nach den alten Regeln der Maurerei bezögen." Hierin hat er ohne Zweifel ebenfalls Recht, und seine folgenden (52 - 64ste) Fragen, worin die Beamten und andere Brüder ihre Stellen nach den Himmelgegenden erhalten, sind ein Erläuterniß zu diesen Worten. Im Browne finden wir diese Lehren ausgeführt; nehmlich zuerst die schon (S. 230 ff.) erwähnten 3 Punkte; sodann (Fr. 185 f.) die, mit den in GM. angeführten besonderen Punkten übereinstimmenden, drei großen Grundsätze (grand Principles): Bruderliebe, Hülfe und Treue (Brotherly Love, Relief and Truth); die uns wieder durch ihren Namen auf die im Prichard verzeichneten vier Grundsätze (Principles): Punkt, Linie, Fläche und Körper, hinweisen, über die indeß keine weitere sinnbildliche Erklärung mitgetheilt wird. (Siehe hierüber meine Bemerkung zu Browne's Frage 91; hier S. 168!)
In Ansehung der Gestalt der Loge stimmt Prichard ganz mit unserer Urkunde überein, außer daß er, anstatt: ein längliches Viereck (on oblong square), ein langes Viereck (a long square) setzt, die Loge nicht zwischen, sondern von Norden nach Süden breit sein läßt, und auf die Frage: "Wie hoch?" zunftmäßig spielend, antworten läßt: "unzählige Zolle, Fuße und Yards so hoch, als der Himmel." Im Br. (Fr. 106 ff.) hat die =469= Loge die Form eines Nebenseitvierekkes, oder Parallelogrammes, welches ansich sowohl ein gleichseitiges, als auch ein ungleichseitiges, und in beiden Fällen sowohl ein rechtwinkliges, als schiefwinkliges, Viereck sein kann. — Zu dieser Abweichung mochte wohl das NE. Großmeisterthum durch bestimmte Gründe bewogen worden sein, die auf die Geschichte der Brüderschaft Bezug haben. Denn, nach Browne, (in der Erklärung zur Fr. 170, und nach Frage 168 - 170 selbst,) zog Johannes der Taüfer die erste Linie zu diesem Parallelogramm, und Johannes der Evangelist eine Parallellinie. Breit ist bei Browne die Loge zwischen Norden and Süden; Welches auch (S. 88, hier S. 256) wiederholt wird. Das Weitere, was Browne über die Gestalt der Loge, und die Vergeistigung derselben sagt, sowie die Lehren der Wohlthätigkeit, die er daran kettet, findet der Leser Alles hier S. 174 - 179. Auch verdient bemerkt zu warden, daß in dem NE. Gebrauchthume die Lehre von der Allgemeinheit der Loge mit den beiden Saülen Jachin und Boaz auf eine geistreiche Art in Verbindung gebracht wird; indem auf der einen eine Vorstellung der Himmelkörper, an einem Himmelkugelbilde (globus coelestis) und auf der andern eine Karte der Wasserlandkugel dieser Erde an einem Erdkugelbilde aufgestellt wird. (Siehe Dieses ausführlich hier S. 267 f.!) — Diese Außtellung des Schauplatzes des ganzen Memchheitlebens ist echt menschheitbundlich, und, wenn sie wohlbenutzt wird, auch menschheitinnigend. — Daß diese beiden Kunstkugeln auf zwei Denksaülen ruhen, welche sich wie Mann und Weib gegenheitlich gestaltet entgegenstehen, ist ebenfalls im Geiste echtmasonischer Lehrzeichensprache; und es finden sich einzelstehende Denksaülen, ohne allen Zweck ein Gebäude zu tragen, in der Nähe der ältesten Tempel Indiens und Egyptens; zuweilen nur Eine, oft auch zwei.
Noch muß ich erwähnen, daß im Prichard und Browne auf die Gestalt der Loge noch die Frage und Antwort folgt: "Wo steht die Loge?" "Auf heiligem Grunde." Und zwar setzt Pr. (Fr. 30) hinzu: "entweder auf dem höchsten Hügel, oder im tiefsten Thale, oder im Thale Josaphat, oder an sonst einem geheimen Orte." (Vergl. hierüber die Nachricht Wren's IV, S. 291!) In gleichem Sinne antwortet Browne auf die 147ste Frage. (S. zuvor S. 212 f.!) — Doch antwortet Derselbe auf die Frage: warum die Loge auf heiligem Grunde stehe? nicht =470= wie Prichard; sondern er bestellt sich auf die drei ersten großen Opfer, (the three first grand Offerings,) welche auf demselben heiligen, geweiheten (consecrated) Grande dargebracht worden seien. (S. hier S. .182 f.!) Es würde uns zu weit führen, wenn ich mich hierüber an diesem Orte weiter erklären wollte; indeß sieht Jeder, der die geschichtlichen Umstände hinlänglich kennt, wohin dieser heilige Grand deutete.a) Wenigstens auf die =471 oben (S. 302) erwähnten Zusammenkünfte im Frieien, zumal am Johannistage, kann diese Aüßerung, sowie sie hier steht, nicht bezogen werden. Indeß mag wohl im ältesten Gebrauchthume eine ähnliche Stelle gestanden haben, die man nur später den politischen Absichten angepaßt, und dadurch völlig unkenntlich gemacht hat.
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a) Hier nur vorläufig soviel über das Thal Josaphat! Bei den Juden war es gebräuchlich, in das Thal Josaphat den Gegner vorzuladen, das heißt: an Gottes Gerechtigkeit selbst zu appelliren; und es wurden daselbst schwere Verbrecher verbrannt und auf andere Weise hingerichtet; wie mir Herr Naphthali Abraham bewiesen hat. — Was bleibt einem gestürzten König eines souverainen Volks, und seinen Anhängern, sonst noch für eine Appellation übrig? — Siehe Gerardi disc. theol. de appellatione ad supremum et incorruptum judicem Jesum Christum, quam vulgo citationem dicunt in vallem Josaphat (Wittenbergae, 1718;) worin gezeigt wird, daß sowohl die Juden, als auch die meisten römisch-catholischen Kirchenlehrer, gestützt auf die Bibelstelle: Joel 3, v. 2., annehmen, der Messias werde einst in diesem Thale das jüngste Gericht halten. Schon Hieronymus (in Joel, 3) hingegen und die neueren Bibelausleger sind der Meinung, daß Josaphat kein Eigenname sei, sondern überhaupt mystisch und symbolisch bei'm Propheten Joel den Ort des Weltgerichts anzeige. — Nach Abenesra soll es das Thal sein, worin der König Josaphat siegte; (2 Chron. 20, 1 - 3;) es lag ohnweit des toden Meeres, jenseit der Wüste Thekoa; nach Cyrillus war es nur einige Feldwege von Jerusalem. "Die Vermuthung, (sagt C. B. Schmidt in seinem Leitfaden der biblischen Geographie Th. I, S. 102,) "man habe hier das Thal zu verstehen, in welchem der König Josaphat begraben worden, ist ebenso ungegründet, und ihr widerspricht 1. Kön. 22, 51. Die Paronomasie liegt in
S. auch Reimann in s. Dissert. de valle Josaphat" im 6ten Bande der Brem. Biblioth. St. 3, S. 412, und Joel, neu übers, und erläut von Iusti; Lpz. 1792) S. 147!" Der wahrscheinliche Grund der Wahl des Thales Josaphat zum symbolischen Orte der Loge liegt in 2. Chron. Cap. 17 - 20, verglichen mit den politischen Begebenheiten des 17ten Jahrhunderts in England, und den Absichten der Königlichgesinnten. — Im Joel kommt anch noch das symbolische Würgethal vor. (Joel 3, 14.) Auch kann das Thal Josaphat zugleich wohl einen gewissen unterirdischen Ort bezeichnen, den man aus der Geschichte des Clermont'schen Hochcapitels und aus der oben (S. 344) angeführten Schrift über die Parabel der Amicitier kennen lernt; welcher Umstand aber für die reine Maurerei selbst ganz gleichgültig ist, und worüber ich einiges Wenige in der 7ten, 20ten und 35ten Bemerkung zu GM. bereits angedeutet habe.
Ehe ich mich vom länglichen Viereck trenne, erinnere ich nochmals an die schon (S. 367) bemerkte Entstehung desselben. — Die drei Stufen können wohl schon deßhalb nicht alt sein, weil sie an einer leichten, flüchtig aus Holz zusammengebauten, Bauhütte in der Regel nicht vorkommen. Dagegen finden sie sich an dem auf der dritten Kupfertafel Fig. I. dargestellten Katheder.a)
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a) Hiervon siehe B. IV, S. 440 ff.!
92ste Fr. Feßler bemerkt hierbei: "die alten freien Maurer erklärten die Maaße der Loge mit den wenigen, aber vielbedeutenden, Worten: die Freimaurerei ist allgemein; das heißt: sie ist allen Menschenständen angemessen; sie umfaßt das Eine und das All; sie ist für Zeit und Ewigkeit." — Einst wird man mit Wahrheit von dem aufblühenden Menschheitbunde sagen können: er ist allen Menschen aus allen Völkern und Ständen, aus allen Lebenaltern, Männern und Weibern, in jedem Lebenbildungstande, angemessen; er umfaßt, in Schauen Gottes, und in Vertrauen in Gott, mit seiner Werkthätigkeit die ganze Menschheit dieser Erde, und mit seinem Verstand, und Gemüthe Gottes Menschheit im Weltall.
Soll die Aussage: "von der Erde bis sum Himmel," einen vernunftgemäßen Sinn gewähren, so liegt darin ein Erweis, daß die Stifter unseres Gebrauchthumes die innere Wesenheit des Bundes, die Masonei oder Freimaurerei selbst, von den in gewisser Hinsicht zufälligen aüßeren Formen, Gebrauchthume, Lehrzeichenthume und von allen sogenannten Zunft- oder Kunstgeheimnissen (die mit der Wesenheit des Bundes in einer bloß aüßerlichen Beziehung stehen) bestimmt unterschieden. Denn gewiß werden wir in dem auf dieses Leben auf Erden nächstfolgenden Leben, welches der christliche Kirchenglaube ahnend in "den Himmel" versetzt, abgesehen von allen geschichtlich überlieferten Formen unseres Bundes, wiederum mit Geistern, und in vielleicht höherartigem Vereinleben mit der Natur, auch mit Menschen zu gesellschaftlicher Thätigkeit für das ganze Leben im Guten vereint werden. Und da =472= die ganze Menschheit dieser Erde noch im Stande der Kindheit lebt, also auch die Freimaurerbrüderschaft bisjetzt nur ein ahnender, im Erstwesenlichen unvollkommner Versuch, des Menschbeitbundes ist: so können wir leicht nach diesem Leben Mitglieder einer Menschheit werden, welche in ihrem ganzen Leben, also auch in Dem, was ohne Bild und Hülle, und über allen Bildern und Hüllen, das Eigenwesenliche der Freimaurerei ausmacht, weiter gediehen ist, als wir hier auf Erden. Der Menschheitbund ist ewig, daher für die ganze unendliche Zeit überall die erstwesenliche gesellschaftliche Aufgabe für alle Theilmenschheiten in allen Sonnbauen, in allen Himmeln, und er ist in jedem Augenblicke in allen urvielen Stufen der Ausbildung und in urvielfachen eigenleblichen Gestaltungen wirklich in dem Einen Leben der Menschheit in Gott.
93ste Frage. Da die Söhne Noah's von Ost nach West wanderten, und da Dieses Anderson, Entick und Noorthouck in dem NE. Constitutionenbuche sehr ausführlich erwähnen (siehe IV, 324 ff.!): so ist es möglich, daß in dieser und der 106ten Frage auch hierauf mit Rücksicht genommen worden ist, — Ferner steht diese Frage und Antwort mit der 106ten (vergl. Br. Fr. 208!): "wie bläßt eines Maurers Wind?" in wesenlicher Beziehung, welche durch Vergleich mit den dahin gehörigen Aüßerungen der Yorker Constitution, und unserer ersteh Kunsturkunde, (hier I, S. 22 ff., Fr. 2, 3, 4; vergl. S. 28 f., und II S. 248!) erklärbar wird. Diese Erstrekkung der Loge "in Ost und West," und die Richtung des Windes "in Ost und West" (das ist, dem Wortsinne der Urkunde nach, sowohl von Ost nach West, als auch von West nach Ost) ist zugleich einstimmig mit jenem "Reisen" oder Wandern, welches in allen Abfassungen des Gebrauchthumes des zweiten engländischen Hauptzweiges der Brüderschaft, am vollendetsten aber bei Browne, als ein wesenlicher, zugleich sinnbildich vergeistigter, Zunftgehrauch gefunden wird. Seinen geschichtlichen Grund hat dieses Wandern oder Reisen in der Loge der Baugesellschaften des Mittelalters; indem sie von einem Orte zum andern, ja oft aus einem Lande in ein sehr entferntes Land, wandern mußten, wo irgend ein Bau aufgeführt wurde. Die Vergeistigung dieses Gebrauches in Hinsicht des Ursprunges und der Ausbreitung des Masonthumes auf Erden lag sehr nahe; und da diese Vergeistigung wahrscheinlich schon weit älter ist, als die =473= Stiftung des Gesellen- und Meistergrades, so fanden die Stifter dieser masoneiwidrigen Einrichtung in diesem Reisen eine Gelegenheit, durch allerlei spielende Bestimmungen und Zusätze jedem dieser angeblichen Grade etwas Eigenthümliches zu geben, sowie sie es auch hinsichts der Griffe, Zeichen, Tritte, des Schreitens, der Schurzfelle (vergl. Constitutionbuch vom J. 1815, S. 123 f.) und der Kleinodien und Kennzeichen der Beamten, und überhaupt der verschiedenen masoneiwidrigen Rangklassen der Brüflerschaft, thaten, — Da sich jedoch dieses sogenannte Reisen, welches noch verschieden ist von dem sogenannten "Probereisen" noch mehr entarteter Logensysteme, — auf einen wahrscheinlich sehr alten, zugleich lehrbildlichen, Logengebrauch bezieht, so stelle ich hier Alles zusammen, was die mir bekannten Quellen hierüber Urkundliches enthalten.
In GM. ist nichts hieher Gehöriges, als Fr. 16 und 17, zu finden; sowenig als in Prichard's Lehrlingfragstükke: aber in Dessen Gesellenfragstükke steht Folgendes. —
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Q. Did you ever travel? A. Yes, East and West. Q. Did yon ever work? A. Yes, in the Building of the Temple. |
Fr. Reistet Ihr irgend einmal? Ant. Ja, in der Richtung von Ost und West. Fr. Arbeitetet Ihr irgend einmal? Ant. Ja, am Bau des Tempels. |
Und in dem Meisterfragstükke heißt es:
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R. Good Masonry I unerstand; The Keys of all Loges are all at my Command. Ex. You're an heroick Fellow; from whence came you? R. From the East. Ex. Where are yon going? R. To the West, Ex. What are you a going to do there?" R. To seek for that =474= which was lost and is now found. Ex. What was that which was lost and is now found? R. The Master Mason's Word. |
Antw. Gute Maurerei versteh ich. Die Schlüssel aller Logen sind zu meinem Befehle. Prüfender. Ihr seid ein kühner Geselle; woher kamet Ihr? Ant. Von Osten. Prüf. Wohin geht Ihr? Ant. Nach Westen. Prüf. Was zu thun geht Ihr dorthin? Ant. Nach Dem zu suchen, =474= was verloren was, und nun gefunden ist. Prüf. Was war Das, das verloren war, und nun gefunden ist? Ant. Des Master-Maurers Wort. |
In JB's. Gesellenlection ist obige Frage: "reistet Ihr jemals?" weggelassen, und bloß die andre: "arbeitetet Ihr jemals?" ist stehen geblieben, und mit dem Vorigen in eine andre Verbindung gebracht. Aber die Meisterlection fängt forgendermaßen an:
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Mas. Brother, where have you been? Ans. In the West. M. And where are yon going? A. To the East. M. Why do you leave the West, and go to the East? A. Because the Light of the Gospel was first shewn in the East. M. What are you going to do in the East? A. To seek for a Lodge of Masters. |
Meist. Bruder, wo sind Sie gewesen? Ant. In Westen. M. Und wohin gehen Sie? Ant. Nach Osten. M. Warum verlassen Sie den Westen und gehen nach Osten? Ant. Weil das Licht des Evangelium zuerst in Osten gezeigt wurde. M. Was zu thun gehen Sie nach Osten? Ant. Eine Meister-Loge aufzusuchen. |
Nach Browne enthält das Lehrlingfragstück 3 Fragen, welche diesen soeben aus dem Meisterfragstükke in JB. erwähnten dem Sinne nach völlig gleich sind. (Siehe zuvor S. 116 ff. Fr. 4, 5, 6 !) — Im Gesellengrade findet sich bei Br. folgendes hieher Gehörige. — Unmittelbar, nachdem die Loge im Lehrlinggrade eröfnet ist, bevor dieselbe im Gesellengrade eröfnet wird, fragt der Meister:
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B. S.W. From whence came you? From the West. Br. J.W. Where are you directing your course? To the East. Br. S.W. What induces =475= you to leave the West to travel to the East? In search of knowledge. In what science? In Geometry or the fifth Science in which Masonry is founded. |
Br. ält. Aufs. Woher kamen Sie? Aus Westen. Br. jung. Aufs. Wohin nehmen Sie Ihre Richtung? Nach Osten. Br. ält. Aufs. Was bewegt =475= Sie, den Westen zu verlassen und nach Osten zu reisen? Das Suchen nach Erkenntniß. In welche Wissenschaft? In der Geometrie oder der fünften Wissenschaft, worauf Maurerei gegründet ist. |
Nun wird die Loge als Gesellenloge eröfhet. Und im zweiten Abschnitte des Gesellenfragstükkes heißt es ferner:
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Did you never travel? Our forefathers did. Where did they travel? East and West. To what purpose? Those that travelled East, went in search of a new Lodge, and those that had gained it, travelled to the West, to propagate it to others. |
Sind Sie niemals gereist? Unsere Vorväter thaten es. Wohin reisten sie? In der Richtung Ost und West. Zu was Ende? Die, so nach Osten reisten, gingen, eine neue Loge zu suchen, und Die, welche sie gefunden hatten, reisten nach Westen, um sie an Andre fortzupflanzen. |
Ebenso wird in dem Meister fragstükke, gleich nachdem die Loge im zweiten Grade eröfnet worden, gefragt:
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Br. S.W. From whence came you? From the East. Br. S.W. Where are you directing your course? To the West. Br. J.W. What induces you to leave the East, to travel in the West? In search of those that were lost which by God's assistance, your Worship's instructions, and my own endeavours I hope to find. =476= What were those that were lost? The secrets of a Master Mason. |
Br. ält. Au-s. Woher kamen Sie? Aus Osten. Br. ält. Aufs. Wohin nehmen Sie Ihre Richtung? Nach Westen. Br. jung. Aufs. Was bewegt Sie, den Osten zu verlassen, und nach Westen zu reisen? Um Diejenigen zu suchen, die verloren waren, welche ich durch Gottes Beistand, Euer Hochwürden Anweisungen, und durch meine eignen Bemühungen, zu finden hoffe. =476= Was waren die (Dinge), die verlören waren? Die Geheimnisse eines Meistermaurers. |
Hierauf wird die Loge erst im Meistergrade erofne. In dem zweiten Abschnitte dieses Meisterfragstükkes heist es weiter:
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Good Masonry I understand; the key of this lodge and all others are or ought to be at my command. You speak boldly; from whence came you? From the East. Where are you directing your course? To the West. What induces yon to leave the East and travel to the West? In search of what were lost, which by God's assisstance, your Worship's instructions, and my own endeavours I hope to find. What were lost? The secrets of a Master Mason. How came they to the West? By three rude knocks given by three rude Ruffians, which proved the death of our Grand-Master Hiram. |
Gute Maurerei verstehe ich; der Schlüssel dieser Loge, und aller andern, ist oder sollte zu meinem Befehle sein. Sie reden kühn; von Wannen kamen Sie? Von Osten. Wohin nehmen Sie Ihre Richtung? Nach Westen. Was bewegt Sie, den Osten zu verlassen, und nach dem Westen zu reisen? Um die zu suchen, so verloren waren, welche ich durch Gottes Hülfe, Euer Hochwürden Anweisungen, und durch meine eignen Bemühungen zu finden hoffe. Welche waren verloren (gegangen)? Die Geheimnisse eines Meistermaurers. Wie kamen Sie nach Westen? Durch drei harte (rohe) Schläge, welche drei rohe Mordgesellen gaben, wodurch der Tod unseres Großmeisters Hiram verursacht wurde. |
Hierauf folgt die bekannte fabelhafte Geschichte der Ermordung Hiram-Abiff's, sowie sie sich in der Meisterlection in JB. und K. auch findet. Dann wird gesagt: =477=
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What did King Solomon next order? He ordered the same 15 loving brethren to raise our Grand-Master Hiram to a more decent interrment, knowing him to be worthy of' it, and the same time informed them that by his untimely death the secrets of a Master-Mason was inevitably lost, but as a reward for their fidelity, the first casual sign, token and word, that should occur on the grave being opened and his uprising, should be substituted in their room until futur ages should discover the right.a) |
Was ordnete König Salomon zunächst an? Er beorderte dieselben 15 liebevollen Brüder, unsern Grofemeister Hiram aufzuheben zu einer anständigeren Beerdigung; indem er wußte, daß er Deß würdig war; und zu gleicher Zeit unterrichtete er sie, daß durch seinen unzeitigen Tod die Geheimnisse eines Meistermaurers unvermeidlich verloren waren; aber, als eine Belohnung, für ihre Treue, solle das erste zufällige Merkmal, Zeichen oder Wort, welches bei der Eröfnung seines Grabes und bei seiner Aufhebung vorkommen möchte, an deren Stelle gesetzt werden, bis zukünftige Zeitalter die echten (richtigen) entdekken würden. |
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a) An diese Fabelreden kann ein ernster Sinn gekettet werden; denn es wird in dieser Erzählung zugestanden, daß das bisherige Merkmal, Zeichen und Wort eines Meistermaurers bloß zufällig (casual) sei; Welches leider wahr ist; ferner, daß es nur solange gelten solle, bis künftige Zeitalter das echte finden würden. Da nun Dieses gefunden ist ( s. I, im Vorberichte, II S. 383; höhere Vergeistigung usw. S. 53, vergl. IV. S. X. f.), so sind also jene zufälligen Dinge abzulegen.
93te Frage. "Die alten freien Maurer nahmen gern Gelegenheit, ihre Werthschätzung der kirchlichen Einrichtungen an den Tag zu legen." Feßler. (Siehe oben Abth. I, S. 101-108; S. 167, n. 52; S. 196, n. 88, und in den Bemerkungen zu der Yorker Constitution!) Schon die Yorker Constitution und die erste Kunsturkunde weisen auf den von mir erklärten, geschichtlichen und tief in der menschlichen Natur gelegnen Grund dieser Lage der Loge hin.
Noch vergleiche der Leser die Gründe, welche hierbei Browne (Fr. 116 - 120) anführt! Der daselbst erwähnte =478= dritte Hauptgrund wird dann (s. hier S. 184 ff.) auf zwei Seiten ohne Buchstaben-Chifer ausgeführt, und hat entweder gar keinen, oder einen geschichtlichen, durch Worttausch chifrirten, Sinn, welchen zu enthüllen, als der reinen Masonei gleichgültig, nicht hieher gehört.
96ste Frage. In Ansehung der drei großen Pfeiler verweise ich an das schon eben (in meinem liturgischen Fragstükke, und I, 212, n. 99 und 100) Gesagte; auch ist hierbei noch nachzulesen, wie sich dieses Lehrzeichen bei Browne (Fr. 121 ff.) behandelt findet. Ich hatte vermuthet, daß dieses Lehrzeichen weit jünger, als das der Gestalt der Loge, sei, und vielleicht von J. Jones oder Chr. Wren herrühre: allein wenn auch vielleicht die Deutung auf Weisheit, Stärke und Schönheit neuer ist, so ist mir dennoch das hohe Alter dieses Lehrzeichens durch geschichtliche Thatsachen sehr wahrscheinlich geworden, die ich in der Schlußabhandlung zu diesen weiteren Bemerkungen vorgetragen habe.
Selbst in den vom Br. Schneider (im Altenb. Const. Buche S. 145 - 149, und in dieser Schrift IV, S. 260 ff.; 356 f.; 257 ff.) mitgetheilten Bruchstükken von den Gebraüchen der Handwerkmaurer in Altenburg, und zwar in dem Examen derselben, findet sich eine Spur von der hier an die drei Pfeiler geketteten Lehre. Es heißt daselbst: "Was trägst du unter deinem Hute?" "Eine hochlöbliche Weisheit." — "Was trägst du unter deiner Zunge?" "Eine hochlöbliche Wahrheit." — "Warum trägst du einen Schurz?" "Dem ehrbaren Handwerke zu Ehren und mir zum Vortheil." — "Was ist die Stärke bei unserm Handwerke?" "Dasjenige, was Wasser und Feuer nicht verzehren kann." Freilich ist dieß Alles durch ungebildeten Zunftgeist hindurchgegangen: Wer indeß die im zweiten Bande (IV, S. 241 ff.) angeführte Stelle über den Straßburger Thurmbau (aus Schoepflini Alsatia illustrata) mit Aufmerksamkeit liest, auch des Grandidier Nachrichtena) dazu nimmt, dem wird es, sowie mir, sehr wahrscheinlich werden, =479= daß die Straßburger Hütte mit den altenglischen eine große Ähnlichkeit in Einrichtung, Liturgie und Kunstlehre gehabt habe, und daß die Entdekkung einer, der altenglischen entsprechenden, altdeutschen Freimaurerei vielleicht noch den forschenden Brüdern vorbehalten sei, welche Zeit und Gelegenheit haben, die Archive zu Straßburg, Wien und Magdeburg mit prüfendem Scharfblikke durchzugehen.a) Die in Portugal, noch aufbewahrten Urkunden über den Baub) der Kirche in Batalha möchten gleichfalls hierüber nicht geringe Auskunft geben; da sich an diesem denkwürdigen, wunderschönen und wahrhaft erhabnen Werke der Baukunst viele Spuren einer geheimen Lehre, einer geheimen Sprache, und des urformsinnigen (philosophisch-mathematischen) Geistes ihres engländischen Baumeisters, Stephan Stephanson, eingehauen finden.c)
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a) In seinen Essais historiques et topographiques sur l'Eglise Cathedrale de Strasbourg; à Strasbourg, 1782; (Esquisse du travail d'un Profane; p. 415 - 430) und auszugweise in den Briefen (Vogel's) die Freimaurerei betreffend, 2te Sammlung, S. 100 - 108 und in der Freimaurerbibliothek 1791, Stück 4, S, 6 ff.; auch im Altenb. Coustitut. Buche, S. 157 ff. Alles Dieses findet der Leset zusammengestellt in IV, 233 - 251.
a) Hiezu werden wir, durch Br. Ehrhardt in Frankfurt a. M., und eine Schrift des Herrn Boisserée gelangen; wie die in III darüber von mir mitgetheilte Nachricht zeigt.
b) Murphy erzählt, daß diese Acten noch vorhanden sind;
c) Am merkwürdigsten ist die daran sehr oft wiederholte Inschrift: Tanyas Ereo, mit gotischen Buchstaben, welche, wiewohl etwas gezwungen, von einem Portugiesen aus dem Griechischen erklärt wird: "suche und finde!" (Eine Berichtigung dieser Auslegung siehe IV, 264, a!) Sodann die Buchstaben E y zwischen 2 Globen (armillary Globes), welche, nach Plutarch, den Einen unsterblichen Gott bei den Egyptern andeuteten. — Auch finden sich daran 16 merkwürdige Zeichen, von denen Murphy glaubt, sie seien von den Aufsehern am Bau ( the Wardens of the Fabrick) an verschiedenen Orten eingehauen worden, um den Arbeitern ihre Verrichtungen anzudeuten. Ich habe diese Zeichen auf der 2ten Fig. der III. Kupferplatte abbilden lassen. Einige davon scheinen "Master," "Warden," udgl. m. anzudeuten; Andere davon haben jedoch Ähnlichkeit mit gewissen auf alten schottländischen Obelisken sich findenden Hieroglyphen. (Siehe: Remarkable Ruins etc. of North Britain; London 1795; und eine Stelle aus dieser Schrift IV, 439 - 445; und vergl. I, a); 174, Sp. b, Z. 5 v. u.! In der im 15ten Jahrh. erbauten Wallfahrtkirche zu Vierzehnheiligen bei Jena finden sich sehr ähnliche Chifern, welche in des Br. Schneiders Schrift: biographische Fragmente v. d. Churf. Margarethe (Altenb. 1800, S. 105 abgebildet stehen.) — An diesem großen Bau arbeiteten sehr berühmte Künstler aus allen gebildeten Ländern Europa's unter dem erwähnten engländischen Meister. Dieß Werk ist, bis auf die kleinsten Theile aus einerlei, dem cararischen Marmor ähnlichem, Steine aufgeführt; alle seine größten und kleinsten Theile bieten angenehme und schöne, der ionischen und corinthischen Ordnung in der gotischen Baukunst entsprechende, Verhältnisse dar, die Bildhauerarbeit =480= ist wunderbar zart und vollendet, und das Ganze frei von jener Überladung mit einzelnen Zierathen, welche die meisten gotischen Werke mehr oder weniger schänden; besonders zeigt sich eine große Freiheit und Mannigfalt im den Gewölben. Wer solche Werbe der gotischen Baukunst nicht durchsonnen hat, der sollte sich, selbst wenn er Baukünstler ist, absprechender Urtheile darüber enthalten.
Frage 97. Unsere Urkunde nennt Gott den "großen und allgemeinen Mason" (Fr. 19), und in der Bibel wird die Weisheit als Gottes Werkmeister rorgestellt.
"Da Gott dem Meer das Ziel setzte, und den Wassern, daß sie nicht übergehen, seinen Befehl; da er den Grund der Erde legte: da war ich" (die Weisheit) "der Werkmeister bei ihm, und hatte meine Lust täglich, und spielte vor ihin allezeit, und spielte auf seinem Erdboden: und meine Lust ist bei den Menschenkindern." (Vergl. 5 Mos. 33, 3!) "Warum," merkt hierbei Prediger Kellea) an, "wird die Weisheit lächelnd vorgestellt? Um dem Vorurtheile zu widersprechen, daß sie mürrisch und eine Feindin der Freude sei. Ebendeßhalb wird ausdrücklich hinzugesetzt: lächelnd sei sie auch auf der Erde unter den Menschen."
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a) Siehe: die heil. Schriften in ihrer Urgestalt (Freiberg 1815.) B. I, S. 47!
— Man sehe über den Zusammenhang der in dieser Stelle enthaltnen Lehre mit der uralten indisch-persischen Lehre von Gott als Licht und Leben, Was in der Schrift: Über Emanation und Pantheismus der Vorwelt, mit besonderer Hinsicht auf die Schriftsteller des alten und neuen Testamente" usw. (Erfurt bei Rudolphi, ohne Jahrzahl) gesagt ist! — Wie die Lehren der Bibel mit Achtung der wissenschaftlichen, lebwirkigen (praktischen) Erkenntniß, das ist der Weisheit, — übereinstimmen, zeigt unter andern der Ausspruch, welcher die erwähnte biblische Lobrede der Weisheit (daselbst, v. 35 f.) schließt: "Wer mich" (die Weisheit) "findet, der findet das Leben, und wird Wohlgefallen von dem Herrn bekommen. Wer aber an mir sündigt, der verletzet seine Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod." Wie so ganz dem Geiste der Bibel zuwider reden also Die, welche Vernunft und Wissenschaft verachten und schmähen, und in und durch diese Ungesinnung zu Gottinnigkeit zu gelangen und zu führen wähnen! — Möge dieser große Pfeiler in der Masonei bestehen, =481= end im höhergebildeten Menschheitbunde immer würde voller und schöner sich erheben! —
105te Frage. Der Beisatz: "oder die Wolken, or the clouds," findet sich auch bei Prichard (Fr. 36). — Br. Houseal erzählte mir, daß bei den Logen der alten Maurer, die er besuchte, über dem Sitze des Meisters allemal ein blauer Thronhimmel zu sehen gewesen, und darüber das Auge der Vorsehung in Stralen.
An dieses Lehrzeichen knüpft das NE. System ein neues, ihm eigentümliches, die Jacobleiter,a) welches, obgleich in seinem geschichtlichen Ursprunge der alten Maurerei fremdartig, doch so, wie es im Browne erklärt ist, viel Erwekkendes hat. Aus diesem Grunde, sowie auch deßhalb, weil die gottinnigkeitlichen Ansichten der im Jahr 1717 gestifteten Großloge darin wiedererkannt werden, empfehle ich, die Fr. 127 -135 bei Browne (vorn S. 102 ff.) nachzulesen.
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a) Bruder Keher versichert: "es habe ursprünglich mir Ein schottischer Grad existirt, der nehmlich, welcher Jacob II. wieder auf den Thron habe helfen sollen." (Dieß ist auch sonst schon völlig erwiesen) "Bei Diesem sei die Jacobleiter als Symbol angenommen gewesen; wie hierüber eine authentische Nachricht bei der Großloge in Schottland vorhanden sei." Hiervon will zwar Lawrie in seiner bloß exoterischen Geschichte der Maurerei, und der Großloge in Schottland insbesondere, Nichts wissen; allein Dieß beweist, sehr natürlich, Nichts; weil er dergleichen nicht sagen durfte. — In der Schrift: The Grand Mystery etc. wird über diese Jacobleiter gespottet.
Hier, wo sich das alt englische Lehrlingfragstück, insich wohl gerundet, schliefet, beginnt nun erst im neuenglischen Gebrauchthume, nach Prichard sowohl, als nach Browne, die diesem System eigne Bilderwelt und Lehre. Denn zwischen unsere 105te und 106ste Frage ist bei Browne ein großer Theil des vierten, und des ganzen 5ten und 6ten inhaltreichen Abschnittes (von Frage 127 bis 212) eingeschaltet. Im Prichard stehen Fragen unseres alten Lehrfragstükkes mit Fragen des neueren bunt und planlos durcheinander; im Browne aber bemerkt man darin eine lehrgangliche Ordnung, die schon durch das Abtheilen in sechs Abschnitte angekündigt wird, welche Preston in seinen Illustrations (Ausg." 1793 und 1812) so genau kennzeichnet, daß man, Browne's Master Key in der Hand, von Frage zu Frage, mit Preston's Beschreibung dieser Abschnitte übereinstimmig, =482 fortgehen kann.a)
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a) Hiervon kann sich nun jeder Leser selbst überführen, da ich in der Bearbeitung des Lehrlinggrades aus Browne's Master Key jedem Abschnitte den Inhalt aus Preston's Illustrations (1812) habe Vordrucken lassen.
Auch Hutchinson's Geist der Maurerei stimmt mit Browne und Preston ganz überein. — Rechnet man die sehr häufigen Anspielungen auf die großmeisterliche, dem Urbilde der Masonei, sowie der ältesten echtüberlieferten Verfassung des Masonbundes widerstreitende Verfassung dieser Loge ab: so findet sich in diesem eigenthümlichen Theile der neuenglischen Lehrlinglection viel Gutes und Herzerhebendes, im Geiste der reinen Masonei Gedachtes und Empfundenes;b) nur geht derselben die kunstwesenliche Rundung ab, welche die altenglische zu einem in seinei Art und Beschränkung vollständigen Ganzen macht. Dieses zeigt schon der Gang des neuenglischen Lehrfragstükkes, sowie ich ihn (vorn S. 87 ff.) überschaubar dargestellt habe. —
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b) Was ich von der neuenglischen Maurerei Rühmliches sage, das bezieht sich indeß nur auf ihren ersten Grad. Auch auf die sogenannte Royal Arch-Maurerei (s. S. 318, 343!) kann ich in gegenwärtiger Schrift keine Rücksicht nehmen. Sie ist, sofern sie etwa in Einzeldingen einigen Werth haben könnte, auch nur eine Ausführung eines einzelnen Lehrzweiges der im Lehrlinggrade enthaltenen allumfassenden Kunstlehre; und nur nach dem Maßstabe der Letztem ist sie zu messen und zu würdigen.
Bei der 106ten Frage vergleiche man Browne's Fr. 208 - 210, und Prichard's Frage 91! — Mit diesen Fragen bricht das Fragstück, obgleich im Ganzen wohl gerundet, dennoch im Einzelnen, vielleicht mit Absicht, wunderlich und rathselhaft, ab.
107te - 108te Frage. Vergleiche hierüber die vom S. 250 ff. mitgetheilte neuenglische Art, die Brüder zur Erholung zu berufen, und die Loge zu schließen!
Auch nach Browne wird, vor Schluß der Loge, der Lehrlinggesang, wie oben I, 272 f., nach einer alten, muntern Melodie angestimmt, welche mir Br. Houseal mitgetheilt hat, und von der noch älteren in Anderson's Constitutionenbuche vom J. 1723 abgedruckten verschieden ist. Dieser Gesang ist auch in Schottland (siehe Lawrie's Geschichte S. 224!) und in Irland gebräuchlich; nicht nur bei Aufnahmen, sondern auch bei feierlichen Aufzügen vor dem Volke.
Über den schönen Gebrauch der Kette,c) die währendes =483= Lehrlinggesanges geschlossen, wird, habe ich schon oben (S. 275 ** u. S. 353) gesprochen. M. beschreibt die Kette so: "der Bruder rechter Hand nimmt mit seiner rechnen Hand des linkseitigen Bruders linke Hand, und der linkseitige Bruder nimmt des rechtseitigen Bruders linke Hand, wie eine Kette mit Gleichen." — Daraus, daß die Kette in unserem Fragstükke nicht erwähnt wird, kann übris nicht geschlossen werden, daß sie neueingeführt sei, oder durch das Nichterwähnen für unwesenlich erklärt werde. Denn wir sehen, daß in derselben nur der Vorgang der Aufnahme und die Erklärung Dessen, was mit dem Aufnahmlinge selbst vorgenommen wird, enthalten ist; indem sogar nicht einmal das Gebrauchthum des Eröfnens und Schließens der Loge darin erklärt ist.
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c) Diese Kette wurde ebenso von den Mitgliedern des Stephani-Ordens in Pilgerruh geschlonen. Siehe: Zuverlässige =483= Beschreibung des nunmehr ganz entdeckten Ehegeheimnisse usw., mit mehreren Nachrichten über die Lehre, Lebensart usw. der Mährischen Brüdergemeinde, von Josch. Bothen (2 Theile, Berlin, 1751, 8vo); woselbstl die Kette genau so, wie sie oben M. beschreibt, abgebildet ist.
Für ebenso alt und echt halte ich den Gebrauch, vor dem Schlüsse der Loge die anwesenden Brüder zu fragen: "ob irgend Einer Etwas zum Besten der Freimaurerei, oder dieser Loge insonderheit, zu erinnern habe?" Ja ich erkenne in diesem Gebrauche eines der ersten Heiligthümer der Brüderschaft. Gleichwohl ist in keiner mir bekannten englandischen Lecture diese amtliche Frage erwähnt.
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Die Abhandlung: über die geschichtliche Beziehung des altmasonischen Gebrauchthumes und Lehrzeichenthumes zu den Lehrbegriffen der Inder, Perser, Egypter, Gnostiker usw., nach Anleitung der druidischen und culdeischen Denkmale in den britischen Inseln, worauf ich mich hier S. 404, 429, 462, 467, 478 bezogen habe, und welche diese Abtheilung zu schließen bestimmt war, soll in die erste Abtheilung des zweiten Bandes mitaufgenommen werden, wo sie einen wesenlichen Theil der bereits in der ersten Ausgabe (im ersten Bande S. 462 - 505 ) enthaltenen, und im Vorigen (I, S. XVII, und II, S. 25) erwähnten, Würdigung des masonischen Gebrauchthumes ausmachen wird.
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Die vor mir in den Jahren 1808 und 1809 gehaltenen Logenvorträge, deren zweite, um 8 Vorträge vermehrte, Ausgabe im Jahr 1811 unter dem Titel: Höhere Vergeistigung der echtüberlieferten Grundsymbole der Freimaurerei, erschienen ist, haben folgenden Inhalt.
I. Kurze Darstellung des Wesens und der Bestimmung der Freimaurerei und der Freimaurerbrüderschaft aus ihren beiden ältesten Urkunden.
II. Entwikkelung des Wesens und der Bestimmung der Freimaurerei und der Freimaurerbruderschaft aus ihren ältesten Symbolen.
III. Belehrungen über den Sinn der maurerischen Symbole aus ihrer Beziehung auf das Wesen und die Bestimmung der Freimaurerei.
V. Über das Wesen und die Bestimmung der Freimaurerei und der Freimaurerbrüderschaft, nach Anleitung der alten Pflichten (old charges).
VI. Einige Blikke auf die Bestimmung und auf das Leben des Meistermaurers im Geiste der Menschheit.
VII. Lehren, an den neuaufgenommenen Meistermaurer.
VIII. Vergeistigung der drei großen Lichter in der Freimaurerei.
IX. Vergeistigung der drei kleineren Lichter in der Freimaurerei.
X. Vergeistigung des rechtwinkligen länglichen Vierekkes, als des Symboles der Gestalt der Loge.
XI. Verstigung der drei großen Pfeiler, welche die Loge tragen.
XII. Vergeistigung des Brudernamens.
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Die gleichfallt von mir herausgegebne und größtentheils verfaßte Zeitschrift: Tagblatt des Menschheitlebens, Erstes Vierteljahr, nebst einem literarischen Anzeiger (Dresden in der Arnoldischen Buchhandlung und bei dem Herausgeber, 1811, 313 Seiten in 4.) ist größtentheils menschheitbundlichen und reinmasonischen Inhaltes. — In wesenlicher Beziehung auf die vorliegen Schrift stehen besonders folgende in dieser Zeitschrift mitgetheilte Abhandlungen. 1) Der Menschheitbund (in N. 2); welche kurze Abhandlung zugleich als Inhaltsangabe der 2ten anzusehen ist, welche den Titel führt: Entfaltung und urbildliche Darstellung der Idee des Menschheitbundes vom Standorte des Lebens aus (auf 6 Bogen). 2) Den Zweck und die Bedeutung dieser Abhandlung habe ich in vorliegender Schrift (I, S.LXXIV, N.2.) erklärt. 3) Die Hofnung, daß die Menschheit dieser Erde stetig im Guten fortschreite, beruht auf festen allgemeinfaßlichen Gründen (auf 3 Bogen). 4) Der Glaube an die Menschheit (N. 1 ). 5) Versuch, die Gebote der Menschlichkeit an den Einzelmenschen auszusprechen; nebst Erlaüterungen (N. 19). 6) Wahlspruch der Menschlichgesinnten (N. 5) 7) Ein getreuer Auszug aus des Amos Comenius Schrift: Allerwekkung oder Panegarsie (auf 3 Bogen).
Die wissenschaftlichen Abhandlungen dieser Zeitschrift über: Religion, Recht und Staat; über die wissenschaftliche Begründung, Berichtigung und Neugestaltung der Mathematik; über Geographie, Sprache überhaupt und deutsche, sowie über die sinische Sprache insbesondere, über den Wissenschaftbund und über Musik, sind einzelne Darstellungen aus meinem (hier II, S. 376 f. erwähnten) Wissenschaftgliedbaue, oder Systeme der Wissenschaft. Dresden, am 7ten Wintermonates 1818.
Krause.
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Nachricht.
Der zweite und letzte Band dieses Werkes wird ebenfalls aus zwei Abtheilungen bestehen, und bestimmt zu Michael 1820 erscheinen."
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Anweisung für den Buchbinder.
Erste Abtheilung. Titel. Dedication. Zwei Bogen. (S. 1 - 32, *, **, *'*") Zweck und Inhalt. Vorbericht zur ersten Ausgabe, und Lehrfragstück, Bogen 1 - 12, S. I - CLXXXIV. Die drei ältesten Kunsturkunden, Bogen a - x, S. 1- 324. Die beiden Kupfertafeln, so daß man sie zugleich sehen kann, zwischen S. 238 und 239.
Zweite Abtheilung, Titel derselben. Bogen a - hh; S. 1- 483. Verbesserungen.
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« Die zweite Gestalt dieser Urkunde.Über Geheimsein und Offenbarsein. »
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« Einführung und Leitfaden zur ÜbersetzungIntroduction and Guide to the Translation »
« Zwekke dieses WerkesKrause's Purpose and Main Index »
« Inhalt - 1ten Abtheilung des ersten BandesContents - Section 1 - Volume 1 »
« Inhalt - 2ten Abtheilung des ersten BandesContents - Section 2 - Volume 1 »
« Inhalt - 1ten Abtheilung des zweiten BandesContents - Section 1 - Volume 2 »
« Inhalt - 2ten Abtheilung des zweiten BandesContents - Section 2 - Volume 2 »